Plagiatsaffäre Die Titelverteidiger
Nicht zuletzt der massive Protest von Jungforschern hat Karl-Theodor zu Guttenberg zu Fall gebracht. Die Affäre wirft auch peinliche Fragen an die Wissenschaft auf.
© Jaafar Ashtiyeh/AFP/Getty Images

Ein Studierender wirft seinen Doktorhut gen Himmel
Es gab schon viele Politikerrücktritte. Es gab auch viele aus gravierenderen Gründen. Dennoch ist der Sturz von Karl-Theodor zu Guttenberg über seine Doktorarbeit beispiellos. Denn noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist ein Minister über wütende Wissenschaftlerproteste gestürzt.
Dabei war es gerade die scheinbar unpolitische Grundhaltung der Erbosten, die politische Wirkung zeigte. Denn anders als die Angriffe der Opposition im Bundestag richtete sich der Unmut der Forscher eben nicht gegen die Person des beliebten Ministers. Vielmehr forderten sie lediglich das ein, was in der Wissenschaft selbstverständlich ist: die schlichte Verpflichtung zur Wahrheit, ohne Ansehen persönlicher oder politischer Interessen. Dass dieses Beharren auf intellektueller Redlichkeit am Ende eine solche Wucht erreichte, darf sich die Wissenschaft durchaus als Erfolg anrechnen. Und sie kann es zumindest als Etappensieg verbuchen, dass wissenschaftliches Fehlverhalten nicht als lässliche Sünde abgetan, sondern – wenn auch nach langem Taktieren – als politisch relevant angesehen wurde.
Damit markiert der Fall zu Guttenberg auch für das Wissenschaftssystem eine Zäsur: Zum einen demonstriert er das gestiegene Selbstbewusstsein von Forschern, die sich für mehr als nur für die Vorgänge im eigenen Labor oder Seminar interessieren; zum anderen zeigt er, dass die viel beschworene »Bildungsrepublik Deutschland« nicht zum moralischen Nulltarif zu haben ist, sondern dass deren Standards ernst genommen werden müssen.
Allerdings – und das ist der bittere Nachgeschmack der Affäre – waren es nicht die wohlbestallten Spitzenvertreter der Forschung, die das wissenschaftliche Ethos hochgehalten haben; das haben im Gegenteil Doktoranden und einzelne Professoren getan, die sich damit persönlich angreifbar machten. So ist die »Causa Guttenberg« zwar einerseits ein Triumph der Wissenschaft, doch zugleich ein Armutszeugnis für die deutschen Forschungsorganisationen, die einen historischen Moment verpasst haben.
Schließlich hat die Affäre auch blitzlichtartig erhellt, wie es um die gern hochgehaltenen »Selbstreinigungskräfte« der Wissenschaft wirklich bestellt ist: Sie sind keinesfalls selbstverständlich, sondern hängen letztlich immer wieder vom Engagement Einzelner ab.
Wenn die Verteidiger zu Guttenbergs eine »Hetzjagd« beklagten und argumentierten, viele andere Dissertationen seien ebenfalls nicht lupenrein, dann hatten sie zumindest in einem Punkt recht: Tatsächlich wurden Doktorgrade in den vergangenen Jahren geradezu inflationär vergeben, und vermutlich würden auch andere Promovenden ins Schwitzen geraten, wenn man an ihre Arbeit die Maßstäbe redlichen Arbeitens mit voller Strenge anlegen würde. Das soll und kann zu Guttenbergs Plagiat zwar nicht entschuldigen. Aber die Hochschulen müssen sich auch fragen lassen, ob sie ihre Standards stets so hochhalten, wie sie gerne behaupten – und welche Lehren sie nun aus dem Fall ziehen.
Allen voran gilt das natürlich für die Universität Bayreuth. Nicht nur der Ruf von zu Guttenbergs Doktorvater, Peter Häberle, ist beschädigt; auch die Prüfungskommission, letztlich die ganze Jura-Fakultät (in der zu Guttenbergs Dissertation ja zur Ansicht auslag) muss sich vorwerfen lassen, nicht genau genug hingesehen zu haben.
Mangelndes Problembewusstsein kann kaum als Ausrede gelten. Spätestens seit dem Fall des Krebsmediziners Friedhelm Herrmann – der 1997 mit insgesamt 94 fingierten Arbeiten aufflog – war wissenschaftliche Fälschung in Deutschland ein Thema. Danach wurden allerorts Regeln »guter wissenschaftlicher Praxis« verabschiedet und Ombudsgremien eingerichtet. Immer wieder war in offiziellen Statements davon die Rede, dass solche Fälle künftig unnachgiebig verfolgt würden. Selbstreinigungskräfte eben. Doch der Umgang mit dem Plagiat offenbart die Schwierigkeiten mit dem hehren Ethos, bis heute.
