Fabian Sacharowitz knallt den Kaffeepott auf den Tisch. »Hier gibt’s guten deutschen Filterkaffee«, sagt der Berliner Firmengründer. Keinen Latte Macchiato für Webdesigner, sondern bodenständigen Bohnenkaffee für Armaturenhersteller. Vor fünf Jahren hat der 35 Jahre alte Jurist und Physiker mit seinen Brüdern Axel und Steffen im Berliner Süden die Firma 3S Antriebe gegründet, einen Spezialhersteller für automatisierte Armaturen in Wasser-, Gas- und Fernwärmenetzen. Heute führt der Mann mit Cordhose, spärlichem Haar und Dreitagebart die Geschäfte einer Firma mit acht Mitarbeitern. »Wir sind ein gutes Beispiel für die neuen mittelständischen Gründer«, sagt Sacharowitz, »wir haben die komplette deutsche Gründerförderung genossen.« In keinem anderen Land wird es Gründern so schwer gemacht wie in Deutschland – so lautet das Klischee. Die Geschichte der Gebrüder Sacharowitz beweist das Gegenteil. 2006 haben die »3S« eine Idee: Sie wollen die Berliner Wasserbetriebe mit Armaturen versorgen, die nicht mehr mühselig von Hand gewartet werden müssen. Stattdessen sollen mobile und stationäre Antriebe die unterirdischen Ventile öffnen und schließen. Als sie einen ersten Blick in die Förderfibel der Investitionsbank Berlin werfen, stoßen sie auf über 80 Programme, von Investitionen in Betriebsmittel über arbeitsmarktpolitische Förderung bis zur Gründerberatung. Die drei entscheiden sich für das Programm Berlin Start, über das sie ein günstiges Darlehen über 80.000 Euro aufnehmen – und legen los.

Berlin ist keine Ausnahme. »Nirgendwo gibt es eine vergleichbare Förderlandschaft wie in Deutschland«, sagt Marc Evers, Existenzgründerexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Allein die Förderdatenbank des Wirtschaftsministeriums (BMWi) listet mehr als 300 Programme auf, von der europäischen bis zur lokalen Ebene, schließlich sorgen die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland für 38,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und stellen 60,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig in Firmen Beschäftigten. Kein Wunder, dass Verbände und Politik Gründern immer mehr Steine aus dem Weg räumen. So ist es seit November 2008 etwa möglich, mit nur einem Euro Stammkapital eine »Mini GmbH« zu gründen. Rund 45.000 Gründer haben sich seitdem als Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) registrieren lassen.

Den Brüdern Sacharowitz wäre es recht gewesen, wenn das schon drei Jahre früher möglich gewesen wäre. Stattdessen gründen sie zunächst eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Als sie ihre GbR ein Jahr später in eine GmbH umwandeln wollen, merken sie: »Das ist ziemlich kompliziert.« Denn genau diesen Fall habe das Umwandlungsrecht nicht gut geregelt: »Das war selbst für mich nicht trivial«, sagt Sacharowitz, der Jurist.

Deutschland einig Gründerland? Eine Frage, die immer noch nicht einfach zu beantworten ist – selbst statistische Erhebungen gehen auseinander. So platziert die Weltbank die Bundesrepublik unter den 30 OECD-Industriestaaten auf Rang 24, wenn es um die Bedingungen für Start-ups geht. »Im internationalen Vergleich sind die Gründungszahlen in Deutschland weiterhin sehr klein«, sagt Rolf Sternberg, Professor für Wirtschaftsgeografie an der Universität Hannover, der im Frühjahr den deutschen Länderbericht zur Vergleichsstudie Global Entrepreneurship Monitor (GEM) vorstellt. Sternberg sieht trotzdem Licht: »Die Chancen in der eigenen Region werden immer positiver eingeschätzt.« Zudem habe die Wirtschaftskrise keinen Einfluss mehr auf das Gründungsverhalten.

Die Gründungskosten sind von 792 auf 166 Euro gesunken

Messbare Fortschritte listet das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) auf. So verringerte sich die durchschnittlich für eine Gründung benötigte Zeit allein zwischen 2007 und 2009 von 6,3 auf 4,5 Tage, der EU-Schnitt liegt bei 7,4 Tagen. Notar und Amtsgericht dürfen sich heute elektronisch austauschen, und in Bayern, Hamburg und Rheinland-Pfalz ist die Gewerbeanmeldung schon online möglich. Zudem müssen neue Firmen nicht mehr in Zeitungen veröffentlicht werden, sondern für einen Euro im elektronischen Bundesanzeiger. Insgesamt sind die durchschnittlichen Ausgaben für eine Gründung seit 2007 von 792 auf 166 Euro gesunken, das entspricht Platz acht im Kreise der EU-27.