Kirch-Prozess : Bankrott eines Bankers

Der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf-Ernst Breuer wehrt sich gegen die Milliarden-Klage von Leo Kirch und verstrickt sich vor Gericht in Widersprüche.

Es ist eine einfache Frage, die der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht München dem früheren Vorstandssprecher der Deutschen Bank stellt. »Was haben Sie sich eigentlich bei dem Interview gedacht?«, will Guido Kotschy von Rolf-Ernst Breuer wissen.

Bevor der einst mächtigste deutsche Banker antwortet, will er loswerden, dass er »das Interview bedauere«. Das ist keine Entschuldigung an Leo Kirch, dessen Medienimperium 2002 unterging , acht Wochen nachdem ihm der Deutsche-Bank-Chef in einem Fernsehinterview mit Bloomberg TV die Kreditwürdigkeit abgesprochen hatte. Es ist allenfalls die Einsicht, einen Fehler gemacht zu haben. Dass es Breuer leidtut, ist glaubhaft. Seine Interview-Äußerungen kleben an dem Banker wie Pech. Der Bundesgerichtshof hat sie als rechtswidrig klassifiziert.

Aber war es wirklich ein Versehen, eine Dummheit aus dem Augenblick heraus? Oder war es doch Absicht, wie Leo Kirch und seine Anwälte meinen. Führte Breuer damals womöglich einen gezielten Schlag gegen den strauchelnden Kirch?

Im Gerichtssaal erklärte Breuer am Freitag: »Das war ein Unfall, den ich, wenn ich in dieselbe Lage versetzt würde, nicht wiederholen würde.« Es ist wieder einer dieser merkwürdig gestelzten Breuer-Sätze. Wer wiederholt schon Unfälle?

Das Interview wurde am 3. Februar 2002 am Rande des Weltwirtschaftsforums in New York geführt. »Die Frage zu Kirch kam völlig überraschend«, sagte Breuer dem Gericht. Es ist aber schwer zu glauben, dass die Frage Breuer kalt erwischt hat. Wenige Tage vor dem Interview hatte Breuer auf Einladung von Bundeskanzler Gerhard Schröder in einem Spitzengespräch, an dem Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und WAZ-Eigner Erich Schumann teilnahmen, über die Probleme der Kirch-Gruppe geredet. Am Tag des Interviews war in der Financial Times über dieses Treffen berichtet worden. Im Vorstand der Deutschen Bank war fünf Tage vor dem Interview über Kirch diskutiert worden, wie das Protokoll der Sitzung vom 29. Januar 2001 belegt.

Dem Gericht tischt Breuer noch eine Geschichte auf. Er habe sich überlegt, ob er zu Kirch etwas sagen solle oder nicht. »Ich wurde vor die Entscheidung gestellt: Sagst du was, oder beschränkst du dich auf eine Bemerkung: No comment.« Er habe sich fürs Reden entschieden, weil es so ausgesehen hätte, als wäre die Lage bei Kirch hoffnungslos, wenn man sehe: »Da will selbst der Breuer nichts zu sagen.«

Mit dieser Erklärung verblüfft der Banker die Richter. Auf den Gedanken, dass er mit seinen abträglichen Äußerungen Kirch eigentlich hatte helfen wollen, wären sie von selbst nicht gekommen. Einer der Richter hakt nach: »Hätte man nicht auch sagen können, Sie könnten sich zu einzelnen Engagements nicht äußern?« Das ist in der Tat die von einem Bankier zu erwartende Antwort, wenn es um die Kreditprobleme eines seiner Kunden geht.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ob "richtig" oder "falsch"

Hierzu erlaube ich mir kein Urteil, ich weiß nur, dass die später bekannt gewordenen Zahlen klar zeigten, dass das Kirch-Imperium auf "tönernen Füßen" stand und zusammenbrechen musste. Von daher kann ich von mir nicht behaupten, dass ich Breuers Aussagen bedauere.
Übrigens ist der Artikel etwas aus dem historischen Zusammenhang gerissen, denn Zeitungen wie das Handelsblatt hatten bereits deutlich vor dem Interview aufgezeigt, dass Kirch vor dem Bankrott stand.

... 8 waren anwesend

... Einer darf aber nur reden, der große Prozessanwalt.

Einer hat das sagen.
Einer passt auf.

Einer verwaltet die Unterlagen.
Zwei schreiben mit.
Einer achtet nur auf die Richter, jede Regung.
Eine, die Hübsche, ist zur Ausbildung dabei.

Eigentlich sind das fast zu wenige .... Und sie kosten, dank Betriebskostenabzug ohnehin nur 1/4 ihres normalen Stundensatzes, also sind es tatsächlich nur 2 - und das ist doch kaum zuviel bei bis zu 1,3 Mrd....