Wie lässt sich im straffen Bachelorstudium ein Auslandsaufenthalt unterbringen?

»Man sollte darauf achten, dass das, was man studiert, zum Profil der Gast-Uni passt«, rät der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde. Wer sich passende Kurse sucht, kann Credit Points mit nach Hause nehmen und verliert keine Semester. Außerdem gibt es Studiengänge, die einen Auslandsaufenthalt im Studienplan bereits vorsehen. So werden zum Beispiel 57 Studiengänge mit dem Bachelor-Plus-Programm des Deutschen Akademischen Auslandsdiensts (DAAD) gefördert: Hier ist ein einjähriger Auslandsaufenthalt von vornherein in den achtsemestrigen Programmen eingeplant.

Wie lange dauert die Vorbereitung?

Ein Jahr sollte dafür eingeplant werden – optimal sind anderthalb, für ganz Eilige reicht mit einem Programm wie Erasmus unter Umständen auch ein halbes. Weil in einem sechssemestrigen Bachelor das zweite Studienjahr für einen Auslandsaufenthalt am geeignetsten ist, sollten sich schon Erstsemester Gedanken und einen Termin bei der Fachstudienberatung und beim Auslandsamt ihrer Hochschule machen.

Wie organisiert man einen Auslandsaufenthalt?

Hier haben es Studenten, die mit einem Programm wie Erasmus ins Ausland gehen, leichter als die sogenannten Free Mover, die das auf eigene Faust tun. Für Erstere gibt es nicht nur Betreuung im Gastland und ein kleines Stipendium von bis zu 300 Euro im Monat; weil zudem Kooperationen zwischen den Hochschulen bestehen, ist auch die Anerkennung von Studienleistungen einfacher. Free Mover müssen sich von der Hochschulbewerbung bis zur Unterkunft um alles selbst kümmern. Gerade für sie ist es sinnvoll, ein Urlaubssemester zu beantragen: Hierbei verlängert sich die Studiendauer nominell nicht, was gerade für Bafög-Empfänger wichtig ist – man kann aber trotzdem ein paar Credit Points sammeln.

Wie finanziert man die Zeit im Ausland?

Die meisten Studenten sind auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Es gibt aber mehrere andere Geldquellen wie etwa das Auslands-Bafög: Das erhalten oft auch die, die sonst keinen Bafög-Anspruch haben. Stipendien vergibt unter anderem der DAAD.

Werden Noten und Credit Points anerkannt?

Eigentlich sollte die Bologna-Reform Auslandsaufenthalte durch die Vergleichbarkeit von Studienleistungen erleichtern. Die Realität sieht anders aus: Der Anteil der Studenten, die über Probleme bei der Anerkennung von Studienleistungen klagen, hat laut dem jüngsten Internationalisierungsbericht des Studentenwerks von 24 auf 31 Prozent zugenommen. Unter denen, die bereits weg waren, hatten laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems 21 Prozent Schwierigkeiten, ihren Auslandsaufenthalt sinnvoll in ihren Studienplan einzubauen, 18 Prozent berichteten von Ärger mit der Anerkennung ihrer Studienleistung. Wer auf Nummer sicher gehen will, geht an eine Partnerhochschule oder schließt vorab ein Learning Agreement: Er sucht Kurse aus dem Programm der Gast-Uni und lässt sich zu Hause schriftlich bestätigen, dass diese bei erfolgreichem Abschluss angerechnet werden.

Der Bachelor sollte die Mobilität eigentlich fördern – wie sieht es tatsächlich aus?

Der Anteil der reisewilligen Studenten sinkt seit Jahren – wenn auch nur minimal (siehe Infokasten). Der Anteil der Bachelorstudenten, die im Ausland waren, ist dabei laut Internationalisierungsbericht mit sieben Prozent geringer als in traditionellen Studiengängen: In Diplom- und Magisterstudiengängen sind es 23 Prozent. Als wichtigen Grund nennen 46 Prozent der Bachelorstudenten Zeitverlust im Studium.

Hat sich durch die Reformen nach dem Bildungsstreik etwas verbessert?

»Die Hochschulen sind dabei, Studienprogramme zu überarbeiten, aber es gibt noch Nachholbedarf«, sagt Meyer auf der Heyde. Derzeit werden überladene Studiengänge entschlackt, um sogenannte Mobilitätsfenster einzubauen. Auch Kooperationen mit ausländischen Hochschulen und Programme werden ausgebaut.