Neuropsychologie Lernen, mit dem Leiden umzugehen

Bei chronischen Schmerzen spielt auch die Psyche eine Rolle. Ein Gespräch mit dem Neuropsychologen Stefan Schmidt über den Nutzen eines Achtsamkeitstrainings.

DIE ZEIT: Herr Schmidt, Sie erforschen in Freiburg »andere Zugangswege zu chronischem Schmerz«. Welche Patienten kommen zu Ihnen?

Stefan Schmidt: Viele der Patienten, die an unseren Studien teilnehmen, haben oft eine jahrelange Odyssee hinter sich. Sie waren beim Hausarzt, bei diversen Fachärzten, haben ihren Schmerz mit Tabletten oder Spritzen bekämpft, haben sich zum Teil mehrfach operieren lassen. Und sie haben stets gehofft, dass der nächste Arzt irgendein Wundermittel findet, um ihre Schmerzen wegzublasen – nur ist dieses Wunder nie eingetreten.

Stefan Schmidt

Der Psychologe Stefan Schmidt leitet am Universitätsklinikum Freiburg den Forschungsschwerpunkt Meditation, Achtsamkeit und Neurophysiologie. Zudem lehrt er an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Komplementärmedizin für approbierte Ärzte


ZEIT: Und Sie vollbringen nun dieses Wunder?

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Schmidt:(lacht) Eben nicht. Im Gegenteil. Wir brechen als Erstes mit der Erwartung, man könne sein Leiden bei einem Halbgott in Weiß abgeben, der einem sagt: »So und so machen wir das, und dann wird alles gut.«

ZEIT: Was bieten Sie stattdessen an? 

Schmidt: Wir bieten Kurse in »Achtsamkeitsbasierter Stressbewältigung« an, einer Methode, die von dem Mediziner Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde und heute in vielen Therapiezentren zum Einsatz kommt. Dabei lernen die Patienten vor allem einen anderen Umgang mit ihrem Schmerz. Denn der Punkt ist: Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Derselbe körperliche Stimulus kann mal als mehr, mal als weniger unangenehm und schmerzhaft erlebt werden. Wir verfügen über ein ausgefeiltes Netzwerk der Schmerzverarbeitung im Gehirn, das bestimmt, wie wir Schmerz wahrnehmen und wie wir darunter leiden.

ZEIT: Wer sich freiwillig tätowieren oder piercen lässt, leidet weniger?

Schmidt: Das ist ein gutes Beispiel. Man erfährt zwar in einem Tattoo-Studio Schmerzen. Aber erstens werden diese erwartet, zweitens läuft das in einem kontrollierten Rahmen ab, und drittens bekommt man hinterher eine Belohnung, das Tattoo. All das sorgt dafür, dass der Schmerz als weit weniger schlimm empfunden wird als ein Stimulus, den man nicht selbst kontrolliert. Würde man zum Beispiel gefesselt und zwangstätowiert, würde man das als sehr viel schmerzhafter erleben. Der psychologische Aspekt ist ganz entscheidend.

Leser-Kommentare
  1. Schön, daß die Wissenschaft das auch endlich erkennt ;-) Stoppt Tierversuche! Stoppt Massentierhaltung! Stoppt den Verkauf der Welt! Stoppt Politiker die von Humankapital reden ....
    Stoppt die Vernichtung von Hanf - nutzt es endlich! (anstatt GenKartoffeln wie Amflora anzubauen, die nicht zum Verzehr geeignet sind; was für ein Irrsinn, armes Sachsen)

    Achtsamkeit verlangt Zeit/Aufmerksamkeit/Hingabe/Offenheit/Ehrlichkeit (mit sich selbst u.anderen) und schafft Liebe/Harmonie/Vertrauen/Integration in einem selbst und mit/im/seinen L(i)eben! ;-)
    http://de.wikipedia.org/w...

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  2. zum Thema Achtsamkeit und Menschenrechte ;-)

    "I would like to say that the very root of respect for human rights and nonviolence is love and kindness to others"

    His Holyness hat wie so oft Recht und dem kann ich mich nur mal wieder anschliessen :-)

  3. Ja, es wird Zeit, dass wir Menschen endlich begreifen, dass der Geist das Primat hat. Nur so werden wir alle unsere Probleme lösen können.
    Wer offen ist Vorurteile, die aus einer Ideologie gewordenen Naturwissenschaft zu überwinden, ist hier gut beraten:
    http;//geheimnisdesmenschen.blogspot.com/
    und hier:
    http://der-philosoph.cms4...

