Schauspieler Daniel Brühl "Spanische Musik kam bei den Mädels immer gut an"

Daniel Brühl hat seine spanischen Wurzeln erst spät zu schätzen gelernt. In der Serie "Ich habe einen Traum" erzählt er, warum er nun eine Tapas-Bar in Berlin eröffnen will.

Mein Traum ist es, mich mit meinen spanischen Wurzeln zu versöhnen. Da meine Mutter aus Barcelona kommt, fuhren wir in den Sommerferien oft nach Spanien, ich war noch ein Kind. Zwei Tage dauerte die Reise mit dem Auto von Köln nach Barcelona. Wir übernachteten einmal im Süden Frankreichs, und ich fragte mich: Warum bleiben wir nicht hier? Ist doch viel schöner als Spanien. Die Dörfer waren hübsch restauriert, das Essen schmeckte hervorragend. Dann kam die Grenze, wir fuhren auf der Küstenstraße nach Barcelona, ein hässlicher Hotelneubau stand neben dem anderen – und in der Stadt gab es sofort Remmidemmi: grelles Neonlicht, schreiende Menschen. Das fand ich als Junge recht anstrengend.

Mein Verhältnis zu Spanien verbesserte sich während der Pubertät. Ich konnte die Sprache fließend, hörte spanische Musik und bemerkte, wie gut das bei den Mädels ankam. In den frühen Neunzigern stand ich auf dem Konzert der Héroes del Silencio in Köln, ganz stolz sang ich alle Texte mit – während die anderen Jungs nur vor sich hin brummten. In meiner ersten Band sang ich zwei Lieder auf Spanisch, ganz triefig waren die aus heutiger Sicht, eines hieß No volveré – »Ich werde nicht wiederkehren«. Dramatisch klang das, und in der Schule galt ich plötzlich als cool und geheimnisvoll.

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Daniel Brühl

32, geboren in Arenys de Munt bei Barcelona, wurde 2003 durch seine Hauptrolle in Good Bye Lenin! bekannt. Diese Woche startet Der ganz große Traum in den Kinos, Brühl spielt in dem Film den Lehrer Konrad Koch, der Ende des 19. Jahrhunderts den Fußball in Deutschland populär machte. Brühl ist Mitgründer der gerade eröffneten Bar Raval in Berlin.

Vor fünf Jahren habe ich einen Film in Barcelona gedreht und fühlte mich wie zu Hause. Ich ging nach Drehschluss in die Tapas-Bars im Stadtteil Raval und genoss die entspannte Atmosphäre. Alle drängten sich am Tresen, aßen patatas bravas und frittierte Sardinen, jeder warf Servietten auf den Boden, der Tresen klebte ein wenig – in dem Kontext ertrug ich sogar Horden laut schnatternder Menschen.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

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In Berlin habe ich lange so einen Ort gesucht, immer wenn ich mal Sehnsucht nach Spanien bekam. Es gab zwar Restaurants, in denen Stierköpfe an den Wänden hingen, aber das war pure Folklore und nicht meine Welt. Deshalb erfülle ich mir jetzt einen Traum und eröffne mit zwei Partnern eine Tapas-Bar am Görlitzer Park in Kreuzberg. Ich will endlich mein Leibgericht nach Berlin bringen – Calçots, das ist ein scharfer Zwiebelteller, den man mit einem Schlabberlatz isst, weil man die Zwiebeln in eine Soße tunkt und die dann tropft.

Ich stelle mir vor, wie meine Familie in das Lokal kommt. Für sie ist Essen ein Ritual, über das man sich ganze Abende lang unterhalten kann. Sicher werde ich dann unter extremer Anspannung stehen, wenn meine Mutter die Tortilla probiert. Sie wird wahrscheinlich das Gesicht leicht verziehen und mir zuraunen: Das schmeckt gut, aber ein paar Gewürze fehlen. Und wenn meine Familie im Sommer zusammensitzt und sich erzählt, wie gut das Essen bei Daniel in Berlin war, dann weiß ich, ich habe es geschafft: Ich habe mich in die kulinarische Familiengeschichte hineingeschrieben.

Aufgezeichnet von Ulf Lippitz

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • kaixo_
    • 24.02.2011 um 19:52 Uhr

    Cool! Calçots in Berlin. Da muss man mal vorbei. Ich habe lange Zeit in Valls gearbeit und die Calçotadas vermisse ich immer noch. Aber die müssen auch gut zubereitet sein. Das geht dann aber schon mehr Richtung Restaurant als nur eine Tapas Bar. Auch interessant das Daniel Brühl barcelonesische Wurzeln hat. Grüsse aus dem Baskenland.

