KrimiZeit-Bestenliste: Die zehn besten Krimis im März
Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben.
1 Elmore Leonard: Road Dogs
Aus dem Englischen von Conny Lösch und Kirsten Risselmann; Eichborn, 304 S., 19,95 €
Miami/Los Angeles: Im Knast von Miami waren Bankräuber Jack Foley (George Clooney in Out of Sight) und Dealer Cundo Rey Kumpel: Road Dogs. Draußen in Los Angeles wird die Freundschaft getestet. Von den Umständen. Und von Cundos Frau. Wer überlebt? Der am schnellsten redet und denkt. Super.
2 Francisco González Ledesma: Gott wartet an der nächsten Ecke
Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg; Ehrenwirth, 416 S., 22,99 €
Barcelona/Madrid/Ägypten: »Eine miese, eine wunderschöne Geschichte.« Inspektor Méndez stolpert über eine Kinderleiche, verlässt Barcelonas Barrio Chino, ermittelt in Madrid und am Nil unter Blinden, Schwerreichen und Attentätern. Abgeklärtes Wunderstück aus dem Geist katalanischer Romantik.
- Das Beste vom Besten
An jedem ersten Donnerstag des Monats geben 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio.
- Die Jury
Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Thomas Klingenmaier, "Stuttgarter Zeitung",
Kolja Mensing, "Tagesspiegel",
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, NDR,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, Elder Critic, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Plärrer", "culturmag", DRadioKultur
3 Daniel Woodrell: Winters Knochen
Aus dem Englischen von Peter Torberg; Liebeskind, 224 S., 18,90 €
Tief in den Ozarks: Jessup, bester Meth-Koch im Tal, ist verschwunden, sein Haus für die Kaution verpfändet. Die sechzehnjährige Ree muss des Vaters Tod beweisen, sonst landet sie mit Mutter und kleinen Brüdern auf der Straße. Ree steht’s durch, härter als alle. Country Noir, original vom Erfinder.
4 Michael Koryta: Blutige Schuld
Aus dem Englischen von Thomas Bertram; Knaur, 476 S., 9,99 €
Tomahawk, Wisconsin: Als Frank Temple III. erfährt, dass Gangster Devin nach Wisconsin kommt, heißt es: Nichts wie hin. Doch die geplante Rache für seinen Vater fällt anders aus, als er gedacht hat. In der Wildnis der Wälder geraten Pläne ins Wanken. Schlichte, klare Sache: Männer, Frauen, Kampf. Rau und direkt.
5 Richard Stark: Sein letzter Trumpf
Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein; Zsolnay, 288 S., 17,90 €
Albany/Hudson River: Ein Kasinoschiff wird kommen. Parker und Kollegen rauben den Weekendgewinn, weggeschafft in der Kloschüssel eines Rollstuhls. Rauben ist schwer, die Beute sichern schwerer. Parker und Co. sind nicht allein, gierige Idioten mischen mit. Und Parker hat einen Fehler gemacht. Sehr kühl.
6 Romain Slocombe: Das Tamtam der Angst
Aus dem Französischen von Katarina Grän; Distel Literatur Verlag, 108 S., 10,–€
Paris/Lille: Fridelance muss es bringen. Die nörgelnde Frau will Geld. Mit der Illustration von Gruselschinken nicht zu schaffen. Auch der Versuch, einen seltenen Hocker zu versteigern, endet zwischen den Stühlen. Fridelance in der Klemme. Die Tamtams! Das Grauen! Bös, schnell, witzig: 100 Seiten und ein Knall.
7 Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen
Theiss, 280 S., 19,90 €
Stuttgart 2010: oben – unten. Nur ein Deus ex Machina kann helfen. Steinfest lässt gleich drei auftreten: unterirdisch, überirdisch und mit Scharfschützengewehr. »Dichter denken, was wir uns selbst nicht zu denken trauen.« Krimi als präziser Traum zu Stuttgart 21.
8 Michael Connelly: Sein letzter Auftrag
Aus dem Englischen von Sepp Leeb; Heyne, 496 S., 19,99 €
Los Angeles/Las Vegas: Zwölf Tage hat Jack McEvoy, Gerichtsreporter der Los Angeles Times. Dann hat er zu gehen. Rendite statt Recherche. Gegen Nachwuchsjournalistin Angela und einen Serienkiller landet McEvoy seinen letzten Scoop. Journalismus und Verbrechen. Connelly up to date.
9 Ken Bruen: London Boulevard
Aus dem Englischen von Conny Lösch; Suhrkamp, 264 S., 8,95 €
London: Exknacki Mitchell bekämpft sich, den Alkohol und Gangster Gant. Sein schlimmster Feind ist die Sentimentalität. Er kann nicht Nein sagen. Also sagt er Ja zum Leben, verliebt sich, beschläft eine Filmdiva und geht fast drauf. Ultra-Noir-Pastiche von Boulevard der Dämmerung. Hart, schnell, intertextuell.
10 Martin Suter: Allmen und die Libellen
Diogenes, 208 S., 18,90 €
Bankstadt in der Schweiz: Gäbe es diese Existenzform noch, würde man den Hochstapler und Dandy Johann Friedrich von Allmen einen Wechselreiter nennen, obwohl er sogar dazu zu lethargisch wäre. Per Beischlafdiebstahl klaut er fünf Jugendstil-Libellen und hehlt sie der Polizei zurück. Ein PI für müde Snobs.







