Politik und Lyrik Nr. 1 Selig
Ab sofort veröffentlicht die ZEIT Gedichte über Politik. Es ist ein Versuch, das Politische auf andere Weise wahrzunehmen und mit anderen Worten zu beschreiben.
Informationen zur Idee hinter der Aktion "Politik & Lyrik" finden Sie hier
Monika Rinck: Selig
Selig sind die Lyrikerinnen, denn sie werden die Streitkräfte übernehmen.
Sie werden die Befehle verklausulieren, bis sie einschlagen wie Bomben.
Sie werden in Frankreich einmarschieren.
Sie werden Mallarmé lesen und sich von Gänsestopfleber ernähren.
Sie werden eine Tasse Tee für den Messias bereithalten, tous les jours à cinq heures.
Sie werden verkünden: Gemeinsinn ist ein sehr großer HUND in Versalien.
Ihr kennt nicht einmal die äußerste Pfote davon. Selig sind die Lyrikerinnen.
Sie werden Euch das Springen beibringen, die Panik, die Wonne, den Schreck.
Sie werden Euch befehlen, nie wieder in Amorphie zu investieren.
Es sei denn mit dem Ziel, Euch zu vernichten.
Sie werden weder Stoiker noch Zyniker sein.
Selig sind die Lyrikerinnen, denn sie werden die Streitkräfte übernehmen.
- Monika Rinck
Monika Rinck wurde 1969 in Zweibrücken geboren. 2001 erschien Begriffsstudio 1996–2001 in der edition sutstein, 2004 der Band Verzückte Distanzen im zu Klampen! Verlag. Es folgten bei Kookbooks der Essayband Ah, das Love-Ding! (2006) und der Lyrikband zum fernbleiben der umarmung (2007), 2008 dann das Hörbuch Pass auf, Pony in der edition sutstein. 2009: Helle Verwirrung / Rincks Ding- und Tierleben. Zuletzt Elf kleine Dressuren, mit Max Marek, edition sutstein 2010.
- Datum 11.03.2011 - 17:32 Uhr
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- Serie Politik & Lyrik
- Quelle DIE ZEIT, 10.3.2011 Nr. 11
- Kommentare 11
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Das Gedicht wird hier schon etwas lieblos präsentiert. Muss denn wirklich ein Link-Set in den Text hinein-interferieren?
Liebe/r lukaluka,
leider ist unsere Seite nur bedingt für die Darstellung von Lyrik optimiert. Wir werden uns aber bemühen, die Gedichte künftig ohne störende Elemente im Text aufzubereiten.
Danke + Gruß,
E.K.
Liebe/r lukaluka,
leider ist unsere Seite nur bedingt für die Darstellung von Lyrik optimiert. Wir werden uns aber bemühen, die Gedichte künftig ohne störende Elemente im Text aufzubereiten.
Danke + Gruß,
E.K.
Und warum erscheint der Kommentar auf S. 1, wenn das Problem auf S. 3 besteht?
Gaddafi
Fremd sind mir die Veränderungen in seinem Gesicht,
nie wünsche ich mir ihn wieder zu sehen.
Einst Stolz im mutigen Blick,
die Schultern den Mächtigen den Weg versperrten.
In den Falten des Umhangs hat sich der Wind verfangen.
Einst frei, schreit er jetzt das blutige Grauen,
in den Städten über das Land.
Flüsternd steht es auf und ruft in den Wind:
" Freiheit ! “
Der Wind ist zurückgekehrt.
by Uwe Kampmann - Offenbach a.M.
Mein GOtt: Wer nur hat den führenden Köpfen so ins Gehirn geschissen, daß es zu stinken beginnt, wenn sie nur‘s Maul aufmachen; woher, mein GOtt, diese braunen Gedanken?
Klowärter kandidieren für öffentliche Ämter. Mit Bürste und Lappen beseitigen sie jedes Problem. Unsere Bedürfnisse sind bei ihnen am rechten Örtchen.
Schon sind die Tribünen kaum noch zu unterscheiden von den Abtritten. An den Masten wehen die Fahnen der Globus-Geruchsverbesserer. Die Zeitungen, täglich frisch auf Dufttücher gepreßt, zitieren Darmgeräusche: Die Verdauungslage der Nation ist gesund.
Diese Erde, mein GOtt, ist ein Scheißhaus: Spülung. Sintflut. Deckel zu.
(aus: SCHÖNE BESTIEN, 2011)
Liebe/r lukaluka,
leider ist unsere Seite nur bedingt für die Darstellung von Lyrik optimiert. Wir werden uns aber bemühen, die Gedichte künftig ohne störende Elemente im Text aufzubereiten.
Danke + Gruß,
E.K.
Plötzlich krachts bei Japanusen
wackeln Häuser und die Busen.
An den Börsen die Banausen
Dax und Nikkei kriegen Grausen.
Gleich kommt das Plutonium
haut die ganze Wirtschaft um.
Vor der Küste schwimmt ein Wal
sieht jetzt bei den Jägern Qual,
auch der Hai ruft laut : "Oh he,
jetzt tut´s auch dem Gourmet mal weh."
Aufgewacht ist auch Godzilla
steckt den Kopf in jede Villa.
Er greift sich Autos, manches Schiff,
Japan fest in seinem Griff,
oh jeh, oh jeh , oh jeh,
kein Film auf DVD.
Der Strom ist weg, der Akku leer
es klingelt auch kein Händi mehr.
Tun mir auch die Menschen leid,
wir lebten doch in einer Zeit,
tacho, tacho alles schneller
rasen wir jetzt in den Keller,
sitzen auf Elektroschrott
mancher denkt jetzt auch an Gott
und denkt ganz leis betreten,
vielleicht hilft jetzt nur beten.
Ich sitze still und denke nach,
philosophisch wie Toyota einst mal sprach:
"Nichts ist unmöglich."
Toyota
An dem Tag, wo wir über die Grenze gehen,
sieht du die Stadt schon, drüben, über dem Fluss?
An dem Tag, wo wir über die Grenze gehen,
sieht du sie schon?
Wir werden ein Boot finden, angebunden versteckt im Gebüsch,
ein Seil werfen mit einem Haken dran,
Wir werden im Schlamm kriechen tief auf dem Grund,
einen Tunnel graben unter dem Fluss,
und der Fluss wird auf uns herunterrregnen
schwere Tropfen aus dunklem Gestein.
Wir werden über die Grenze gehen.
An dem Tag, wo wir über die Grenze gehen,
sieht du die Felder, drüben, über dem Fluss?
An dem Tag, wo wir über die Grenze gehen,
sieht du sie schon?
Wir werden uns unter dem Zug festhalten,
auf Hochspannungsleitungen balancieren
im Morgengrauen hoch über den Wächtern.
Wir werden über die Stromschnellen springen
und wenn sie auf uns schießen,
werden wir uns in Vögel verwandeln
und hinüberfliegen über die Grenze
in das andere Land
in die andere Zeit
auf der anderen Seite: drüben über dem Fluss.
Auch wenn es vier Mal vorkommt, es ist kein seltsamer Verfremdungseffekt oder sonst ein Kunstgriff, sondern ein Tippfehler: Es soll "siehst du" heißen.
Auch wenn es vier Mal vorkommt, es ist kein seltsamer Verfremdungseffekt oder sonst ein Kunstgriff, sondern ein Tippfehler: Es soll "siehst du" heißen.
Auch wenn es vier Mal vorkommt, es ist kein seltsamer Verfremdungseffekt oder sonst ein Kunstgriff, sondern ein Tippfehler: Es soll "siehst du" heißen.
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