Tobias Huch ist Vorstand von Huch Medien, das unter anderem für das Erotik- und Lifestylemagazin "Private Only" verantwortlich ist © Florian Seefried/Getty Images

Man kann sich seine Freunde nicht immer aussuchen. Erst recht nicht, wenn es mehr als 300.000 sind und sie im Schlepptau eines Erotikunternehmers daherkommen. Wahrscheinlich hatte Karl-Theodor zu Guttenberg in diesen Tagen aber auch drängendere Probleme, als bei seinen Freunden besonders wählerisch zu sein.

304.772 Menschen hatten sich bis zu seinem Rücktritt am Dienstagvormittag auf Facebook zu der Seite » Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg « bekannt, um den Verteidigungsminister zu stützen. Das ist nach nicht einmal zwei Wochen rekordverdächtig. Schnell kam daher der Verdacht auf, da habe jemand einfach ein paar Freunde dazugekauft, schließlich gibt es mittlerweile PR-Agenturen, die Zuneigungsbekundungen auf Facebook im 1000er-Paket feilbieten. Das Soziale Netzwerk prüft aber angeblich solche Vorwürfe und geht laut eigener Aussage gegen Freundeskauf vor. Und auch Tobias Huch, der Initiator der Anti-Jagd-Seite, streitet die Vorwürfe entschieden ab. Er sei ebenfalls überrascht gewesen vom starken und schnellen Zulauf, sagt er – aber für zu Guttenberg Freunde gekauft habe er garantiert nicht.

Obwohl er das Geld dafür gehabt hätte. Der Mann, der sich an vorderster Front für KTG einsetzt, hat mit seinen 29 Jahren schon eine recht lange Unternehmerkarriere hinter sich. »Schillernd«, dieses Wort liegt beim Blick auf seine Vita nahe, weniger jedoch beim Blick auf sein Foto. Das entspricht dann doch dem Klischee des Bezirksvorsitzenden der Jungen Liberalen, der er in Rheinhessen-Vorderpfalz tatsächlich ist.

Huch begann sein Leben als Geschäftsmann wie so viele in der Internetbranche: neben der Schule, vom Computer zu Hause aus. Während andere junge Computernerds Spiele entwickeln oder gleich ganze Netzwerke, interessierte sich Huch eher für den Sperrbezirk des Internets. Seine im Jahr 2000 zusammen mit einem Programmierer entwickelte Ueber18.de-Software zur sicheren Altersverifikation bei prekären Inhalten wurde zum Verkaufsschlager und brachte ihm den Venus Award ein, einen Preis aus der Pornobranche. Allerdings fanden Huchs Aktivitäten das Missfallen des Mainzer Gymnasiums, das er besuchte. Wie er berichtet, legte man ihm nahe, seine Aktivitäten zu beenden oder die Schule zu wechseln. Huch ging, nicht ohne später Rache zu nehmen und die Werbeplätze in der Abi-Zeitung seiner alten Schule komplett aufzukaufen – für Ueber18.de und sein damaliges Unternehmen Erodata.

Zwischenzeitlich hat er sich auch als Spürhund für Datenlecks einen Namen gemacht: Er wies auf größere Lücken in der Firewall des Bundesjustizministeriums hin, später folgten Datenskandale bei Schlecker und der Telekom, die er aufdeckte.

Heute führt der junge Unternehmer die Huch Mediengruppe , die sich – etwa mit dem »Erotik- und Lifestylemagazin« Private Only (kurz: PO) – zwar immer noch dem Rotlicht verpflichtet fühlt, aber auch Videos für Musiker wie Cassandra Steen oder Joy Denalane produziert. Aus der Gruppe wolle er sich zurückziehen und sich mehr dem Beratungsgeschäft zuwenden, sagt Huch, er habe viele Prominente und Politiker als Kunden. Wer dazu zählt, verrät er nicht.