Peinlich hat die Universität Bayreuth stets darauf geachtet, den Begriff der »bewussten Täuschung« zu vermeiden. Doch angesichts der Vielzahl von plagiierten Stellen in Guttenbergs Dissertation war für viele Juristen die Sache längst klar. »Im vorliegenden Fall ist es überhaupt nicht schwierig, Vorsatz nachzuweisen«, sagt etwa der ehemalige Bundesverfassungsrichter Brun-Otto Bryde, der heute Jura-Professor an der Universität Gießen ist. Für ihn ist die Erklärung des Bayreuther Uni-Präsidenten – der darauf beharrte, der Vorsatz der Täuschung sei äußerst schwer zu beweisen – »einer der Tiefpunkte des Vorgangs«.
Die viel beschworenen Selbstreinigungskräfte, auch das eine Erkenntnis, entfalteten sich stattdessen im Internet. Eine bunte Truppe von Nachwuchswissenschaftlern nahm im Netz mit dem GuttenPlag Wiki die umstrittene Dissertation auseinander und förderte so das ganze Ausmaß der Schummelei zutage. Auch wenn sich vermutlich nicht alle dort erhobenen Vorwürfe im weiteren Verlauf der Untersuchung (welche die Uni Bayreuth fortsetzt) erhärten lassen, ist offensichtlich, dass zu Guttenberg massiv gegen die wissenschaftlichen Standards verstoßen hat.
Der beispiellose Proteststurm der vergangenen Tage war ebenfalls ein Netzphänomen. »Aussitzen« hätte das Rezept in früheren Zeiten wohl gelautet, die Zeitungen hätten sich nach ein paar Tagen wieder anderen Themen zugewandt, die Sache wäre nach und nach in Vergessenheit geraten. Doch im Internet wuchs die akademische Empörung im Schneeballsystem und gewann binnen Stunden an Wucht.
Überraschten Dinosauriern gleich, verfolgten jene Institutionen dieses Geschehen, die sich eigentlich als Hüter der Wissenschaft verstehen: Von den großen Spitzenorganisationen wie etwa der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder dem Wissenschaftsrat war lange nichts zu hören, die Max-Planck-Gesellschaft schwieg bis Redaktionsschluss. Dabei hätte ihnen ein klares gemeinsames Statement gut zu Gesicht gestanden.
Denn spätestens nach der Erklärung Angela Merkels eine Woche zuvor, sie habe zu Guttenberg nicht »als wissenschaftlichen Assistenten« angestellt, stand die Geschäftsgrundlage der Wissenschaft zur Disposition: nicht nur die Frage, was geistiges Eigentum in Deutschland eigentlich wert ist, sondern auch die grundlegendere, welchen Stellenwert man hierzulande dem wissenschaftlichen Streben nach Wahrheit und Redlichkeit zumisst.
Schockiert nahmen viele Bildungsbürger zur Kenntnis: Weite Teile von Politik und Öffentlichkeit schienen die Tragweite des Guttenbergschen Wissenschaftsbetruges nicht zu erfassen. Dass es dabei nicht nur um den sauberen Umgang mit Quellen ging, sondern letztlich um die entscheidende Frage der Glaubwürdigkeit (sowohl in der Wissenschaft wie in der Politik), schien viele nicht zu kümmern. Es drängte sich der Verdacht auf, dass die Wissenschaft dem Rest der Gesellschaft nicht mehr klarmachen kann, nach welchen Regeln sie eigentlich funktioniert. Und weshalb diese Regeln wichtig sind.
Doch die Spitzenorganisationen reagierten mit windelweichen Erklärungen, in denen weder die Stadt Bayreuth noch der Name »Guttenberg« auftauchten. Während die Granden taktierten, waren es Einzelne, die den Mut zu klarer Sprache fanden. Ernst-Ludwig Winnacker, der frühere Präsident der DFG, prangerte von Straßburg aus an, dass die Gesellschaft mit zweierlei Maß messe: Eine Verkäuferin, die ein Stück Bienenstich mitgehen lässt, werde entlassen; beim Minister werde hingegen abgewogen zwischen akademischem Vergehen und politischer Leistung.
Dass »eine solche Abwägung bei einer Kardinaltugend wie der Ehrlichkeit in einem so eindeutigen Fall stattfindet«, so Winnacker, sei für ihn »nicht verständlich«. Doch nicht nur die Stimmung der deutschen Öffentlichkeit verstörte Winnacker; auch die zögerlichen Reaktionen der Forschungsorganisationen irritierten ihn zutiefst.
Am Ende sprangen ausgerechnet einige Doktoranden in die Bresche. Als zu Guttenberg vor dem Bundestag zwar »Fehler« einräumte, aber darauf beharrte, »nicht bewusst« getäuscht zu haben, verstand Tobias Bunde, 27, die Welt nicht mehr. »Wir haben uns gefragt, wie der Mann das noch behaupten kann«, sagt der Doktorand der Uni Konstanz. Aus Empörung über die Politik und Enttäuschung über das »Schweigen der etablierten Wissenschaftsorganisationen« verfasste Bunde einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin, stimmte ihn per E-Mail und Facebook mit anderen Doktoranden ab und stellte ihn am vergangenen Freitag um 1.04 Uhr ins Netz.
