Woody Allen im Interview Meisters TräumeSeite 2/2
ZEIT: Welcher Film ist Ihr liebster?
Allen: Es gibt drei Filme, die mich nie losgelassen haben: Wilde Erdbeeren, Das Gesicht und Das siebente Siegel, mein liebster Bergman-Film. Ich habe alle seine Film immer wieder gesehen, und es gibt natürlich Dutzende großartiger Szenen. Aber am beeindruckendsten ist die Schlussszene von Das siebente Siegel: der Totentanz auf dem Hügel am Horizont. Wenn man sich Wilde Erdbeeren, Das siebente Siegel und Das Gesicht anschaut, dann begreift man, dass es in der Filmgeschichte nie wieder eine solche Verbindung von überragender Intellektualität und technischer Meisterschaft gegeben hat.
ZEIT: Sie sind Bergman begegnet...
Allen: In New York, auf Vermittlung von Liv Ullmann. Wir aßen in seiner Suite zu Abend, und er war nicht das düstere Genie, das ich erwartet hatte. Er war ein ganz normaler Mann, der über Frauen und Einspielergebnisse sprach. Später rief er mich mal von seiner einsamen Insel an. Er erzählte mir seine Träume, die mit Versagensängsten am Set zu tun hatten: Er kommt zum Dreh und weiß plötzlich nicht mehr, wo er die Kamera hinstellen soll. So träumte er nach fünfzehn bis zwanzig Meisterwerken!
ZEIT: In Ihrem Film Stardust Memories gibt es eine Szene, die als perfect moment berühmt geworden ist: Man sieht Charlotte Rampling, die an einem Sommertag in einer Zeitung blättert, dazu erklingt Louis Armstrong. Gibt es Ihren perfekten Ingmar-Bergman-Moment?
Allen: Manchmal sind solche Momente ganz banal. Sie werden erst perfekt, weil sie einem in einem bestimmten Augenblick wieder einfallen. Etwa als ich mal aus dem Haus ging und plötzlich an diesen Tag dachte, an dem ich ins Kino gehen wollte und plötzlich die ersten Schneeflocken des Winters über New York schwebten. Bei Bergman gibt es einen Moment, in dem jemand einfach nur dasitzt und wilde Erdbeeren isst, während ein Kind spielt. Das sind solche Momente, Epiphanien, die zugleich ganz gewöhnlich und großartig sind.
Die Fragen stellte Katja Nicodemus
Die Retrospektive der Berlinale 2011 ist Ingmar Bergman gewidmet.
- Datum 15.02.2011 - 14:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.2.2011 Nr. 07
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Bergman ist tot. Woody Allen lebt noch. Das ist doch wunderbar!
"Bergman-Filme sind das absolute Gegenteil von Langeweile, also sind sie im besten Sinne unterhaltsam."
Ein toller Satz von Woody Allen, den man all denjenigen vorsetzen sollte, die den werbenden Vorgaben entsprechend stets den neuesten Blockbuster für ein Meisterwerk des Kinos halten.
Woody Allen - ist da nicht der Typ, dem per Gericht der weitere Umgang mit seinen leiblichen Sohn und einem Adoptivkind von Mia Farrow untersagt wurde, weil er sich absolut nicht als Vater eigne und sich missbrauchend verhalte? Ein weiteres seiner Adoptivkinder lehnt jeden Kontakt zu Woody Allen ab (warum wohl?). Die Beziehung zu seiner jetztigen Frau begann, als diese noch Minderjährig war. In dieser Zeit machte er auch Nacktfotos der Minderjährigen, die das Adoptivkind seiner damaligen Lebenspartnerin Mia Farrow ist. Schön, wie sich Künstler immer alle Freiheiten rausnehmen dürfen, sich Kindern missbräuchlich nähern und trotzdem von gewissen Medien hofiert werden.
Nun ja, unabhängig davon macht er großartige Filme. Hier die große Frage: kann man die Kunst vom Künstler trennen? Ich finde, die Medien sollten dazu im Stande sein und sein Werk auch würdigen, denn man kann nicht verneinen, dass Allen die Filmgeschichte mit geprägt hat. Manchmal gehören die privateren Angelegenheiten hinten angestellt, zumal es bei Allen ja zum Gerichtsprozess kam. Er ist ja kein freilaufender Verbrecher. Aber ich weiss schon , was Sie meinen - siehe Polanski.
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