Die Kurzbeschreibung kann das Interesse wecken. Ergänzt werden oder abflauen kann es ja immer noch durch "Rein lesen" in der Buchhandlung. Nur weiter so. Und auch bitte weiterhin die 10 Euro Ausgaben beachten. Man könnte ja auch in einer anderen Rubrik kurz aufzeigen, was als Hardcover besprochen, jetzt als Taschenbuch vorliegt. Ca. 20 Euro sind liquiditätsmässig schon eine Marke. Insbesondere wenn man einen Roman an einem Wochende gelesen hat. Bei 10 Euro kann man überlegen, ob Kino oder Buch.
Nach sechs Jahren ist die "Welt" ausgestiegen und deshalb heißt die "KrimiWelt"-Bestenliste jetzt "KrimiZeit"-Bestenliste. Das ist Kosmetik - mehr ändert sich nicht (und gibt hoffentlich keinen Ärger mit der Website krimizeit.de) Auch die "Zeit" bekommt es nicht hin, alle zugehörigen Rezensionen der Jury-Mitglieder, die in verschiedenen Webangeboten ja durchaus greifbar sind, gebündelt zu verlinken, damit endlich mal inhaltlich deutlich wird, wie diese Liste zustande kommt (diese albernen, selbstverliebten Kurztexte nerven). Letztlich ist nach sechs Jahren die Luft für wirklich interessierte Krimileser aus dieser Liste längst raus. Zu vorhersehbar sind die Empfehlungen (Connelly, Steinfest, Woodrell und Ledesma sind nicht wirklich überraschend), zu wenig werden Entscheidungsprozesse deutlich. Diskurs ist von den Herren und (und wenigen) Damen Kritikern nicht gewünscht - etwa zum durchaus ja umstrittenen 10 Platz dieser aktuellen Liste. Die "KrimiZeit"-Bestenliste ist somit schon bei ihrer ersten Ausgabe nichts anderes als ein bequemes Marketing-Instrument für Verlage. Eine inhaltliche Berechtigung hat sie nicht.
Sie sind aber streng. Ist Selbsverliebtheit in der Kultur in der Kleidung oder im Auftreten nicht besser und unterhaltsamer als in der Politik und oder wirklich zu Verbindlichkeit verpflichtenden Gedanke?. Vorhersehbarkeit ist natürlich schon eine andere Kategorie. Aber sie sind ja gewarnt, die Autoren.
Und Werbung? Solange sie nicht betrügerisch ist, und man die Angebote ablehnen kann, was solls. Auf jeden Fall werde ich mal schauen, wo Ihre Blogs zu lesen sind, wenn Sie denn welche schreiben.
Sie sind aber streng. Ist Selbsverliebtheit in der Kultur in der Kleidung oder im Auftreten nicht besser und unterhaltsamer als in der Politik und oder wirklich zu Verbindlichkeit verpflichtenden Gedanke?. Vorhersehbarkeit ist natürlich schon eine andere Kategorie. Aber sie sind ja gewarnt, die Autoren.
Und Werbung? Solange sie nicht betrügerisch ist, und man die Angebote ablehnen kann, was solls. Auf jeden Fall werde ich mal schauen, wo Ihre Blogs zu lesen sind, wenn Sie denn welche schreiben.
Sie sind aber streng. Ist Selbsverliebtheit in der Kultur in der Kleidung oder im Auftreten nicht besser und unterhaltsamer als in der Politik und oder wirklich zu Verbindlichkeit verpflichtenden Gedanke?. Vorhersehbarkeit ist natürlich schon eine andere Kategorie. Aber sie sind ja gewarnt, die Autoren.
Und Werbung? Solange sie nicht betrügerisch ist, und man die Angebote ablehnen kann, was solls. Auf jeden Fall werde ich mal schauen, wo Ihre Blogs zu lesen sind, wenn Sie denn welche schreiben.
Werte/r TDU
streng - vielleicht, wenn man die Geschichte dieser Liste kennt. Auf keinen Fall strenger als manches Jury-Mitglied. Selbstverliebtheit hat durchaus Charme, da gebe ich Ihnen Recht. Allerdings startete die Liste damals mit einem hohen Anspruch, der über Selbstverliebtheit der Kritiker hinaus gehen wollte. Erfüllt hat sie diesen Anspruch nie.
Einer davon war etwa der Diskurs, der durch die Liste angestoßen werden sollte und der nie ernsthaft stattgefunden hat, zumindest nicht mit den Juroren der Liste. Das Leser untereinander da viel lebhafter dabei sind, brauche ich sicher nicht zu betonen.
Auch die Erarbeitung/Entwicklung kriminalliterarisch Bewertungskriterien - jenseits der eingestaubten Methoden der Literaturkritik - hat nie statt gefunden, obwohl man sich einst aufmachte, eine "KrimiWelt" zu finden. Bedauerlich. Zu sehr waren ein Teil der beteiligten Kritiker damit beschäftigt, zu Blurb-Schreibern der zahlenden Verlage zu werden. Und es ist doch bemerkenswert, dass einige Jury-Mitglieder unter der Hand immer wieder anderen Jury-Kolleg/innen die kritische Befähigung absprechen. Eitelkeit, Werblichkeit, Bräsigkeit - mehr ist von dieser Liste in dieser Form nicht zu erwarten.
Herzliche Grüße
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