Hätte es schon Illustrierte gegeben, wäre die Perserkönigin Atossa, Gemahlin Darius’ I., vermutlich zum Liebling des Boulevards geworden. Sie war attraktiv (Atossa: »die mit den schönen Rundungen«). Sie war reich: Ihr Clan regierte in einem goldenen Palast ein Imperium, das sich von Bulgarien bis Indien erstreckte. Und sie war bedauernswert, denn in ihrer Brust wuchs ein Knoten, der ihr Angst machte. Sie verbarg das Geschwür, bis es nicht mehr zu verbergen war. Es begann zu bluten und zu nässen.

Im 5. Jahrhundert vor Christus gab es noch keine Reporter, aber den griechischen Geschichtsschreiber Herodot. Er hielt das Schicksal der Königin fest. So wurde Atossa die erste namentlich bekannte Krebspatientin der Welt. Erfreulicher- und überraschenderweise fand die royale Krankengeschichte sogar ein glückliches Ende: In ihrer Not wandte sich Atossa an den medizinkundigen Sklaven Demokedes, und der habe sie, so berichtet Herodot, »durch seine Behandlung gesund gemacht«.

Auch das wäre eine Premiere. Denn das Leiden an sich war zu dieser Zeit schon gut zwei Jahrtausende bekannt – aber man hielt es für unheilbar. So listet der ägyptische Universalgelehrte Imhotep 2625 vor Christus in einer medizinischen Abhandlung insgesamt 48 Gebrechen nebst Therapien auf. Vom Hautabszess bis zum Schädelbruch – alles ist in dem Papyrus ausführlich beschrieben. Nur bei Fall 45, den »aus der Brust hervorquellenden Massen«, wird der Gelehrte wortkarg. Zur Therapie heißt es knapp: »Es gibt keine.«

Nachdem Atossas Fall aktenkundig geworden war, bezweifelten viele, dass tatsächlich ein Arzt die monströse Krankheit besiegt haben sollte. Und diese Zweifel keimen bis heute wieder auf, wenn ein neues Mittel erst große Hoffnungen weckt und am Ende doch enttäuscht. Zwar gilt gerade der Brustkrebs im Vergleich zu anderen Tumorarten als relativ gut therapierbar, wie Mathias Warm, Chefarzt am Brustzentrum Köln-Holweide, bestätigt. Inzwischen überleben gut 80 Prozent der Patientinnen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose – allerdings streut die Krankheit oft und befällt dann andere Organe.

Wir wissen nicht, wie es Atossa wirklich erging. Altertumskundler halten Herodot für eine wenig objektive Quelle. Josef Wiesehöfer von der Universität Kiel zum Beispiel glaubt, dass der Grieche die Geschichte vor allem deshalb aufgeschrieben habe, um den Sklaven Demokedes, der ebenfalls Grieche war, »ins rechte Licht zu rücken«. Tatsächlich weist Herodots Bericht viele Lücken auf. So teilt er uns nicht mit, worin die Behandlung bestand, nicht, wie lange Atossa überlebte, und erst recht nicht, woran sie schließlich 475 vor Christus im Alter von 75 Jahren starb. Im Grunde können wir nicht einmal sicher sein, ob die Königin wirklich an Krebs litt.

Bleibt die Tatsache, dass die Krankheit just in der Zeit des Herodot ins Bewusstsein der Menschen rückte. Zentrum der Forschung war eine Insel dicht vor der Küste Kleinasiens: Kos. Ob die frühe Verehrung des Heilgotts Asklepios den Forscherfleiß auf dem Eiland förderte oder ob es einfach am Ausnahmetalent des dort geborenen Arztes Hippokrates lag – in jedem Fall sollte Hippokrates von Kos (460 bis 370 vor Christus) die Medizin für Jahrhunderte prägen.

Mit seinen Schülern untersuchte er Geschwüre in verschiedensten Organen. An der weiblichen Brust ließ sich die Krankheit besonders anschaulich studieren. Die Ärzte beobachteten Tumoren, die sich ins Fleisch eingegraben hatten wie Krabben im Sand, Panzer aus weißem, schlecht durchblutetem Gewebe. Karkinos nannten sie das, was sie da sahen, und gaben dem Leiden damit den Namen, den es heute in fast allen Sprachen trägt: Krebs.

