AKW-Sicherheit Im Blindflug
Japan ignorierte die Warnungen vor einer Atomkatastrophe. Ist Deutschland besser geschützt?
© John Macdougall/AFP/Getty Images

Das Atomkrafttwerk Isar 1 in Markt Essenbach bei Landshut
Japans Atom-Manager kannten die Gefahren. Diese Ungeheuerlichkeit kommt jetzt allmählich ans Licht. Aber die Firma Tepco, Betreiber der Kernkraftwerke in Fukushima, sicherte ihre Reaktoren weder gegen ein so starkes Beben, wie Japan es am Freitag erlebt hat, noch gegen Tsunamis, die damit einhergehen können.
Das bezeugt zum Beispiel Kenneth Brockman, der ehemalige Direktor für Anlagensicherheit in der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). »Wir hatten gleich nach dem Erdbeben in Kashiwazaki Kariwa im Sommer 2007 mit den Verantwortlichen über das Thema diskutiert. Aber sie haben keine Konsequenzen gezogen.« Ein Mitglied der damals nach Japan entsandten IAEA-Expertengruppe, das nicht genannt werden will, ergänzt: »Das Unwissen der Japaner oder besser: ihr Leugnen der Gefahren hat uns ziemlich gewundert.« Von einer »verpassten Chance« spricht auch Kenneth Brockman. Jedem Experten sei doch klar gewesen, dass Erdbeben dieser Stärke in Japan auftreten können.
Ebenso wie Tsunamis. Auch sie waren Gegenstand der Gespräche mit dem internationalen Expertenteam. Auf der Website der Präfektur Fukushima findet sich außerdem ein Dokument, in dem Anwohner fordern, die Kraftwerke gegen große Tsunamis zu sichern. »Aber Tepco hat nicht einmal geantwortet«, sagt Gerald Hollingsworth, der im amerikanischen North Carolina Reaktorfahrer für Siedewasserreaktoren ausbildet und Anlagen vom Typ Fukushima in- und auswendig kennt. Er ist wütend: »Die japanischen Arbeiter und Ingenieure, die gerade zu retten versuchen, was zu retten ist, sind wahre Helden. Aber ihre Firma hat sie regelrecht verraten.«
- Das Erdbeben vom 11. März
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In fast 90 Prozent der Fälle werden Tsunamis durch Seebeben ausgelöst. Dabei brechen oder reißen aufeinander stoßende Erdplatten und erschüttern den Untergrund des Ozeans. In Japan taucht die Pazifische unter die Eurasische Platte.
Infografik Erdbeben
© Anne Gerdes/ZEIT GrafikKlicken Sie auf das Bild, um die Weltkarte der Erdbebengefahr herunterzuladen
Durch solche Erdverschiebungen können gewaltige Wassermassen in Bewegung gesetzt werden. Einmal angestoßen, beginnt eine Kettenreaktion: So wie ein Dominostein den nächsten anstößt, pflanzt sich die Bewegungsenergie im Wasser fort – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern in der Stunde.
In Japan ereignete sich am 11. März 2011 um 14.46 Uhr Ortszeit (06.46 Uhr MEZ) ein großes Erdbeben der Stärke 9. Zahlreiche weitere Beben erschütterten die Region. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und fast 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokyo. Das Beben löste mehrere Flutwellen aus, die weite Landstriche verwüsteten.
Mehr als 15.800 Menschen starben durch die Naturkatastrophen, mehr als 3.200 gelten weiterhin als vermisst. Rund 120.000 Gebäude wurden zerstört, Hunderttausende weitere zum Teil erheblich beschädigt (Quelle: National Police Agency, Japan).
- Der Tsunami
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Eigentlich bedeutet das japanische Wort Tsunami "Hafenwelle". Meist ist es aber nicht eine einzige Welle, die ausgelöst durch ein Erdbeben die Küsten trifft, sondern die Erschütterungen lösen gleich eine ganze Serie von Flutwellen aus.
Treffen diese Wellen nach ihrer rasanten Ausbreitung über den offenen Ozean auf flachere Gewässer, türmen sich die Wassermassen meterhoch auf. Als gewaltige Brecher schlagen die Fluten an Land und können so kilometerweit ins Landesinnere vordringen.
