Muammar al-Gadhafi : Tote statt Reformen

Wenn mit Gadhafi der skrupelloseste Tyrann von allen fällt, dann ist kein arabischer Diktator vor seinem Volk mehr sicher.
Demonstranten in der libyschen Stadt Derna © AFP/Getty Images

Die Diktatoren steigern sich: Der Tunesier Ben Ali hat sich schnell und verstohlen davongemacht, Mubarak lieferte den Ägyptern einen fast dreiwöchigen politischen Stellungskrieg – und Gadhafi in Libyen hat das Massaker am eigenen Volk gewählt. Der letzte Herrscher vor ihm, der die Luftwaffe gegen unbewaffnete Zivilisten im eigenen Land eingesetzt hat, dürfte Saddam Hussein gewesen sein. Der Informationsfluss aus Libyen ist spärlich (eine Tatsache, für die allein die Abschottungspolitik des Regimes verantwortlich ist), aber an der Brutalität der Unterdrückung kann kein Zweifel bestehen. In seiner Rede am Dienstag hat sich Gadhafi mit einer Strategie des Blutvergießens geradezu gebrüstet.

Auf die Revolution, die sich seit Mitte Januar in der arabischen Welt ausbreitet, fällt damit zum ersten Mal der tiefe Schatten von staatlichem Massenmord und Bürgerkriegsgefahr. Es war immer klar, dass die Befreiungsversuche kein Spaziergang sein würden, dass der Augenblick der Krise kommen musste. Jetzt ist dieser Augenblick da. Es ist ein Moment der Prüfung, nicht nur für die Araber selbst, sondern auch für die Welt, die an ihrem Schicksal Anteil nimmt.

Kann man Libyen beeinflussen? Ganz machtlos ist die Welt nicht

Was lässt sich tun? Ist Libyen nicht zu isoliert, der bizarre Gadhafi nicht zu sehr der Schöpfer eines autonomen politischen Wahnsystems, als dass man von außen wirksam Einfluss nehmen könnte? Diese Resignation ist zu bequem. Ganz machtlos ist die Welt nicht. Ein von der Staatengemeinschaft verhängtes, von den USA garantiertes Flugverbot für Gadhafis Kampfjets und Hubschrauber würde nicht nur die schlimmsten Exzesse gegen die Demonstranten stoppen, sondern auch den Nachschub an afrikanischen Söldnern, die der Diktator offenbar auf die libysche Bevölkerung hat schießen lassen. Zwei Piloten sind mit ihren Flugzeugen nach Malta geflohen – der Westen könnte libyschen Polizisten und Militärs Asyl zusagen, die sich der Unterdrückungspolitik verweigern. Ausrüstung für die Sicherheitskräfte darf nicht mehr geliefert, ein Embargo darüber ist richtig. Europa muss deutlich machen, dass es sich nicht länger auf Gadhafis Regime als Hilfspolizei zur Abwehr von arabischen oder afrikanischen Flüchtlingen verlassen wird – die unvermeidliche Kontrolle der Zuwanderung müssen die Europäer schon selbst übernehmen und verantworten. Schließlich: Wenn Libyer jetzt und in den kommenden Wochen unter dem Druck von Verfolgung und Not ihr Land verlassen, dann fliehen sie aus einem Krisengebiet, in das man sie nicht zurückschicken darf. Ihre zumindest vorübergehende Unterbringung und Versorgung ist eine gemeinsame europäische Aufgabe.

Wie Frankreich in Tunesien, wie die USA in Ägypten, so hat der gesamte Westen in Libyen eine Geschichte des Wegschauens und der Doppelmoral. Gadhafi galt als Monster, solange er den Terrorismus förderte und in den Atomschmuggel verwickelt war. Als er davon abließ, wurde er zum geschätzten Partner als Energielieferant und bei der Migrationskontrolle, ohne Rücksicht auf die Vergewaltigung der Menschenrechte in Libyen. Eine bescheidene Wiedergutmachung jetzt, durch (späte) Härte gegen das Regime und etwas Solidarität mit seinen Opfern, ist das Mindeste, was zu leisten wäre.

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Spielt nicht mit den Schmuddelkindern

Wer als lupen- oder lippenreiner Demokrat dennoch Diktatoren um des lieben Vorteils willen unterstützen möchte, sollte sich zuallererst eine Strategie für den Fall zurechtlegen, dass diese Diktatoren irgendwann einmal von ihrem eigenen Volk aus dem Sattel gehoben werden, sonst kann das eine peinliche Offenbarung der eigenen Prinzipienlosigkeit und Inkompetenz werden.