Den Terminus karkinoma, Karzinom, reservierten die griechischen Gelehrten für besonders schwere Verlaufsformen der Krankheit. Die Unterscheidung, was gut- und was bösartig war, fiel ihnen allerdings noch schwer. Letzte Klarheit brachte oft erst, bitter genug, der Tod des Patienten.

Natürlich gab es damals schon die ersten Therapieversuche. In den Schriften der Medizinerschule finden sich Anleitungen, wie man Spülungen für Patientinnen mit Brust- und Gebärmutterkrebs zubereitet und Geschwüre im Schlund entfernt. Bei der Behandlung von Tumoren, die sich im Körper fortpflanzen, riet Hippokrates aber zur Abstinenz. Diese Geschwüre lasse man als Arzt »am besten unbehandelt, weil die Patienten so länger leben«.

Diese Meinung vertritt Galenus von Pergamon noch 500 Jahre später. Der auf dem Gebiet der heutigen Türkei geborene Grieche ist ein gefragter Society-Doktor, vom Jahr 169 an sogar Leibarzt des römischen Kaisers. Weniger noch als sein Vorbild Hippokrates vertraut Galen der Chirurgie. Stattdessen entwickelt er dessen Theorie weiter, wonach alle Krankheiten durch Ungleichgewichte in Körper und Seele verursacht würden. Um Heilung zu bewirken, meint Galen, müsse man am Temperament arbeiten und vor allem die Balance zwischen Blut, Schleim, schwarzer und gelber Galle wiederherstellen. Für den Krebs macht er einen Hang zur Melancholie und einen Überschuss an schwarzer Galle verantwortlich.

Die Krebserkrankung der letzten Medici fällt in eine Zeit der Ratlosigkeit

Diese Theorie stieß bei den Ärzten bis in die Neuzeit auf großen Widerhall. Wie wir zum Beispiel aus Berichten vom Hofe des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. wissen, wurden Kranke dort in der Tradition Galens beständig zur Ader gelassen und mit Brech- oder Abführmitteln traktiert. Dass Ludwigs Mutter, Anna von Österreich, trotz Brustkrebs und entsprechender Therapie das 65. Lebensjahr erreichte, lässt auf eine gute Grundkonstitution schließen.

Indes: Lange zuvor schon hatten sich Zweifel an Galen geregt. Im Winter 1533 kommt der 19-jährige Andreas Vesalius zum Medizinstudium nach Paris. Von den Anatomiekursen an der dortigen Universität hat sich der Brüsseler Apothekerssohn viel versprochen, will er doch Galens Theorie in der Praxis nachvollziehen. Aber der Keller des ehrwürdigen Hospitals Hôtel-Dieu erweist sich als Enttäuschung. Dort schnippeln Professoren planlos an Leichen herum. Oft schnappen die Hunde des Labors sich die Präparate, bevor die Studenten sie richtig in Augenschein genommen haben.

Um das Innere des Körpers studieren zu können, schleicht sich Vesalius zum Richtplatz Montfaucon oder zu einem der Friedhöfe der Stadt. Was er von dort an Leichen wegschleppen kann, seziert er zu Hause auf eigene Faust. Manchmal zieht er zweimal am Tag los, um Anschauungsmaterial zu holen. Doch sosehr er auch sucht – die schwarze Galle, die Galen für den Krebs verantwortlich macht, findet er nicht.

Vesalius, der später nach Italien geht, sich in Venedig niederlässt und Professor an der Universität von Padua wird, legt Körperschicht um Körperschicht frei. Er malt Landkarten der Muskeln, Sehnen und Adern. Während bei ihm die Zweifel an Galen wachsen, nutzen dessen Anhänger diese Zeichnungen als Anleitung zum Aderlass. Erst als sich die anatomischen Studien weiter verbreiten, verliert Galens Säftelehre allmählich an Einfluss.