Dann ging Bunde ins Bett. Als er sich am nächsten Morgen wieder an den Computer setzte, waren Dutzende zustimmender Zuschriften eingegangen. 23.000 Unterschriften waren es schließlich, als die Doktoranden ihren Brief im Kanzleramt übergaben. Damit war der Damm gebrochen. Immer weitere Wissenschaftler meldeten sich zu Wort – bis zum Rücktritt.
Auch die Forschungsorganisationen hatten sich – nach endlosen Abstimmungen – auf eine Erklärung geeinigt. Am Dienstag dieser Woche sollte sie um 11.30 Uhr das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Da war Karl-Theodor zu Guttenberg ihnen schon zuvor gekommen. Ein Orden für nachträgliche Tapferkeit gebührt auch der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung oder der Spitze der Hamburger Bundeswehruniversität: Sie alle meldeten sich nach der Demission öffentlich zu Wort.
Mit dem Rücktritt des Verteidigungsministers ist der Fall für die Wissenschaft nicht erledigt. Losgetreten wurden die Proteste vom Nachwuchs, der um die Entwertung des Doktortitels bangt. Um sie zu befrieden, müssen jetzt überall dieselben strengen Maßstäbe angelegt werden. Und die Wissenschaft muss sich fragen, wie der Eindruck entstehen konnte, in der akademischen Welt werde doch überall mehr oder weniger geschummelt. Eigentlich wäre das ein schönes Thema für eine Doktorarbeit. Sie muss nur sauber gemacht sein.
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- Datum 02.03.2011 - 11:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 3.3.2011 Nr. 10
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Ist Diebstahl geistigen Eigentums kein gravierender Grund? Ich finde den Artikel gut, aber ich verstehe immer noch nicht warum diese Gebaren von Herrn Guttenberg verharmlost wird. Sicher ist es für Nicht-Wissenschaftler schwer nachvollziehbar wie viel Kraft, Energie und Freizeit ein Wissenschaftler opfert bis er promoviert ist. Aber hier geht es vor allem darum, dass durch ein solches Verhalten(Plagiat von Herrn Guttenberg) zum einen die Promotionsleistung entwertet wird und zum anderen alle Fehlleistungen verharmlost werden. Dann dürfte ab jetzt jeder Student Plagiate abgeben, jeder Schüler abschreiben etc.
Ich bin froh, dass sich so viele Doktoranden an der Aktion beteiligt haben, leider ist es nicht von den Professoren ausgegangen.
Mich hat es ehrlich gefreut, dass der Protest aus der Wissenschaft von uns, dem Nachwuchs, ausging. Ich gehöre auch zu der Gruppe der Doktoranden in diesem Land und zu den Unterzeichnern des offenen Briefs. Gerade meiner Generation wird gerne von 'den Altvorderen' mangelndes Interesse, Bewusstsein, Fleiß, Zähigkeit, Ernsthaftigkeit vorgeworfen. Nur zu gerne möchte man uns auf ewig im Status des Berufsanfängers und Nachwuches halten und als billige Arbeitskräfte, die keine Ansprüche stellen dürfen, missbrauchen. Doch nun hat sich gezeigt, dass wir sehr wohl an ernsthafter Wissenschaft und wissenschaftlichem Fortschritt interessiert sind und dass wir auch dafür kämpfen können und wollen. Ich blicke daher mit Freude in die Zukunft, denn auch auf die nächste Generation ist Verlass!
Mich hat es ehrlich gefreut, dass der Protest aus der Wissenschaft von uns, dem Nachwuchs, ausging. Ich gehöre auch zu der Gruppe der Doktoranden in diesem Land und zu den Unterzeichnern des offenen Briefs. Gerade meiner Generation wird gerne von 'den Altvorderen' mangelndes Interesse, Bewusstsein, Fleiß, Zähigkeit, Ernsthaftigkeit vorgeworfen. Nur zu gerne möchte man uns auf ewig im Status des Berufsanfängers und Nachwuches halten und als billige Arbeitskräfte, die keine Ansprüche stellen dürfen, missbrauchen. Doch nun hat sich gezeigt, dass wir sehr wohl an ernsthafter Wissenschaft und wissenschaftlichem Fortschritt interessiert sind und dass wir auch dafür kämpfen können und wollen. Ich blicke daher mit Freude in die Zukunft, denn auch auf die nächste Generation ist Verlass!
Die Wissenschaft tut gut daran, ihre Unabhängigkeit zu erhalten und sich nicht für die Tagespolitik instrumentalisieren zu lassen.
Und wenn jetzt alle wochenlang nur noch aufeinander rumhacken, kann man bald seine wissenschaftliche Arbeit über Streiten schreiben. Muss man sich grün sein um Wissenschaftler zu werden?
Und wenn jetzt alle wochenlang nur noch aufeinander rumhacken, kann man bald seine wissenschaftliche Arbeit über Streiten schreiben. Muss man sich grün sein um Wissenschaftler zu werden?
hab ich ja gleich mein Thema für meine Doktorarbeit. =D
"Plagiate in Deutschland - Zum selberschreiben oder schreiben lassen"
Ich hätte dann gerne ein Exemplar davon!
