Ungefähr auf halber Höhe der langen Kette von Inseln, die die Exuma-Gruppe in der Mitte der Bahamas bildet, liegt Big Major Cay. Im lauen Wasser vor dem Strand dieser Insel beißt mir die Sau Stephanie in den Hintern. Vielleicht erzähle ich aber lieber von vorn, was ich hier mache, damit man mir glaubt.

Ich las von Marlinen, die man in dieser Inselwelt beim Hochseefischen angeln kann. Von der Artenvielfalt, die den Taucher an den Riffen umschwirrt. Von sensationellen Segelrevieren, von Flamingos und Wasserschildkröten. Finde ich alles schick. Und dann las ich von schwimmenden Schweinen. Das klingt so bekloppt, dachte ich, das ist doch sicher ein Märchen für Touristenmärchen, trotz vermeintlicher Beweisfotos im Internet. Um dies aufzuklären, bin ich hier. Ich werde rausfahren und nachsehen und die Wahrheit erzählen.

Für den Bootstrip habe ich Pat angeheuert. Angeblich ist er einer der erfahrensten Pig-Watch-Skipper des Archipels. Zur Einschiffung treffe ich im Hafen von Barreterre im Nordosten der Hauptinsel Great Exuma ein. »Hafen« ist eventuell irreführend. Es gibt einen 20 Meter langen Steg, ein Willkommensschild, gestiftet von der Barreterre Development Association, eine betonierte Sliprampe und eine gezimmerte Bar ohne Seitenwände. Einmal in der Woche legt das Postschiff aus Nassau an. Dazwischen passiert nicht viel in Barreterre. Einen Skipper mit Boot sehe ich noch nicht. In meinem Diensteifer habe ich mich überpünktlich herfahren und dafür das Frühstück ausfallen lassen. Das ist mit Blick auf Seefestigkeit sicher nicht hilfreich.

Hundert Meter die Straße hoch gibt es einen Laden, Rayann’s Convenience Store. Daneben sitzen zwei alte Damen in Campingstühlen. Die eine krakeelt etwas in Richtung Wohnhaus. Ein dicke Frau schiebt sich heraus und schließt den Laden auf. Ja, ich bin zum ersten Mal auf den Bahamas. »Willkommen auf der sonnigen Seite des Lebens«, sagt die Verkäuferin fröhlich und fragt, ob ich auf dem Weg zu den Schweinen sei. Gibt es die denn wirklich? Ja, sicher, draußen in den Cays. Selbst gesehen habe sie sie leider noch nicht, die Bootsfahrt sei zu teuer. Aber die meisten Touristen würden inzwischen eine Tour dorthin machen. Ob doch was dran ist an der Geschichte? Zu Hause, in Deutschland, wollte niemand glauben, dass Schweine überhaupt schwimmen können.

Mit Cola und Kokosnusscremekeksen gehe ich zurück zum Hafen. Da hocken nun zwei Männer auf der Bank im Schatten. »Du fährst heute mit Pat zu den Schweinen, oder?« Vielleicht normal, dass ich hier nicht lange verdeckt recherchieren konnte: In Barreterre leben keine 100 Menschen, auf allen 365 Exuma-Inseln zusammen sind es nur 3500. »Und, dein erstes Mal auf den Bahamas?« Ich muss unbedingt Conch essen, finden sie, diese kindskopfgroßen Meeresschnecken. Eigentlich finde ich Meeresfrüchte eklig. Conch sei anders, sagen die Männer, und wie sie die Dinger aussprechen, konk, mit einem nachlässigen Rachenklicken zum Abschluss, das hat etwas Anstößiges. »Conch gibt dir Kraft für die Ladys«, sagt der jüngere. »Yeah, und Ausdauer gleich dazu«, sagt der ältere. So wie Austern? Sie schauen mich angewidert an. »Du isst diesen salzigen Schleim?«

Ich will die Herren nicht ärgern und lenke darum lieber auf mein Lieblingsthema: Was ist denn mit den Schweinen, wart ihr schon mal da draußen? »Natürlich, es gibt großartige Conch-Bänke da draußen!« Und wie sind die Schweine? »Genau wie andere Schweine auch.« Das habe ich mir doch gedacht, jetzt fliegt der Schwindel auf. »Außer dass diese schwimmen.« Und die leben da ganz allein, ohne Hirten oder so was? »Die werden schon nicht abhauen, oder?« Und wovon leben die? »Von dem, was Leute wie du ihnen geben, und von dem, was da eben so wächst.«

Dann kommt endlich Pat. Wie er sein Boot vom Autoanhänger zu Wasser lässt und es mit ein paar Handgriffen startklar macht, das wirkt schon sehr professionell. Die Bestimmtheit seiner Bewegungen hat bei aller Lässigkeit nicht dieses extrem Energieschonende, das sie in anderen Inselreichen so gern betonen. Vielleicht liegt das ja daran, dass die Bahamas, nördlich von Kuba und östlich von Florida, im Atlantik liegen und zumindest geografisch nicht mehr wirklich in der Karibik.