Man stelle sich einmal rein hypothetisch vor, NATO & Co. wollten irgendwann einmal gemeinsam irgendeinen Tyrannen gegen sein eigenes Volk stützen, weil er ihren wirtschaftlichen, geopolitischen etc. Interessen mehr entgegenkäme, als von einer gewählten Regierung zu erwarten wäre: Der ethisch-moralische Komplettbankrott des Westens!

Der arabische Aufstand und dessen Folgen für die Welt

Die Aufstände in Arabien und die verfehlte Politik des Westens , seit dem WK 2 , werden uns im Eiltempo einholen und dann Gnade uns Gott.
HumptyDumptyHadAGreatFall , wird es dann später heissen , obwohl es korrekterweise heissen müsste :
HumptyDumptyWazPushed

www.lewrockwell.com/pilge...

"Behind the Arab Revolt Is a Word We Dare Not Speak"

The revolt in the Arab world is not merely against a resident dictator but a worldwide economic tyranny designed by the US Treasury and imposed by the US Agency for International Development, the IMF and World Bank, which have ensured that rich countries like Egypt are reduced to vast sweatshops, with half the population earning less than $2 a day. The people’s triumph in Cairo was the first blow against what Benito Mussolini called corporatism, a word that appears in his definition of fascism.

....How did such extremism take hold in the liberal West? "It is necessary to destroy hope, idealism, solidarity, and concern for the poor and oppressed," observed Noam Chomsky a generation ago, "[and] to replace these dangerous feelings with self-centered egoism, a pervasive cynicism that holds that [an order of] inequities and oppression is the best that can be achieved. In fact, a great international propaganda campaign is under way to convince people – particularly young people – that this not only is what they should feel but that it’s what they do feel."...

Die Libysche Revolution wird siegen.

Der spinnerde Gadhafi wird Montag früh mit durchschnittener Kehle in der Gosse liegen und all jene die sich bis dahin eine Chance ausmalten mit einem blauen Auge davon zu kommen werden zittern.

Und wenn nicht Montag und wenn nicht dahhingemeuchelt, dann wird er einer anderen Niederlage erliegen. Gadhafi wird jedenfalls verschwinden, doch seine Helfershelfer in letzter und vorletzter Stunde werden dann auf jedenfall mit lebensgefährlichen Konsequenz am Tripoliser Anklagepranger stehen.

Oder wird es eher so kommen wie im Artikel beschrieben?
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... Wenn Libyer jetzt und in den kommenden Wochen unter dem Druck von Verfolgung und Not ihr Land verlassen, dann fliehen sie aus einem Krisengebiet, in das man sie nicht zurückschicken darf. Ihre zumindest vorübergehende Unterbringung und Versorgung ist eine gemeinsame europäische Aufgabe.
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In Libyen verfolgt werden viele dieser menschenverachtenden Schandtäter in Europa um Asyl bitten. Und wir werden sie aufnehmen, ernähren und unterbringen und es wird keinen mehr interessieren wie viele Leben sie auf dem Gewissen haben. Neue Revolution, neuer Brennpunkt, neue Schlagzeile.

Denn keine Story ist so alt wie die von gestern. Oder warum hört man nichts mehr von Tunis? Seit Tagen möchte ich wissen, wie die Revolution dort weiter geht, offenbar bin ich aber der Einzige den das interessiert.

? Klingt nicht nur nicht gut !

erwartest Du jetzt, dass ich mich bei Dir entschuldige, dass ich nicht 24 Stunden am Tag am Rechner sitze und das Internet durchforste um vielleicht was zu finden?

Der Artikel den du verlinkt hast ist von heute, konnte also gestern noch nicht gefunden werden.

Während des ganzen Ägyptenaufstandes las und hörte ich kein Wort von oder über Tunesien. Obwohl ich gesucht habe. Also tu mir den Gefallen und wirf mir nicht Faulheit vor, sondern bestenfalls Unfähigkeit zu finden.

Desweiteren, ich schreibe hier meinen Kommentar in der Zeit und ich bemerke in und für die Zeit und nicht für Spiegel und Co. Obwohl auch die die letzten 2 - 3 Wochen recht sparsam waren was Tunesien angeht.