  4. Soweit die Theorie.

    Sein wir doch einmal ehrlich: Chronisch Kranke sind die sicherste Einnahmequelle mit dem geringsten Risiko eines tödlichen Vorfalles, der an dem "Gott in Weiss" Glauben rütteln könnte.

    Viel spannender wäre also ein Artikel, der sich ausführlich mit dem Interessenkonflikt (Profit vs Heilen) von Ärzten und den direkten und indirekten Konsequenzen auseinandersetzt.

    In dem Zusammenhang sollte man dann diskutieren, warum es so viele Schmerzpatienten gibt, die aus dem "Stress - Schmerz - Medikamente - Schmerz - mehr Medikamente - Verhaltensänderung - Schmerz - noch mehr Medikamente - Abhängigkeit - Schmerz - Morphium" Kreislauf nicht ausbrechen können, und warum die meisten Ärzte diesen Kreislauf direkt oder indirekt unterstützen... und warum die Familie eigentlich nur hilflos zusehen kann, da ihre Meinung weniger wiegt als die Meinung der Experten.

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    Leider haben sehr viele Patienten eine sehr passive Haltung. Sie wollen mit einem möglichst geringen Aufwand und sehr passiv von außen von ihrem Leid befreit werden. Da passen Pillen und Injektionen gut zu dieser Erwartung. Typisch ist auch die Frage nach Massagen statt nach Krankengymnastik. Sport, Gewichtsreduktion, Verzicht auf Genussmittel, achtsamkeitsbasiertes Training werden i. R. der Beratungen oft angesprochen. Z. T. aber mit den absurdesten Behauptungen abgelehnt wie z. B.: "Ich esse nicht zu viel, das sind die schweren Knochen..." Oder aber:"Zahlt das die Krankenkasse?"
    Solange in dieser materialistisch durch stete Verführung zum Konsum orientierten Umgebung solcherlei Abwehr in vielen Köpfen vorherrscht, können sanft heilende Methoden, die stets den persönlichen Einsatz der Leidenden erfordern, nicht greifen.
    Übrigens, die Aufgabe des Arztes ist es nicht zu heilen, der Arzt behandelt: Medicus curat, natura sanat (Hippokrates).
    Angebote zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion werden wegen des Zeitaufwandes, der nötigen Eigenarbeit und des materiellen Eigensatzes als eine Zumutung abgelehnt. Den Ärzten wäre ein kooperierender, aktiver Patient sicher lieber, als der übliche in passiver Erwartung verharrende Leidende.

    Leider haben sehr viele Patienten eine sehr passive Haltung. Sie wollen mit einem möglichst geringen Aufwand und sehr passiv von außen von ihrem Leid befreit werden. Da passen Pillen und Injektionen gut zu dieser Erwartung. Typisch ist auch die Frage nach Massagen statt nach Krankengymnastik. Sport, Gewichtsreduktion, Verzicht auf Genussmittel, achtsamkeitsbasiertes Training werden i. R. der Beratungen oft angesprochen. Z. T. aber mit den absurdesten Behauptungen abgelehnt wie z. B.: "Ich esse nicht zu viel, das sind die schweren Knochen..." Oder aber:"Zahlt das die Krankenkasse?"
    Solange in dieser materialistisch durch stete Verführung zum Konsum orientierten Umgebung solcherlei Abwehr in vielen Köpfen vorherrscht, können sanft heilende Methoden, die stets den persönlichen Einsatz der Leidenden erfordern, nicht greifen.
    Übrigens, die Aufgabe des Arztes ist es nicht zu heilen, der Arzt behandelt: Medicus curat, natura sanat (Hippokrates).
    Angebote zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion werden wegen des Zeitaufwandes, der nötigen Eigenarbeit und des materiellen Eigensatzes als eine Zumutung abgelehnt. Den Ärzten wäre ein kooperierender, aktiver Patient sicher lieber, als der übliche in passiver Erwartung verharrende Leidende.

  5. bei google mit dem "Erfinder" jon kabat zinn:

    http://www.youtube.com/wa...

    ansonsten nach mindfulness googlen.

