Fernsehserie "Dallas"Dallas kehrt zurück

Aber werden die Ewings noch vom Ölgeschäft leben können? von 

Die elektrisierende Nachricht, dass der legendäre Larry Hagman noch einmal sein diabolisch meckerndes Lachen einem gewiss gealterten, aber unverändert bösartigen J.R. Ewing verleihen wird und die Familienserie Dallas mit neuen Folgen auf den Fernsehbildschirm zurückkehrt (zunächst nur im amerikanischen Kabelkanal TNT), wirft eine Reihe nicht minder elektrisierender Fragen auf. Die wichtigste: Wird und kann es tatsächlich noch immer das Öl sein, auf dem das Familienvermögen beruht – oder müssen die Ewing-Enkel nicht längst in Windparks oder andere alternative Energien investiert haben? Welche Erwerbsquelle könnte überhaupt die archaische Metapher des Erdöls ersetzen, das wie Blut, nur dunkler und dicker, in den Adern kreiste?

Der konsequenteste Ersatz für das Geschäft, wenn man seine potenzielle Schmutzigkeit zum Maßstab nimmt, wäre wahrscheinlich inzwischen ganz woanders, im Investmentbanking und im Börsenhandel mit Derivaten zu finden. Aber Obacht! Die glamouröse Welt der Wall Street wäre zugleich kaum vereinbar mit der angestammten Biederkeit, der treuherzigen Familien- und Rancheridylle der Ewings. Texas ist nicht New York. Die seinerzeitige Konkurrenzfamilie der Carringtons in der Konkurrenzserie Der Denver-Clan – die könnte man sich heute als Finanzjongleure auf dem internationalen Parkett vorstellen. Die Carringtons waren immer das elegante Gegenstück. Es machte den Reiz der parallel laufenden Serien aus, dass jeder, der die Ewings für reich und mächtig hielt, durch die Carringtons eines Besseren belehrt wurde.

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Dallas war noch der Kleinstadtmaßstab. Aber Denver – das war eine ganze andere Fallhöhe und Dekadenz. Und der soziale Spagat wurde damals von einer dritten Serie noch einmal nach unten gespiegelt: Unter der Sonne Kaliforniens zeigte die armen Verwandten der Ewings, die in dem Kaff Knots Landing einen Autohandel betrieben. Nur das Alkoholproblem hatten sie mit ihrer reichen Cousinage gemein. Heute hätten sie wahrscheinlich zu allem Elend noch ihr kleines Häuschen durch die Immobilienkrise verloren und müssten in einem Trailerpark wohnen. Kurzum: Es reicht nicht, Dallas wiederzubeleben – es müssen auch der Denver-Clan und Unter der Sonne Kaliforniens mit neuen Folgen ins Fernsehen, damit sich das schöne alte Bild unter neuen ökonomischen Rahmenbedingungen wiederherstellt.

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    • Schlagworte Dallas | Fernsehserie | Erdöl | Investmentbanking | Sonne | TNT
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