Mit Beben muss man auf Japans Hauptinsel Honshu stets rechnen. Das Land liegt im Bereich des Pazifischen Feuerrings. Damit ist ein Vulkangürtel gemeint, der den Pazifischen Ozean umringt.
- GAU in Fukushima
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Während des Bebens am 11. März 2011 wurde auch das an der Ostküste der Präfektur Fukushima gelegene Atomkraftwerk Fukushima-1 beschädigt. Der anschließende Tsunami zerstörte sowohl die Notstromversorgung als auch wichtige Kontrollmöglichkeiten der sechs Reaktoren.
Grafik Radioaktivität
© Julika AltmannKlicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.
Nachdem das Kühlsystem ausfiel, kam es zu mehreren Explosionen durch entzündeten Wasserstoff. Die Wände der Reaktoren 1, 2, 3 und 4 wurden teils schwer dadurch beschädigt. Zudem ereigneten sich Kernschmelzen in den Reaktoren 1 bis 3. Radioaktivität trat in hohen Mengen in die Umwelt aus.
Das umliegende Gebiet musste evakuiert werden. Noch immer sind Städte und Dörfer in einem Radius von 20 Kilometern um die Atomanlage gesperrt. Mindestens 60.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.
Der AKW-Betreiber Tepco versucht, die havarierten Reaktoren langfristig unter Kontrolle zu halten. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.
Hollingsworth zufolge waren die Reaktoren nur gegen Erdbeben bis zur Stärke sieben und die sie begleitenden Tsunamis gesichert: »Der Einlauf für das Kühlwasser und die Tanks für die Notstromdiesel konnten einer größeren Welle nicht standhalten, das war schon immer klar. Tepco wusste, dass bei einem großen Tsunami alle Kühlmechanismen ausfallen würden.« Und niemand in der Firma hat gefragt, was dann passiert? »Solche Fragen stellt man seinen Vorgesetzten in Japan nicht«, sagt Hollingsworth. Das bestätigen auch IAEA-Experten: »Die viel gerühmte Sicherheitskultur der Japaner hat eine Grenze, und das ist die Hierarchie.«
Also nahm das Unglück seinen Lauf. Und legte weitere Schwächen der Atomanlage Fukushima bloß.
© ZEIT ONLINE
Die Reaktoren von Fukushima-1 an der Küste im Nordosten Japans. Sie wurden durch das Beben am 11. März am schlimmsten beschädigt
Die Anlage ist einer der größten Nuklearkomplexe der Welt. Fukushima 1 umfasst sechs Einheiten, weitere vier stehen zwölf Kilometer weiter südlich im Komplex Fukushima 2. Während hier alle Reaktoren liefen, als die Erde bebte, standen im Schwesterpark drei Blöcke (4, 5 und 6) aus Wartungsgründen still. Die drei ältesten Blöcke 1, 2 und 3 waren in Betrieb. Diese drei Veteranen, vor 35 bis 40 Jahren in Betrieb gegangen, stürzen Japan nun in die größte nukleare Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg.
Zunächst hatte es so ausgesehen, als laufe der Notfallplan ordnungsgemäß ab. Nach dem ersten Beben schalteten sich die sieben laufenden Reaktoren automatisch ab. Steuerstäbe hatten das nukleare Feuer gelöscht. Sie waren zwischen die heißen Brennstäbe im Reaktorkern gefahren und hatten die radioaktive Kettenreaktion gestoppt. Dieser elementare Bremsvorgang war im Katastrophenreaktor von Tschernobyl 1986 nicht mehr möglich – deshalb explodierte er.
- Datum 17.03.2011 - 15:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.3.2011 Nr. 12
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dass man 40 Jahre alte Reaktoren sicher betreiben könnte.
Würde man neue, moderne Reaktoren, die mit allen Sicherheitsstandards ausgerüstet sind, bauen, hätte man immer noch keine 100% Sicherheit vor einem GAU, allein weil menschliches Versagen immer auftreten kann. Die Schäden, die bei einer solchen Katastrophe entstehen, stehen aber in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Stattdessen ist jetzt der Moment gekommen, wo es offensichtlich geworden ist, dass es so nicht mehr weitergehen kann und wir echte Alternativen brauchen. Kohle- und Gaskraftwerke wird man immer brauchen, der Ausbau ist aber keine Alternative.
