Powerpoint-Präsentationen Das Zitat... und Ihr Gewinn
»Man läuft Gefahr, zu verlieren, wenn man zu viel gewinnen möchte« Jean de La Fontaine
© Andreas Rentz/Getty Images

Bereit für eine Präsentation: ein Laptop mit angeschlossenem Beamer
Das beste Schlafmittel dieser Erde ist nicht apothekenpflichtig. Man muss es schlucken, sobald man eine Kongresshalle betritt, sich an einen Konferenztisch setzt oder nicht schnell genug flieht, wenn ein Vertriebler zu einem Vortrag ausholt. Dieses Schlafmittel lässt Gedanken erstarren, verwandelt Säle in Schlafsäle und macht lebendige Gesichter zu Masken. Sein Name ist – PowerPoint.
In der Computer-Steinzeit mag diese Präsentationstechnik die Zuhörer überrascht haben wie die Eingeborenen ein großer Vogel namens Flugzeug. Doch heute fällt PowerPoint unter das Betäubungsmittelgesetz, zumindest in der Form, wie es die meisten verabreichen.
Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"
PowerPoint ist zur Krücke für Redner geworden, die sich ihren Text nicht merken können. Satz für Satz hangeln sie sich an ihren Folien entlang und bleiben dabei so blass, dass ihre bunten Präsentationen zunächst interessant wirken – aber nur für 30 Sekunden, bis die ersten Zuhörer schnarchen.
Was tut ein guter Redner? Er überrascht sein Publikum. Was tut ein Mr. PowerPoint?

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn". Gerade ist sein neuestes Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" erschienen
Er hält, im wahrsten Sinne, einen erschöpfenden Vortrag. Weil er zu viel gewinnen will, würde Jean de La Fontaine sagen, verliert er alles. Er hat mehr Folien als Verstand und serviert genau das, was das Publikum befürchtet hat: einen trockenen Faktensalat. Statt seine Zuhörer mitzureißen, statt sie mit Emotionen zu packen, tritt er als Vorleser seiner Folien auf.
Solche Folien-Folter grenzt an Körperverletzung. Auf diese Weise will man nicht informiert werden, erst recht lässt sich so niemand für eine Sache gewinnen. Der Magnet, an dem neues Wissen hängen bleibt, ist das Interesse der Zuhörer. Und das will geweckt sein, nicht eingeschläfert.
Versuchen Sie mal wieder einen folienfreien Vortrag. Stellen Sie sich selbst in den Mittelpunkt, nicht die Technik. Gestikulieren Sie, provozieren Sie, flüstern Sie, knurren Sie, tanzen Sie, jonglieren Sie einen Gegenstand, suchen Sie den Dialog mit Ihren Zuhörern. Seien Sie ein Mensch unter Menschen, ein lebendiges Wesen.
Wer Emotionen wecken will, muss Emotionen zeigen. Wer Ansehen gewinnen will, muss selbst von vielen Augen angesehen werden (statt nur seine Folien). Auf diese Weise können Sie Ihr Publikum überraschen, mitreißen und wach halten. Power ja – aber bitte vom Redner!
- Datum 20.02.2011 - 15:07 Uhr
- Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
- Quelle DIE ZEIT, 17.2.2011 Nr. 08
- Kommentare 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










