Karl-Theodor zu Guttenberg Der Märchenprinz dankt ab
Zufall! Jetzt erscheint die Biografie des Mannes, der sich selbst rauswarf: "Guttenberg".
© Thomas Peter/Reuters

Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg
FAZ- Redakteuren. Prinz und Prinzessin würden den Schreibern ihre Aufmerksamkeit schenken. Große Ehre, feine Sache. So wär’s im Märchen. Aber das ist ja nun geplatzt.
Die erste Reihe mit ihren »Reserviert«-Schildern auf den Plätzen ist heute fast leer. Aber man könnte ihn sich hier gut in der ersten Reihe vorstellen. Er käme spät, aber nicht zu spät, würde sich lebhaft und entschieden den Weg über die dicken Teppiche durch die Kameras bahnen. Den Stolz würde man dem Märchenprinzen kaum anmerken, aber er würde doch sein Jungenlachen zeigen, und die schöne blonde Frau an seiner Seite würde zauberhaft lächeln. Dann würden sie sich hier im Ballsaal des Hotels Adlon, Berlin, Unter den Linden, auf die Samtsitze vor dem Podium setzen: Die erste anspruchsvolle Biografie über den so jungen Minister Guttenberg ist erschienen, verfasst von zwei natürlich promovierten Historikern und
Es ist der Abend vor dem Rücktritt, aber das kann hier keiner wissen. Prinz und Prinzessin sind anderswo, Promotionswitze findet schon jetzt keiner mehr witzig, und in der neuen Biografie steht unter dem Hochzeitsbild des Paars fein gemein, was ohnehin jeder erkennt, hier trage die Braut noch dunkles Haar. Die Geste, mit der sich Minister und Gattin auf dem Foto ihres Afghanistaneinsatzes berühren, heißt hier: Hindukuscheln. Der Lack ist ab, der Respekt ist verflogen. Und dann trifft auf den Handys auch noch frisch die Nachricht ein, dass die Noten von Summa-cum-Guttenberg eigentlich zu schlecht gewesen seien, als dass er hätte promovieren dürfen.
Liegt da schon ein Hauch von Mitleid in der Luft? Ein Zeitungsjournalist aus den hinteren Reihen fragt den Buchautor-Journalisten dort vorn, wie es dem alten Vater von Guttenberg gehe. Ob man wisse? Und Autor Wehner sagt leise: »Ich habe eine Idee, wie dem Vater zumute ist, aber dazu möchte ich nichts sagen.« Er klingt wirklich bekümmert.
Ein reiner Zufall, und was für ein Zufall: Die Biografie, die Markus Wehner und Eckart Lohse seit Langem gründlich recherchiert haben, erscheint genau jetzt, an der Peripetie der Guttenberg-Drama-Show. Das Buch schließt mit dem Kapitel Ende der Wehrpflicht und klingt aus mit einem Blick auf eine deutsche Bevölkerung, die die Demokratie langweilig finde und auf eine »rettende Lösung« warte. Das Wort vom »Märchenprinzen« stammt von Wehner und Lohse. Letzter Satz des Buches: »Das ist der Moment, da ein gutaussehender junger Adliger aus Oberfranken mit einer jungen Frau vom Schloss herabsteigt, dem Volk zuzwinkert und die Botschaft aussendet: Ich bin der, auf den ihr gewartet habt. Das ist Karl-Theodor zu Guttenberg.« Ende. Man darf die Autoren Glückspilze nennen oder mal wieder von einem Kairos sprechen, die erste Auflage von 33.000 Exemplaren dürfte weg sein, die zweite wird schon eine überarbeitete Fassung. Auf der könnte dann eine Banderole versprechen: »Jetzt mit Rücktritt«.
Wie sich die Zeit überschlägt, wie alt in der Guttenberg-Drama-Show das Gestern schon heute aussieht: In der Absage des bayerischen Ministerpräsidenten, der an diesem Montagabend die Festrede halten sollte, ist noch von der »Angelegenheit« die Rede. Seehofer hat abgesagt, weil er als CSU-Vorsitzender »mit der Angelegenheit verantwortlich und zurückhaltend umgehen« wolle. Verantwortlich und zurückhaltend: Das passt angesichts des Aufstands im Netz, des Wissenschaftlerzorns, angesichts der Distanzierung des Doktorvaters längst nicht mehr zusammen, und auch über Seehofers Formulierkunst lacht keiner mehr.
Es fühlt sich eben doch an wie der letzte Akt. Hier im Adlon habe einst Kästners Emil samt seinen Detektiven den Betrüger Grundeis nach einer spektakulären Verfolgungsjagd dingfest gemacht, erzählt eine Journalistin dem Kollegen, der neben ihr sitzt, und tatsächlich würde sich keiner wundern, wenn jetzt ein Wachtmeister vorträte und sagte: Der Mann ist verhaftet. Draußen vor dem Saale beginnt schon ein Buffet für die Gäste zu duften, das herrschaftlicher nicht aufgetischt sein könnte. Noch stellen lauter promovierte Journalisten den promovierten Journalisten Wehner und Lohse tastende Fragen. Was soll man machen: Das Schauspiel findet statt und fällt gleichzeitig aus. Und eigentlich vermisst man schon den, der hier Stimmung reinbringen könnte: KT.
