Datensicherheit Spionage inklusive
Für kostenlose Cloud-Angebote zahlen die Nutzer mit ihren Daten.
Private Fotos, Videos und Tagebücher mit Freunden in aller Welt teilen, den Termin für die nächste Vorstandssitzung des Tennisvereins koordinieren, im Thailandurlaub auf Adressen und wichtige Dokumente zugreifen, im Geschwisterkreis ein gemeinsames Erinnerungsbuch für die goldene Hochzeit der Eltern erstellen – Cloud-Computing macht’s möglich. Flickr, YouTube, Doodle, Dropbox oder Google Docs heißen die entsprechenden Dienste, täglich werden es mehr. Man benutzt sie entweder über das Fenster des Browsers, oder sie installieren ein Programm auf dem Computer, ohne dass der Nutzer viel tun muss. Fast immer stammen sie aus den USA, und sie haben eines gemeinsam: Die Nutzung ist kostenlos.
»Freemium« – ein Kunstwort aus free und premium – nennen Fachleute die nützlichen Umsonstangebote im Netz. Natürlich fallen sie nicht vom Himmel. Softwareentwicklung, Bau und Unterhalt der für Datenverarbeitung und -speicherung nötigen Rechenzentren verschlingen Millionenbeträge. Und dafür lassen sich die Anbieter durchaus bezahlen – mit unseren persönlichen Daten, unserer Aufmerksamkeit. Und am Ende auch mit Geld.
»Die Zahl der registrierten Nutzer ist das wichtigste Kriterium für den Wert einer Internetfirma«, sagt der Berliner Wirtschaftsinformatiker Gerrit Tamm. Kein Wunder, dass viele Freemium-Anbieter versuchen, nach dem Kettenbriefprinzip zu wachsen. Zwei Gigabyte Speicherplatz sind zum Beispiel bei Dropbox kostenlos, weitere 250 Megabyte gibt es für jeden geworbenen Neukunden dazu.
»Amerikanische Anbieter verlangen bei der Registrierung außerdem die Einwilligung zur Weiternutzung persönlicher Daten«, sagt Tamm. Sie entstehen bei der Registrierung mit Name, Geburtsdatum, Post- und E-Mail-Adresse, vor allem aber bei der Nutzung der Angebote. Am weitesten geht dabei Google: Jede Nachricht, die beim kostenlosen E-Mail-Dienst Gmail eingeht, wird automatisch geöffnet, um im Text nach Stichworten zu suchen, zu denen sich passende Werbung einblenden lässt. Auch die Dokumente und Tabellen, die der User beim Office-Dienst Google Docs anlegt, werden ausgewertet. Zusammen mit den von Google ebenfalls registrierten Suchanfragen und Website-Besuchen ergibt sich ein sehr detailliertes Bild von den Interessen und Surfgewohnheiten des Nutzers.
Mit derartigen, an Spionage grenzenden Praktiken wollen andere Freemium-Anbieter nichts zu tun haben. Für den Inhalt der privaten Fotos oder Dokumente auf ihren Servern interessieren sie sich ausdrücklich nicht. Wohl aber werten sie das Verhalten ihrer Kunden statistisch aus. Wer häufig aus dem Ausland auf seine Daten zugreift, bekommt Flugangebote zu sehen, wer viele Filme hochlädt, wird mit Reklame für Videokameras bombardiert. Die kann von überall aus dem Netz kommen, denn die Freemium-Anbieter verkaufen ihre Kundenstatistiken weiter – an Marktforscher, Finanzdienstleister und Werbeagenturen.
Wer sich erst einmal daran gewöhnt hat, Fotos und Videos nicht mehr als Papierabzug herumzuzeigen, sondern im Internet zu veröffentlichen, wird schnell an die Grenze des kostenlos zur Verfügung gestellten Speicherplatzes geraten. »Der kostenlose Einstieg wirkt wie eine Droge«, sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Internetwirtschaft. Den Wechsel zu einem spendableren Konkurrenten machen die Freemium-Anbieter technisch möglichst kompliziert – und bieten stattdessen ein kostenpflichtiges Upgrade mit mehr Speicher und besseren Funktionen an. Aus dem User wird ein Kunde, der zahlt.