  6. Leider haben sehr viele Patienten eine sehr passive Haltung. Sie wollen mit einem möglichst geringen Aufwand und sehr passiv von außen von ihrem Leid befreit werden. Da passen Pillen und Injektionen gut zu dieser Erwartung. Typisch ist auch die Frage nach Massagen statt nach Krankengymnastik. Sport, Gewichtsreduktion, Verzicht auf Genussmittel, achtsamkeitsbasiertes Training werden i. R. der Beratungen oft angesprochen. Z. T. aber mit den absurdesten Behauptungen abgelehnt wie z. B.: "Ich esse nicht zu viel, das sind die schweren Knochen..." Oder aber:"Zahlt das die Krankenkasse?"
    Solange in dieser materialistisch durch stete Verführung zum Konsum orientierten Umgebung solcherlei Abwehr in vielen Köpfen vorherrscht, können sanft heilende Methoden, die stets den persönlichen Einsatz der Leidenden erfordern, nicht greifen.
    Übrigens, die Aufgabe des Arztes ist es nicht zu heilen, der Arzt behandelt: Medicus curat, natura sanat (Hippokrates).
    Angebote zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion werden wegen des Zeitaufwandes, der nötigen Eigenarbeit und des materiellen Eigensatzes als eine Zumutung abgelehnt. Den Ärzten wäre ein kooperierender, aktiver Patient sicher lieber, als der übliche in passiver Erwartung verharrende Leidende.

    Antwort auf "Der Arzt Dein Dealer"
  7. Ich darf Sie kurz zitieren und dann eine Frage stellen:
    "Sobald man Begriffe wie Achtsamkeit oder Meditation benutzt, glauben viele Menschen, man wolle esoterisches Gedankengut vermitteln und sie sektenartig indoktrinieren."

    Ist achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung überhaupt abkoppelbar von den zentralen, philosophischen Ideen des Buddhismus? M. E. kommt ein Meditand nicht um die Frage des Leerheitsbegriffes, der liebevollen Güte, der Desillusionierung von Selbst und Ich herum. Diese Begriff sind m. E. mitnichten esoterisch sondern im besten Sinne exoterisch.

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    @dborrmann

    Wenn Sie in Ermangelung eigener empirischer Befunde noch "..m.E.." schreiben müssen, dann nehmen Sie doch einfach mal zwei Stecknadeln und desinfizieren Sie sie ordentlich, bevor Sie sich diese dann in die Oberschenkel stecken und für 3 Jahre, bei regelmäßiger Desinfektion, drin lassen und ebenso regelmäßig joggen gehen.

    Das ist medizinisch und "Schemerztechnisch" harmlos, aber wie gut man sich damit einem "Leerheitsbegriff" buddistisch oder sonstwie philosophisch nähern kann, das wissen Sie dann auch in etwa. Aber doch etwas genauer als nur "in etwa".

    Falls die Stecknadeln zu Entzündungen führen, lassen Sie sie einfach drin und versuchen mal die vom Markt genommenen VIOXX, falls sich die auftreiben lassen.

    Ich weiß nicht genau was der Artikel bezwecken möchte, noch weiß ich was auf die seichten Pauschalierungen zu schreiben die der Herr Schmidt da kundtut. Psyche ist immer, auch wenn man keine Schmerzen hat. Für eine relevante Weißheit zum Thema halte ich das allerdings genauso wenig wie die Tatsache das Schmerzen was mit Psyche zu tun haben.

    @dborrmann

    Wenn Sie in Ermangelung eigener empirischer Befunde noch "..m.E.." schreiben müssen, dann nehmen Sie doch einfach mal zwei Stecknadeln und desinfizieren Sie sie ordentlich, bevor Sie sich diese dann in die Oberschenkel stecken und für 3 Jahre, bei regelmäßiger Desinfektion, drin lassen und ebenso regelmäßig joggen gehen.

    Das ist medizinisch und "Schemerztechnisch" harmlos, aber wie gut man sich damit einem "Leerheitsbegriff" buddistisch oder sonstwie philosophisch nähern kann, das wissen Sie dann auch in etwa. Aber doch etwas genauer als nur "in etwa".

    Falls die Stecknadeln zu Entzündungen führen, lassen Sie sie einfach drin und versuchen mal die vom Markt genommenen VIOXX, falls sich die auftreiben lassen.

    Ich weiß nicht genau was der Artikel bezwecken möchte, noch weiß ich was auf die seichten Pauschalierungen zu schreiben die der Herr Schmidt da kundtut. Psyche ist immer, auch wenn man keine Schmerzen hat. Für eine relevante Weißheit zum Thema halte ich das allerdings genauso wenig wie die Tatsache das Schmerzen was mit Psyche zu tun haben.

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