Organspenden Hören wir auf die Leute!
Für eine Volksbefragung zur Organspende
Menschen wollen mitentscheiden, nicht nur in ihren Gemeinden oder in ihrem Bundesland, sondern auch in Fragen der Bundespolitik. Darüber wird seit Jahren debattiert. Dabei gäbe es bereits die Chance einer Bürgerbeteiligung, ohne dass hierfür das Grundgesetz geändert werden müsste.
Konsultative Volksbefragungen können im Bundestag mit einer einfachen Mehrheit beschlossen werden. Solche Befragungen wären eine sachgerechte Ergänzung unserer repräsentativen Demokratie. Dabei wird das Volk nach seiner Meinung zu einem bestimmten Vorhaben gefragt. Das Ergebnis ist für den Gesetzgeber nicht bindend, aber ein wichtiger Wegweiser für die Vorbereitung einer Entscheidung. Bislang hat es bundesweite Volksbefragungen noch nicht gegeben. Doch in diesem Jahr bietet sich hierzu die Gelegenheit.
Der Bundestag wird sich in diesem Jahr mit einer wichtigen Frage auseinandersetzen: Soll jeder Deutsche verpflichtet werden, zu erklären, ob er im Falle seines Todes seine Organe spendet? Zu dieser Frage gibt es keinen feststehenden politischen Willen. Wie das Thema entschieden wird, ist offen. Die Organspende berührt tiefe persönliche, religiöse und ethische Überzeugungen. Dies gilt für die Abgeordneten ebenso wie für jeden einzelnen Bürger. Diese Frage ist eine klassische Gewissensentscheidung. Damit drängt sich förmlich auf, die Bürgerinnen und Bürger zu fragen, wofür sie sind. Denn eine Gewissensentscheidung, die die Abgeordneten treffen, ist nicht deswegen eine bessere oder schlechtere Entscheidung, nur weil sie von den gewählten Vertretern unseres Volkes getroffen wird. Jeder Einzelne muss diese Entscheidung am Ende für sich treffen.
Wir alle können in mehrfacher Hinsicht tangiert sein: als Betroffene, als Spender, als Angehörige oder als Freunde. Durch Krankheiten oder Unfälle können Organe zerstört oder funktionsuntüchtig werden. Jeder von uns kann durch eine Krankheit oder einen Schicksalsschlag plötzlich auf eine Organspende angewiesen sein. Für ein gesundes Leben gibt es keine Garantie. Durch eine Transplantation eines neuen Organs kann Leben gerettet werden.
Die Bereitschaft zur Organspende ist in Deutschland gestiegen. Dennoch gibt es immer noch zu wenig Spender. Viele Menschen warten oft Jahre auf ein Spenderorgan. Jeder sollte daher überlegen, ob er bereit ist, seine Organe zu spenden. Diese Entscheidung ist eine höchstpersönliche, niemand kann sie einem abnehmen. Entscheidend ist, die Menschen wachzurütteln und zu sensibilisieren. Entscheidend ist, den Menschen zu vermitteln, dass sie nach ihrem Tod etwas für andere Menschen tun können. Mit einer Volksbefragung könnte es gelingen, eine Emotionalisierung des Themas zu erreichen, eine Debatte in der Gesellschaft anzustoßen und bei den Bürgerinnen und Bürgern die Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen.
Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, das auf der parlamentarisch-repräsentativen Demokratie des Grundgesetzes beruht, hat sich bewährt. Die wesentlichen Grund- und Richtungsentscheidungen für unser Land in den vergangenen Jahrzehnten sind zustande gekommen nach den Spielregeln unserer repräsentativen Demokratie. Dies ist aber kein Grund, beim Thema Organspende nicht einen neuen Weg zu gehen. Gegenstand der Volksbefragung könnte die Grundfrage sein, wie künftig mit Organspenden umgegangen werden soll, ob es eine freie Entscheidung oder eher eine Verpflichtung durch eine Widerspruchslösung geben soll. Das Votum der Bürgerinnen und Bürger wäre von zentraler Bedeutung für die Meinungsbildung des Bundestages und die letztendliche Ausgestaltung einer neuen gesetzlichen Regelung. Die Details einer möglichen Regelung bleiben dem Parlament vorbehalten. Denn nur ein geordnetes parlamentarisches Verfahren garantiert eine ausgewogene, sachgerechte und praktikable Lösung.