Aber bitte mit Angabe, bei wem sie geschrieben und von wem sie benotet wurde ...
Danke im voraus.
aber leider bin ich noch nicht so weit um mit der Doktorarbeit anzufangen.
Es dürfte also noch ein Weilchen dauern, bis Sie Post von mir erhalten. Wenn Sie sie dann immer noch lesen möchten, bin ich gern bereit Ihnen ein Exemplar zukommen zu lassen.
Mit besten GRüßen
Ich hätte dann gerne ein Exemplar davon!
Aber bitte mit Angabe, bei wem sie geschrieben und von wem sie benotet wurde ...
Danke im voraus.
aber leider bin ich noch nicht so weit um mit der Doktorarbeit anzufangen.
Es dürfte also noch ein Weilchen dauern, bis Sie Post von mir erhalten. Wenn Sie sie dann immer noch lesen möchten, bin ich gern bereit Ihnen ein Exemplar zukommen zu lassen.
Mit besten GRüßen
....das Licht auf Dinge, die die Interessen der Akademiker schädigen können. Dass sie die Aufmerksamkeit ablenken wollen von sich ist nur verständlich. Dazu deutet man am besten auf den aktuellen Täter und schreit. Leider bleibt ein schaler Geschmack und die Frage, wie ein intelligenter Mann meinen konnte ein so offensichtlich mangelhaftes Werk abgeben könnte. Er musste offenbar glauben, dass er ohne Schaden dies könnte. Das lässt sich eigentlich nur aus den Zuständen im Umfeld erklären. Und das wirft ein sehr fragwürdiges Bild auf die Wissenschaft.
Leider muss ich ihnen zustimmen. Die Wissenschaft ist längst nicht so sauber wie sie glauben macht – je höher in der Hierarchie desto schlimmer. Da riskiert kaum jemand so plumpe Urheberrechtsverletzungen, aber es gibt ganz oder zumindest halb legale Wege, sich fremdes geistiges Eigentum einzuverleiben:
- durch Koautorenschaft nach dem Motto: Jungwissenschaftler schreibt, Prof. sorgt für prestigeträchtige Veröffentlichung oder hat Gelder für Instrumente eingetrieben
- durch regelmäßige Besprechungen, in denen Assistenten/Referenten ihre neuesten Forschungsergebnisse vortragen müssen, welche dann von Bereichsleitern/Institutsdirektoren als Gemeinschaftseigentum betrachtet und verwertet werden
- durch Datenbanken, auf die eine ganze Arbeitsgruppe zugriff hat, die aber nie von den Leitern bereichert, sondern nur ausgeschöpft werden
Die Umgestaltung der Universitäten hat dem Vorschub geleistet. Während Professoren noch vor 20 Jahren selbst Grundlagenforschung betreiben konnten, sind sie heute eher zum Manager-Dasein gezwungen. Manchmal haben sie jahrelang kaum noch eigene Ergebnisse stringent zu Papier gebracht.
Ich fürchte, viele Professoren und Max-Planck-Direktoren sehen daher zwar das direkte Kopieren als Problem an, nicht aber die wissenschaftliche Zuarbeit, z.B. auch des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, weil das leider im Wissenschaftsbetrieb gang und gäbe ist.
... die mir vielleicht hier beantwortet werden kann. Zu meiner Zeit - das liegt gut 28 Jahre zurück - war es üblich, neben einem Doktorvater noch mindestens zwei Gutachter zu haben. Einer davon musste "aushäusig" sein, durfte also nicht der jeweiligen Uni angehören.
Ist das so heute auch noch usus??
Wenn ja, dann frage ich mich um so mehr, wie es möglich war, diese Dissertation überhaupt zum Rigorosum "vorzulassen". Haben die Gutachter das also für "gut" befunden? Wie ist so etwas möglich? Oder bin ich naiv?
Bei mir wurde alles nachgefragt. "Wo haben Sie das her?", "Haben Sie dafür relevante Quellen?", "Wie sind Sie zu dieser Ansicht gekommen?"....
Leider muss ich ihnen zustimmen. Die Wissenschaft ist längst nicht so sauber wie sie glauben macht – je höher in der Hierarchie desto schlimmer. Da riskiert kaum jemand so plumpe Urheberrechtsverletzungen, aber es gibt ganz oder zumindest halb legale Wege, sich fremdes geistiges Eigentum einzuverleiben:
- durch Koautorenschaft nach dem Motto: Jungwissenschaftler schreibt, Prof. sorgt für prestigeträchtige Veröffentlichung oder hat Gelder für Instrumente eingetrieben
- durch regelmäßige Besprechungen, in denen Assistenten/Referenten ihre neuesten Forschungsergebnisse vortragen müssen, welche dann von Bereichsleitern/Institutsdirektoren als Gemeinschaftseigentum betrachtet und verwertet werden
- durch Datenbanken, auf die eine ganze Arbeitsgruppe zugriff hat, die aber nie von den Leitern bereichert, sondern nur ausgeschöpft werden
Die Umgestaltung der Universitäten hat dem Vorschub geleistet. Während Professoren noch vor 20 Jahren selbst Grundlagenforschung betreiben konnten, sind sie heute eher zum Manager-Dasein gezwungen. Manchmal haben sie jahrelang kaum noch eigene Ergebnisse stringent zu Papier gebracht.
