Erfolg Das Zitat... und Ihr Gewinn

»Wir leben in einer Welt, worin ein Narr viele Narren, aber ein weiser Mann nur wenige Weise macht« Immanuel Kant

Meine Klientin war untröstlich: Mit einem Federstrich, mit ihrer Unterschrift unter einen Auflösungsvertrag, hatte sie 20.000 Euro verschenkt – so viel Geld hätte ihr eine Kündigungsschutz-Klage vermutlich gebracht. Nun war diese Chance vertan.

Aber warum hatte sie das Dokument ohne Rücksprache mit einem Anwalt unterschrieben? »Alle meine Kollegen haben es doch auch gemacht!«, rief sie trotzig.

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Ganz egal, um welche Dummheit es sich handelt, im Beruf gilt das Motto von Immanuel Kant: Wo ein Narr ist, der vorausgeht, finden sich viele Narren, die ihm folgen. So mancher Spesenbetrüger wägt sich auf sicherem Boden, nur weil andere den gleichen Schwindel treiben.

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

So mancher Hassprediger hält sein Lästern über die Firma für harmlos, nur weil andere in dasselbe Horn stoßen. Und so mancher Acht-Stunden-Schläfer, dessen größte Arbeitsleistung des Tages das Hochfahren seines Computers ist, sieht sich als Schwerarbeiter, solange im selben Unternehmen ein noch größerer Faulpelz geduldet wird.

Mit dieser Haltung lässt sich bei Sonnenschein gut leben. Aber was, wenn ein Sturm aufzieht? Wenn der Spesenbetrug auffliegt, die Lästerrunde hochgeht, Entlassungen anstehen? Dann sucht der Hammer, ehe er niedersaust, einen Einzelnen aus der Gruppe aus.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn". Gerade ist sein neuestes Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" erschienen

Dieser Mitarbeiter wird vor allen zur Schnecke gemacht, abgemahnt, womöglich entlassen. Und die anderen, die dasselbe taten? Halten still. Wer eine Dummheit in der Gruppe begeht, ist dadurch nicht geschützt, im Gegenteil: Er muss damit rechnen, für andere mitzubüßen.

Es gibt immer zwei Richtungen, in die man sich vergleichen kann: nach unten oder nach oben. Wer sich Narren als Vorbilder sucht, wer jeden Käse mitmacht, wird zum dümmlichen Herdentier. Er handelt, ohne die Folgen zu bedenken, lässt sein Potenzial verkümmern und wird selbstgefällig.

Die Größe, die er sich zuspricht, ist allenfalls eine relative Größe, öfter noch schlichte Selbstüberschätzung.

Umgekehrt wird nicht ein Schuh, sondern sogar ein Siebenmeilenstiefel für Ihre Karriere daraus: Achten Sie auf die »Genies«, wie Kant sie nennt, die Antiherdentiere.

Ihr Eigensinn kann neue Erfolgswege erspüren, ihr Charakter ein Bollwerk gegen Dummheiten sein. Solche Vorbilder warnen nicht nur vor der Lemming-Falle, sondern auch vorm Mittelmaß, denn wahre Erfolgswege sind niemals Trampelpfade. Dort, wo die Herde zieht, ist die Luft bald staubig und dünn.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Frage

    Wie soll ein Mensch Persönlichkeit, Charakterstärke und intellektuelle Eigenständigkeit entwickeln und erhalten, wenn er diese Werte nur als Mittel zum Zwecke von "Karriere" ansieht?
    Solche Dinge sind nur zu erreichen, wenn sie (ganz Kantisch) als Zweck an sich selbst gesehen werden, nicht als Mittel zum Karrierismus - sonst ist es nur Heuchelei, Selbstbeweihräucherung und eine Wochendendseminar-Lifestyle-Maske ohne jeden Inhalt.
    Das Problem ist doch, daß jede Form langetablierter Hierarchie Opportunismus belohnt (was sich an den Menschen, die momentan an der Spitze von Wirtschaft und Politik sind, recht gut aufzeigen läßt).

    Wer wirklich mit einer hier propagierten Charakterstärke leben will und dennoch Karriere machen will, der muß sich halt selbstständig machen. Oder er verzichtet auf die große Karriere und macht etwas wirklich Sinnvolles.
    Wer wirklich Werte schafft, der schafft sie sich in Bereichen, die über den Herdenwillen zum Geldverdienen als oberster Prämisse hinausgeht, wird vielleicht Künstler oder engagiert sich politisch oder genießt schlicht sein Leben, anstatt ein weiterer überflüssiger Schlipsträger zu werden.

    Warum glauben eigentlich 80% der Menschen, sie seien jeweils klüger als 99% der Menschheit?

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    • BooNoc
    • 27.02.2011 um 14:55 Uhr

    Lieber nilszbzb,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Um ganz ehrlich zu sein verstehe ich nicht, warum die Zeit jemanden über Kant schreiben lässt, der ihn offensichtlich nicht verstanden hat.