- Datum 07.03.2011 - 19:30 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 3.3.2011 Nr. 10
- Kommentare 38
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Hauptsache die Widerspruchslösung wird endlich, endlich eingeführt!
Grüße, BG
liest sich wie ein "Default"-Zugriffsrecht des Staates auf die Organe Verstorbener.
Von da bis zum "Recht auf die Organe Verstorbener" ist es (nur) ein kleiner Schritt (und in Ländern wie Bulgarien oder China vollzogen).
Wollen wir das?
Herzlichst Crest
P.S.1
Nochmals: Ich argumentiere für die Möglichkeit der Organspende so wie ich für die Möglichkeit der PID argumentiere - selbstbestimmt und ohne dass der Gesetzgeber hierzu umfassende Regelungen erlässt, die eine Richtung präferieren.
P.S.2
Auch wenn ein Patient "endlich, endlich" ein Ersatzorgan erhalten möchte, so wie der Sozialhilfempfänger "endlich endlich" mehr Geld - und gehen Sie bitte nicht davon aus, dass Gesundheit alle anderen Werte stets schlägt - so erzeugt ein intensiver Wunsch nicht automatisch ein positives Recht.
liest sich wie ein "Default"-Zugriffsrecht des Staates auf die Organe Verstorbener.
Von da bis zum "Recht auf die Organe Verstorbener" ist es (nur) ein kleiner Schritt (und in Ländern wie Bulgarien oder China vollzogen).
Wollen wir das?
Herzlichst Crest
P.S.1
Nochmals: Ich argumentiere für die Möglichkeit der Organspende so wie ich für die Möglichkeit der PID argumentiere - selbstbestimmt und ohne dass der Gesetzgeber hierzu umfassende Regelungen erlässt, die eine Richtung präferieren.
P.S.2
Auch wenn ein Patient "endlich, endlich" ein Ersatzorgan erhalten möchte, so wie der Sozialhilfempfänger "endlich endlich" mehr Geld - und gehen Sie bitte nicht davon aus, dass Gesundheit alle anderen Werte stets schlägt - so erzeugt ein intensiver Wunsch nicht automatisch ein positives Recht.
Und zwar die direkte!
Einem System, dass sich Herrschaft des Volkes nennt, entspricht es nur sehr mangelhaft dasselbe gerade mal alle vier Jahre seine Representanten abnicken zu lassen.
Ich fordere hiermit im Namen des dt. Volkes Volksbefragungen und Volksentscheide!
am falschen Objekt.
Man kann unterlassene Hilfeleistung strafbewehren - man kann aber keinen Bürger zur Nächstenliebe zwingen. Und sollte letzteres auch nicht mit subtilen Mitteln versuchen.
Es werden zu wenig Organe gespendet. Das ist bedauerlich.
Man kann appellieren und für eine größere Spendenbereitschaft werben. Wenn diese Appelle verhallen, dann haben die Menschen sich entschieden - nicht in unserem Sinne, aber sie haben das Recht, sich so zu entscheiden.
Alles andere erinnerte mich zu sehr an "Quotenlösungen", nach dem Motto: "Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
Politiker (m/w) sollten sich wieder mehr an den Gedanken gewöhnen, nicht alle Bereiche ethisch so zu bewerten, dass ein Gesetz die Folge sein müsste.
Wenn es also zuwenig Organe gibt, dann gibt es zu wenig.
Herzlichst Crest
P.S.
Ich persönlich habe einen Organspendeausweis in meinem Portemonnaie.
"Man kann appellieren und für eine größere Spendenbereitschaft werben. Wenn diese Appelle verhallen, dann haben die Menschen sich entschieden - nicht in unserem Sinne, aber sie haben das Recht, sich so zu entscheiden."
Nichtsdestotrotz besteht eine Bequemlichkeitsschwelle. Mit einer Widerspruchslösung würde man diese auf die andere Seite schieben, erfahrungsgemäß würde das vermutlich einiges bringen. Zumindest bei den vielen Unentschiedenen, Uninformierten, Uninteressierten. Die Wahlfreiheit hätte trotzdem jeder noch...
