Geschichte der Integrationsdebatte: Neuer Streit, altes Lied
Warum die Deutschen alle Jahre wieder über Einwanderung und Integration debattieren. Ein Gespräch mit dem Historiker Ulrich Herbert
DIE ZEIT: Herr Herbert, wird die von Thilo Sarrazin provozierte Integrationsdebatte in die Geschichte eingehen?
Ulrich Herbert: So wie alle anderen davor. Debatten über Ausländer gibt es in der Bundesrepublik seit fast 50 Jahren, und sie verlaufen immer wieder nach dem Motto: Endlich traut sich mal jemand zu sagen, dass es Probleme mit den Ausländern gibt! Das wiederholt sich nun regelmäßig alle sechs bis sieben Jahre, und jedes Mal tun wir so, als sei das etwas vollkommen Neues.
ZEIT: Wann fing das an? In den Fünfzigern, als die ersten »Gastarbeiter« kamen?
Herbert: Nein, die erste große Diskussion fällt in die Jahre 1966/67, als die Wirtschaftswunder-Konjunktur eine Delle bekam. Bis dahin waren die »Gastarbeiter« willkommen. Nun aber stiegen die Arbeitslosenzahlen, die Deutschen fürchteten um Wohlstand und Arbeitsplätze.
ZEIT: In den Sechzigern dachte man, dass die Italiener, Spanier, Griechen, Türken, Portugiesen und Jugoslawen, die man seit 1955 herholte, irgendwann zurückkehren würden. Wann war abzusehen, dass das nicht gut gehen kann?
Herbert: Als 1966/67 die Wirtschaft schwächelte, gingen viele »Gastarbeiter« in ihre Heimatländer zurück. Die meisten von ihnen waren damals Anfang zwanzig – und wollten ohnehin nur für ein paar Jahre in der Bundesrepublik bleiben. Die Idee, Menschen nach Belieben anzuwerben und wieder zurückzuschicken, schien also zu funktionieren. Als nach 1967 die Konjunktur wieder anlief, wurden daher erneut »Gastarbeiter« angeworben, so viele wie nie und diesmal vor allem aus der Türkei. Als dann im Herbst 1973 im Gefolge der Ölkrise die nächste Rezession begann, verhängte die Regierung Brandt den Anwerbestopp. Nun aber holten viele schon hier lebende Ausländer ihre Familien nach, sodass der Ausländeranteil nicht sank, sondern sogar stieg. Ein Vorgang, der typisch ist für fast alle Einwanderungsprozesse, die wir aus der Geschichte kennen.
ZEIT: Von da an war die Bundesrepublik ein Einwanderungsland?
Herbert: Ja, nur wollte das keiner wahrhaben. Zudem hatte die offensive »Gastarbeiter«-Politik dazu geführt, dass überfällige Rationalisierungsmaßnahmen in der Industrie ausblieben. Es war billiger, ungelernte Türken zu holen, als etwa in den Autowerken die Produktion zu modernisieren. Dank »billiger Ausländer« konnten die Unternehmen hohe Gewinne erwirtschaften. Die sozialen Kosten aber wurden langfristig auf die Allgemeinheit abgewälzt.
ZEIT: Und als in den Siebzigern die Arbeit knapp wurde, hieß es dann »Ausländer raus«?
Herbert: Seit der Krise in den siebziger Jahren verschärfte sich die Debatte, und die rechtsradikalen Parteien machten das Thema zu ihrem Hauptanliegen. Auch war es nach wie vor das erklärte Ziel der Bundesregierung, die »Gastarbeiter« dazu zu bewegen, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Alles, was der Gewöhnung an die hiesigen Verhältnisse und der Integration diente, sollte unterbleiben. Die Kinder sollten die Sprache ihrer Eltern beherrschen, der Familiennachzug sollte eingeschränkt werden.





Endlich mal eine FUNDIERTE Analyse.
Es täte der Republik wohl, sich mal wieder in zeitlicher Perspektive zu denken...
Pauschal ausländerfeindliche Aussagen sind hier unerwünscht. Danke, die Redaktion/fk.
inwiefern is das was anderes ?
Aso, man schmeißt also Leute raus die seit Jahrzehnten hier leben und deren Kinder. Soso. Wo kommt ihr Rechtspopulisten eigentlich her ? Habt ihr kein eigenes Forum ?
Der Kommentar auf den Sie kritisch Bezug nahmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/fk.
inwiefern is das was anderes ?
Aso, man schmeißt also Leute raus die seit Jahrzehnten hier leben und deren Kinder. Soso. Wo kommt ihr Rechtspopulisten eigentlich her ? Habt ihr kein eigenes Forum ?
"Wo kommt ihr Rechtspopulisten eigentlich her ?"
Sie sehen also keine Probleme? Anstatt zum Problem zu sprechen diffamieren und beleidigen Sie andere Forumsmitglieder, indem sie sie als sogenannte "Rechtspopulisten" diskreditieren.
Es ist sehr einfach, wenn einem die Meinung nicht passt: "Rechtspopulist" zu brüllen!
Das ist aber vorbei! Damit überzeugt man keinen Menschen mehr.
Die aufwachenden Bürger lassen sich nicht mehr in die rechte Ecke drängen. Immer mehr Menschen erkennen, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, das Fass läuft bald über.
pi news.
Der Kommentar auf den Sie kritisch Bezug nahmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/fk.
