FührungspositionErst Kollege, plötzlich Chef

Wer zum Vorgesetzten seines Teams wird, muss in der neuen Rolle überzeugen. Neun Schwierigkeiten, die dabei zu bewältigen sind. von Catalina Schröder

1. Der Neid der anderen

Das erzählt der Aufsteiger: Vor einem halben Jahr wurde ich als Personalleiter eines großen deutschen Autovermieters zum Chef meiner bisherigen Kollegen befördert. Die bisherige Teamleiterin wurde zu meiner Mitarbeiterin. Sie war erst einmal neidisch. Dazu kam, dass sie seit acht Jahren im Unternehmen arbeitete und ich erst seit zweieinhalb Jahren.

Das sagt die Expertin:Rivalität können Sie in so einer Situation nicht verhindern – gebrauchen können Sie sie trotzdem nicht. Wichtig ist, dass die Firmenleitung mit der Person spricht, bevor die anderen Mitarbeiter von dem Wechsel erfahren. Ihr muss erklärt werden, warum jemand anderes Führungskraft geworden ist. So hat sie die Möglichkeit, sich zu entwickeln und in einigen Jahren erneut Führungskraft zu werden. Bleibt unklar, warum nun jemand anderes das Team leitet, ist der Neid noch größer. Sie selbst sollten ebenfalls das Gespräch mit der Person suchen. Fragen Sie, ob sie weiter mit Ihnen zusammenarbeiten, in eine andere Abteilung wechseln oder das Unternehmen verlassen möchte. Geben Sie ihr dafür Bedenkzeit, ein Wochenende oder besser eine Woche. Entscheidet die Person sich, zu bleiben, dürfen Sie sie nicht lange trauern lassen. Sie muss sofort anfangen zu arbeiten. Nur so kann sie ihren neuen Chef erleben und entscheiden, ob sie ihn akzeptiert.

Anzeige

2. Die Wünsche der Vorgesetzten

Das erzählt der Aufsteiger: Anfangs war mir unklar, was meine Chefs von mir erwarten.

Das sagt die Expertin: Sie sollten in Erfahrung bringen, warum die bisherige Führungskraft ersetzt wird. Überlegen Sie sich auf dieser Basis, welche Ziele Sie in der neuen Position erreichen möchten und was die Mitarbeiter von Ihnen erwarten. Letzteres klären Sie am besten in Einzelgesprächen. Es geht dabei nicht darum, jedem alle Wünsche zu erfüllen. Aber so stellen Sie fest, wo es Konflikte geben kann.

3. Die Lust auf Veränderung

Nadja Raslan
Nadja Raslan

Nadja Raslan, 46, arbeitet seit 17 Jahren als Beraterin und ist Geschäftsführerin ihrer Systemischen Personal-Entwicklungs-Firma Raslan Training in München. Sie schult Führungskräfte in ganz Deutschland

Das erzählt der Aufsteiger: Eine weitere Frage, die ich mir gestellt habe, war: Wie viel soll ich ändern? Meine Vorgängerin hat immer besonders darauf geachtet, wie es ihren Mitarbeitern geht. Die Stimmung im Team war daher auch super. Aber viele Abläufe waren kompliziert, was dazu geführt hat, dass alle 30 bis 40 Überstunden im Monat gemacht haben. Daher haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was wir verändern müssen, um effizienter zu arbeiten. Dann haben wir versucht, das innerhalb von drei Monaten umzusetzen.

Das sagt die Expertin: Es ist sehr wichtig, dass Sie zunächst das schätzen, was da ist, auch wenn Sie manches als weniger gut empfunden haben. Die Mitarbeiter haben oft mehrere Jahre in diesem Team gearbeitet. Wenn Sie sofort alles verändern, haben sie das Gefühl, vorher alles falsch gemacht zu haben. Gleichzeitig demontieren Sie damit den alten Chef. Neue Führungskräfte geben oft ein zu hohes Tempo vor und ziehen damit an ihren Mitarbeitern vorbei. Lassen Sie es langsamer angehen, und begründen Sie alles, was Sie ändern. Entscheidend ist, dass Sie als Führungskraft alle Arbeitsschritte in Ihrer Abteilung kennen und notfalls jeden Schritt selbst übernehmen könnten. Nur so akzeptieren die Mitarbeiter Sie als Chef.

Leserkommentare
  1. 1. Neid?

    "Männer sind zum Beispiel auch neidisch, wenn ein Kollege auf der gleichen Hierarchieebene einen besseren Laptop hat."
    Handelt es sich hier um erwachsene Personen oder um Kinder?
    Warum muss sich ein Abteilungsleiter um solche Sachen 'kümmern'?
    Benötigt der Kollege einen neuen Laptop soll er diesen anfragen und wenn nötig die anstehende Anschaffung begründen.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service