Ein Embryo unterm Mikroskop © Sandy Huffaker/Getty Images

Eigentlich schien zur Präimplantationsdiagnostik (PID) alles gesagt. Nun hat als vorerst letztes Gremium – nach Ärztekammer, Kirchen und Wissenschaft – der Deutsche Ethikrat seine Stellungnahme zu dem umstrittenen Verfahren abgegeben. Und überraschenderweise findet sich darin noch etwas Neues: ein versteckter Aufruf zu mehr Ehrlichkeit.

Bisher hatten Befürworter stets argumentiert, den Gentest im Labor könne man erlauben, ohne dafür das bestehende Embryonenschutzgesetz antasten zu müssen. Eine kleine Spezialregelung reiche völlig aus, eine Art Lex PID. Just dies dürfte aber gemäß dem Gutachten des Ethikrates kaum möglich sein: Denn das Schutzgesetz verbietet es, mehr als drei Eizellen pro Behandlungszyklus zu befruchten. Der Sinn der PID ist es jedoch, aus mehreren Embryonen die genetisch belasteten auszusortieren. Stünden nur drei zur Auswahl, könnte am Ende gar kein gesunder Keimling übrig bleiben – alles wäre umsonst gewesen!

Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen zweierlei: Durchschnittlich sind sieben Embryonen nötig, damit schließlich zwei unbelastete eingepflanzt werden können. Allerdings kommt es durchaus auch vor, dass nur ein oder zwei befruchtete Eizellen schadhaft sind. Dann entstehen überzählige Embryonen. Deren Schicksal (wegwerfen?) muss ebenfalls geklärt werden.

Befürworter der PID haben sich bisher vor diesen beiden Problemen gedrückt. Auch die Gegner haben sie kaum laut ausgesprochen, denn niemand will an das Embryonenschutzgesetz heran. Das sollte sich ändern. Nächste Woche diskutiert der Bundestag erstmals die verschiedenen Entwürfe für eine Regelung der PID. Dabei darf es keine Tabus geben – sonst wird das Gesetz nicht lange Bestand haben.