    Überhaupt, die Kolumne von Herrn Wehrle scheint aus nichts weiter als Allgemeinplätzen und Schwar-Weiß-Denke zu bestehen. Schade, denn die Zitatreihe an sich ist keine schlechte Idee.

    • BooNoc
    • 27.02.2011 um 14:55 Uhr

    Lieber nilszbzb,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Um ganz ehrlich zu sein verstehe ich nicht, warum die Zeit jemanden über Kant schreiben lässt, der ihn offensichtlich nicht verstanden hat.

    Überhaupt, die Kolumne von Herrn Wehrle scheint aus nichts weiter als Allgemeinplätzen und Schwar-Weiß-Denke zu bestehen. Schade, denn die Zitatreihe an sich ist keine schlechte Idee.

    • iushee
    • 27.02.2011 um 14:18 Uhr

    Grundsätzlich lese ich Ihre Kommentare ja ganz gerne, aber verächtliche Aussagen über Personen, die dafür sorgen, dass sich ihre Arbeitskraft regeneriert, damit sie nach der Nacht wieder voll einsatzfähig sind ("Acht-Stunden-Schläfer"), sind doch wirklich nicht nötig. Oder war das etwa gut versteckte Ironie?

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    natürlich den erquickenden Tagesschlaf im Büro !
    .... damit sie in (!) der Nacht wieder voll einsatzfähig sind "
    So macht es Sinn - und was ist daran verächtlich ? Die Gattin wird es ihm danken .

    natürlich den erquickenden Tagesschlaf im Büro !
    .... damit sie in (!) der Nacht wieder voll einsatzfähig sind "
    So macht es Sinn - und was ist daran verächtlich ? Die Gattin wird es ihm danken .

  2. natürlich den erquickenden Tagesschlaf im Büro !
    .... damit sie in (!) der Nacht wieder voll einsatzfähig sind "
    So macht es Sinn - und was ist daran verächtlich ? Die Gattin wird es ihm danken .

    • BooNoc
    • 27.02.2011 um 14:55 Uhr
    4. Danke

    Lieber nilszbzb,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Um ganz ehrlich zu sein verstehe ich nicht, warum die Zeit jemanden über Kant schreiben lässt, der ihn offensichtlich nicht verstanden hat.

    Überhaupt, die Kolumne von Herrn Wehrle scheint aus nichts weiter als Allgemeinplätzen und Schwar-Weiß-Denke zu bestehen. Schade, denn die Zitatreihe an sich ist keine schlechte Idee.

    Antwort auf "Frage"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    es existiert wohl hierzulande kaum ein Autor geschweige denn Philosoph, der so oft zitiert und dabei doch so selten gelesen wurde, wie der alte Kant (mit Bibel, Koran und Grundgesetz auf den Folgeplätzen).
    Was bleibt sind genau die üblichen Gemeinplätze von sapere aude und kategorischem Imperativ, die sich in jeden Mist einbauen lassen, von Sarrazin bis "Karriereberatung".

    Auch wenn ich Kant nicht allzu sehr mag, das hat er nun wirklich nicht verdient.

    es existiert wohl hierzulande kaum ein Autor geschweige denn Philosoph, der so oft zitiert und dabei doch so selten gelesen wurde, wie der alte Kant (mit Bibel, Koran und Grundgesetz auf den Folgeplätzen).
    Was bleibt sind genau die üblichen Gemeinplätze von sapere aude und kategorischem Imperativ, die sich in jeden Mist einbauen lassen, von Sarrazin bis "Karriereberatung".

    Auch wenn ich Kant nicht allzu sehr mag, das hat er nun wirklich nicht verdient.

    • BooNoc
    • 27.02.2011 um 14:58 Uhr

    Ich entschuldige mich für den Tippfehler, es muss natürlich 'Schwarz-Weiß' heißen.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Ingor
    • 27.02.2011 um 15:11 Uhr

    Die meisten Menschen denken, sie wären benachteiligt und hätten weniger als ihre Mitmenschen. Die einzige Ausnahme ist die Intelligenz, da meint jeder, er hätte genug davon, ja sogar mehr als alle anderen (Fußnote: Zitat, weiß nur nicht von wem).

    Eine Leser-Empfehlung
  3. es existiert wohl hierzulande kaum ein Autor geschweige denn Philosoph, der so oft zitiert und dabei doch so selten gelesen wurde, wie der alte Kant (mit Bibel, Koran und Grundgesetz auf den Folgeplätzen).
    Was bleibt sind genau die üblichen Gemeinplätze von sapere aude und kategorischem Imperativ, die sich in jeden Mist einbauen lassen, von Sarrazin bis "Karriereberatung".

    Auch wenn ich Kant nicht allzu sehr mag, das hat er nun wirklich nicht verdient.

    Antwort auf "Danke"
  4. Theodor Storm: Für meine Söhne
    ...
    Was du immer kannst, zu werden,
    Arbeit scheue nicht und Wachen;
    Aber hüte deine Seele
    Vor dem Karrieremachen.

    Wenn der Pöbel aller Sorte
    Tanzet um die goldnen Kälber,
    Halte fest: du hast vom Leben
    Doch am Ende nur dich selber.

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