Hochschulwettbewerb Tabubruch
Die Idee einer Bundesuniversität verdient eine Chance.
© Andreas Rentz/Getty Images

Bildungsministerin Annette Schavan auf einer Sitzung im Bundeskanzleramt
Minister prägen ihr Ressort. Noch häufiger aber prägen Ressorts ihre Minister. Die Verformung der Amtsperson beim Regieren lässt sich bei Bundesforschungsministerin Annette Schavan gut beobachten. Als sie noch in Baden-Württemberg Kultusministerin war, verbat sie sich jede Einmischung des Bundes in Bildungsfragen. Jetzt, da sie selbst in Berlin regiert, sieht sie vieles anders. Nun hat sie die Idee ins Spiel gebracht, der Bund solle die Finanzierung ausgewählter Hochschulen übernehmen. Bundesuniversitäten! Darüber hat noch kein Bildungsminister laut nachzudenken gewagt, nicht einmal Schavans Vorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD), die geradezu lustvoll den Streit mit den Länderkollegen suchte.
Mit ihrem Vorstoß hat Schavan ein Tabu gebrochen – auch wenn man, wie öfter bei ihr, nicht genau weiß, ob dahinter ein strategischer Plan steckt. Doch zu wünschen wäre es: Die Idee ist sinnvoll, der Zeitpunkt ihrer Lancierung gut gewählt, ihre Umsetzung zwar schwierig, aber möglich.
Anfang März beginnt die dritte und wohl letzte Auswahlrunde der Exzellenzinitiative, in der die Universitäten um bundesweite Fördertöpfe konkurrieren. Offen ist, was danach kommt. Klar ist nur: Allen Bundesländern – selbst den reichen wie Bayern und Baden-Württemberg – fehlen die Mittel, auch nur eine ihrer Hochschulen so gut auszustatten, dass sie mit internationalen Spitzen-Unis konkurrieren können.
Dieses Potenzial hat nur der Bund. Nähme er zwei oder drei der besten Hochschulen unter seine Fittiche, wäre dies eine logische Fortentwicklung des Wettbewerbs. Natürlich müssten dann die Länder ohne Bundes-Uni einen finanziellen Ausgleich aus Berlin bekommen. Nur so wären sie für eine notwendige Verfassungsänderung zu gewinnen. Denkbar wäre ein Milliardentopf für die Infrastruktur aller Universitäten.
Schon heute lässt sich ohne Geld des Bundes kaum noch forschen; sein Einfluss in der Lehre wächst ständig. Bereits jetzt ist jede deutsche Universität ein bisschen auch eine Bundesuniversität. Eine Verfassungsänderung würde insofern neben mehr Geld auch etwas anderes in die Hochschulpolitik bringen: mehr Ehrlichkeit.
- Datum 17.02.2011 - 13:37 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 17.2.2011 Nr. 08
- Kommentare 27
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...und ausserdem vermutlich verfassungsfeindlich.
"Nähme er zwei oder drei der besten Hochschulen unter seine Fittiche, wäre dies eine logische Fortentwicklung des Wettbewerbs."
Ungerechter geht es kaum. Wir brauchen keinen "Wettbewerb", wir brauchen vor allem Universitäten, die funktionieren- als Orte der akademischen AUSBILDUNG und FORSCHUNG.
Dazu gehört vor allem, dass es genügend Stellen im Mittelbau gibt, die Aufhebung der Befristungsregelung und eine faire Bezahlung von Doktoranden, Wissenschaftlern und Privatdozenten.
[...]
Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/lv
"verfassungsfeindlich."
Grundgesetzwidrig, wenn schon!
Die Mär von der gesamtdeutschen Verfassung...
"verfassungsfeindlich."
Grundgesetzwidrig, wenn schon!
Die Mär von der gesamtdeutschen Verfassung...
Es gibt doch schon die Bundeswehruniversitäten! Wäre mir neu, dass es sich dabei um Universitäten der Länder handelt. Niemand hält Frau Schavan davon ab, dem Verteidigungsministerium einige Milliarden Euro abzutreten, so daß diese Universitäten ausgebaut werden können und sich auch für alle anderen Studenten öffnen (nicht nur für Dienstverpflichtete).
Immer und immer wieder ist di eRede vom Wettbewerb. Ein geflügeltes Wort heute. Doch was hat der Wettbewerb hier zu suchen? Würde denn der Status Bundesuni alle 5 Jahre wechseln können?
"Allen Bundesländern – selbst den reichen wie Bayern und Baden-Württemberg – fehlen die Mittel, auch nur eine ihrer Hochschulen so gut auszustatten, dass sie mit internationalen Spitzen-Unis konkurrieren können."
aha...
1. Welche Ursachen hat es denn, dass Geld fehlt bei den Unis, obwohl es in einigen BL Studiengebühren gibt? Liegt es vielleicht daran, dass Universitäten wie Unternehmen funktionieren sollen, deswegen umgebaut und damit Wettbewerb ausgesetzt werden (indem sie ihre Fördermittel selbst eintreiben müssen), wozu auch immer das gut sein soll? Oder liegt es einfach daran, dass zwar immer von mehr Investitionen in Bildung geredet wird, aber eigentlich nicht viel passiert?