Ich fürchte, viele Professoren und Max-Planck-Direktoren sehen daher zwar das direkte Kopieren als Problem an, nicht aber die wissenschaftliche Zuarbeit, z.B. auch des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, weil das leider im Wissenschaftsbetrieb gang und gäbe ist.
... die mir vielleicht hier beantwortet werden kann. Zu meiner Zeit - das liegt gut 28 Jahre zurück - war es üblich, neben einem Doktorvater noch mindestens zwei Gutachter zu haben. Einer davon musste "aushäusig" sein, durfte also nicht der jeweiligen Uni angehören.
Ist das so heute auch noch usus??
Wenn ja, dann frage ich mich um so mehr, wie es möglich war, diese Dissertation überhaupt zum Rigorosum "vorzulassen". Haben die Gutachter das also für "gut" befunden? Wie ist so etwas möglich? Oder bin ich naiv?
Bei mir wurde alles nachgefragt. "Wo haben Sie das her?", "Haben Sie dafür relevante Quellen?", "Wie sind Sie zu dieser Ansicht gekommen?"....
Professor Lepsius. Der Mann hat klare Worte gefunden, die sehr schnell verbreitet wurden. Nachdem offenkundig war, dass sie nicht sanktioniert wurden (wie die zuvor von Herrn Oppermann), haben sich auch andere aus der Deckung gewagt.
wie war das noch? Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.
Prof. Lepsius hat unverblümt auch diese "Wahrheit" ausgesprochen - bishier sonst so von niemand, auch von der gesamten Presse geschehen:
Die "Gespaltenheit" der Persönlichkeit bedürfe einer psychologischen Betrachtung.
M.E. kann psychologisch hier ohne weiteres durch psycho-pathologische Untersuchung ersetzt werden.
In der gesamten Betrachtung darf nicht vergessen werden, was sich wie ein roter Faden durch die Guttenbergsche "Biographie" zieht: Ein durchgängiges Bedürfnis nach "etwas" zu dickem Auftrag:
Die Verweise auf Mitarbeit im eigenen Unternehmen anläßlich der Berufung zum Wirtschaftsminister (Luft!), die Hinweise auf Tätigkeiten im Ausland (Praktika!) usw., die Geilheit nach dem Titel (egal, ob nun erschwindelt oder erkauft ...)
All die Dinge, die dazu geführt haben, öffentlich von Hochstapler und Blender zu sprechen: Beruhen auf wahrnehmbaren Fakten nicht nur im Zusammenhang seiner "Doktorarbeit", sondern im Ganzen.
Das sollte nicht in Vergessenheit geraten, wenn es künftig um die Frage der Eignung Guttenbergs für neue "Ämter" geht.
M. Friedmann zu recht: "...doch versagte er bei der ersten Reifeprüfung seiner politischen Laufbahn wie kaum ein anderer."
Gabriel sprach zu recht im Bundestag von "Charakter".
Hier könnte es künftig noch manchen Anlaß zu größer Wachsamkeit und zum Mut des kleinen Kindes in "Des Kaisers neue Kleider" geben, um öffentlich zu sagen: Er hat ja gar nichts an ...
Vorschlag:
Einmal sämtliche Prüfmechanismen gerade in Jura auf Transparenz und Objektivität überprüfen!
Hier wären Beiträge von Studenten gefragt!!
Lepsius mag die Wahrheit über Guttenberg ausgesprochen haben, er hat aber kein Wort über die Rolle des Doktorvaters, des Coreferenten und der Uni Bayreuth insgesamt verloren - wurde dazu allerdings auch nicht befragt. Mit seinen markigen Worten über KTvuzG hat er vielmehr vom Versagen seiner Kollegen abgelenkt.
Prof. Lepsius hat unverblümt auch diese "Wahrheit" ausgesprochen - bishier sonst so von niemand, auch von der gesamten Presse geschehen:
Die "Gespaltenheit" der Persönlichkeit bedürfe einer psychologischen Betrachtung.
M.E. kann psychologisch hier ohne weiteres durch psycho-pathologische Untersuchung ersetzt werden.
In der gesamten Betrachtung darf nicht vergessen werden, was sich wie ein roter Faden durch die Guttenbergsche "Biographie" zieht: Ein durchgängiges Bedürfnis nach "etwas" zu dickem Auftrag:
Die Verweise auf Mitarbeit im eigenen Unternehmen anläßlich der Berufung zum Wirtschaftsminister (Luft!), die Hinweise auf Tätigkeiten im Ausland (Praktika!) usw., die Geilheit nach dem Titel (egal, ob nun erschwindelt oder erkauft ...)
All die Dinge, die dazu geführt haben, öffentlich von Hochstapler und Blender zu sprechen: Beruhen auf wahrnehmbaren Fakten nicht nur im Zusammenhang seiner "Doktorarbeit", sondern im Ganzen.