...mit Power Point zu tun? PP ist ein Instrument, ein Werkzeug. Wie gut ich damit präsentiere hängt von mir selber ab. Klar, wenn ich Satz für Satz vorlese, welcher da steht, ist das eine schlechte Präsentation, wenn aber nur Schlüsselwörter benutzt werden, so können sie dazu dienen, das gesprochene zu behalten - zusammen mit einem Thesenblatt. Nur wenn ich einen Monolog halte, dauert es auch nicht länger bis die ersten einschnarchen. Ach ja, auch wenn der Autor es noch nicht entdeckt hat: Auch mit PP kann man überraschen. Zudem können durch kleine Animationen das erklärte noch mal verdeutlicht werden.
Der Beitrag ist in meinen Augen wieder ein Beispiel dafür das mancher Coach irgendwie an der Realität vorbei lebt...
Wer sich mal den richtig guten Umgang mit Power-Point ansehen will, sollte Steve Jobs von Apple bei seinen Präsentationen beobachten. Okay, es handelt sich hier um Keynotes von Apple, aber das ist lediglich ein vergleichbares Präsentationsprogramm. Der Umgang damit macht den Unterschied!
Wer sich mal den richtig guten Umgang mit Power-Point ansehen will, sollte Steve Jobs von Apple bei seinen Präsentationen beobachten. Okay, es handelt sich hier um Keynotes von Apple, aber das ist lediglich ein vergleichbares Präsentationsprogramm. Der Umgang damit macht den Unterschied!
Wer sich mal den richtig guten Umgang mit Power-Point ansehen will, sollte Steve Jobs von Apple bei seinen Präsentationen beobachten. Okay, es handelt sich hier um Keynotes von Apple, aber das ist lediglich ein vergleichbares Präsentationsprogramm. Der Umgang damit macht den Unterschied!
Wie viele PP-Präsentationen haben Sie schon in Ihrem Leben gesehen? Eine leere PowerPoint-Präsentation ist wie ein leeres Blatt. Ich kann es entweder gut machen, oder schlecht machen. PP an sich ist doch nur ein Instrument, welches bedient wird. Das Problem ist nicht im Bildschirm, es sitzt einfach 20cm davor!
Also während ich dem grundsätzlichen Inhalt des Artikel zustimmen muss - ein Großteil der PowerPoint Folien/Präsentationen ist schrecklich - muss man doch je nach Fachbereich differenzieren.
Versuchen sie einen mathematischen/physikalischen Sachverhalt ohne PowerPoint oder Overheadprojektor zu erklären - sie werden kläglich daran scheitern. Eine Tafel (bitte Kreide nicht Whiteboards) können sicherlich helfen - und einfache Grafiken lassen sich schnell zeichnen, aber bei komplexeren Grafiken sind dann die Zeichnungen zu klein, oder nicht detailliert genug... oder die Linien nicht gerade genug etc.
Insofern kann Powerpoint hier durchaus sehr hilfreich sein.
Wofür PowerPoint absolut ungeeignet ist, sind Mathevorlesungen - PowerPoint Folien voller Formeln... gelbe Schrift auf Dunkelblau... brr... (ja, ich musste selbst darunter leiden)
Zum Thema was man auf Folien schreibt - ja, in der Tat, es empfiehlt sich, einen Vortrag so frei wie möglich zu halten. Nur leider wird dies viel zu selten geschätzt - hier in England kritisiert niemand dass Folien voller Text sind... weder beim A-level noch an der Uni. Da muss ich mich sehnsüchtig an meine deutsche Gymnasialzeit erinnern, bei der wir Präsentationen am Ende besprochen/auseinandergenommen haben.
Um nun abzuschließen - PowerPoint allgemein verteufeln ist nicht gut - richtig angewandt ist PowerPoint äußerst nützlich, nur leider wissen wenige wie man es richtig nutzt.
Ich stell mir gerad einen knochentrockenen PowerPoint-Vortrag vor und stell mir dann noch vor, dass auch noch die Folien weggelassen werden. Mal ehrlich, ist der Vortrag dann spannender?
Die Logik scheint mir ziemlich an den Haaren herbeigezogen.
es ist doch immer von nöten, egal welche werkzeuge ich verwende, dass der moderator/vortragende/referent überzeugend und nicht einschläfernd wirt.
aus meiner erfahrung als referent kann nur sagen, dass ich alles mögliche versuche, um die leute mit einzubeziehen in einen vortrag. das kann beispielsweise über ein flipchart/whiteboard funktionieren, als auch über einen anonymisierten fragebogen im vorfeld.
das gibt den zuhörern ein gefühl der aufmerksamkeit - und sind wir doch mal ehrlich... in den vorlesungen sind doch meistens wieder alle leute aufgezuckt, wenn der professor von seinem montonen vortragsstil ausgebrochen ist und eine frage zum inhalt gestellt hat?
natürlich kommt es daneben noch auf inhalte an, die ich überhaupt vermitteln will. bei freiwilligen veranstaltungen ist die motivation der zuhörerschaft eine andere, als bei zwangsveranstaltungen, die die teilnehmer nur widerwillig besuchen. bei zwangsveranstaltungen mit uninteressantem inhalt neigt man folglich eher dazu abzuschalten.
abschließend: wie hier schon einige male erwähnt wurde, ist PP nur ein mittel der 'unterhaltung'. es muss nur auf das publikum gezielt ergänzend wirken und soll auf keinen fall den referenten ersetzen.
da war es auch schon so. Es gab hochinteressante Vorträge, die mit wenigen aber gezielt herausgesuchten Dias auskamen und langweilige mit einem Dia zu jedem noch so unbedeutenden Teilaspekt. Geändert hat sich nicht so viel.
Einziger Wehrmutstropfen: es gibt keine Erheiterungen mehr über falsch einsortierte Dias.
Wer gute Präsentationen von überzeugenden Menschen sehen möchte, der schaue sich doch einfach mal ein paar der TED-Videos an (http://www.ted.com/talks), oder hier (http://www.youtube.com/wa...) den umwerfenden Dick Hardt.
Was in Deutschland an Vorträgen abgeliefert wird ist zu mindestens 95% Mist. Und das liegt an den Vortragenden. Ganz schön schwach. :)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren