FacebookHinter jedem Freund steckt eine WerbungSeite 2/3

Nun wird das Freundschaftsnetzwerk einer Transformation unterworfen: Vor unser aller Augen, aber bislang weitgehend unbemerkt, bekommt es die zusätzlichen Züge eines Handels- und Transaktionsnetzwerks. Dadurch werden die gewaltigen Konturen einer neuartigen Freundschaftsökonomie sichtbar. Deren zentrales Element ist nicht die direkte Werbung, die Unternehmen auf Facebook präsentieren. Es geht vielmehr um eine auf die Macht der Vertrauten, der »Freunde« gegründete Werbung.

Bereits vor drei Jahren hatte Facebook-Gründer Marc Zuckerberg angedeutet, wohin sich die Werbung entwickeln würde: Statt Botschaften, die Firmen versenden, gehe es um »engagement advertisements«. Mitglieder sollen ermutigt werden, mit Werbung zu interagieren, Kommentare zu hinterlassen, Präferenzen auszudrücken und darüber eine lawinenartige Klickpropaganda in Gang zu setzen.

Die wichtigste technische Grundlage der Freundschaftsökonomie ist der »gefällt mir«-Button. Man könnte ihn das Trojanische Pferd nennen, mit dem Facebook das Internet erobert. Der Button verbreitet sich mit rasender Geschwindigkeit und sorgt für eine zunehmende Familiarisierung des Internets. Sobald jemand in Facebook angemeldet ist und im Internet surft, bekommen alle mit dem Button ausgestatteten Seiten einen »persönlichen« Charakter, weil wir überall auf die vertrauten Profilbilder unserer jeweiligen »Freunde« stoßen können. Auf diesem Wege erscheinen vormals anonyme Seiten freundschaftlich gefärbt – das gesamte Internet beginnt langsam sein Gepräge zu verändern. Und das ist wohl nur der erste Schritt: Die »gefällt mir«-Funktion könnte, wie bereits spekuliert wird, der Steigbügelhalter einer »kaufe mich«-Funktion sein, über die man mit der kommenden Währung »Facebook credits« gleich zahlen können würde.

Die in diesen Tagen auch außerhalb der USA aktivierte Funktion »umgehende Personalisierung« geht sogar noch einen Schritt weiter: Hier erhalten ausgewählte und vertrauenswürdig erscheinende Partnerseiten von Facebook Zugriff auf Daten der Nutzer (wenn diese das nicht eigens in ihren Einstellungen ausgeschlossen haben) und können diese in eigene Webseiten integrieren. So bekommen Seiten wie Yelp (Restaurant-Tipps) oder Pandora (Musik-Tipps) eine freundschaftliche Schicht: Wir können auf diesen Seiten Empfehlungen oder Kommentare von Freunden lesen, auf diese antworten, selbst Anmerkungen und Empfehlungen hinterlegen. Das eröffnet für Facebook interessante Werbepotenziale, denn außerhalb des Sozialen Netzwerkes muss sich die Werbung nicht mehr gegen ein übermächtiges Freundschaftsumfeld behaupten. Hier sucht man selbst nach Dingen und findet personalisierte Werbung weniger aufdringlich.

Neben dieser Familiarisierung ermöglicht Facebook auch eine leichtere Semantisierung von Webseiten. Ein Internet-Plattenhändler kann nun – dank des sogenannten »Open Graph«-Protokolls – seine Seiten verschlagworten, also angeben, dass der Inhalt einer Seite ein Musikalbum ist, dieses The Fame heißt, von der Sängerin Lady Gaga stammt und 2008 erschienen ist. Wenn nun ein Facebook-Mitglied hier den »gefällt mir«-Knopf klickt, »versteht« Facebook nicht nur, dass etwas, sondern auch, was genau hier gut gefunden wurde: ein Album einer bestimmten Sängerin. Es setzt den Link daher nicht nur auf die Pinnwand, sondern zusätzlich in das Profil des Nutzers, in diesem Fall: unter dessen Musikvorlieben. Dadurch erscheint die Musikpräferenz nicht nur kurzzeitig auf der Startseite der eigenen Freunde, sondern ist dauerhaft im eigenen Profil deponiert.

So lautet die Version von Facebook, und das Sophistische liegt hier, wie zumeist, in der Auslassung: Dieses Musikalbum ist nämlich nicht nur Ausdruck meines Musikgeschmacks und meiner Selbstinszenierung. Es ist das Warenangebot eines ganz bestimmten Händlers. Facebook-Nutzer mutieren hier zu unbezahlten und zumeist ahnungslosen Agenten von Internethändlern.

Mit Markenjeans oder -brillen, Autos, Handys und so weiter machen sich viele Konsumenten schon lange indirekt zu Werbeträgern bestimmter Firmen. Doch was nun im Internet geschieht, geht in vielerlei Hinsicht über die Realität hinaus. Facebook-Identitäten verwandeln sich zu Oberflächen, hinter denen sich mehr und mehr Warenangebote verbergen. Sie mutieren zu Hybriden aus »Freund« und Agent: Wir kommunizieren weiterhin als »Freunde« mit »Freunden«. Aber Profile werden gleichzeitig mehr und mehr durchsetzt von Werbebotschaften, die Händler dank der freundlichen Hilfe ihrer Kunden bei diesen platzieren konnten. Man lässt, pointiert ausgedrückt, gerade vertraute Orte im großen Stil von Unternehmen kapern und dazu verwenden, die Nutzer wechselseitig im wahrsten Sinne des Wortes freundschaftlich anzusprechen, vertrauenswürdig und gewinnend.

Leserkommentare
  1. ...alles kostenlos und die nervige Werbung auf Zeit.de ist einfach weg. die Seite sieht gleich viel schöner und übersichtlicher aus.

    Ob es bei facebook funktioniert kann ich nciht sagen. Denn facebook ist Zeitverschwendung. Damals wurde auch myspace als neuer Jesus gefeiert - heute tot.

    9 Leserempfehlungen
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    Ghostery sollten sie auch noch hinzufügen - damit ist man die Tracker los, die sich oft in Werbung verstecken, aber auch recht unscheinbar in Objekten wie dem Facebooks Zeugs (egal ob Like, connect) oder der Disqus Platform.

    Über diese Probleme habe ich übrigens auch schon 2 Male geschrieben...

    -> Einfache Privatsphärenverbesserung (Deutsch):
    http://community.zeit.de/...

    -> Ein Block auf Google und Facebook (Englisch):
    http://community.zeit.de/...

    Naja, die Alternative zu nerviger Werbung sind nicht etwa Firefox und Adblocker, sondern kostenpflichtige Angebote. Würde die große Mehrheit der Nutzer die Anzeigen blockieren, hätten die Seitenbetreiber wohl keine andere Wahl - auf Dauer haben sie die wahrscheinlich sowieso nicht.

    Bei Facebook ist das noch mal eine andere Geschichte, ich bezweifle trotz einiger anderslautender Meldungen aus der letzten Zeit, dass das Unternehmen jemals schwarze Zahlen geschrieben hat. Es wird jedoch fleißig daran gearbeitet, wie es der Artikel sehr gut beschreibt, und ich vermute, dass sich das schon in diesem Jahr rentieren kann. Wie soll das aber bei zeit.de und anderen Online-Nachrichtenangeboten aussehen? Man darf nicht vergessen - die Kunden auf dieser Seite sind nicht wir, die Nachrichtenleser, sondern die, die hier ihre Anzeigen platzieren. Wenn die Kunden nicht zufrieden sind, geben sie weniger Geld - und von der ZEIT zu fordern, Qualitätsjournalismus quasi zum Nulltarif anzubieten, halte ich für ein wenig unverschämt.

    Natürlich kann man auch niemanden zwingen, sich die präsentierte Werbung anzuschauen. Auf Dauer werden die Anbieter schon die Notbremse ziehen, wenn sie das alles nicht mehr finanzieren können.

    Bei der Zeit jedoch macht mir der Einsatz eines Werbeblockers ein schlechtes Gewissen. Könntet ihr nicht irgendwie eine Möglichkeit geben Eure Artikel zu bezahlen? "flattr" bietet das an - wenn es nicht unter den Artikeln sein soll vielleicht an anderer Stelle. Aber Werbung lenkt ab - ich möchte lieber Geld geben - auch für die Onlineversion.

    Ghostery sollten sie auch noch hinzufügen - damit ist man die Tracker los, die sich oft in Werbung verstecken, aber auch recht unscheinbar in Objekten wie dem Facebooks Zeugs (egal ob Like, connect) oder der Disqus Platform.

    Über diese Probleme habe ich übrigens auch schon 2 Male geschrieben...

    -> Einfache Privatsphärenverbesserung (Deutsch):
    http://community.zeit.de/...

    -> Ein Block auf Google und Facebook (Englisch):
    http://community.zeit.de/...

    Naja, die Alternative zu nerviger Werbung sind nicht etwa Firefox und Adblocker, sondern kostenpflichtige Angebote. Würde die große Mehrheit der Nutzer die Anzeigen blockieren, hätten die Seitenbetreiber wohl keine andere Wahl - auf Dauer haben sie die wahrscheinlich sowieso nicht.

    Bei Facebook ist das noch mal eine andere Geschichte, ich bezweifle trotz einiger anderslautender Meldungen aus der letzten Zeit, dass das Unternehmen jemals schwarze Zahlen geschrieben hat. Es wird jedoch fleißig daran gearbeitet, wie es der Artikel sehr gut beschreibt, und ich vermute, dass sich das schon in diesem Jahr rentieren kann. Wie soll das aber bei zeit.de und anderen Online-Nachrichtenangeboten aussehen? Man darf nicht vergessen - die Kunden auf dieser Seite sind nicht wir, die Nachrichtenleser, sondern die, die hier ihre Anzeigen platzieren. Wenn die Kunden nicht zufrieden sind, geben sie weniger Geld - und von der ZEIT zu fordern, Qualitätsjournalismus quasi zum Nulltarif anzubieten, halte ich für ein wenig unverschämt.

    Natürlich kann man auch niemanden zwingen, sich die präsentierte Werbung anzuschauen. Auf Dauer werden die Anbieter schon die Notbremse ziehen, wenn sie das alles nicht mehr finanzieren können.

    Bei der Zeit jedoch macht mir der Einsatz eines Werbeblockers ein schlechtes Gewissen. Könntet ihr nicht irgendwie eine Möglichkeit geben Eure Artikel zu bezahlen? "flattr" bietet das an - wenn es nicht unter den Artikeln sein soll vielleicht an anderer Stelle. Aber Werbung lenkt ab - ich möchte lieber Geld geben - auch für die Onlineversion.

  2. Ghostery sollten sie auch noch hinzufügen - damit ist man die Tracker los, die sich oft in Werbung verstecken, aber auch recht unscheinbar in Objekten wie dem Facebooks Zeugs (egal ob Like, connect) oder der Disqus Platform.

    Über diese Probleme habe ich übrigens auch schon 2 Male geschrieben...

    -> Einfache Privatsphärenverbesserung (Deutsch):
    http://community.zeit.de/...

    -> Ein Block auf Google und Facebook (Englisch):
    http://community.zeit.de/...

    Eine Leserempfehlung
  3. Bei der Zeit jedoch macht mir der Einsatz eines Werbeblockers ein schlechtes Gewissen. Könntet ihr nicht irgendwie eine Möglichkeit geben Eure Artikel zu bezahlen? "flattr" bietet das an - wenn es nicht unter den Artikeln sein soll vielleicht an anderer Stelle. Aber Werbung lenkt ab - ich möchte lieber Geld geben - auch für die Onlineversion.

  4. Das war doch mal das deutsch Pendant und wurde für irgendeine Wahnwitzige Summe von Holtzbrinck übernommen? Ist das tot?

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    Noch ist StudiVZ nicht tot. Aber bald.
    Die meisten Studenten die ich kenne haben ihre Profile bei StudiVZ zwar noch sind aber ausschließlich auf Facebook aktiv. Ich weiß nicht wirklich warum, aber StudiVZ ist irgendwann "uncool" geworden. Es gibt natürlich auch den tatsächlichen Vorteil von Facebooks internationalität. Denn ausländische Studierende haben meistens Facebook.

    Vor allem aber ist StudiVZ der Nachwuchs ausgegangen. SchülerVZ ist nämlich nur noch was für wirkliche Kinder. Spätestens ab der 10. Klasse gehn alle zu Facebook.

    Das ist zumindest meine persönliche Beobachtung über meine Geschwister.

    Noch ist StudiVZ nicht tot. Aber bald.
    Die meisten Studenten die ich kenne haben ihre Profile bei StudiVZ zwar noch sind aber ausschließlich auf Facebook aktiv. Ich weiß nicht wirklich warum, aber StudiVZ ist irgendwann "uncool" geworden. Es gibt natürlich auch den tatsächlichen Vorteil von Facebooks internationalität. Denn ausländische Studierende haben meistens Facebook.

    Vor allem aber ist StudiVZ der Nachwuchs ausgegangen. SchülerVZ ist nämlich nur noch was für wirkliche Kinder. Spätestens ab der 10. Klasse gehn alle zu Facebook.

    Das ist zumindest meine persönliche Beobachtung über meine Geschwister.

  5. Noch ist StudiVZ nicht tot. Aber bald.
    Die meisten Studenten die ich kenne haben ihre Profile bei StudiVZ zwar noch sind aber ausschließlich auf Facebook aktiv. Ich weiß nicht wirklich warum, aber StudiVZ ist irgendwann "uncool" geworden. Es gibt natürlich auch den tatsächlichen Vorteil von Facebooks internationalität. Denn ausländische Studierende haben meistens Facebook.

    Vor allem aber ist StudiVZ der Nachwuchs ausgegangen. SchülerVZ ist nämlich nur noch was für wirkliche Kinder. Spätestens ab der 10. Klasse gehn alle zu Facebook.

    Das ist zumindest meine persönliche Beobachtung über meine Geschwister.

    Eine Leserempfehlung
    • hareck
    • 11.03.2011 um 11:40 Uhr

    einmal durchgelesen habe, kann ich nicht behaupten, genau verstanden zu haben, wie diese Art von Werbung genau funktioniert.

    Wahrscheinlich muss man dazu Mitglied bei Facebook sein.

    Und das werde ich vermeiden, so lang es irgendwie möglich ist.

    Eine Leserempfehlung

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