Das sollte nicht in Vergessenheit geraten, wenn es künftig um die Frage der Eignung Guttenbergs für neue "Ämter" geht.
M. Friedmann zu recht: "...doch versagte er bei der ersten Reifeprüfung seiner politischen Laufbahn wie kaum ein anderer."
Gabriel sprach zu recht im Bundestag von "Charakter".
Hier könnte es künftig noch manchen Anlaß zu größer Wachsamkeit und zum Mut des kleinen Kindes in "Des Kaisers neue Kleider" geben, um öffentlich zu sagen: Er hat ja gar nichts an ...
Vorschlag:
Einmal sämtliche Prüfmechanismen gerade in Jura auf Transparenz und Objektivität überprüfen!
Hier wären Beiträge von Studenten gefragt!!
Lepsius mag die Wahrheit über Guttenberg ausgesprochen haben, er hat aber kein Wort über die Rolle des Doktorvaters, des Coreferenten und der Uni Bayreuth insgesamt verloren - wurde dazu allerdings auch nicht befragt. Mit seinen markigen Worten über KTvuzG hat er vielmehr vom Versagen seiner Kollegen abgelenkt.
Ein sehr guter Artikel bitte mehr davon.
Nun sollten wir und seinen Doktorvater zuwenden. Es muss geklärt werden wie die Arbeit überhaupt angenommen werden konnte und wie die Note " Magna ciúm laude " zu stande kahm. Waren sie gekauft? Man wird wohl alle Doktorarbeiten des Doktorvaters untersuchen müssen, auch um ihn und andere vom Verdacht reinzuwaschen.
Auch werden wohl alle Doktorarbeiten im Algemeinen noch mal geprüft werden müssen da unser momentahen Prüfungssystem ersagt hat und wir den Fehler noch nicht kenne also auch nicht ausschliesen können das er eher im system selbst liegt.
Das dieser Part wichitg ist wisssen wir alle. Das er warscheinlich nicht kommen wird auch. Zu viele könnten Probleme gekommen zu viele wissen das es in der Realität nicht immer nach den strengen Kriterien ging. Aber genau deshalb müssen wir es tun um die Forschung und die Wissenschaft wieder auf eine Sichere Seite zu bringen, und etwaige Dokot Kauf ringe aufzudeken.
Ja das Selbstreinigungsystem hat kläglich versagt. Deshalb muss sein Arbeit nun nachgeholt werden und ein neues Aufgesetzt werden. Andernfalls könnte man den Doktor auch gleich komplett abschaffen wenn seine integrität nun immer mehr geschädigt wird, und wir nun wissen das selbst massive Plagiate ( http://de.guttenplag.wiki... ) ( auf über 76% aller Seiten ) immer noch " Magna cum laude " erhalten können und anschenend nur durhc den Zufall entdekt werden.
auch die Prüfungskommission, letztlich die ganze Jura-Fakultät (in der zu Guttenbergs Dissertation ja zur Ansicht auslag) muss sich vorwerfen lassen, nicht genau genug hingesehen zu haben.
"Nicht genau genug hingesehen" ist Unfug - es ist zumindest weltfremd.
Denn eine "ganze Fakultät" wird eine ausliegende Dissertation nicht auf fehlende "Citations" hin untersuchen. Und die Arbeit selbst, da möchte ich nochmals Baring folgen, ist anscheinend tatsächlich eine gute Arbeit. (Die Nicht-"Zitierten" haben sich ja auch nicht darüber beklagt, dass es deren schlechtere Passagen waren, die benutzt wurden :-))
Man sollte auch nicht das Schweigen der DFG in einem Abschnitt monieren um dann kurz darauf einen ehemaligen DFG Vorsitzenden als lobendes Beispiel hervorzuheben.
Das passt nicht so richtig.
Und es ist - last but not least - auch unehrlich,dass das Thema wissenschaftlichen Fehlverhaltens erst seit 1997 "auf der Agenda steht". Das Thema ist eigentlich so alt wie die Wissenschaft selbst. Und wenn wir schon Jahreszahlen nennen, dann kann man darauf verweisen, dass Ihr Redaktionskollege aus dem NDR, Albrecht Fölsing, bereits 1983 ein bemerkenswertes Buch über den "Mogelfaktor" in der Wissenschaft geschrieben hatte.
Herzlichst Crest
Mit ihrem Befund - "Denn eine "ganze Fakultät" wird eine ausliegende Dissertation nicht auf fehlende "Citations" hin untersuchen." - machen sie es sich und den Fakultäten ein bisschen zu einfach. Dafür gibt er mittlerweile Hilfsmittel und die Internetgemeinde hat gezeigt wie leistungsfähig diese sind. Das sollte künftig zum Selbstschutz aller Beteiligten zur Standardprüfung gehören.
Dem Beitrag von Crest kann ich nur zustimmen. Was hier als "Versagen der Wissenschaft" bezeichnet wird, ist ein Randphänomen, der Vorwurf wird von Leuten erhoben, die nicht wissen, wovon sie reden: wie sich halt der kleine Moritz den Wissenschaftsbetrieb vorstellt.