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    Ja lecker Calçots. Aber das hat eigentlich nichts mit Tapas zu tun. ;)
    Dafür arbeite ich jetzt in Valls ;). Obwohl es ja mittlerweile überall in Catalunya Calçotadas gibt.

    Saluts

    Ja lecker Calçots. Aber das hat eigentlich nichts mit Tapas zu tun. ;)
    Dafür arbeite ich jetzt in Valls ;). Obwohl es ja mittlerweile überall in Catalunya Calçotadas gibt.

    Saluts

  1. Ich finde Herrn Brühl als Schauspieler sympatisch und wünsche ihm vor der Kamera viel Erfolg. Dieser Artikel oder Beitrag oder was auch immer hat mich allerdings verwirrt. Ich finde es einfach frech, unzulässig und unazeptabel, dass zeit.de ihm einen solchen Werberaum für sein ganz privates Gastronomieprojekt bietet. Wie ist das denn zu rechtfertigen, bitte?? Nach zehn Jahren in Deutschland musste ich als gebürtiger Spanier feststellen, dass man die sogenannte Tapas-Kultur einfach nicht exportieren kann. Man kann vieles importieren und exportieren, nur nicht eine Kultur, die aus Gewöhnheiten und einem ganz lokalen, nicht exportierfähiges Lebensgefühl besteht. Eine Tapas-Bar in Berlin ist so absurd wie etwa eine Currywurstbude in Tokio. Eine Tapas-Bar ist zum Beispiel dann total irre und alles andere als authentisch, wenn die ganz genaue Beschreibung der zu bestellenden Speisen nebst Menge, Preis zzg. MwSt. und evt. Inhaltsstoffe auf der Plastikkarte auf jedem Tisch steht, wie das mit fast absoluter Sicherheit vorschriftsmässig im Falle des Gastronomieprojektes des Herrn Brühl der Fall sein wird. Ferner ärgert mich das Vorhaben des netten Schauspielers, weil er sich ausgerechnet für den Görlitzer Park entschieden hat. Ich bin nämlich vor drei Jahren aus dem Prenzlberg ins noch etwas authentische Kreuzberg geflohen, und jetzt jagen mir diese tollen Geschäftsideen hinterher. Hoffentlich wird die neue Gaststätte nicht im Lonely Planet aufgelistet.

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    Atilano hier, Daniels Partner bei der Bar Raval...
    @ kaixo+sepphod: die calçotada ist als besonderer Event hier im Kiez gedacht, wir wollen ja nicht Datteln im Speckmantel a gogo verkaufen, sondern die Vielfalt der spanischen Küche und eben solche Besonderheiten zeigen, was mich zu
    @ Acrollam führt, dessen Einwand den Bericht als Werbung zu empfinden ein Stück weit nachvollziehen kann. Du schreibst aber selbst, dass es ein ganz privates Projekt ist und eben nicht, wie weiter unten vermutet eine tolle Geschäftsidee. Insofern ist es keine Werbung, sondern ein wichtiger Teil des Traums. Für uns beide, die in Deutschland aufgewachsen sind, geht es um eine Anknüpfung an die spanischen Wurzeln. Berlin aber gehört ebenso zu uns wie auch zur Bar Raval und es wird eine Mischung bleiben. Würde dein Einwand eigentlich bedeuten, dass man immer nur deutsche Restaurants hier eröffnen dürfte? Weil andere Nationalitäten sowieso nicht authentisch sein können? Auch wenn in den wenigen Tage schon mehrere spanische Gäste gesagt haben, sie fühlten sich wie in einer Bar in Spanien, geben wir uns der Illusion nicht hin, ein Lebensgefühl zu importieren, jedenfalls nicht mehr als wir es selbst leben. Ich kann auch nur empfehlen sich selbst soweit zu hinterfragen, warum man selbst eigentlich derjenige ist, der die Authentizität des Kiezes garantiert, die anderen aber nicht. Ist es die Gnade des früheren Umzugs? Ich selbst habe schon Mitte der 90er in Kreuzberg gewohnt... schau doch aufn Cava vorbei.