Genau 75 Jahre nach dem Tode Annas von Österreich im Jahre 1666 erkrankt in Florenz ihre Großnichte an Brustkrebs: Anna Maria Luisa de’ Medici, die letzte Fürstin der berühmten toskanischen Herrschersippe. 25 Jahre ihres Lebens hat sie als Ehefrau des pfälzischen Kurfürsten Jan Wellem in Düsseldorf zugebracht; 1717, nach seinem Tod, ist sie nach Florenz zurückgekehrt. Aus den Bulletins ihres Leibarztes erfahren wir, dass sie 1739 einen Knoten in ihrer Brust entdeckt. Die Behandlung besteht in einer »kräftigenden Diät« und Verbänden für die Brust. Von Aderlass ist nur noch selten die Rede. Man liest allerdings auch noch nichts von anderen, fortschrittlicheren Behandlungsmethoden. 1743 stirbt die Fürstin.

Die Krebserkrankung der letzten Medici fällt in eine Zeit der Ratlosigkeit: die Theorien der Antike haben ausgedient, erfolgversprechende neue Therapien aber bleiben rar. Zwar versuchen sich die Ärzte immer wieder an Operationen, doch die Ergebnisse sind eher ernüchternd.

Hinzu kommt: Die Eingriffe sind eine Tortur. Viele Frauen, schreibt der Mediziner Lorenz Heister, Professor an der Universität Altdorf, überstünden zwar die Brustamputation mit größtem Mut und ohne Jammern. Andere dagegen machten ein solches Getöse, dass sie den Arzt bei der Arbeit behinderten. Der Chirurg solle standfest sein und sich keinesfalls von den Schreien der Patientin irritieren lassen, rät er 1718 in seinem Lehrbuch für Chirurgen. Er selber amputierte zum Beispiel, wie Marion Maria Ruisinger vom Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt berichtet, Anna Bayer, eine Bauersfrau aus der Oberpfalz, »und zwar nur mit Hilfe eines scharfen Messers. Der Tumor wog 12 Pfund, die Frau lebte einige Jahre später noch.«

Notdürftig mit Alkohol und Opium sediert, werden die Kranken für den Eingriff festgeschnallt. Die Arme nach hinten gebogen und mit einem durch die Ellenbogen geschobenen Stock fixiert, liegen sie vor ihrem Operateur. Jeden Schnitt, jeden Nadelstich erleben sie mit und auch das Veröden der blutenden Gefäße mit glühenden Sonden. Und ist diese Tortur überstanden, müssen sie noch fürchten, ihr Leben durch Wundbrand zu verlieren, denn die Kunst der Desinfektion ist weitgehend unbekannt. »Ich öffnete die Augen und sah die blutige Brust liegen. Ich schloss wieder die Augen und der 2te Schnitt geschah«, notiert etwa Margarethe Elisabeth Milow über ihre Brust-OP anno 1793. »Sie wollen doch nicht die Adern zubrennen?«, fragt die Hamburger Pfarrersfrau, als sie den Arzt während des Eingriffs nach Kohlen verlangen hört. Zu spät: »Der Schmertz kam sehr heftig.«

Weltweit wetteifern die Chirurgen mit immer gewagteren Brustoperationen

Im selben Jahr, 1793, geht es immerhin einen wichtigen Schritt voran. Der britische Anatom Matthew Baillie bringt eine detaillierte Anleitung heraus: The Morbid Human Anatomy of Some of the Most Important Parts of the Human Body . In diesem Panorama schwerster Krankheiten beschreibt er Geschwüre verschiedenster Art und bildet sie minutiös in Kupferstichen ab: Nun haben die Chirurgen ihren Atlas – und sie nutzen ihn fleißig. Einige Jahrzehnte später gibt es endlich auch in der Anästhesie und der Hygiene Fortschritte. Zwei Entdeckungen sorgen für Erleichterung: zum einen der Diethylether, der unter dem Namen »Hoffmannstropfen« zuvor als Stärkungsmittel verschrieben worden ist. 1846 zeigt sich, dass er als Narkotikum taugt, wenn der Patient ihn via Maske inhaliert. Fast zeitgleich findet der schottische Arzt Joseph Lister heraus, dass Karbol – bis dahin als Abflussreiniger genutzt – auch Keime in Wunden bekämpft.