Natürlich, wie es zu dem "summa cum laude" kam, das fragt man sich schon bei einem, der die Arbeit als Externer nebenher schreibt. Aber bemerken, daß es ein Plagiat ist? Das ist normalerweise nur möglich, wenn man zufällig auf Stellen stößt, die einem bekannt vorkommen, und das ist - ich weiß das aus Erfahrung - sehr unwahrscheinlich. Natürlich, man könnte jede Arbeit systematisch mit geeigneter Software auf Fehler untersuchen. Aber macht man das bei einem Menschen, den man jahrelang kennt und gegen den man keinen Verdacht hegt?
Das ist - für die Wissenschaft - das schlimmste Ergebnis der Affäre. Das Geschrei nach vollständiger Überwachung von allem, was nur irgendwie mal schiefgehen könnte, nimmt wieder einmal gewaltig zu. Ein weitere Bereich des Lebens wird der lückenlosen Kontrolle unterworfen. Da möchte ich nicht mitmachen, dafür nehme ich gern in Kauf, dass gelegentlich betrogen wird- und mehr ist es nicht, anders als unsere Verschwörungstheoretiker glauben und mit ihnen die, die über die Guttenberg-Anbeter herziehen, weil diese von der Wissenschaft keine Ahnung haben und sie verachten: das ist bei ihnen selber auch nicht anders, sie ziehen nur andere Konsequenzen. Ruinös für die Wissenschaft ist beides.
Zitat von Crest: "Und die Arbeit selbst, da möchte ich nochmals Baring folgen, ist anscheinend tatsächlich eine gute Arbeit. (Die Nicht-"Zitierten" haben sich ja auch nicht darüber beklagt, dass es deren schlechtere Passagen waren, die benutzt wurden :-))"
Was ist denn das für ein Argument? Weil er sinnvolle und für ihn passende Textteile kopiert hat, ist es eine "gute" Arbeit?? Er hat, statt sich eigene Gedanken zu machen, die (natürlich möglichst besten) Gedanken anderer geklaut, was nach Meinung von Fischer-Lescano letztlich aber ohne besonderen Nährwert bleibt. Nach Fischer-Lescano ist "der wissenschaftliche Ertrag der Arbeit (..) bescheiden. (..) Guttenbergs Argumentation mäandert vor sich hin und zermürbt die Leser_innen durch seitenlanges Politsprech und die Nacherzählung rechtspolitischer Diskussionen im Konvent." (hier der vollständige Text der Rezension: http://www.kj.nomos.de/fi...).
Ach, ich vergaß, Fischer-Lescano ist ja ein "Linker" und damit per se unglaubwürdig und als Fachmann natürlich völlig unfähig.
Zunächst mal: natürlich prüft nicht eine ganze Fakultät eine Doktorarbeit. Wohl aber die Korrektoren und der Doktorvater, zudem müßte es eigentlich eine Verteidigung geben.
Nun kann man von diesen Prüfern sicher nicht erwarten, die gesamte Literatur zum Thema auswendig herbeten und wörtliche Zitate erkennen zu können. Das wäre in der Tat weltfremd.
Was man aber erwarten _muß_ ist, daß sie einen breiten Überblick über das Themengebiet und die wesentlichen Veröffentlichungen dazu haben. Und dann _müssen_ sie auch zweifelsfrei schon beim ersten Durchlesen erkennen, ob eine solche Arbeit substanziell Neues zu diesem Themengebiet beiträgt oder nur bereits publizierte Lehrmeinungen wiederkäut, was dem grundsätzlichen Wesen einer Dissertation diametral widerspricht.
Zu Guttenbergs Arbeit ist öffentlich verfügbar und jeder kann sich selbst davon überzeugen, wie wenig Eigenleistung in dieser Arbeit steckt. Daß eine inhaltlich dermaßen dünne Arbeit überhaupt akzeptiert wird, ist eigentlich schon undenkbar - erst Recht mit Prädikat "summa cum laude".
Und das hat auch nichts mit Ausnutzen von Vertrauen zu tun, wie nun der Doktorvater ins Feld führt. Denn - Vertrauen hin oder her - es wäre seine und der anderen Korrektoren unumstößliche Aufgabe gewesen, die Arbeit zu lesen und inhaltlich zu bewerten. Hätten sie auch nur diesen rudimentären Teil ihres Jobs ordentlich gemacht, wäre der Betrugsversuch mit wehenden Fahnen gescheitert.
Hochschullehrer arbeitet ja nicht bis Eins auf 1,- Euro Basis. Da darf man doch wohl erwarten, dass mindestens einer die Einleitung liest und zumindestens so belesen ist, dass er den Betrug erkennt!
Mit ihrem Befund - "Denn eine "ganze Fakultät" wird eine ausliegende Dissertation nicht auf fehlende "Citations" hin untersuchen." - machen sie es sich und den Fakultäten ein bisschen zu einfach. Dafür gibt er mittlerweile Hilfsmittel und die Internetgemeinde hat gezeigt wie leistungsfähig diese sind. Das sollte künftig zum Selbstschutz aller Beteiligten zur Standardprüfung gehören.
