DIE ZEIT: Am Ende Ihres Films Manhattan erstellt der von Ihnen gespielte Held eine kleine Liste der Dinge, die das Leben trotz allem schön machen. Zwischen Groucho Marx, dem zweiten Satz der Jupiter-Sinfonie, Marlon Brando und den Äpfeln und Birnen von Cézanne heißt es auch: »Äh, schwedische Filme natürlich!«

Woody Allen: Natürlich! Das war für mich gleichbedeutend mit Bergman – er war das schwedische Kino schlechthin.

ZEIT: Welcher war Ihr erster Bergman-Film?

Allen:Abend der Gaukler aus dem Jahr 1953. Er handelt von einem Zirkusdirektor, der seine Frau und seine Söhne verlassen hat und nach Jahren überlegt, zu ihnen zurückzukehren. Ich erinnere mich noch genau, in welchem Zustand ich das Kino verlassen habe: erschüttert und zutiefst beeindruckt.

ZEIT: Was bewundern Sie am meisten an Bergman?

Allen: Er konnte die Kamera auf ein Gesicht richten und laufen lassen. Er ließ sie immer weiter laufen und erzielte damit einen enormen Effekt. Das hatte nichts mit all dem zu tun, was man auf einer Filmschule lernt. Und welche Themen auch immer er behandelt hat: Alle seine Sujets scheinen mich direkt zu berühren. Am meisten bewundere ich seine Kunst, diese Themen zu dramatisieren und sie absolut unterhaltsam zu erzählen.

ZEIT: Ist unterhaltsam das richtige Wort? 

Allen: Auf jeden Fall. Ein Film muss ja nicht lustig sein, um zu unterhalten. Bergman-Filme sind das absolute Gegenteil von Langeweile, also sind sie im besten Sinne unterhaltsam.