Schlingensiefs OperndorfGeschenk mit Langzeitwirkung

Die Witwe des Universalkünstlers Christoph Schlingensief verspricht, sein Operndorf in Burkina Faso in aller Ruhe zu vollenden. Dazu bildet sich ein neues Kompetenzteam.

Aino Laberenz, die frühere Lebensgefährtin Schlingensiefs, mit dem Architekten Francis Kéré während der Pressekonferenz in Berlin

Aino Laberenz, die frühere Lebensgefährtin Schlingensiefs, mit dem Architekten Francis Kéré während der Pressekonferenz in Berlin

Das Erste, was sie und ihr Mann Christoph Schlingensief in Burkina Faso gelernt hätten, sagt Aino Laberenz: dass man ein Geschenk nicht allzu schnell übergeben solle. Denn das bedeute, dass man sich auch schnell wieder verabschieden könne. Genau so soll es aber nicht gehen mit dem geplanten Operndorf in Burkina Faso, verspricht die Witwe des 2010 gestorbenen Regisseurs und Universalkünstlers, als sie in Berlin eine Pressekonferenz zur Zukunft des Projekts gibt.

Man wolle das Ding nicht einfach so hinstellen und abhauen. Das Operndorf soll ein Organismus sein, kein Denkmal, eher ein Gefäß, eine Plastik. Ohne Schlingensief, der im vergangenen Jahr nur noch den Grundstein legen konnte, bildet sich nun ein neues Kompetenzteam, zu dem die Politikerin Antje Vollmer, der Anwalt Peter Raue, die Theaterintendanten Amelie Deuflhard und Matthias Lilienthal gehören.

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Der Architekt Francis Kéré berichtet, wie aus Blech, Lehm und Bewegungseisen schließlich Kunst entstehe. Er erzählt von den Fortschritten: dass im Herbst bereits die ersten Kinder eingeschult würden. Dass es noch lange dauern werde, bis das Projekt abgeschlossen sei. Zunächst werden nämlich Schule und Wohnungen gebaut, schneckenhausförmig nähere man sich dann über Büros, Kantine und Sportplatz dem im Zentrum der Anlage wie eine Iris leuchtenden Festspielhaus.

»Polis und Spirit«, sagt Peter Raue dazu. Das ist zur Hälfte Latein, Schlaubi Schlumpf meint mit Polis das Dorf als Stadtstaat, als großes Gemeinwesen. In diesem Zusammenhang wirkt sogar Antje Vollmer putzig. Ihr geht es um Bewahrung der eigenen Identität in einer – Sie wissen schon – globalisierten Welt.

Von hier aus betrachtet, ist es eine gigantische Vision, die da umgesetzt wird, die Utopie eines Ortes, an dem Kunst Leben retten wird. Es ist so einfach. Es gibt dafür sogar ein Spendenkonto!

 
Leserkommentare
  1. Sehr geehrter Redaktor,
    was Sie meinten heisst : Bewehrungseisen

    • tabe
    • 09.02.2011 um 23:36 Uhr

    Das ist ja auch das ganze Event, ernst kann das keiner nehmen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Hoffe sie müssen dafür kein Schiff über den Berg ziehen.

  3. Machen Sie einen besseren Vorschlag.

  4. Jeder, der Schwarzafrika aus eigenem Erleben kennt, weiß, was man dort wirklich braucht.

    Das Projekt "Fitzcarraldo im Busch", so reizvoll es seinem ungewöhnlichen Ansatz auch scheinen mag, dient in erster Linie der Selbstverewigung der Urheber.

    Den Schwarzen und ihren Lebensverhältnissen, für die Musikgattung Oper letztlich eine Art europäischer Kulturimport ist, gewiss nicht. Ihre eigene Kultur wird sicher nicht am Wesen der Ersten-Welt-Oper genesen.

    Anmerkung:

    Das Kinshasa Sinfonieorchester hat aus afrikanischen Mitteln nicht einmal die Möglichkeit, gerissene Saiten für die Streicher zu kaufen. Spenden bitte an:

    http://www.oskimbangu.org...

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    Auf der einen Seite bitten Sie für das Kinshasa Orch. um Spenden, auf der anderen Seitet warnen Sie vor Kulturimport. Das Kinshasa Orch. spielt aussschliesslich Beethoven. Und sie spielen es deshalb, weil sie es lieben. Also was jetzt? Kein Beethoven, kein Wagner, kein Nichts in Afrika oder dürfen "die" dort auch hören, spielen und genießen was sie wollen. Ein wenig Lebensfreude in Form von Musik, Gesang whatever, egal woher es kommt? Auf einem Kontinent, dessen Rituale so tief in der Musik verwurzelt sind. Wären es Medikamente, dann wäre es wieder ok? Diese Einstellung ist arrogant ud typisch für den Westen und kommt in der Regel von Leuten, die nicht mal ansatzweise eine Ahnung von diesem Kontinent und seinen Menschen haben. Setzen 6!

    Auf der einen Seite bitten Sie für das Kinshasa Orch. um Spenden, auf der anderen Seitet warnen Sie vor Kulturimport. Das Kinshasa Orch. spielt aussschliesslich Beethoven. Und sie spielen es deshalb, weil sie es lieben. Also was jetzt? Kein Beethoven, kein Wagner, kein Nichts in Afrika oder dürfen "die" dort auch hören, spielen und genießen was sie wollen. Ein wenig Lebensfreude in Form von Musik, Gesang whatever, egal woher es kommt? Auf einem Kontinent, dessen Rituale so tief in der Musik verwurzelt sind. Wären es Medikamente, dann wäre es wieder ok? Diese Einstellung ist arrogant ud typisch für den Westen und kommt in der Regel von Leuten, die nicht mal ansatzweise eine Ahnung von diesem Kontinent und seinen Menschen haben. Setzen 6!

  5. "Die Witwe des Universalkünstlers Christoph Schlingensief verspricht, sein Operndorf in Burkina Faso in aller Ruhe zu vollenden."

    Ich liebe diese Projekt und werde es weiter unterstützen,
    und bin überzeugt,die Menschen vor Ort werden es auch lieben.Es stellt für mich einen Liebesbeweis von Schlingensief dar an die Kunst und an das Land und die Menschen .Wer darin nichts weiter sieht wie, Zitat:"dient in erster Linie der Selbstverewigung der Urheber"
    hat nichts verstanden vom Leben.

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  6. Auf der einen Seite bitten Sie für das Kinshasa Orch. um Spenden, auf der anderen Seitet warnen Sie vor Kulturimport. Das Kinshasa Orch. spielt aussschliesslich Beethoven. Und sie spielen es deshalb, weil sie es lieben. Also was jetzt? Kein Beethoven, kein Wagner, kein Nichts in Afrika oder dürfen "die" dort auch hören, spielen und genießen was sie wollen. Ein wenig Lebensfreude in Form von Musik, Gesang whatever, egal woher es kommt? Auf einem Kontinent, dessen Rituale so tief in der Musik verwurzelt sind. Wären es Medikamente, dann wäre es wieder ok? Diese Einstellung ist arrogant ud typisch für den Westen und kommt in der Regel von Leuten, die nicht mal ansatzweise eine Ahnung von diesem Kontinent und seinen Menschen haben. Setzen 6!

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