Dresden Freie Bahn

Dresden hat es den Rechtsextremisten unfassbar leicht gemacht, die Stadt und ihren Gedenktag zu vereinnahmen.

Europas größter Aufmarsch von Rechtsextremisten hat klein begonnen: Zu siebt, rühmt sich der heutige NPD-Mann Holger Szymanski, seien sie 1996 oder 1997 vom Hauptbahnhof über die Prager Straße zur Frauenkirchenruine gezogen. Er war gerade zum Jurastudium aus Görlitz nach Dresden gekommen und hatte den sächsischen Landesverband der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) mitgegründet. Wenn der Mann, der inzwischen Chefberater der NPD-Landtagsfraktion ist, von den Anfängen der Nazi-Demos erzählt, klingen sie wie harmlose Schulbubenstreiche. Mal habe man sich am 13. Februar unter die Trauernden auf dem Altmarkt gemischt und die Vertreibungen aus den Ostgebieten nachgestellt, mal einen Sarg über den Platz getragen. Die ersten Demonstranten habe wegen all der Polizisten ringsum wohl kaum ein Dresdner erblickt.

Seit einigen Jahren sind die »Trauermärsche« unübersehbar, Tausende Neonazis aus dem In- und Ausland nehmen teil. Das habe sich irgendwie so ergeben, heißt es aus der Szene. Doch das rasante Wachstum der Aufmärsche war kein Zufall: Einerseits agierten die Rechtsextremen geschickt. Andererseits ließ die Stadtverwaltung ihnen freie Bahn, und die Formen des Dresdner Gedenkens boten reichlich Gelegenheit zum Andocken.

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Bereits 1990 kam der britische Holocaust-Leugner David Irving zu einem Vortrag in den Kulturpalast, präsentierte seine überhöhten Opferzahlen als »geschichtliche Wahrheit«, Hunderte Zuhörer applaudierten. 1991 und 1992 reiste der damalige NPD-Chef Günter Deckert an und verteilte zum Jahrestag der Bombardierung revisionistische Flugblätter. »Die Aktion wurde von den Dresdnern freundlich aufgenommen«, erinnert er sich. Kein Wunder, Irving und Deckert und alle ihre rechtsextremen Nachfolger bedienen das weit verbreitete Geschichtsbild einer »unschuldigen Kunst- und Kulturstadt«, die »sinnlos zerstört« worden sei. Dieser Mythos wurde 1945 noch von Goebbels’ Reichspropaganda etabliert, in der DDR übernommen und ist bis heute präsent.

Die Stadt genehmigte gar eine Route nahe der 1938 zerstörten Synagoge

In Wahrheit war Dresden ein wichtiger Eisenbahnknoten, beheimatete Rüstungsbetriebe und wies unter allen deutschen Städten die höchste Dichte an NSDAP-Mitgliedern auf. In der Frauenkirche gaben seit 1938 die Hitler-treuen und antisemitischen Deutschen Christen den Ton an. Das in Dresden übliche »stille Gedenken« an die Bombennacht bestreitet all dies nicht – aber es redet eben auch nicht darüber. Und es widerspricht nicht, wenn Neonazis um die deutschen Opfer trauern. So konnten Republikaner und Wiking-Jugend jahrelang und weitgehend unbehelligt am Bauzaun der Frauenkirche Kränze niederlegen.

Die Idee zu einem »Trauermarsch« hatten schließlich örtliche JLO-Aktivisten. »Eigentlich wollten wir nur daran erinnern, dass unter den Bombenopfern auch eine Menge Flüchtlinge aus dem Osten waren«, sagt ein Mitglied des damaligen Bundesvorstandes, der heute als Verlagsangestellter in Hamburg arbeitet. Ihm ist unangenehm, was sich über die Jahre in Dresden entwickelt hat. Damals aber, sagt er, war man in der Zentrale der winzigen Jugendorganisation der Ostpreußen-Vertriebenen erfreut, dass in Sachsen etwas passierte. Als er selbst mal zu einem der Märsche fuhr, war er entgeistert wegen der vielen Skinheads. Aber da sei die Unterwanderung bereits komplett gewesen.

