Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, wie viele Menschen immer kurz davor stehen, ihr Berufsleben zu verändern: kurz davor, ihren Chef nach der überfälligen Gehaltserhöhung zu fragen; kurz davor, sich für die freie Projektleiter-Stelle ins Gespräch zu bringen, ein MBA-Studium zu starten oder bei der Konkurrenz anzuheuern; und natürlich kurz davor, dem dreisten Kollegen endlich die Meinung zu sagen. Aber »kurz davor«, so meine Erfahrung, heißt meist: »meilenweit entfernt«.

Wer handeln möchte und könnte , es aber dennoch nicht tut, wird von einem mächtigen Gegner gebremst: sich selbst. 

Die Ursache ist immer wieder: Perfektionismus .

Die Latte des eigenen Anspruchs liegt so hoch, dass man an ihrem Anblick verzweifelt und den Sprung erst gar nicht wagt. Wer den perfekten Zeitpunkt für eine Verhandlung erwischen, die perfekten Worte für ein Kritikgespräch wählen, den vollkommenen Erfolg mit einem Stellenwechsel erzielen will, der wird zum Sklaven seiner eigenen Erwartungen. Statt einen Satz nach vorn zu wagen, bleibt er im Vorsatz hängen. Verharren statt Handeln.

Dabei – so sagt Charles de Gaulle mit Recht – ist eine unvollkommene Entscheidung, die man fällt, immer besser als eine vollkommene, die man nicht fällt.

Wenn Sie zum Beispiel nach einer Gehaltserhöhung fragen, bekommen Sie zumindest eine Einschätzung, wie Sie im Kurs stehen – wer nicht fragt, verbaut sich alles: die Erhöhung, aber auch die Rückmeldung.

Wenn Sie sich nach der freien Stelle des Projektleiters strecken, erscheinen Sie als potenzielle Führungskraft auf dem Radar, auch wenn Sie vielleicht noch nicht sofort auf dem angestrebten Sessel landen. Doch dem Perfektionisten, der abwartet, um mehr Argumente für sich zu sammeln, winkt allenfalls ein Regiment im eigenen Gedankenreich – als Zauderkönig.

Es gilt dasselbe wie bei Innovationen: Wer erst dann zur Tat schreitet, wenn jeder Fehler ausgeschlossen scheint, stößt meist auf eine besetzte Parklücke; andere waren schneller. Dann bringt auch ein perfektes Einpark-Manöver nichts mehr.

Wichtige Entscheidungen sind keine Rechenaufgaben, bei denen es kalkulierbare Ergebnisse gibt – sie sind immer Wagnisse. Mit Mut und Intuition kommen Sie weiter als mit einem lähmenden Perfektionsanspruch. Wer handelt, kann viel erreichen. Wer nicht handelt, handelt sich was ein.