Absolventen einer Business-School bei ihrer Entlassungsfeier © Christopher Furlong/Getty Images

Das neue Angebot war heiß begehrt. Dieses Jahr ermöglichte die ESCP Europe Wirtschaftshochschule ihren Studenten des berufsbegleitenden »European Executive MBA-Programms« erstmals, an Kursen der Hertie School of Governance teilzunehmen. Zur Wahl standen die Themen »Politische Kommunikation« oder »Managen von internationalen Organisationen«. Die zehn Plätze waren in 48 Stunden ausgebucht.

»Manager sind heute immer stärker mit politischen Regulierungen konfrontiert und müssen auch Prozesse im öffentlichen Bereich besser analysieren und managen können«, sagt Ayad Al-Ani, der Rektor der ESCP Europe Berlin. Bisher sei die Strategie der Unternehmen eher gewesen, jegliche Beschäftigung mit politischen Rahmenbedingungen zu vermeiden und nur zu agieren, wenn es der Anlass erforderte. Doch nicht zuletzt in der Folge der Finanzkrise gebe es verstärkte Regulierungen, zum Beispiel, was die Bonuszahlungen der Banken anbelangt. Aber auch in Bereichen wie Umweltschutz und Produktprüfung oder durch die Frauenquote kommen neue Vorschriften auf die Unternehmen zu, die richtig gemanagt werden müssen.

Der Nachholbedarf der Business Schools für das Kursangebot in diesem Feld ist offenbar groß. In einer Umfrage der britischen Ashridge Business School und der Academy of Business in Society (EABIS) erklärten 74 Prozent der befragten Manager, dass Führungskräfte nicht nur Kenntnisse über Trends wie eine kohlenstoffarme Wirtschaft, die Ressourcen-Knappheit und Geschäfte in Schwellenländern brauchten, sondern auch fähig sein sollten, angemessen auf solche Entwicklungen zu reagieren. Dabei glauben weniger als acht Prozent der Befragten, dass diese Kenntnisse und Fähigkeiten bisher ausreichend vermittelt werden.

Beide Systeme hätten einfach eine unterschiedliche Logik, sagt der ESCP-Rektor Al-Ani. Während man in der Politik ein Thema in den Raum werfe, die Reaktion der Öffentlichkeit beobachte und dann ein konkretes Programm – wie etwa die Gesundheitsreform – entwickle, kommuniziere man in der Wirtschaft erst, wenn die Strategie oder das Produkt bereits fertig seien. Schließlich verbiete oft schon das Aktienrecht eine frühzeitige Information. »Im Zeitalter der schnellen Medien wird das immer mehr zu einem Dilemma für Manager«, sagt der Professor. Sie müssten daher stärker und frühzeitiger in die Diskussion einsteigen. »Der Kommunikationsstil nähert sich dem der Politiker an.« Daher sei auch das Lernen voneinander so wichtig. Gefördert werden soll das auch dadurch, dass Studenten des Executive Master of Public Management der Hertie School umgekehrt auch ESCP-Kurse besuchen.

Auch Jake Cohen, der Leiter des MBA-Programms an der Insead Business School mit Standorten in Fontainebleau bei Paris, Singapur und Abu Dhabi hält die Beschäftigung mit dem öffentlichen Sektor für ein wichtiges Thema. »Die Wirtschaft muss die staatlichen Stellen besser verstehen und umgekehrt«, sagt Cohen. So sollen an der Business School neue Kurse in Business and Public Policy und Project Finance eingeführt werden. Zudem will man einen neuen Doppelabschluss anbieten. MBA-Studenten können dann zusätzlich einen Master of Public Administration (MPA) erwerben. »Wir sind davon überzeugt, dass es für unsere Studenten sehr wertvoll ist, Themen an der Schnittstelle zwischen staatlicher und privater Wirtschaft zu bearbeiten und besser zu verstehen«, sagt Cohen.

Es gebe bereits eine Kooperationsvereinbarung mit der Lee Kuan School of Public Policy in Singapur und der Johns Hopkins School of Advanced International Studies mit Standorten in den USA und Italien. »Studenten, die sich für diese neuen Möglichkeiten interessieren, streben eine Karriere an, die ein tiefes Verständnis für beide Seiten erfordert«, sagt Cohen. Das können Positionen in multinationalen Konzernen wie bei Coca-Cola oder dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sein, die sich mit Regierungsangelegenheiten beschäftigen, oder Jobs bei Regulierungsbehörden wie der Börsenaufsicht, der Europäischen Kommission oder Umweltorganisationen. »Weil es in den beiden Sektoren immer mehr gemeinsame Themen gibt, braucht man Führungskräfte, die die Themen von beiden Seiten anpacken können«, sagt der Insead-Manager.