1998 liefen 60 Neonazis samt Transparent »Das war kein Krieg, das war Mord«, 1999 kamen schon 150 Leute. Über ein Verbot habe man nicht nachgedacht, »da keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit bestand«, zitierte die Sächsische Zeitung damals den Sprecher der Stadt. Man habe aber »harte Auflagen« erlassen – etwa »die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung«. Im Jahr 2000 zogen bereits 500 Demonstranten durch Dresden, an der Spitze erstmals Szenegrößen wie Franz Schönhuber oder Horst Mahler. Die Stadt hatte eine Route nahe der 1938 zerstörten Synagoge genehmigt.

Leser-Kommentare
  1. Es mag moralisch fragwürdig sein, wenn alte und neue Nazis am 13. Februar 2011 mit Fackeln durch Dresden marschieren dürfen, das Grundgesetz gibt ihnen die Freiheit dazu. Genauso moralisch fragwürdig ist die Verbannung einer Veranstaltung des VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten), die auf „Täterspuren“ in der Stadt Dresden gehen wollten, aus dem Stadtzentrum heraus. Auch dies scheint „rechtlich“ einwandfrei.

    Im Jahre 1943 gab es in Deutschland Menschen, die sich bewusst gegen geltendes Recht und für moralische Verantwortung entschieden haben. Später wurden diese unter dem Namen „weiße Rose“ bekannt.

    Im Jahr 2011 veröffentlicht die Stadt Dresden unter dem Titel „Aktion weiße Rose“ einen Aufruf zum „Erinnern und Handeln. Für mein Dresden.“
    Leider vergisst die Stadt, ausdrücklich darauf zu verweisen, dass diese „Aktion weiße Rose“ nicht in der geschichtlichen Nachfolge der Widerstandsgruppe um Sophie Scholl steht, sondern nach einer Porzellanmalerei von roten und weißen Rosen benannt ist, die nach der Zerstörung Dresdens in den Trümmern gefunden wurde.

    Wer es unsäglich findet, dass die Brandstifter von damals wieder in Dresden marschieren, wer es unsäglich findet, dass ein Tag der Trauer und Erinnerung zu einem Kampf um die Hoheit auf der Straße zwischen Nazis und Nazigegnern führt, der sollte sich EINE Frage stellen:

    MÜSSEN WIR UNSERE MORAL
    ODER MÜSSEN WIR UNSERE GESETZE ÄNDERN?

  2. die Finger lassen, denn gerade die Bahnanlagen wurden nicht bombardiert. Übrigens auch nicht die Bahnstrecken von und nach Auschwitz

  3. "In Wahrheit war Dresden ein wichtiger Eisenbahnknoten, beheimatete Rüstungsbetriebe und wies unter allen deutschen Städten die höchste Dichte an NSDAP-Mitgliedern auf."

    Ach so...und London wies unter allen englischen Städten die höchste Dichte von Regierungsmitgliedern und Angehörigen des Königshauses auf, ein Grund also? Dresden durfte bombardiert werden weil dort so viele Nationalsozialisten lebten? Bitte?