Und zwar oft deutlich mehr als für das vergleichbare Angebot eines der wenigen Cloud-Computing-Dienste, die von vornherein für Privatnutzer kostenpflichtig sind. Eine virtuelle Festplatte mit 100 Gigabyte Speicherplatz kostet bei Dropbox 15 Euro im Monat, beim deutschen Webhosting-Anbieter Strato ist sie schon für fünf Euro zu haben – und das »garantiert ohne Werbung und Datenhandel«, versichert der Firmensprecher Lars Gurow.
- Datum 21.02.2011 - 16:48 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 17.2.2011 Nr. 08
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Also erst einmal muss ich sagen dass ich mich sehr freue hier einen solchen Artikel zu lesen.
Vielleicht könnte man sogar noch genauer auf den Datenhandel, das analysieren der Daten und durchaus die Risiken eingehen.
Was mir an diesem Artikel jedoch absolut nicht gefällt, ist dass er sich am Ende als reine Werbebotschaft enttarnt.
Der letzte Paragraph wäre ohne die Namensnennung neutral - so ist es aber reine Werbung - Zitat:
"Und zwar oft deutlich mehr als für das vergleichbare Angebot eines der wenigen Cloud-Computing-Dienste, die von vornherein für Privatnutzer kostenpflichtig sind. Eine virtuelle Festplatte mit 100 Gigabyte Speicherplatz kostet bei Dropbox 15 Euro im Monat, beim deutschen Webhosting-Anbieter Strato ist sie schon für fünf Euro zu haben – und das »garantiert ohne Werbung und Datenhandel«, versichert der Firmensprecher Lars Gurow."
Spätestens seit Google Chrome und seinen E-mail-Dienst anbietet, ist dieses Phänomen bekannt, zumindest, wenn man sich ein wenig auf einschlägigen Seiten wie heise oder golem schlau macht.
Das Problem liegt in meinen Augen ganz woanders. Es sind die Leute selbst, denen es egal ist. Für ein Paar lächerliche Cents, die man beim Einkaufen mit einer sog. 'Payback-Karte' zurückbekommt, nehmen die Menschen es hin, dass ein komplettes Konsumenten-Profil über sie erstellt wird. Und im Netz ist das nicht viel anders. Getreu dem Motto: "Hauptsache für umsonst". Dass der Preis um ein vielfaches höher ist, dass Unternehmen sich mit ihren Daten dumm und dusselig verdienen, dass man, wenn man nur genug Daten von Datensammlern zusammen tragt, alles über die Nutzer verrät, es ist ihnen egal. Klassische Antwort: "Is'doch egal, ich hab' doch nix zu verbergen".
In meinen Augen ist die Datensammelwut vieler privater Unternehmen sehr viel schlimmer und dreister, als die Datenerhebung unseres Staates, aber kaum jemanden kümmert das. Schöne neue Welt :/.
"In meinen Augen ist die Datensammelwut vieler privater Unternehmen sehr viel schlimmer und dreister, als die Datenerhebung unseres Staates, aber kaum jemanden kümmert das."
Und dabei wird eines immer wieder vergessen: Daten, die Firmen angesammelt haben, stehen automatisch auch dem Staat zur Verfügung, er kann sich jederzeit Zugriff verschaffen. - Und genau das tun ja auch die Geheimdienste bei Facebook, die US-Regierung bei Twitter usw. - Google hat die Anfrage dazu immer noch nicht beantwortet...
Es ist also für den Staat viel cleverer, Firmen wie Google die Daten sammeln zu lassen und sie dann dort einfach abzuholen, statt selbst unpopuläre Projekte wie die Vorratsdatenspeicherung durchzuziehen.
"In meinen Augen ist die Datensammelwut vieler privater Unternehmen sehr viel schlimmer und dreister, als die Datenerhebung unseres Staates, aber kaum jemanden kümmert das."