2. Warum mit internationalen Unis in der Ausstattung mithalten? In Unis geht es doch um das Vermitteln von Wissen sowie der Forschung. Internationale Vergleiche sind doch sinnlos. Wir stehen doch nicht im Wettbewerb mit anderen Ländern...
3. Die zusätzliche Förderung von einzelnen Unis bundesweit ist doch ziemlich ungerecht und fördert nur die Benachteiligung anderer Unis und deren Standorte.
4. "Exzellenz Initiative", widerlicher gehts ja wohl nicht, wenn damit gemeint ist, die Situation der Universitäten zu ändern aber eigentlich nichts gemacht zu haben, außer Studiengebühren einzuführen, was zu Selektion führt.
Da dürfen wir uns wohl bei der PR Agentur "CHE" (Bertelsmann) aus Gütersloh bedanken, die das Denken für unsere "Bildungsministerien" in Bund und Land übernimmt.
Ihr Punkt 2., bei dem Sie sagen, deutsche Unis stuenden nicht mit anderen Laendern im Wettbewerb, hat mir Raetsel aufgegeben. Soweit ich sehen kann, meinen Sie dies nicht ironisch.
Vielleicht denkt nicht jeder daran, der nicht selbst drin steckt, aber sowohl in der Forschung als auch in der Lehre ist die internationale Wettbewerbsfaehigkeit das A und O, insbesondere mit Hinblick auf die Zukunft.
Haben Sie schonmal daran gedacht, dass gut ausgestattete Hörsäle, Labore etc. auch zur Steigerung der Qualität von Lehre und Forschung beiträgt?
Zudem verstehe ich nicht so ganz, warum deutsche Hochschulen nicht mit denen im Ausland konkurieren sollten. Deutschland hat eine international angesehene akademische Ausbildung, und ich bin im Gegensatz zu Ihnen der Meinung, dass das auch so bleiben sollte. Und dazu muss in Hochschulen investiert werden, und das kommt im Moment zweifelsohne zu kurz, vor allem an Hochschule an denen hauptsächlich Geisteswissenschaften gelehrt werden.
Ob das nun vom Bund oder von den Ländern finanziert wird - ich denke da gäbe es viele mögliche Ansätze.
Ihr Punkt 2., bei dem Sie sagen, deutsche Unis stuenden nicht mit anderen Laendern im Wettbewerb, hat mir Raetsel aufgegeben. Soweit ich sehen kann, meinen Sie dies nicht ironisch.
Vielleicht denkt nicht jeder daran, der nicht selbst drin steckt, aber sowohl in der Forschung als auch in der Lehre ist die internationale Wettbewerbsfaehigkeit das A und O, insbesondere mit Hinblick auf die Zukunft.
Haben Sie schonmal daran gedacht, dass gut ausgestattete Hörsäle, Labore etc. auch zur Steigerung der Qualität von Lehre und Forschung beiträgt?
Zudem verstehe ich nicht so ganz, warum deutsche Hochschulen nicht mit denen im Ausland konkurieren sollten. Deutschland hat eine international angesehene akademische Ausbildung, und ich bin im Gegensatz zu Ihnen der Meinung, dass das auch so bleiben sollte. Und dazu muss in Hochschulen investiert werden, und das kommt im Moment zweifelsohne zu kurz, vor allem an Hochschule an denen hauptsächlich Geisteswissenschaften gelehrt werden.
Ob das nun vom Bund oder von den Ländern finanziert wird - ich denke da gäbe es viele mögliche Ansätze.
Wie nennt man eine BUNDES-Universität, die in Hamburg steht ?
Antwort: Hamburger Universität!
Alles klar ?
Mir ist die Idee sehr sympatisch - der Föderalismus ist für einige Standards ein Hindernis!
...und bei der Bildung sollte man keine Kosten und Mühen scheuen, wenn es ein Erfolg wird umso besser!
Gleichzeitig würden unsere "Kurfürsten" dem Bund bei der Bildung nicht mehr so einfach auf der Nase rumtanzen können.
Egal wer gerade die Regentschaft inne hat.
Mal abgesehen von der Tatsache, dass wir schöne traditionelle Universitäten haben, die Unterstützung, Sanierung und Ausbau verdienen...
Leider hat Herr Spiewak den Rahmen der geltenden Verfassung nicht erwähnt. Hier gibt es große Probleme! Ein Verstoß gegen die Verfassung ist mehr als ein gesellschaftlichen Tabu! Es ist Unrecht! Ferner ist dies nicht mehr als politischer Aktionismus! Die deutschen Universitäten haben sicher genug Ideen, Mittel sinnvoll zu verwenden und demnach auch in der Breite ein ausgezeichnetes Bildungsangebot zu schaffen!
wenn mehr Ehrlichkeit zu falschen Begehrlichkeiten führt?
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