    Atilano hier, Daniels Partner bei der Bar Raval...
    @ kaixo+sepphod: die calçotada ist als besonderer Event hier im Kiez gedacht, wir wollen ja nicht Datteln im Speckmantel a gogo verkaufen, sondern die Vielfalt der spanischen Küche und eben solche Besonderheiten zeigen, was mich zu
    @ Acrollam führt, dessen Einwand den Bericht als Werbung zu empfinden ein Stück weit nachvollziehen kann. Du schreibst aber selbst, dass es ein ganz privates Projekt ist und eben nicht, wie weiter unten vermutet eine tolle Geschäftsidee. Insofern ist es keine Werbung, sondern ein wichtiger Teil des Traums. Für uns beide, die in Deutschland aufgewachsen sind, geht es um eine Anknüpfung an die spanischen Wurzeln. Berlin aber gehört ebenso zu uns wie auch zur Bar Raval und es wird eine Mischung bleiben. Würde dein Einwand eigentlich bedeuten, dass man immer nur deutsche Restaurants hier eröffnen dürfte? Weil andere Nationalitäten sowieso nicht authentisch sein können? Auch wenn in den wenigen Tage schon mehrere spanische Gäste gesagt haben, sie fühlten sich wie in einer Bar in Spanien, geben wir uns der Illusion nicht hin, ein Lebensgefühl zu importieren, jedenfalls nicht mehr als wir es selbst leben. Ich kann auch nur empfehlen sich selbst soweit zu hinterfragen, warum man selbst eigentlich derjenige ist, der die Authentizität des Kiezes garantiert, die anderen aber nicht. Ist es die Gnade des früheren Umzugs? Ich selbst habe schon Mitte der 90er in Kreuzberg gewohnt... schau doch aufn Cava vorbei.

  2. 3. Valls

    Ja lecker Calçots. Aber das hat eigentlich nichts mit Tapas zu tun. ;)
    Dafür arbeite ich jetzt in Valls ;). Obwohl es ja mittlerweile überall in Catalunya Calçotadas gibt.

    Saluts

    Antwort auf "Calçots in Berlin"
  3. Atilano hier, Daniels Partner bei der Bar Raval...
    @ kaixo+sepphod: die calçotada ist als besonderer Event hier im Kiez gedacht, wir wollen ja nicht Datteln im Speckmantel a gogo verkaufen, sondern die Vielfalt der spanischen Küche und eben solche Besonderheiten zeigen, was mich zu
    @ Acrollam führt, dessen Einwand den Bericht als Werbung zu empfinden ein Stück weit nachvollziehen kann. Du schreibst aber selbst, dass es ein ganz privates Projekt ist und eben nicht, wie weiter unten vermutet eine tolle Geschäftsidee. Insofern ist es keine Werbung, sondern ein wichtiger Teil des Traums. Für uns beide, die in Deutschland aufgewachsen sind, geht es um eine Anknüpfung an die spanischen Wurzeln. Berlin aber gehört ebenso zu uns wie auch zur Bar Raval und es wird eine Mischung bleiben. Würde dein Einwand eigentlich bedeuten, dass man immer nur deutsche Restaurants hier eröffnen dürfte? Weil andere Nationalitäten sowieso nicht authentisch sein können? Auch wenn in den wenigen Tage schon mehrere spanische Gäste gesagt haben, sie fühlten sich wie in einer Bar in Spanien, geben wir uns der Illusion nicht hin, ein Lebensgefühl zu importieren, jedenfalls nicht mehr als wir es selbst leben. Ich kann auch nur empfehlen sich selbst soweit zu hinterfragen, warum man selbst eigentlich derjenige ist, der die Authentizität des Kiezes garantiert, die anderen aber nicht. Ist es die Gnade des früheren Umzugs? Ich selbst habe schon Mitte der 90er in Kreuzberg gewohnt... schau doch aufn Cava vorbei.