Und dabei wird eines immer wieder vergessen: Daten, die Firmen angesammelt haben, stehen automatisch auch dem Staat zur Verfügung, er kann sich jederzeit Zugriff verschaffen. - Und genau das tun ja auch die Geheimdienste bei Facebook, die US-Regierung bei Twitter usw. - Google hat die Anfrage dazu immer noch nicht beantwortet...
Es ist also für den Staat viel cleverer, Firmen wie Google die Daten sammeln zu lassen und sie dann dort einfach abzuholen, statt selbst unpopuläre Projekte wie die Vorratsdatenspeicherung durchzuziehen.
Ich würde mich freuen, wenn die ZEIT -- statt nur Strato einen Platz an der Sonne einzuräumen -- ein bisschen systematischer über Alternativen zu den "kostenlosen" Cloud-Angeboten informieren würde. Welche Möglichkeiten gibt es z.B. für Online-Fotoalben, bei denen ich für einen gewissen Beitrag pro Jahr sicher sein kann, dass meine Fotos und meine Daten wirklich mir gehören? Welche Möglichkeiten gibt es alternativ zu "Dropbox", wie einfach sind sie für "Ottonormalmenschen" einzurichten und zu benutzen, welche Sicherheit bieten sie, und was kosten sie? Welche Alternativen gibt es zu "Evernote", "Gmail"/"GMX"/"Web.de" (gerade bei Email sind ja auch deutsche Firmen fleißig dabei im "Geiz-ist-geil"-Geschäft)?
Für technologisch bewanderte Leserinnen und Leser ist alles dies sicher kein Problem, aber die meisten Ihrer Lesenden können sicherlich mit dem Artikel und der berechtigten Warnung vor Nutzung privater Daten nur wenig anfangen, wenn er bei der Nennung von Alternativen (und der Beschreibung von deren Nutzung) so zurückhaltend ist.
"In meinen Augen ist die Datensammelwut vieler privater Unternehmen sehr viel schlimmer und dreister, als die Datenerhebung unseres Staates, aber kaum jemanden kümmert das."
Und dabei wird eines immer wieder vergessen: Daten, die Firmen angesammelt haben, stehen automatisch auch dem Staat zur Verfügung, er kann sich jederzeit Zugriff verschaffen. - Und genau das tun ja auch die Geheimdienste bei Facebook, die US-Regierung bei Twitter usw. - Google hat die Anfrage dazu immer noch nicht beantwortet...
Es ist also für den Staat viel cleverer, Firmen wie Google die Daten sammeln zu lassen und sie dann dort einfach abzuholen, statt selbst unpopuläre Projekte wie die Vorratsdatenspeicherung durchzuziehen.
es stimmt: "sie" strengen sich an, uns alle zu durchleuchten!
kaum hat man einen artikel im internet intensiv gesucht, kommt prompt bei vielen anderen internet-Benutzungen (z.b. die Medien-online-Benutzung) laufend Reklame für das bestehende Produkt, und das eine ganze Zeit lang, nicht nur für eine Woche!
Dann darf der so "durchleuchtete" internet-Benutzer auch mal lächeln, denn er (z.B. ich) habe längst das Produkt gekauft, vielleicht gar nicht online oder aber auch online ... oder habe mich für ein substitute-Produkt entschieden. .... und die Werbung läuft (wie so oft) ins Leere!
Im Großen muss der Kunde/User den Wert seiner Daten verstehen lernen. Alles andere kommt von selbst. Möglichkeiten gibt es viele. Angemieteter Webspace/Server, HomeServer etc. pp.
Seit dem ich Gmail benutze gibt es praktisch kein Spam mehr. Da muss ich nicht jeden Tag meinen Inbox-Ordner saeubern.
Fuer kleinere Tabellen ist Doc mehr als praktisch da brauche ich nicht erst das Office zu laden.
Was nuetzen mir Festplatte im Netz wenn der Anbieter verlangt das ich fuer den Datentransfer den Firewall oeffnen muss oder einfach nicht mehr erreichbar ist.
Natuerlich kann ich fuer jedes Google-Produkt eine Alternative finden. Dann habe ich zig Benutzerkennung und Passworte und OpenID ist keine Loesung.
Bei Google habe ich nur eine Anmeldung fuer alle Produkte.
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