Wenn Hannelore Schuster durch ihr Wohnviertel in der Brigittenau spaziert, tuscheln die Passanten: »Schau, die Chefin kommt!« Ein paar Sätze da, ein Handschlag dort, ein alter Herr hebt anerkennend den Hut. Schuster, eine groß gewachsene 63-jährige Frau mit kräftigem Kinn und kurzem, blond gefärbtem Haar, ist Sprecherin der Bürgerinitiative Dammstraße, die den Ausbau eines islamischen Kulturzentrums verhindern will. Der Streit entzündete sich vor mehr als zehn Jahren an überfüllten Parkplätzen und lauten Fußballübertragungen. In den vergangenen Jahren wurde daraus ein Kulturkampf. Heute geht es bereits darum, ob Österreich dem Islam überhaupt eine Heimat bieten kann.

Seit Jahren wogt in Europa eine heftige Debatte über die Lehre des Religionsgründers Mohammed. Ob sie mit Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechten vereinbar sei, fragen sich verunsicherte Bürger. Und ob der Islam eine Religion wie alle anderen sei, oder vielleicht doch eine gefährliche Ideologie, die sogar zum Mord an Ungläubigen aufrufe. Während in der Öffentlichkeit über Antworten auf diese heiklen Fragen noch ausführlich räsoniert wird, hat sich längst eine Suböffentlichkeit formiert, in der das Urteil bereits gefallen ist. Der Koran predige Gewalt, seine Botschaft sei Intoleranz, verkünden einschlägige Internetplattformen und Broschüren.

Verbreitet werden diese kruden Behauptungen in Blogs wie der deutschen Seite Politically Incorrect oder etwa von einer Organisation namens Stop Islamisation of Europe (SIOE), die 2005 von einem dänischen Fleischer gegründet wurde. SIOE verfügt mittlerweile über Ableger in vielen europäischen Staaten wie Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Polen. Ein Österreich-Ableger existiert nur virtuell – in Form von drei Gruppen im sozialen Netzwerk Facebook, die zusammen auf ein paar Hundert Mitglieder kommen.

Trotzdem gibt es auch in der Alpenrepublik ein Verbund von Medien, Vereinen und Bürgerinitiativen, die sich dem Kampf »gegen eine Islamisierung Europas« verschrieben haben. Und fast überall in dieser antiislamischen Szene hat die FPÖ ihre Finger im Spiel.

Die Bürgerinitiative Dammstraße ist eines von vielen Beispielen dafür, wie die Freiheitlichen versuchen, xenophobe Ressentiments und Anrainer-Beschwerden zu instrumentalisieren, um einen Kulturkampf gegen den Islam anzuzetteln.

Schuster, nach eigenem Bekunden eine ÖVP-Sympathisantin, ist eigentlich niemand, der sich vor Muslimen fürchtet. Die gebürtige Passauerin und gelernte Krankenschwester lebte mit ihrem Mann, einem Journalisten, über Jahre hinweg in Ägypten und Jordanien. Ihr Verhältnis zum Islam sei immer von »neugieriger Faszination« bestimmt gewesen. Aufgebracht gegen »die Moslems« habe sie erst ein türkisch-islamischer Kulturverein in ihrer Nachbarschaft. »Der Vereinsträger Atib wird vom konservativen türkischen Außenminister gesteuert«, schimpft Schuster, »und der will verhindern, dass sich die Moslems mit den Christen vermischen – das lässt uns der Verein jeden Tag spüren.« So jedenfalls könne ein Zusammenleben der verfeindeten Nachbarn nicht funktionieren.