Selbstverständlich geht es nicht um die steuerzahlenden und integrierten Migranten.
Es geht um diejenigen, die allimentiert werden.
Ich plädiere nicht für Rückführung, sondern um gravierende Einschnitte in die Sozialleistungen. Nur so verringern wir die Attraktivität Deutschlands für das internationale Prekariat.
Menschenrechte sind in Deutschland garantiert, aber es kein Recht auf Allimentierung!
"Hier wird die regierungsverordnete Ausweisung von 7 Millionen Menschen vorgeschlagen"
Es klingt komisch, aber das ist gar kein rechtliches Problem. Niemand außer einem Staatsangehörigen hat grundsätzlich ein Recht des Aufenthalts, und die entsprechenden Länder müssten nach internationalem Recht Staatsangehörige aufnehmen. Solch eine Aufgabe stellt sich zum Beispiel real im V-Fall, in dem nicht-Staatsangehörige üblicherweise ausgewiesen oder interniert werden.
Wäre es denn nicht Aufgabe der Wirtschaft gewesen die sozialen Kosten zu übernehmen? Es sind halt immer die gleichen Schemen. Wer erinnert sich noch um 2000 an die Inder-Parolen, jetzt der angebliche Fachkräftemangel. Ddie Wirtschaft will Freizügigkeit der Arbeit, zum Vorteil des Faktors Kapital, zum Nachteil der Arbeit, tragen muss der Bürger die sozialen Kosten hinterher.
"Wo kommt ihr Rechtspopulisten eigentlich her ?"
Sie sehen also keine Probleme? Anstatt zum Problem zu sprechen diffamieren und beleidigen Sie andere Forumsmitglieder, indem sie sie als sogenannte "Rechtspopulisten" diskreditieren.
Es ist sehr einfach, wenn einem die Meinung nicht passt: "Rechtspopulist" zu brüllen!
Das ist aber vorbei! Damit überzeugt man keinen Menschen mehr.
Die aufwachenden Bürger lassen sich nicht mehr in die rechte Ecke drängen. Immer mehr Menschen erkennen, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, das Fass läuft bald über.
Hier wird die regierungsverordnete Ausweisung von 7 Millionen Menschen vorgeschlagen - von Menschen die ganz mehrheitlich seit Jahrzehnten hier völlig legal, mit ihren Familien und oft auch seit ihrer Geburt in diesem Lande leben - und diese zynische Forderung wird als "Rückführung" bezeichnet. Kein Forum für Nazipropaganda in der Zeit!
Es geht nicht darum, dass bestehende Problem nicht angesprochen werden dürfen. Es geht um das WIE! Und dabei haben sich Sarrazin und seine jubelnden Anhänger blitzschnell ins rechtspopulistische Abseits manövriert.
Richtig ist, dass wir langfristig in viele Richtungen denken müssen. Dabei spielen Zuwanderungs-, Bildungs- und Sozialpolitik eine gleichermaßen bedeutsame Rolle.
sind populistisch. Menschen mit ausländischen Wurzeln auszuweisen ist eine Forderung aus dem rechten Spektrum. Wenn Sie jetzt noch 1 und 1 zusammen zählen können...
Hier wird die regierungsverordnete Ausweisung von 7 Millionen Menschen vorgeschlagen - von Menschen die ganz mehrheitlich seit Jahrzehnten hier völlig legal, mit ihren Familien und oft auch seit ihrer Geburt in diesem Lande leben - und diese zynische Forderung wird als "Rückführung" bezeichnet. Kein Forum für Nazipropaganda in der Zeit!
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und artikelbezogen. Danke. Die Redaktion/lv
Es geht nicht darum, dass bestehende Problem nicht angesprochen werden dürfen. Es geht um das WIE! Und dabei haben sich Sarrazin und seine jubelnden Anhänger blitzschnell ins rechtspopulistische Abseits manövriert.
Richtig ist, dass wir langfristig in viele Richtungen denken müssen. Dabei spielen Zuwanderungs-, Bildungs- und Sozialpolitik eine gleichermaßen bedeutsame Rolle.
Sarrazin und seine meistens besorgten Anhänger sind blitzschnell in eine rechtspopulistische Ecke befördert
worden. Sicherlich gerade von so Leuten wie Ihnen, in einer
geradezu reflexhaften Manier. Intellektualität war da
anfangs kaum zu spüren. Dann setzte allerdings die ganze
Wucht der pc-Maschine ein, um den status quo wieder herzustellen.
"Richtig ist, dass wir langfristig in viele Richtungen denken müssen. Dabei spielen Zuwanderungs-, Bildungs- und Sozialpolitik eine gleichermaßen bedeutsame Rolle."
Ja da haben Sie leider sehr recht. Sehen Sie, es geht doch! Wenn das doch schon "vor Sarrazin" in den letzten 10-30 Jahren so gesehen worden wäre. Sehen Sie jetzt, was Sarrazin bewirkte? Sie sprechen nicht mehr in pc-Sprechblasen. Das können Sie sich gar nicht mehr erlauben.
"Das schnelle reflexhafte Manövrieren in die rechtspopulistische Ecke" sei Ihnen verziehen.
Ich denke, dass alles Denken, das nicht mit Ihrem konform geht,rechtspopulistisch ist.Und auch das wird sich nolens
volens ändern! Es bewegt sich was.
Um mit Wowereit zu sprechen: "Das ist auch gut so!"
Anm: Bitte achten Sie auf einen artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv
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