BerufseinstiegIngenieure aus dem Pool

Wie die Automobilindustrie ihre Nachwuchskräfte über schlechte Zeiten retten könnte von Ulrich Viehöver

Die Zeit: Ferdinand Dudenhöffer, Ihr Zentrum für Automobil-Forschung CAR hat gerade eine neue Studie veröffentlicht. Sie zeigt, welche verheerenden Folgen es für die Automobilindustrie hat, ihre Personalpolitik von der Konjunktur abhängig zu machen.

Ferdinand Dudenhöffer: Während der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 hat die Automobilindustrie ihr Personalprogramm stark heruntergefahren, um zu sparen. Sie hat wenig darauf geachtet, qualifizierten Nachwuchs einzustellen . Jetzt, im Aufschwung, haben vor allem die rund 900 mittelständischen Zuliefererbetriebe das Nachsehen: Ihnen fehlen die Nachwuchsmanager. Und daran krankt wiederum die ganze Branche, da die Zulieferer zu rund 60 Prozent die eigentlichen Innovationsträger der Automobilindustrie sind. Die Entwicklungskette wird damit unterbrochen.

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Die Zeit: Umso besser geht es den Ingenieurwissenschaftlern, die jetzt die Hochschulen verlassen.

Dudenhöffer: Ja, derzeit sind sie wieder Mangelware – und damit sehr gefragt. Aber Studenten der Ingenieurwissenschaften können sich nie darauf verlassen, dass es so bleibt. Noch vor einem Jahr sah die Lage anders aus. Ich befürchte daher, dass sich dieses Gute-Zeiten-schlechte-Zeiten-Spiel bei der Mitarbeitersuche nun in der Fächerwahl von Studienanfängern niederschlägt: Warum sollte sich jemand für eine Industrie interessieren, die nur bei Sonnenschein Mitarbeiter einstellt?

Die Zeit: Welche Folgen hat dieses stete Auf und Ab für den Fahrzeugbau?

Ferdinand Dudenhöffer
Ferdinand Dudenhöffer

lehrt Betriebswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und ist dort auch Direktor des CAR-Center Automotive Research.

Dudenhöffer: Gravierende. Wenn wenig qualifizierter Nachwuchs von den Hochschulen kommt, gefährdet das meiner Forschung zufolge auf die Dauer das Wachstum des gesamten Industriezweigs. Diese kurzsichtige Personalpolitik führt unter anderem zu dem Mangel an Fachkräften, den derzeit alle beklagen.

Die Zeit: Was wäre die Lösung? 

Dudenhöffer: Meine Idee ist es, Hochschulabsolventen in schwierigen Zeiten in einem Absolventenpool aufzufangen. Damit könnte der Schweinezyklus durchbrochen werden.

Die Zeit: Wie stellen Sie sich das vor?

Dudenhöffer: Alle Unternehmen zahlen in einen gemeinsamen Topf, aus dem dann Hochschulabsolventen in schwierigen Zeiten bei jenen Mittelständlern eingestellt werden können, die am stärksten mit dem Nachwuchsmangel zu kämpfen haben. Diese könnten zum Beispiel ein halbes Jahr lang 50 Prozent der Personalkosten aus dem gemeinsamen Fonds erhalten. Das könnte ganz ähnlich funktionieren wie die durch die Regierung geförderte Kurzarbeit – nur hilft in diesem Fall die Industrie sich selbst.

 

Die Zeit: Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, lehnt einen solchen Finanzierungstopf ab. Er passe nicht zu einer Branche, die sich weltweit dem Wettbewerb stellt, sagt er.

Dudenhöffer: Das überrascht mich nicht. Aber der VDA spricht fast ausschließlich für die großen Autobauer und Zulieferer und kaum für den Mittelstand. Umso mehr braucht eine Pool-Idee Fürsprecher aus der Politik.

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Leserkommentare
  1. Der ganze Artikel dreht sich nur um junge Nachwuchskräfte.
    Damit ist das ganze Problem schon hinreichend aufgeklaert.
    Würde sich die Industrie auch um Mitararbeiter über 35 Jahre
    interessieren gäbe es *keine* Probleme mehr.
    Allein in den letzten 2 Jahren wurden mehr Mitarbeiter in der Automobilindustrie entlassen als jetzt gesucht werden; dazu kommen noch weitere Tausende arbeitslose Ingenieure aus anderen Branchen auf dem Arbeitsmarkt.
    Aber Politik und Journalismus unterstuetzen weiter das Märchen vom Fachkräftemangel.
    siehe DIW Studie: http://www.spiegel.de/wir...

    • Chali
    • 18. Februar 2011 9:34 Uhr

    "Ingenieure hat man nicht, Ingenieur hält man sich!"

    Wie wäre es denn, eine Zeitarbeitsfirma zu gründen - mit freiwilliger und obligatorisch3er Mitgliedschaft für alle unter 35, wo man zu engemessenen Preisen Ingenieure entleihen kann?
    (Ich denke da so an 5 Euro die Stunde?)

