Nobelpreisträger Muhammad Yunus Mikrokredit, Makroärger

Mit Darlehen für die Ärmsten wurde die Grameen Bank berühmt. Ihr Gründer Muhammad Yunus fällt nun einer politischen Machtprobe zum Opfer, bei der ihm auch die USA nicht helfen können.

Der Gründer der Grameen Bank und Nobelpreisträger Muhammad Yunus

Der Gründer der Grameen Bank und Nobelpreisträger Muhammad Yunus

Muhammad Yunus hat mächtige Freunde. Noch in dieser Woche wollte ihn Hillary Clinton empfangen. Die US-amerikanische Außenministerin ist nämlich empört, dass die Zentralbank von Bangladesch, die Bangladesh Bank, den Friedensnobelpreisträger als Chef der von ihm gegründeten Grameen Bank abgesetzt hat. »Wir sind zutiefst beunruhigt über den Brief der Bangladesh Bank an die Grameen Bank betreffend der Stellung von Dr. Yunus als Direktor der Grameen Bank«, ließ das Washingtoner Außenministerium verlauten. Man erwarte eine »Klarstellung«.

Seit wann mischt sich Washington öffentlich bei der Absetzung eines Bankdirektors durch die Zentralbank eines unabhängigen Staates ein?

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Dazu muss man wissen, dass die Grameen Bank keine ganz gewöhnliche Bank ist und Muhammad Yunus kein gewöhnlicher Banker. Clinton und Yunus verbindet eine lange gemeinsame Geschichte.

Noch als First Lady besuchte Clinton Bangladesch und das Dorf Jobra während der neunziger Jahre. Heute trägt der Ort den Spitznamen »Hillary Village«. Dort bürgte Clinton für die Unterstützung der Grameen Bank durch die amerikanische Regierung. Damals wie heute haben viele Bewohner Jobras Mikrokredite bei der Bank aufgenommen.

Yunus wurde 2006 mit dem Friedensnobelpreis geehrt; der Erfolg und die internationale Unterstützung für die Grameen Bank hat das von ihm propagierte Mikrokreditwesen weltbekannt gemacht. Und ja, die Idee ist grandios: auch die Ärmsten seien kreditwürdig. Wenn man ihnen Geld leihe und sie beim Investieren berate, beispielsweise beim Kauf einer Nähmaschine, dann könnten sie selbst das Geld für die Rückzahlung der Kredite erwirtschaften. Yunus’ Beispiel machte weltweit Schule.

So weit, so gut. Doch die Geschichte der Grameen Bank geht noch weiter.

Vergangenes Jahr machte sich der dänische Fernsehjournalist Tom Heinemann auf, Unregelmäßigkeiten im Geschäftswesen der Yunus-Bank zu recherchieren. Er war auf eine Spende der norwegischen Regierung über 100 Millionen Dollar gestoßen, welche die Grameen Bank nicht wie vorgesehen für das eigene Kerngeschäft, sondern für andere Tätigkeiten verwandt hatte.

Inzwischen ist die Aufregung um die Spende abgeflaut, obwohl die Vorwürfe nicht widerlegt wurden. Es gibt aber neuen Ärger. Heinemann besuchte bei seinen Recherchen auch das Dorf Jobra in Bangladesch und stellte etwas fest, was die ganze Branche bis ins Mark trifft. »Meine Crew traf arme Leute, die außer mehr Schulden nichts durch Mikrokredite gewonnen hatten«, berichtete Heinemann von seinem Besuch in »Hillary Village«.

Leser-Kommentare
  1. Das nennt man Diskrepanz. Theorie und Praxis stimmen nicht immer hundertprozentig ueberein. Die Absichten des Herrn Younis kann ich nicht beurteilen.
    Die Idee an sich ist wirklich genial, sonst haette er den Nobelpreis, an dessen Wichtigkeit wohl keiner zweifelt, nicht erhalten.
    Mir tun die armen der aermsten, die sich toeteten und somit deren ohnehin arme Familien noch mehr in die Armut brachten, leid.

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    Nun ja - nachdem in den letzten Jahren so Gestalten wie Obama, Xiaobo, Al Gore den Preis bekommen haben, muss man wohl eher von Kriegstreibermedaillie reden. USA und England tragen bekamen die meisten Pokale - ausgerechnet jene, die mehr Kriege inszeniert haben als der Rest der Welt.

    Das braucht sich auch keiner einbilden, dass dieser Yunus irgendwie bescheiden leben würde. Die fahren doch alle mit dem Treber-Maserati...

    Das Problem ist der Kapitalismus und die Demokratie in sich. Wirtschaften und Zinstilgung als Lebensberechtigung haben immer die Folge, dass die Schwächsten die imaginär gewollten Lasten tragen müssen.

    Mit 100 Millionen kann man Millionen Nähmaschinen kaufen und verschenken....

    Nun ja - nachdem in den letzten Jahren so Gestalten wie Obama, Xiaobo, Al Gore den Preis bekommen haben, muss man wohl eher von Kriegstreibermedaillie reden. USA und England tragen bekamen die meisten Pokale - ausgerechnet jene, die mehr Kriege inszeniert haben als der Rest der Welt.

    Das braucht sich auch keiner einbilden, dass dieser Yunus irgendwie bescheiden leben würde. Die fahren doch alle mit dem Treber-Maserati...