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    13 Leser-Empfehlungen
  4. Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

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    Nur mal daran erinnert, wer hatte den 2.Weltkrieg angefangen, wer hatte Warschau fast dem Erdboden gleich gemacht, wer hatte in der SU eine Politik der verbrannten Erde angestrebt, ich glaube es waren nicht die Alliierten.
    Bitte diskutieren Sie das konkrete Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/wg

    • xy1
    • 12.02.2011 um 19:52 Uhr

    Wie war es mit Guernica, Coventry, London, Warschau....?
    Alles von Engländern bombardiert?
    Bitte diskutieren Sie das konkrete Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/wg

    ...kriegsverbrechen des WK II? Sind sie wahnsinnig?
    Ich persönlich halte ebenfalls nichts davon, dass Dresden zerlegt wurde, glaube auch nicht, dass es richtig war. Aber eines der größten kriegsverbrechen des 2. WK? Vergessen sie die unzähligen Erschießungen? Standgerichte, Vernichtungslager...? Wir können darüber diskutieren ob es ein Kriegsverbrechen war, aber eines der größten?
    Es ändert allerdings immer noch nichts daran, dass hier versuchen die Metzger an die Ferkel zu errinnern.
    Ob Bremen oder Dresden, wir werden sie solange blockieren, bis sie keine Lust mehr haben zu demonstrieren:)

    Nur mal daran erinnert, wer hatte den 2.Weltkrieg angefangen, wer hatte Warschau fast dem Erdboden gleich gemacht, wer hatte in der SU eine Politik der verbrannten Erde angestrebt, ich glaube es waren nicht die Alliierten.
    Bitte diskutieren Sie das konkrete Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/wg

    • xy1
    • 12.02.2011 um 19:52 Uhr

    Wie war es mit Guernica, Coventry, London, Warschau....?
    Alles von Engländern bombardiert?
    Bitte diskutieren Sie das konkrete Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/wg

    ...kriegsverbrechen des WK II? Sind sie wahnsinnig?
    Ich persönlich halte ebenfalls nichts davon, dass Dresden zerlegt wurde, glaube auch nicht, dass es richtig war. Aber eines der größten kriegsverbrechen des 2. WK? Vergessen sie die unzähligen Erschießungen? Standgerichte, Vernichtungslager...? Wir können darüber diskutieren ob es ein Kriegsverbrechen war, aber eines der größten?
    Es ändert allerdings immer noch nichts daran, dass hier versuchen die Metzger an die Ferkel zu errinnern.
    Ob Bremen oder Dresden, wir werden sie solange blockieren, bis sie keine Lust mehr haben zu demonstrieren:)

  5. Jeder darf demonstrieren, auch sog. "Nazis". Wem das nicht passt, soll sich ein Land suchen wo ein Mubarak herrscht. Dann darf allerdings gleich gar niemand demonstrieren, auch kein Linksparteimensch.

    Übrigens laufen seit 2 Jahren oder so auch immer mehr "ganz normale Deutsche" bei den Rechten mit. Achten sie mal auf die Medienbilder. Springerstiefel? Fehlanzeige. Glatzen? Ja, aber Minderheit.

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    Nur weil sich die Nazis nun mehr versuchen als bürgerlich zu tarnen, muss nun nicht die Mehrheit der anständigen Deutschen die selben schrägen Ansichten haben wie die ewig Gestrigen.
    Wenn es dazu beigetragen hat, dass durch Bombardierung Dresdens dieser Nazi-Spuk ein schmerzliches Ende gefunden hatte, dann waren diese Opfer nicht umsonst gewesen!

    jedes Jahr am 15. Januar "ihrer" Toten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gedanken, ist das auch nichts anderes. Ich kann mich aber nicht entsinnen, dort jemals eine große Polizeipräsenz gesehen zu haben. Linkspartei und NPD sind beide zugelassene Parteien, inwiefern sie demokratisch zu nennen sind, liegt im Auge des Betrachters. Was also sollen diese Artikel bewirken ?

    Bitte diskutieren Sie das kontrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

    ... das ist es ja eben, das Problem. Wenn das sich ausbreitet, haben wir eine Diktatur a la Mubarak inklusive Folterkeller. Na , wer freut sich schon ?

