Die Fastenzeit, die am Mittwoch dieser Woche begonnen hat, erstreckt sich für Katholiken über 40 Tage bis Ostern (die Sonntage sind ausgenommen), und die Gläubigen sind aufgerufen, in dieser Zeit auf Fleisch zu verzichten, aber auch andere Ausschweifungen zu reduzieren.

Heute ist das eine durchaus gesunde Sache, aber früher gab es gleich mehrere Fastenzeiten, die sich auf insgesamt 130 Tage pro Jahr addierten. Lange Zeit war da auch der Konsum von Milchprodukten und Eiern verboten. Deshalb suchten findige Gläubige immer wieder nach Schlupflöchern in den strengen Fastenregeln. Für schwäbische Maultaschen etwa wird die Fleischfüllung klein gehackt und im Nudelteig versteckt – nicht umsonst wird diese Spezialität auch "Herrgottsb’scheißerle" genannt.

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Welche Tiere man essen durfte und welche nicht, war eigentlich immer klar: Das Fleisch "warmblütiger Tiere" hatte Papst Gregor I. im Jahr 590 verboten. Fisch war demnach erlaubt, im Lauf der Jahrhunderte wurden aber auch einige Säugetiere und Vögel zu Fischen ehrenhalber erklärt.

Der Biber ist ein Nagetier, aber weil er vorwiegend im Wasser lebt und sein schuppiger Schwanz an einen Fisch erinnert, beschloss das Konstanzer Konzil, das von 1414 bis 1418 tagte: "Biber, Dachs, Otter – alles genug". Der Jesuitenpater Charlevoix sagte noch 1754 über den Biber: "Bezüglich des Schwanzes ist er ganz Fisch, und er ist als solcher gerichtlich erklärt durch die Medizinische Fakultät in Paris, und im Verfolg dieser Erklärung hat die Theologische Fakultät entschieden, dass das Fleisch während der Fastenzeit gegessen werden darf."

Zwischenzeitlich war die Fastenspeise so beliebt, dass der Biber fast ausgerottet wurde. Heute steht er unter Naturschutz – schon deshalb dürfte man heute kaum noch an einen entsprechenden Braten kommen.

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