Woody Allen im Interview Meisters Träume
Woody Allen über sein großes Vorbild Ingmar Bergman.
© Guillaume Horcajuelo/dpa

Woody Allen im vergangenen Mai in Cannes
DIE ZEIT: Am Ende Ihres Films Manhattan erstellt der von Ihnen gespielte Held eine kleine Liste der Dinge, die das Leben trotz allem schön machen. Zwischen Groucho Marx, dem zweiten Satz der Jupiter-Sinfonie, Marlon Brando und den Äpfeln und Birnen von Cézanne heißt es auch: »Äh, schwedische Filme natürlich!«
Woody Allen: Natürlich! Das war für mich gleichbedeutend mit Bergman – er war das schwedische Kino schlechthin.
ZEIT: Welcher war Ihr erster Bergman-Film?
Allen: Abend der Gaukler aus dem Jahr 1953. Er handelt von einem Zirkusdirektor, der seine Frau und seine Söhne verlassen hat und nach Jahren überlegt, zu ihnen zurückzukehren. Ich erinnere mich noch genau, in welchem Zustand ich das Kino verlassen habe: erschüttert und zutiefst beeindruckt.
ZEIT: Was bewundern Sie am meisten an Bergman?
Allen: Er konnte die Kamera auf ein Gesicht richten und laufen lassen. Er ließ sie immer weiter laufen und erzielte damit einen enormen Effekt. Das hatte nichts mit all dem zu tun, was man auf einer Filmschule lernt. Und welche Themen auch immer er behandelt hat: Alle seine Sujets scheinen mich direkt zu berühren. Am meisten bewundere ich seine Kunst, diese Themen zu dramatisieren und sie absolut unterhaltsam zu erzählen.
ZEIT: Ist unterhaltsam das richtige Wort?
Allen: Auf jeden Fall. Ein Film muss ja nicht lustig sein, um zu unterhalten. Bergman-Filme sind das absolute Gegenteil von Langeweile, also sind sie im besten Sinne unterhaltsam.
- Datum 15.02.2011 - 14:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.2.2011 Nr. 07
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Bergman ist tot. Woody Allen lebt noch. Das ist doch wunderbar!
"Bergman-Filme sind das absolute Gegenteil von Langeweile, also sind sie im besten Sinne unterhaltsam."
Ein toller Satz von Woody Allen, den man all denjenigen vorsetzen sollte, die den werbenden Vorgaben entsprechend stets den neuesten Blockbuster für ein Meisterwerk des Kinos halten.
Woody Allen - ist da nicht der Typ, dem per Gericht der weitere Umgang mit seinen leiblichen Sohn und einem Adoptivkind von Mia Farrow untersagt wurde, weil er sich absolut nicht als Vater eigne und sich missbrauchend verhalte? Ein weiteres seiner Adoptivkinder lehnt jeden Kontakt zu Woody Allen ab (warum wohl?). Die Beziehung zu seiner jetztigen Frau begann, als diese noch Minderjährig war. In dieser Zeit machte er auch Nacktfotos der Minderjährigen, die das Adoptivkind seiner damaligen Lebenspartnerin Mia Farrow ist. Schön, wie sich Künstler immer alle Freiheiten rausnehmen dürfen, sich Kindern missbräuchlich nähern und trotzdem von gewissen Medien hofiert werden.
Nun ja, unabhängig davon macht er großartige Filme. Hier die große Frage: kann man die Kunst vom Künstler trennen? Ich finde, die Medien sollten dazu im Stande sein und sein Werk auch würdigen, denn man kann nicht verneinen, dass Allen die Filmgeschichte mit geprägt hat. Manchmal gehören die privateren Angelegenheiten hinten angestellt, zumal es bei Allen ja zum Gerichtsprozess kam. Er ist ja kein freilaufender Verbrecher. Aber ich weiss schon , was Sie meinen - siehe Polanski.
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