- Datum 03.03.2011 - 09:47 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 3.3.2011 Nr. 10
- Kommentare 17
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Schön für die Herren, daß die Guttenberg-Show kostenlos Reklanme machte und das Buchg sicher eine Spitzenauflage haben wird
...ach, ach, möchte man seufzen. Auch wenn die Charakterisierung nur angedeutet wurde, und wohl noch immer einen Tick zu positiv ausfällt, so passt sie doch sehr gut zu dem Bild, das ich in den letzten Wochen von KT gewonnen habe.
Die Geschichte wird rund.
Es macht zwar jetzt noch keinen Sinn, sie vom Politischen abzuspalten, aber ich denke in ein paar Jahren wird sie lösgelöst vom aktuellen Zwiespalt als eine archetypisxhe Erzählung unserer Zeit eingehen.
Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sich die heutigen Gegner und Befürworter von Guttenberg zu einem gemeinsamen Schmunzeln verabreden können. Bei mir zuckt es jedenfalls schon verdächtig um die Mundwinkel. Eine Rückkehr ins Politische ist jedenfalls ausgeschlossen, zumindest nicht als Amts- oder Mandatsträger. "Irgendwas mit medien", ja, das bliebe. Er hat gute Chancen dort seinen Weg zu finden. Ich würde es ihm doch irgendwie gönnen.
Bleibt der Blick auf die politische Bühne, von der er Abgegangen ist.
Seehofer zieht sein Schurkenstück gnadenlos weiter durch, während Merkel schon die neusten Plakate druckfrisch aufhängt.
Und wir Bürger wissen nicht ob wir lachen oder weinen sollen. Es ist nochmal gut gegangen! Wenigstens das....
die man täglich braucht wie dieses Buch!
Dann frage ich mich, was Sie veranlasst hat, diesen Artikel zu lesen. Haben Sie denn nichts wichtigeres zu tun?
Dann frage ich mich, was Sie veranlasst hat, diesen Artikel zu lesen. Haben Sie denn nichts wichtigeres zu tun?
...der mir gerade durch den Sinn geht...
Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, daß es mutmaßlich die "Generation Harry Potter" ist, die da gerade im Internet/Facebook usw. durchdreht?
Ich meine, mit mediengehypten Strahlemännern haben die doch ihre Erfahrungen - der nächste Schritt würde dann wohl sein, daß sie um Mitternacht vor dem Bundestag ausharren bis Guttenberg wiedergewählt ist, oder sowas.
http://www.spiegel.de/pol...
http://www.spiegel.de/pol...
Die Overtüre passt nicht mehr, die Berliner Kulisse passt nicht mehr. Der Vorhang zu dieser Generalprobe bleibt unten.
Schauplätze des gefallenen Doktors sind in der nächsten Zukunft erst einmal wohl das Festspielhaus in Bayreuth, die Brauhäuser in Kulmbach und volkstümliches adeliges Geplänkel wie Hochzeiten am Tegernsee, wo Gymnasium, Bierhalle und Kirche unter einem Dach vereint sind..., vielleicht noch der FC Bayern.
Wie könnte es dann weiter gehen?
Nicht allzu weit entfernt ist die Parteihochschule. Dort könnte bald eine volksnahe Overtüre mit bajuvarischen Szenenbildern entworfen werden. Die Generalprobe für den nächsten MP Bayerns könnte dann im nahen Wildbad-Kreuth mit einiger Dramaturgie im gemütlicheren Volkstheater stattfinden. Wie einst im Epos des "gefallenen" V-minister FJS mit einem Paukenschlag, einer echten Dolchstoßlegende ("im Felde unbesiegt") in der Overtüre? Mit Lammert ("Sargnagel für die Demokratie"), Biedenkopf & Schavan, die sich mit den eitlen Professoren beschämt vom "Volkshelden" wehklagend abgewendet haben ...? Da könnte doch der "Watzmann rufen" und BILD & Donner aus dem hinteroberbayrischen Hindukusch hallen, der Himmel sich öffenen und ein Lichtstrahl von der Hellichkeit eines Xerox-Kopiers auf die Szene fallen... Eine Stimme könnte ertönen: "Er ist wieder da, der, auf den Ihr schon mal alle gewartet habt."
Bühne frei für klassisch bajuvarisches Theater statt Copy & Paste im Nordlicht?
Nicht das ich diese Biographie anzweifle, aber sie ist überflüssig. Interessanter und lesenwerter wäre es, endlich eine Analyse der Umsetzung bürgerlicher Werte in unserer Gesellschaft zu machen und darüber zu schreiben.
geht darauf ein, dass auch über die Guttenberg-Familien-Verbindung zur Bild-Zeitung getuschelt wurde: http://berlin2011.wordpre...
diese biografie und der artikel. weiss man wie es seinem vater geht? wen interessierts? der wird seinen teil dazu beigetragen haben was sein sohn so getrieben hat. herr von und zu.
diese adelstitel gehörten abgeschafft, wie in österreich.
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