"Man kann appellieren und für eine größere Spendenbereitschaft werben. Wenn diese Appelle verhallen, dann haben die Menschen sich entschieden - nicht in unserem Sinne, aber sie haben das Recht, sich so zu entscheiden."
Nichtsdestotrotz besteht eine Bequemlichkeitsschwelle. Mit einer Widerspruchslösung würde man diese auf die andere Seite schieben, erfahrungsgemäß würde das vermutlich einiges bringen. Zumindest bei den vielen Unentschiedenen, Uninformierten, Uninteressierten. Die Wahlfreiheit hätte trotzdem jeder noch...
"Volksbegehren in den Ländern und Kommunen wurden bisher von Bürgerinitiativen überwiegend als Instrument genutzt, politisch verbindlich zu sagen, was sie nicht wollen. Veränderungen für unser Land werden wir so nicht erreichen."
Wenn das Volk abstimmt, dass es etwas nicht möchte, dann ist es doch gerade toll, wenn eben diese Veränderungen nicht "erreicht" werden. Genau so wie es das Volk will. Wie kann man das denn bitte kritisieren und gleichzeitig trotzdem behaupten, man wolle mehr Demokratie haben?
Wer glaubt, Volksbeteiligung währe nur dann gut, wenn die eigene Meinung getroffen wird, hat in meinen Augen eine komische Vorstellung von Demokratie
"Man kann appellieren und für eine größere Spendenbereitschaft werben. Wenn diese Appelle verhallen, dann haben die Menschen sich entschieden - nicht in unserem Sinne, aber sie haben das Recht, sich so zu entscheiden."
Nichtsdestotrotz besteht eine Bequemlichkeitsschwelle. Mit einer Widerspruchslösung würde man diese auf die andere Seite schieben, erfahrungsgemäß würde das vermutlich einiges bringen. Zumindest bei den vielen Unentschiedenen, Uninformierten, Uninteressierten. Die Wahlfreiheit hätte trotzdem jeder noch...
Ohne Zweifel.
Aber Sie sind sich schon sicher, dass Sie diese "Bequemlichkeitsschwelle" mit einer Widerspruchslösung "nur auf die andere Seite schieben" und nicht durch einen subtilen "Pranger" ersetzen? ;-)
Herzlichst Crest
... als Befürworter der faschistoiden Widerspruchslösung, dass Sie es überhaupt wagen die gegenwärtige opt-in Lösung mit dem Begriff "Bequemlichkeitsschwelle" zu kritisieren.
Denn genau auf dieser "Bequemlichkeitsschwelle" beruht einzig und alleine der "Erfolg" der Widerspruchslösung... darauf, dass sich die Bürger keine Gedanken machen (wollen) und daher nach Blieben nach deren Tod ausgeschlachtet werden können.
@Thema:
Soso, die FDP fordert eine Plebiszit-light Variante die rechtlich völlig unverbindlich ist? Und dies, obwohl diesen Zweck doch schon lange die BILD-Zeitung für gewisse Schichten erfüllt...
Nicht zuletzt gibt es die Möglichkeit, online Petitionen an den deutschen Bundestag zu richten, die genausowenig verbindlichen Charakter haben wie das vorgeschlagene Modell der Mövenpick-Partei.
Ohne Zweifel.
Aber Sie sind sich schon sicher, dass Sie diese "Bequemlichkeitsschwelle" mit einer Widerspruchslösung "nur auf die andere Seite schieben" und nicht durch einen subtilen "Pranger" ersetzen? ;-)
Herzlichst Crest
... als Befürworter der faschistoiden Widerspruchslösung, dass Sie es überhaupt wagen die gegenwärtige opt-in Lösung mit dem Begriff "Bequemlichkeitsschwelle" zu kritisieren.
Denn genau auf dieser "Bequemlichkeitsschwelle" beruht einzig und alleine der "Erfolg" der Widerspruchslösung... darauf, dass sich die Bürger keine Gedanken machen (wollen) und daher nach Blieben nach deren Tod ausgeschlachtet werden können.
@Thema:
Soso, die FDP fordert eine Plebiszit-light Variante die rechtlich völlig unverbindlich ist? Und dies, obwohl diesen Zweck doch schon lange die BILD-Zeitung für gewisse Schichten erfüllt...