    Das Problem ist der Kapitalismus und die Demokratie in sich. Wirtschaften und Zinstilgung als Lebensberechtigung haben immer die Folge, dass die Schwächsten die imaginär gewollten Lasten tragen müssen.

    Mit 100 Millionen kann man Millionen Nähmaschinen kaufen und verschenken....

  2. Die Vergabe von Kleinkrediten ist keine Idee von Yunus, sondern in seinem Heimatland eine jahrhundertelange Praxis. Allerdings war es Yunus, der Mikrokrediten zu einer größeren Verbreitung verhalf. Zu viele NGOs in Bangladesch starteten in den 90er Jahren teils gar unter dem Druck der jeweiligen Regierung Kreditgeschäfte. Kredite waren plötzlich überall zu haben. Die Folge: Viel vom "schnellen Geld" wurde von den Kreditnehmern konsumiert, wenig investiert. Dazu kam, dass ein Großteil der Investitionen schlecht getätigt wurde. Die Grameen Bank hat nie Wert auf flankierende Trainingsmaßnahmen gelegt und die NGOs hatten oft auch kein Interesse daran oder wussten auch nicht viel über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge. Viele investierten in das gleiche business und konkurrierten auf engstem Raum miteinander. Die Profite schmolzen und nur die Zwischenhändler lachten - und profitierten.
    Was muss geschehen? Es bedarf mehr Professionalität, d.h. mehr Training und Begleitung für die Kreditnehmer und weniger Profitdenken. Der Fall Yunus ist tragisch, aber Yunus ist nur eine Einzelperson. Er wird überschätzt bzw. wurde als Entwicklungs-Popstar aufgebaut. Nicht Yunus ist wichtig, sondern nachhaltige Entwicklungsprozesse sind es. Mikrokredite haben eine Rolle, aber sie müssen anders eingebettet werden in den Entwicklungskontext. Das Sheikh Hasina nun Rache nimmt an Yunus behindert nicht ein Nachdenken über die Rolle von Krediten im Entwicklungskontext.

  3. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

    Wohin die Vergabe an Kredite führen kann, wenn man Sicherheiten nicht berücksichtigt haben wir bei der Suprime-Krise in den USA gesehen

    Wirtschaft ist universell...

    • TDU
    • 13.03.2011 um 11:03 Uhr

    Alle korrupt, wir oder ich sind die einzig Guten. Damit hat man im demokratischen Deutschland mal Erfolg. Hierzulande kann man sich Politik als intellektuelle Spielwiese noch leisten, ad noch genug Geld transferiert wird. In Ländern wo es im Verteilungskampf härter zugeht, nicht.

    Dieser Mann ist eine einzige Enttäuschung für die diejenigen, die seinen Nobelpreis begrüsst haben. Irgendwie scheint er vergessen zu haben, dass die Arbeit weiter geht. Und da muss auch ein Nobelpreisträger vermutlich hin und wieder Kompromisse eingehen. Erst recht auf dem Gebiet Wirtschaft, welches das Wohl aller Menschen, auch der Unseriösen, unmittelbarer berührt als z. B. Literatur, Kernphysik oder Chemie.

  4. Nun ja - nachdem in den letzten Jahren so Gestalten wie Obama, Xiaobo, Al Gore den Preis bekommen haben, muss man wohl eher von Kriegstreibermedaillie reden. USA und England tragen bekamen die meisten Pokale - ausgerechnet jene, die mehr Kriege inszeniert haben als der Rest der Welt.

    Das braucht sich auch keiner einbilden, dass dieser Yunus irgendwie bescheiden leben würde. Die fahren doch alle mit dem Treber-Maserati...

    Das Problem ist der Kapitalismus und die Demokratie in sich. Wirtschaften und Zinstilgung als Lebensberechtigung haben immer die Folge, dass die Schwächsten die imaginär gewollten Lasten tragen müssen.

    Mit 100 Millionen kann man Millionen Nähmaschinen kaufen und verschenken....

  5. Herrn Yusuf so zu verunglimpfen und ihn von seinem Posten abzusetzen finde ich ungeheuerlich.

    Das ist doch mal ein Friedens-Noblepreistträger, der wirklich was verändert hat in der Welt. Für die kleinen Leute!

    Wenn Menschen handeln passieren Fehler. Ob Herrn Yusuf das auch bei seiner Grameen Bank passiert ist - wer weiß das schon.

    Selbst wenn, ist es doch ein Skandal, dass man deshalb sofort den ganzen Mikrokredit-Gedanken in Frage stellt. Vor allem die 'guten' Kredite.

    Denn es ist doch nicht die Schuld der Mikrokredit-Geber, dass möglicherweise einige Kreditnehmer wegen schlechten Wirtschaftens, unfähig werden, ihren Kredit zurückzubezahlen.

    Dagegen stehen doch die unzähligen Erfolgsgeschichten vieler anderer - vor allem Frauen - die es durch diese Kleinkredite geschafft haben, sich eine nachhaltige Einkommensmöglichkeit aufzubauen. Für sich und ihre Kinder.

    Und dass vor allem Frauen dadurch in vielen Ländern dieser Welt erstmalig überhaupt die Chance bekommen, sich wirtschaftlich selbständig und unabhängig zu machen und ihr eigenes Geld dort einsetzen wo sie es für richtig halten.

    Oftmals fließt es dann nämlich in die Ausbildung der Kinder ... eine vernünftigere Investition gibt es doch gar nicht!

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