    Antwort auf "Einfach frech"
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    Ist ne coole Idee mit der Calçotada als Special-Event. Ich liebe calçots. Zu welcher Jahreszeit wollt Ihr das denn machen? Denn die Calçotadas finden ja momentan statt. Das stelle ich mir bei dem kalten Wetter in D doch etwas schwierig vor.
    Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg mit der Bar. Es gibt wirklich viele leckere Sachen in der sehr vielfältigen spanischen Küche. Ich habe meiner katalanischen Freundin von eurer Bar erzählt und Sie meinte, wenn wir in Berlin sein sollten, dann müssen wir bei euch essen gehen. ;)

    hasta luego

    Sepphod

    Ist ne coole Idee mit der Calçotada als Special-Event. Ich liebe calçots. Zu welcher Jahreszeit wollt Ihr das denn machen? Denn die Calçotadas finden ja momentan statt. Das stelle ich mir bei dem kalten Wetter in D doch etwas schwierig vor.
    Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg mit der Bar. Es gibt wirklich viele leckere Sachen in der sehr vielfältigen spanischen Küche. Ich habe meiner katalanischen Freundin von eurer Bar erzählt und Sie meinte, wenn wir in Berlin sein sollten, dann müssen wir bei euch essen gehen. ;)

    hasta luego

    Sepphod

  4. 5. Erfolg

    Ist ne coole Idee mit der Calçotada als Special-Event. Ich liebe calçots. Zu welcher Jahreszeit wollt Ihr das denn machen? Denn die Calçotadas finden ja momentan statt. Das stelle ich mir bei dem kalten Wetter in D doch etwas schwierig vor.
    Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg mit der Bar. Es gibt wirklich viele leckere Sachen in der sehr vielfältigen spanischen Küche. Ich habe meiner katalanischen Freundin von eurer Bar erzählt und Sie meinte, wenn wir in Berlin sein sollten, dann müssen wir bei euch essen gehen. ;)

    hasta luego

    Sepphod

    • Puella
    • 01.03.2011 um 22:30 Uhr

    Wie kann man sich für seine Herkunft schämen? Ich persönlich kann Brühl nicht mehr ernst nehmen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie werfen einem Kind (!) vor, nicht gern in das Land seiner Eltern gereist zu sein? Ich bin als Siebenjähriger auch nicht gern zu meinen Verwandten nach Schwaben gefahren, weil es dort kläffende Hunde, lauthals lachende Tanten, fiese Cousins und keine Süßigkeiten gab und die Luft immer nach Mist stank. Mittlerweile lebe ich dort und finde es großartig.
    Bin ich deshalb in Ihren Augen ein schlechter Mensch?

    Ist es nicht normal, dass man im Leben eine Entwicklung durchmacht? Dass die Einstellungen zur "Heimat", zum eigenen Land und zur Nationalität einem ständigen Wandel unterworfen ist?

    Tut mir leid, aber mir fällt es nach Ihrer engstirnigen Aussage schwer, _Sie_ noch ernst zu nehmen.

    Sie werfen einem Kind (!) vor, nicht gern in das Land seiner Eltern gereist zu sein? Ich bin als Siebenjähriger auch nicht gern zu meinen Verwandten nach Schwaben gefahren, weil es dort kläffende Hunde, lauthals lachende Tanten, fiese Cousins und keine Süßigkeiten gab und die Luft immer nach Mist stank. Mittlerweile lebe ich dort und finde es großartig.
    Bin ich deshalb in Ihren Augen ein schlechter Mensch?

    Ist es nicht normal, dass man im Leben eine Entwicklung durchmacht? Dass die Einstellungen zur "Heimat", zum eigenen Land und zur Nationalität einem ständigen Wandel unterworfen ist?

    Tut mir leid, aber mir fällt es nach Ihrer engstirnigen Aussage schwer, _Sie_ noch ernst zu nehmen.

  5. Sie werfen einem Kind (!) vor, nicht gern in das Land seiner Eltern gereist zu sein? Ich bin als Siebenjähriger auch nicht gern zu meinen Verwandten nach Schwaben gefahren, weil es dort kläffende Hunde, lauthals lachende Tanten, fiese Cousins und keine Süßigkeiten gab und die Luft immer nach Mist stank. Mittlerweile lebe ich dort und finde es großartig.
    Bin ich deshalb in Ihren Augen ein schlechter Mensch?

    Ist es nicht normal, dass man im Leben eine Entwicklung durchmacht? Dass die Einstellungen zur "Heimat", zum eigenen Land und zur Nationalität einem ständigen Wandel unterworfen ist?

    Tut mir leid, aber mir fällt es nach Ihrer engstirnigen Aussage schwer, _Sie_ noch ernst zu nehmen.

    Antwort auf "Weshalb"
    • Puella
    • 03.03.2011 um 23:06 Uhr

    Sieben hin oder her, erzählen würde ich es ex post (als Erwachsener,nota bene!) nicht.

    Aber ist bestimmt eine gute Reklame für sein Gastronomieprojekt.

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