    Nur weil sich die Nazis nun mehr versuchen als bürgerlich zu tarnen, muss nun nicht die Mehrheit der anständigen Deutschen die selben schrägen Ansichten haben wie die ewig Gestrigen.
    Wenn es dazu beigetragen hat, dass durch Bombardierung Dresdens dieser Nazi-Spuk ein schmerzliches Ende gefunden hatte, dann waren diese Opfer nicht umsonst gewesen!

    jedes Jahr am 15. Januar "ihrer" Toten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gedanken, ist das auch nichts anderes. Ich kann mich aber nicht entsinnen, dort jemals eine große Polizeipräsenz gesehen zu haben. Linkspartei und NPD sind beide zugelassene Parteien, inwiefern sie demokratisch zu nennen sind, liegt im Auge des Betrachters. Was also sollen diese Artikel bewirken ?

    Bitte diskutieren Sie das kontrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

    ... das ist es ja eben, das Problem. Wenn das sich ausbreitet, haben wir eine Diktatur a la Mubarak inklusive Folterkeller. Na , wer freut sich schon ?

    • atoato
    • 12.02.2011 um 19:41 Uhr

    Da sind sie wieder, die NPD-Anhänger. Von der Partei und auch ihrem [...] Geist getrieben, die Menschen "aufzuklären".
    Teil entfernt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

  6. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und diskutieren Sie sachlich und differenziert zum Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/wg

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    Verzeihung, aber Sie haben offensichtlich keine Ahnung von Geschichte und Verlauf des Zweiten Weltkriegs.
    Welches Land hat in diesem Krieg denn wohl zuerst Städte mit samt Zivilbevölkerung bombadiert, na? Ja genau, wir, Deutschland. Zum Beispiel Warschau 1939 oder Rotterdam 1940. Und vergessen wir nicht die Luftangriffe der Legion Condor während des spanischen Bürgerkriegs. Sich anschließend zu beschweren, dass sich die Gegenseite später auch dieses Mittels bedient, ist ziemlich scheinheilig.
    Mich wundert im Übrigen sehr, dass obwohl Ihr Beitrag von der Redaktion editiert wurde, solche Abstrusitäten dann trotzdem noch toleriert werden und stehen bleiben.
    Und drei Leute, die das Ganze weiterempfehlen, finden sich sogar auch noch, bravo.
    Gute Nacht.
    Bitte beachten Sie, dass der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, inzwischen entfernt wurde. Danke. Die Redaktion/wg

    Verzeihung, aber Sie haben offensichtlich keine Ahnung von Geschichte und Verlauf des Zweiten Weltkriegs.
    Welches Land hat in diesem Krieg denn wohl zuerst Städte mit samt Zivilbevölkerung bombadiert, na? Ja genau, wir, Deutschland. Zum Beispiel Warschau 1939 oder Rotterdam 1940. Und vergessen wir nicht die Luftangriffe der Legion Condor während des spanischen Bürgerkriegs. Sich anschließend zu beschweren, dass sich die Gegenseite später auch dieses Mittels bedient, ist ziemlich scheinheilig.
    Mich wundert im Übrigen sehr, dass obwohl Ihr Beitrag von der Redaktion editiert wurde, solche Abstrusitäten dann trotzdem noch toleriert werden und stehen bleiben.
    Und drei Leute, die das Ganze weiterempfehlen, finden sich sogar auch noch, bravo.
    Gute Nacht.
    Bitte beachten Sie, dass der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, inzwischen entfernt wurde. Danke. Die Redaktion/wg

  7. ...wurde der Artikel schon unglücklich begonnen.
    Die flächendeckenden Angriffe auf zivile Ziele kann man nicht rechtfertigen.

    Auf der anderen Seite, wird mir aber schlecht, das Menschen mit einem solch abscheulichen Weltbild versuchen Trauermärsche für ihre niederen Zwecke zu instrumentalisieren.
    Ein Teil meiner Familie ist damals aus Schlesien vertrieben worden und ist aus Zufall zu der Zeit nicht in Dresden gestrandet und ich finde es ekelhaft wenn das Andenken an sie missbraucht wird.

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    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/wg

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