Früher habe ich sehr viel und sehr intensiv geträumt. Vor allem in Phasen, in denen ich unter Stress stand, vor Premieren zum Beispiel. Albträume hat mir die Arbeit aber nie beschert – wenn ich den Schrecken spiele, kann ich ihn ja auf der Bühne oder vor der Kamera ausleben und muss nicht mehr davon träumen.

Ich habe allerdings im Traum immer wieder Zeichen und Hinweise bekommen, wie ich auf der Bühne eine Situation lösen konnte, wenn ich Schwierigkeiten mit einer Figur hatte. Ich habe zum Beispiel Zugang zu einem Gefühl gefunden, nach dem ich lange Zeit gesucht hatte. Oder die Zuversicht, die es mir ermöglichte, meine Unsicherheit loszulassen.

Doch diese Form des Träumens verändert sich gerade. Vor einem Monat habe ich ein Baby bekommen, ein Mädchen. Ich habe also nicht mehr so viel Zeit zum Schlafen und Träumen. Aber sie träumt offenbar sehr viel und sehr intensiv. Manchmal frage ich mich, wie sie wohl träumt. Träumt sie in Bildern, oder sind es eher Gefühle, Berührungen, Geräusche? Träumt sie in die Zukunft, oder erinnert sie sich? Sie scheint jedenfalls alle Arten von Gefühlszuständen zu erleben.

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Ich erinnere mich auch an Träume, die jenseits der Arbeit Veränderungen in mir ausgelöst haben. In einem, den ich besonders mochte, lag ich mit geschlossenen Augen auf dem Rücken eines großen schwarzen Hundes. Er hat mich schlafend durch die Welt getragen. Dieses Gefühl, die Kontrolle ganz abzugeben, getragen zu werden, kannte ich bis dahin nicht. Ich war immer ein sehr disziplinierter, perfektionistischer Mensch, habe nur an mich selbst und an harte Arbeit geglaubt. Seit einigen Jahren versuche ich das zu ändern. Vielleicht war dieser Traum ein Auslöser.

Den einen großen Lebenstraum hatte ich eigentlich nie, ich habe mich leiten lassen von den Dingen, die passiert sind. Lange Zeit war der Beruf das Wichtigste für mich. Mir ging es darum, in meiner Arbeit etwas loszuwerden, etwas zu lösen, in mir und meinem Leben. Das ist mir gelungen. In den vergangenen Jahren hat sich in mir etwas verändert. Im Moment befinde ich mich in einer Umbruchphase. Ich habe kein konkretes Ziel, da ist eher eine große Leere, die ich aber nicht als unangenehm empfinde. Ich bin gespannt und neugierig, was neben meiner Familie an neuen Träumen, Inhalten und Ideen kommt.

Dieses Jahr möchte ich mir freihalten und gar nicht oder wenig arbeiten – falls mir das nicht zu langweilig wird. Nächstes Jahr werde ich wieder an den Münchner Kammerspielen auf der Bühne stehen. Ich lebe in Berlin und weiß noch nicht, wie sich dieser Spagat zwischen zwei Städten anfühlen wird. Ich möchte nicht wegziehen, ich habe hier gerade eine Familie gegründet. Aber München ist meine künstlerische Heimat. Ich wünsche mir sehr, dass sich mein Familienleben hier und die Arbeit dort vereinbaren lassen. Das wäre ein Traum!

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