1869 wagt Lister in Glasgow seine erste Brustamputation, unter Vollnarkose und (fast) sterilen Bedingungen. Noch operiert der Chirurg auf dem heimischen Esstisch. Das aber gelingt ihm offenbar bald so routiniert, dass er kurz darauf auch krebsbefallene Lymphknoten entnimmt.

Die Ärzte haben erkannt, dass die Krankheit zurückkehrt, wenn nur kleinste Reste des Tumors im Körper zurückbleiben. Die Hamburgerin Margarethe Milow stellt Wochen nach der Brustamputation fest, dass sich die Narben verhärten und das Fleisch aufbricht. »Es war Dein Wille, auch wenn Deine Wege dunkel sind«, schreibt die Pfarrersfrau in ihren bewegenden Aufzeichnungen. Wenige Monate später ist sie tot.

Weltweit wetteifern die Chirurgen mit immer gewagteren Brustoperationen. Einer entfernt mit der Brust routinemäßig das Schlüsselbein, ein anderer den Muskel, der den Arm bewegt. Die Frauen bleiben – wenn sie denn überleben – als Krüppel zurück. Der amerikanische Arzt William Stewart Halsted prägt für das Gemetzel den Begriff »Radikaloperation«.

Eine Alternative zum Skalpell bringen erst zwei weitere Erfindungen: 1895 experimentiert der Physiker Wilhelm Röntgen in seinem Würzburger Labor mit Elektronen in einer Vakuumröhre und entdeckt die Strahlen, die heute seinen Namen tragen. Die Mediziner beginnen, ihre Patienten damit auf Knochenbrüche und Lungenschatten zu durchleuchten – und entdecken, dass das schnell wachsende Krebsgewebe die Strahlen schlecht verträgt. Schon im Jahr darauf wird in den USA die erste Brustkrebspatientin »bestrahlt«. Es ist der Beginn der Radioonkologie.

Auch die dritte Therapieform, die Chemotherapie, hat ihren Ursprung in Deutschland – wenngleich die Erfindung, die den Weg wies, zunächst so gar nicht zum Wohl der Menschheit gedacht war. Im Gegenteil: Senfgas, 1822 erstmals von dem belgischen Chemiker César-Mansuète Despretz hergestellt, wird seit 1917 in deutschen Chemiefabriken für den Einsatz in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs produziert. Es bringt Tausenden britischen Soldaten den Tod. Die Überlebenden leiden unter einem dramatischen Verlust von weißen Blutkörperchen. Amerikanische Ärzte bringt das auf die Idee, die Substanz umgekehrt als Therapie bei überbordender Leukozytenproduktion – also Leukämie – einzusetzen. 1942 wird in New York der erste Patient damit behandelt.

Ermutigt durch gewichtige Erfolge, eröffnet Amerika kurz nach dem Zweiten Weltkrieg einen zivilen Kampf. Führende Forscher rufen zum war on cancer auf: Generalstabsmäßig läuft 1948 die erste Spendenkampagne an. Die Lobbyarbeit gelingt perfekt, und in den Jahrzehnten darauf vergibt auch Washington großzügig Forschungsgeld. Die Begeisterung scheint kaum zu bremsen.

Was hat sich in den rund 5000 Jahren seit der Entdeckung des Leidens getan?

Europa folgt. In Deutschland gehört Mildred Scheel zu den Aktivisten. 1974 gründet die studierte Radiologin und Ehefrau des damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel die Deutsche Krebshilfe. Sie organisiert Konferenzen, initiiert Selbsthilfegruppen und hält landauf, landab Vorträge, um das Tabu um die Krankheit zu brechen. Und doch: Als bei ihr selbst Darmkrebs diagnostiziert wird, versucht sie, ihr Leiden geheim zu halten. Als sie zur Behandlung in die von ihr selbst gegründete Kölner Krebsstation geht, meldet sie sich als »Frau Berger« an. »Es wäre eine Katastrophe, wenn die Leute [...] erfahren, dass mir keiner helfen konnte«, sagt sie Vertrauten. 1985 stirbt sie, erst 52 Jahre alt.

