KölnWas zieh ich bloß an?

Wer zum Karneval an den Rhein fährt, sollte die Kostümfrage ernst nehmen. Ein Einkaufsbummel durch Köln. von Markus Brügge

Eine Frage, die Karneval-Fans bewegt: Was ziehe ich dieses Jahr nur an?

Eine Frage, die Karneval-Fans bewegt: Was ziehe ich dieses Jahr nur an?  |  © Vladimir Rys/Getty Images

Karneval ist nicht gleich Karneval. Blickt man vom befreundeten Ausland – also von Berlin, Hamburg oder München – auf das Treiben, hat man möglicherweise nur eine wild schunkelnde Masse vor Augen, die unverständliche Lieder grölt. Doch wer sich in der kommenden Woche nach Köln begibt, sollte um die feinen Unterschiede wissen, die es beim Fastelovend gibt, wie der Karneval hier heißt. Gerade die Kostümfrage ist von großer Bedeutung. Sobald sie ihren Weihnachtsbaum abgeschmückt haben, machen sich die Kölner darüber Gedanken und, ja, auch Sorgen. Der Ausruf »Jetzt ham mer bald Fastelovend, un isch han noch nix zum Anzedon!«, was auf Deutsch so viel bedeutet wie: »Bald ist Karneval, und ich hab noch nichts zum Anziehen!«, ist längst als feste Wendung in den Sprachgebrauch übergegangen.

Vorbereitung ist also alles. Und hier gilt es zunächst einmal grundsätzlich zu klären: Drinnen oder draußen? Und dann, sagt Herbert Geiss, müsse man weiter differenzieren: Prunksitzung im Gürzenich oder Straßenkarneval auf dem Alten Markt, Altstadtkneipe oder Sitzungsball. Geiss kennt sich aus, er ist nicht nur Kölner, ihm gehört mit Deiters der größte Kostümhandel Deutschlands, wenn nicht der Welt.

Anzeige

Kenner besuchen die Filiale in Köln-Marsdorf. Rund 200000 Kostüme in 2500 verschiedenen Modellen füllen dort eine ganze Fabrikhalle. Man kann hier minutenlang durch Tüll und Glitzer, Kunstleder und Rüschen, durch Berufe und Rollen wandern, kann Plüschbärchen sein oder Känguru oder Hase oder Tiger. Auch Piratenkostüme, Torero-Umhänge, Arztkittel, Indianerzöpfe, Cowboyhüte gibt es natürlich en masse.

Jeder Jeck is anders, sagt man in Köln – doch bei Deiters werden die Trends festgelegt. Geiss weiß schon vorher, welche Kostüme scharenweise am Rosenmontag Heumarkt, Rudolfplatz, Zülpicher Straße und Hohe Pforte bevölkern werden. »In diesem Jahr ist Disco angesagt, alles, was glitzert«, sagt er. Seine Schaufensterpuppen tragen paillettenflirrende Anzüge mit Schlaghose, paillettenbesetzte Tops, bunte Jacken mit Paillettenkragen, Paillettenhüte. Vor einigen Jahren löste Fluch der Karibik die Piratenwelle aus, die immer noch heftig weiterschwappt. Wer vielen Kostümgenossen begegnen will, kann es auch mit den »SOS-Verkleidungen« versuchen, wie Geiss sie nennt: Nonne, Mönch, Sträfling, Arzt. Kutte und Kittel gehen immer im Kölner Karneval. Geiss selbst lässt sich übrigens eine Maskerade aus Alice im Wunderland auf den Leib schneidern: den verrückten Hutmacher. Garantiert einzigartig.

Individuell mag es auch die Kundschaft der Kölner Kostümwerkstatt, die in einem schönen Jugendstilhaus am Hildeboldplatz sitzt. Die meiste Zeit arbeiten die Gewandmeister Tanja Svejnoha und Georg Maier-Peveling für Musiktheater und Opernhäuser, gerade erst haben sie die Bühnenkostüme für eine Zürcher Aufführung der Räuber von Verdi entworfen und genäht.

Leserkommentare
  1. sondern "auf dem Alter Markt" (Kölsch Alder Maat, siehe (oder höre) das Karnevalslied "Die Hüsjer bunt om Aldermaat".

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Jimi Hendrix | Köln | Berlin | Hamburg | München | Rhein
Service