  2. WARUM? Jammern Unternehmer?

    Damit sie ein größeres Bewerberangebot haben und damit die Wahl. Die Wahl haben bedeuet, möglichst gut und BILLIG einkaufen.

    Ein Fond, ja ein FOnd reduziert das unternehmerische Risiko, sorgt aber auch dafür, dass die Absolventen für noch weniger Geld eingestellt werden können, weil die Wirtschaft schlecht läuft.

    Wenn der Staat bzw. die Gemeinschaft alles richten soll, dann nennt man das SOZIALISMUS!

    Die Unternehmen sollten endlich anfangen und ihre Hausaufgaben machen und die Studienanfänger sollten auf so einen Quatsch überhaupt nicht hören. Ein Studium braucht mehr als nur eine Beschäftigungsgarantie. Wer das denkt, der ist bei den oben genannten Unternehmerbehörden auch gut aufgehoben in einem sozialistischen Wirtschaftsystem.

  3. gibt es diese Zyklen.
    Das sagen alle anderen Firmen die nix mit den Autos zu tun haben (sind ganz schön viel). Diese Firmen freuen sich immer wenn nicht Daimler etc. alle Ingeneure absaugt und sie mal ihr Persnal aussuchen können.

    Außerdem sind dort die Stellen auch teilweise interessanter.
    Also ich kann nur für mich sprechen, aber nach 5 Jahren studium will ich mehr als für die Rataufhängung hinten links verantwortlich zu sein...

    • Afa81
    • 18. Februar 2011 10:20 Uhr

    ...ist nicht älter als 24, hat aber mindestens 25 Jahre Berufserfahrung. Die Automobilbranche ist selbst schuld. BMW fährt eine dermaßen digitale Personalpolitik. Jahre vor der Finanzkriese war dort schon Einstellungsstop. Freie Plätze werden firmenintern besetzt. Und nach 10 Jahren wundert man sich, dass die Belegschaft im Schnitt etwa... sehr einfach auszurechnen... 10 Jahre älter geworden ist und der Nachwuchs fehlt.

    Sparen und gleichzeitig investieren passt halt nicht zusammen. Diese Firmen sind jedoch so groß, dass man von ihnen verlangen kann, dass sie in dieser Hinsicht ein paar Jahre auch planen können. In diesem Sinne... geschieht es Teilen der Automobilbranche ganz recht, finde ich.

    • Kwicero
    • 18. Februar 2011 10:58 Uhr

    Ich selbst bin "frischer" Dipl.Ing, und war in den letzten Monaten auf Jobsuche.
    Selbstverständlich wird eine Berufserfahrung gewünscht, und es können sicher meist nicht alle Anforderungen bei einer Stellenbeschreibung erfüllt werden.

    Aber der Punkt, ist der Umgang mit potentiellen Bewerbern:
    So habe ich mich unter anderem auch bei MBtech (Daimler) beworben, sowie Audi, BMW, Eurocopter, IABG usw. - im Schnitt dauert es 1-2 MONATE um eine ANTWORT zu erhalten!!
    Wie soll hier eine Arbeitsposition ernst genommen werden, wenn ich beispielsweise bei der IABG nach 2 Monaten (Datum Unterlageneingang) eine Einladung zu einem Gespräch bekomme??

    Mein zukünftiger Arbeitgeber, Automobilzulieferer, konnte mir einen Arbeitsvertrag einen Monat nach Eingang der Unterlagen vorlegen.
    Da meist viele Unterlagen parallel auf verschiedene Positionen verschickt werden, ist hier ein anderer Umgang mit Bewerbern nötig.

    WENN DIE FIRMEN UNS BRAUCHEN, SOLLTEN SIE SICH AUCH LANGSAM MAL SO VERHALTEN

  4. Tatsächlich sind in den Firmen sehr viele unfähige HR-Manager unterwegs !! Die nehmen die Vorgaben der Fachabteilungen abzgl. einer Toleranz von 20 % Abweichung, plus der Gehaltsvorstellung des Unternehmens (meistens weniger als der Vorgänger ) sowie des eigenen Nasenfaktors ! Wenn ich die semiprofessionellen Fragen höre, mit denen Personaler versuchen, etwaige Kanidaten zu durchleuchten und auf ihre "Teamfähigkeit" zu überprüfen, bin ich mir sicher, dass sie diese Technik auf einem Wochenendcrashkursus erlernt haben.
    Ganz schrecklich !! Jeder Psychologiedozent würde sich ob dieser erbärmlichen Farce in sein Schwert stürzen, um diesem pseudowissenschaftlichen Gewäsch zu entgehen.
    Ein Trauerspiel!!

  5. wie man das all jenen erklären will, denen kein Studium vergönnt war, dass jetzt Akademiker mit der ohnehin besseren Ausbildung auch noch einen 'Pool' bekommen.

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