Dem Beitrag von Crest kann ich nur zustimmen. Was hier als "Versagen der Wissenschaft" bezeichnet wird, ist ein Randphänomen, der Vorwurf wird von Leuten erhoben, die nicht wissen, wovon sie reden: wie sich halt der kleine Moritz den Wissenschaftsbetrieb vorstellt.
Natürlich, wie es zu dem "summa cum laude" kam, das fragt man sich schon bei einem, der die Arbeit als Externer nebenher schreibt. Aber bemerken, daß es ein Plagiat ist? Das ist normalerweise nur möglich, wenn man zufällig auf Stellen stößt, die einem bekannt vorkommen, und das ist - ich weiß das aus Erfahrung - sehr unwahrscheinlich. Natürlich, man könnte jede Arbeit systematisch mit geeigneter Software auf Fehler untersuchen. Aber macht man das bei einem Menschen, den man jahrelang kennt und gegen den man keinen Verdacht hegt?
Das ist - für die Wissenschaft - das schlimmste Ergebnis der Affäre. Das Geschrei nach vollständiger Überwachung von allem, was nur irgendwie mal schiefgehen könnte, nimmt wieder einmal gewaltig zu. Ein weitere Bereich des Lebens wird der lückenlosen Kontrolle unterworfen. Da möchte ich nicht mitmachen, dafür nehme ich gern in Kauf, dass gelegentlich betrogen wird- und mehr ist es nicht, anders als unsere Verschwörungstheoretiker glauben und mit ihnen die, die über die Guttenberg-Anbeter herziehen, weil diese von der Wissenschaft keine Ahnung haben und sie verachten: das ist bei ihnen selber auch nicht anders, sie ziehen nur andere Konsequenzen. Ruinös für die Wissenschaft ist beides.
Zitat von Crest: "Und die Arbeit selbst, da möchte ich nochmals Baring folgen, ist anscheinend tatsächlich eine gute Arbeit. (Die Nicht-"Zitierten" haben sich ja auch nicht darüber beklagt, dass es deren schlechtere Passagen waren, die benutzt wurden :-))"
Was ist denn das für ein Argument? Weil er sinnvolle und für ihn passende Textteile kopiert hat, ist es eine "gute" Arbeit?? Er hat, statt sich eigene Gedanken zu machen, die (natürlich möglichst besten) Gedanken anderer geklaut, was nach Meinung von Fischer-Lescano letztlich aber ohne besonderen Nährwert bleibt. Nach Fischer-Lescano ist "der wissenschaftliche Ertrag der Arbeit (..) bescheiden. (..) Guttenbergs Argumentation mäandert vor sich hin und zermürbt die Leser_innen durch seitenlanges Politsprech und die Nacherzählung rechtspolitischer Diskussionen im Konvent." (hier der vollständige Text der Rezension: http://www.kj.nomos.de/fi...).
Ach, ich vergaß, Fischer-Lescano ist ja ein "Linker" und damit per se unglaubwürdig und als Fachmann natürlich völlig unfähig.
Zunächst mal: natürlich prüft nicht eine ganze Fakultät eine Doktorarbeit. Wohl aber die Korrektoren und der Doktorvater, zudem müßte es eigentlich eine Verteidigung geben.
Nun kann man von diesen Prüfern sicher nicht erwarten, die gesamte Literatur zum Thema auswendig herbeten und wörtliche Zitate erkennen zu können. Das wäre in der Tat weltfremd.
Was man aber erwarten _muß_ ist, daß sie einen breiten Überblick über das Themengebiet und die wesentlichen Veröffentlichungen dazu haben. Und dann _müssen_ sie auch zweifelsfrei schon beim ersten Durchlesen erkennen, ob eine solche Arbeit substanziell Neues zu diesem Themengebiet beiträgt oder nur bereits publizierte Lehrmeinungen wiederkäut, was dem grundsätzlichen Wesen einer Dissertation diametral widerspricht.
Zu Guttenbergs Arbeit ist öffentlich verfügbar und jeder kann sich selbst davon überzeugen, wie wenig Eigenleistung in dieser Arbeit steckt. Daß eine inhaltlich dermaßen dünne Arbeit überhaupt akzeptiert wird, ist eigentlich schon undenkbar - erst Recht mit Prädikat "summa cum laude".
Und das hat auch nichts mit Ausnutzen von Vertrauen zu tun, wie nun der Doktorvater ins Feld führt. Denn - Vertrauen hin oder her - es wäre seine und der anderen Korrektoren unumstößliche Aufgabe gewesen, die Arbeit zu lesen und inhaltlich zu bewerten. Hätten sie auch nur diesen rudimentären Teil ihres Jobs ordentlich gemacht, wäre der Betrugsversuch mit wehenden Fahnen gescheitert.
Hochschullehrer arbeitet ja nicht bis Eins auf 1,- Euro Basis. Da darf man doch wohl erwarten, dass mindestens einer die Einleitung liest und zumindestens so belesen ist, dass er den Betrug erkennt!
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