London Der Mann, den sie Spatzenhirn nannten
Als Kind wurde David Lindo verspottet, weil er Vögel liebte. Heute tritt er im Fernsehen auf und zeigt Großstädtern, was so alles über ihren Köpfen fliegt.
Piep! Piep! Piep! Jedes Mal, wenn jemand seine Monatskarte auf die U-Bahn-Schranke hält, macht es piep. Es ist Dienstagmorgen, kurz vor acht. Schüler schlurfen zum Eingang der U-Bahn im Londoner Westen, Geschäftsfrauen stöckeln an ihnen vorbei. Es piept ziemlich oft.
Rosarote Wölkchen hängen am Himmel, aber die sieht nur, wer nach oben guckt. »Look up!«, das ist die erste Lektion des Urban Birder für angehende Vogelbeobachter in der Stadt. Auf alles gefasst zu sein, lautet die zweite: »Anything can turn up anywhere at any time.« Wer seine Ohren spitzt, könnte jetzt leibhaftige Vögel piepsen hören, nicht viele, es ist Februar, aber ein zaghaftes Zwitschern schon. Doch die meisten Passanten haben ihre Ohren verstöpselt.
Frisch und fröhlich kommt er angestapft zum Treffpunkt U-Bahnhof East Acton: der Urban Birder, der den Leuten Augen, Ohren und, ja, Herzen öffnen will. Cool, jung und schwarz, könnte David Lindo nicht weiter entfernt sein vom Klischee des Vogelbeobachters, den man sich als verkniffenen ältlichen Kauz im Anorak vorstellt. Früher hat der gebürtige Londoner als Assistent eines Werbefilmregisseurs und als DJ gearbeitet.
- London: Anreise
Zum Beispiel mit British Airways, Lufthansa, Ryanair
- Vögel
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Mehr über David Lindo
Über Birding in London
- Essen und Trinken
Inn the Park im St. James’s Park (Tel. 0044-20/74519999). Von dem Café mit neobritischer Küche aus kann man sehr gut Vögel beobachten.
- Auskunft
So, wie er angezogen ist, die graue Mütze tief über den Glatzkopf gezogen, mit der schwarzen Reißverschlussjacke und den Jeans, könnte er direkt aus einem Club herausgekommen sein. Nur die schlammigen Gummistiefel und das Fernglas würden sich beim Tanzen schlecht machen. Ein paar Schritte sind es bloß zu den Wormwood Scrubs. Mindestens einmal am Tag kommt der Urban Birder hierher, und das seit 18 Jahren – vorausgesetzt, er ist nicht gerade in Mexico City, Budapest oder Istanbul und guckt den Vögeln nach. Trotzdem: Ein Twitcher, sagt er, sei er nicht. Das sind jene Fanatiker, die alles stehen und liegen lassen und an den äußersten Zipfel der Welt reisen, wenn dort ein exotischer Vogel gesichtet wurde. »I have a life.«
Am liebsten ist der Sonnyboy im Frühjahr hier, wenn die Sonne aufgeht und der Nebel sich hebt und die Vögel nach Futter suchen – »das ist wahnsinnig schön!« Und am ergiebigsten, wenn es in der Nacht zuvor geregnet hat. Oft kommt Lindo am späten Vormittag noch mal zurück, gut möglich, dass er dann einen Raubvogel erwischt. Und wenn nicht, verdirbt ihm das nicht die Laune, dann ist er wenigstens draußen gewesen. Das ist für ihn Teil des Vergnügens: dass er nie weiß, was ihn erwartet. »Jeder Tag ist anders.« Jeder Vogel auch. Selbst eine gewöhnliche Möwe, wie sie sich jetzt aufs Gras setzt, kann ihn erfreuen. Stellt sie nicht eine Verbindung zur Welt her? Immerhin könnte sie sogar die weite Strecke von der Ostsee hierher geflogen sein.
- Datum 25.05.2011 - 16:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.3.2011 Nr. 11
- Kommentare 2
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... dass es immer noch Menschen gibt, die den Blick für das Schöne nicht verloren haben. Man läuft ja viel zu oft alltagsblind durchs Leben!
Heute tritt er im Fernsehen auf..
Ja dann, hat er es aber allen gezeigt.
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