Nicht zuletzt gibt es die Möglichkeit, online Petitionen an den deutschen Bundestag zu richten, die genausowenig verbindlichen Charakter haben wie das vorgeschlagene Modell der Mövenpick-Partei.
Ohne Zweifel.
Aber Sie sind sich schon sicher, dass Sie diese "Bequemlichkeitsschwelle" mit einer Widerspruchslösung "nur auf die andere Seite schieben" und nicht durch einen subtilen "Pranger" ersetzen? ;-)
Herzlichst Crest
Ehrlich gesagt sehe ich den angesprochenen "subtilen Pranger" nicht. Schließlich zwingt einen niemand damit hausieren gehen, dass man die Organspende verweigert. Und auch wenn jemand diese verweigert, ist das kein Grund denjenigen anzuprangern. Schließlich hat jeder Mensch eine andere Vorstellung, was mit einem passieren soll.
Eine unverbindliche Befragung der Deutschen würde vermutlich besser wirken, als jede Werbekampagne mit Postern von Mathias Schweighöfer und Till Schweiger. Es würde eine öffentliche Diskussion geben und jeder würde mit der Frage konfrontiert, wie man sich im Zweifelsfall entscheiden würde.
Ehrlich gesagt sehe ich den angesprochenen "subtilen Pranger" nicht. Schließlich zwingt einen niemand damit hausieren gehen, dass man die Organspende verweigert. Und auch wenn jemand diese verweigert, ist das kein Grund denjenigen anzuprangern. Schließlich hat jeder Mensch eine andere Vorstellung, was mit einem passieren soll.
Eine unverbindliche Befragung der Deutschen würde vermutlich besser wirken, als jede Werbekampagne mit Postern von Mathias Schweighöfer und Till Schweiger. Es würde eine öffentliche Diskussion geben und jeder würde mit der Frage konfrontiert, wie man sich im Zweifelsfall entscheiden würde.
Ehrlich gesagt sehe ich den angesprochenen "subtilen Pranger" nicht. Schließlich zwingt einen niemand damit hausieren gehen, dass man die Organspende verweigert. Und auch wenn jemand diese verweigert, ist das kein Grund denjenigen anzuprangern. Schließlich hat jeder Mensch eine andere Vorstellung, was mit einem passieren soll.
Eine unverbindliche Befragung der Deutschen würde vermutlich besser wirken, als jede Werbekampagne mit Postern von Mathias Schweighöfer und Till Schweiger. Es würde eine öffentliche Diskussion geben und jeder würde mit der Frage konfrontiert, wie man sich im Zweifelsfall entscheiden würde.
Betrachten Sie Kommentar #18.
Sehen Sie darin nicht den Zungenschlag eines "Prangers".
Herzlichst Crest
Betrachten Sie Kommentar #18.
Sehen Sie darin nicht den Zungenschlag eines "Prangers".
Herzlichst Crest
dass bei diesem Thema nie auch nur mal ein einzige Gedanke bezüglich einer finanziellen Gegenleistung in die Öffentlichkeit dringt.
Übernimmt man halt mal zum Dank für die geretteten ? Leben Bestattungskosten in Höhe von 2.000 € (oder ähnliches), wo ist das Problem?
Moral? "Verpflichtung zur Organspende" hat NIX mit Moral zu tun. Alles für umsonst nehmen wollen und nicht zurückzugeben ist eben keine Grundlage für solidarisches "Geben und Nehmen".
Geldspenden können unter bestimmten Vorraussetzungen zu steuerlicher Besserstellung führen, warum bitte nicht auch Organspenden - natürlich für die Hinterbliebenen.
Vom finanziellen Anreizen halte ich gar nichts, weil das dem Missbrauch Tür und Tor öffnet.
Ich hätte allerdings keine Probleme, wenn die Gegenleistung darin bestehen würde, Organe primär an die Menschen zu geben, die selbst bereit sind zu spenden.
Vom finanziellen Anreizen halte ich gar nichts, weil das dem Missbrauch Tür und Tor öffnet.
Ich hätte allerdings keine Probleme, wenn die Gegenleistung darin bestehen würde, Organe primär an die Menschen zu geben, die selbst bereit sind zu spenden.
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