Just in jenen Jahren setzt in den USA Ernüchterung ein. Zwar boomt die Forschung weiterhin. So erscheinen 1984/85 fast 6000 wissenschaftliche Artikel allein zum Thema Chemotherapie. Die Patienten werden nun zusätzlich zu OP und Bestrahlung oft mit sechs oder gar sieben Substanzen bombardiert. Doch leider, so stellt der amerikanische Onkologe Siddhartha Mukherjee in seinem gerade erschienenen Buch The Emperor of Maladies – a Biography of Cancer fest, schlug sich all das nicht in der Sterbestatistik nieder. Die Zahl der Tumortoten steigt in den achtziger Jahren weiter an.

Die neuen Mittel sind zwar theoretisch geeignet, unkontrolliertes Zellwachstum zu stoppen, aber oft verfehlen sie ihr Ziel, weil man die Prozesse in den Zellen nicht versteht. Ein neuer Ansatz muss her. 1953 bereits wird erstmals das Innere des Zellkerns beschrieben: die DNA, in der das menschliche Erbgut eingeschrieben ist. Ihre Entschlüssung indes dauert noch Jahrzehnte. Erst 2000 ist es so weit. Für einen kurzen Augenblick scheint alles möglich: Krankheiten vorherzusagen, sie individuell zu therapieren, vielleicht sogar ihren Ausbruch zu verhindern.

Die amerikanische Autorin Susan Sontag erfährt den war on cancer am eigenen Leib. Mitte der siebziger Jahre – gerade hat Präsident Richard Nixon die Forschung mit 1,5 Milliarden Dollar aufgerüstet – entdecken die Ärzte in ihrer Brust einen Tumor. Sie überwindet ihn ebenso wie das Gebärmuttersarkom, das sie einige Jahre darauf befällt. Doch die Behandlungen hinterlassen Spuren. Als sie später an Leukämie erkrankt, halten die Ärzte das für eine Folge der vorherigen aggressiven Therapien. 2004, in dem Jahr, in dem die US-Regierung erstmals den Rückgang der Krebstoten-Zahlen verkündet, erliegt Sontag dem Leiden.

Schon kurz nach der ersten Diagnose hatte sie 1978 einen viel beachteten Essay geschrieben: Krankheit als Metapher. Darin protestiert sie gegen die weitverbreitete Idee, dass Trauer, Angst oder Melancholie das Leiden anzögen. »Die Psychologisierung der Krankheit Krebs spiegelt Kontrollmöglichkeiten über Dinge vor, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen«, kritisiert sie. Wer Genesung zu einer Frage des Willens erkläre, überfordere die Kranken. Sontag kämpfte gegen die letzten Reste des antiken Erbes. Sie kämpfte gegen Galen.

Was hat sich in den rund 5000 Jahren seit der Entdeckung des Leidens getan? Die Ärzte nutzen neben dem Skalpell nun Strahlen, Chemikalien und inzwischen auch die Biotechnik. Frauen können eine Brustkrebsdiagnose 30 Jahre überleben, wie Susan Sontag.

Nach ihrem Tod schrieb ihr Sohn David Rieff ein Buch über den Kampf, den Kummer und die Krankheit an sich. Er befragte dafür führende Forscher. Mark Greene von der University of Pennsylvania etwa, der zu denen gehört, welche die Grundlagen für die erste individualisierte Therapie gegen Brustkrebs legten: die Biotech-Arznei Herceptin. »Das beste Mittel gegen Krebs ist, ihn früh zu behandeln«, sagt Greene. Im Umgang mit fortgeschrittenen Tumoren fehle es einfach noch an Erkenntnissen. Mit anderen Worten: Der Kampf geht weiter.