Typisch Natur: Wenn der Mensch denkt, er hätte sie ein für alle Mal überlistet, schlägt sie zurück. Den Winter samt wohlverdientem Wintersport dachten wir endlich – dank Schneekanonen, Kunstschnee und integriertem Schneemanagement – im Griff zu haben, da reanimierte die Natur mal eben die tot geglaubte Frau Holle und überschüttete das Land mit Naturschneemassen.

Doch kaum hatten wir uns an weiße Dächer in Hamburg und Bremen gewöhnt, wurde es so warm, dass die weiße Pracht auch in vielen Skigebieten komplett dahinschmolz – und nicht durch Kunstschnee zu ersetzen war. Denn Schneekanonen brauchen Temperaturen unter minus vier Grad, um zu funktionieren.

Seit ein paar Tagen allerdings ist alles wieder gut. Das bedrückende Schweigen der Schneekanonen ist beendet, die Pisten von Lenggries bis zur Wasserkuppe bedeckt wieder eine prima Schicht ordentlichen Kunstschnees. Endlich können wir uns hemmungslos freuen auf einen bevorstehenden Geburtstag: Am 12. März wird der Kunstschnee 75!

Sein Vater ist der Experimentalphysiker Ukichiro Nakaya, der in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts als junger Assistenzprofessor bei der dürftig ausgestatteten Universität Hokkaido angestellt war. Nur eins stand ihm unbegrenzt zur Verfügung – Schnee vor der Tür. Also beschloss er, Schneeforscher zu werden.

Nakaya begann, die einzelnen Flocken unterm Mikroskop zu untersuchen. 3000 Exemplare beschrieb, fotografierte und systematisierte der Forscher. Bei der Arbeit erfasste ihn zunehmend Begeisterung über die Schönheit seiner Forschungsobjekte, und er notierte: »Schneeflocken sind Buchstaben, die uns der Himmel schickt.«

Doch das Geschenk des Himmels genügte ihm nicht. Nakaya wusste, dass Schneeflocken entstehen können, wenn Wasserdampf plötzlich abgekühlt wird. Und er entdeckte, dass die Wassertröpfchen am besten auf den Spitzen der Haare eines Kaninchenfells kristallisieren. Am besagten 12. März 1936 gelang es ihm als erstem Menschen und nach vielen Fehlversuchen, auf einer Haarspitze eine Schneeflocke zu züchten.