Es wäre jetzt Zeit für unseren Sputnik-Moment. Die Menschheit hat immer wieder bewiesen, dass sie in der Lage ist unmöglich erscheinende Leistungen zu erbringen und beim jetzigen Stand der Technologie ist der Umstieg auf saubere Energieerzeugung durchaus möglich.
Um das zu erreichen müssen aber die konservativen Nein-Sager und Technologiefeinde ihren Kopf aus dem Sand bekommen. Der Aufbau von Wind- und Solaranlagen darf nicht weiter verhindert werden, die Stromnetze müssen ausgebaut werden. Das mag nicht immer schön aussehen, im Gegensatz zu AKWs kann man diese Dinge aber wenigstens zurückbauen. Das Desertec-Projekt wäre auch so eine Alternative.
Die Kosten sind hier zunächst nebensächlich. Wenn wir dies schaffen, wird der Verkauf der Tech. die Kosten mehrmals hereinholen.
Bei einem GAU würde überhaupt nichts passieren. Meinen Sie vielleicht Super-GAU?
Also die alleinige Tatsache, dass sich eine lavaartige, radioaktive Masse mit 2000°C in den Erdboden bohrt und das Grundwasser kontaminiert und vergiftet, ist "nichts"?
Bei einem GAU würde überhaupt nichts passieren. Meinen Sie vielleicht Super-GAU?
Also die alleinige Tatsache, dass sich eine lavaartige, radioaktive Masse mit 2000°C in den Erdboden bohrt und das Grundwasser kontaminiert und vergiftet, ist "nichts"?
falschen Reaktoren. Beim THTR gäbe es keine Kernschmelze.
Der eigensichere Kugelhaufenreaktor nach BBC-Patenten wurde nicht zu Ende entwickelt, weil Landtagswahlen anstanden und weil die Vorläufer der großen Vier meinten, die damalige Leistungsgrenze von 300 MW sei zu unwirtschaftlich.
Die Japaner wären heute froh, sie hätten nur diese Winzlinge im Tsunami stehen gehabt.
Ich mußte mich kürzlich von einem grün in der Wolle gefärbten Gutmenschen belehren lassen, dieser Reaktortyp sei noch viel gefährlicher als alle anderen, weil man damit in Deutschland Atombomben bauen könne.
Keine weiteren Fragen!
lese man http://de.wikipedia.org/w...
Der eigensichere Kugelhaufenreaktor nach BBC-Patenten wurde nicht zu Ende entwickelt, weil Landtagswahlen anstanden und weil die Vorläufer der großen Vier meinten, die damalige Leistungsgrenze von 300 MW sei zu unwirtschaftlich.
Die Japaner wären heute froh, sie hätten nur diese Winzlinge im Tsunami stehen gehabt.
Ich mußte mich kürzlich von einem grün in der Wolle gefärbten Gutmenschen belehren lassen, dieser Reaktortyp sei noch viel gefährlicher als alle anderen, weil man damit in Deutschland Atombomben bauen könne.
Keine weiteren Fragen!
lese man http://de.wikipedia.org/w...
Sehr interessanter und aufschlussreicher Artikel, vor allem da er nicht nur dem Atomforum Raum für "Argumentationen" bietet, sondern auch kritische Expertisen wie von Herrn Sailer berücksichtigt.
Der eigensichere Kugelhaufenreaktor nach BBC-Patenten wurde nicht zu Ende entwickelt, weil Landtagswahlen anstanden und weil die Vorläufer der großen Vier meinten, die damalige Leistungsgrenze von 300 MW sei zu unwirtschaftlich.
Die Japaner wären heute froh, sie hätten nur diese Winzlinge im Tsunami stehen gehabt.
Ich mußte mich kürzlich von einem grün in der Wolle gefärbten Gutmenschen belehren lassen, dieser Reaktortyp sei noch viel gefährlicher als alle anderen, weil man damit in Deutschland Atombomben bauen könne.
Keine weiteren Fragen!
Es freut mich, dass es in Deutschland offenbar zur Allgemeinbildung zu gehören scheint, wie man mit solchen Katastrophen umzugehen hat und wie sie gelöst werden. Alle auf nach Japan, dort werdet ihr gebraucht. Das Kommentieren hier in Zeit online ist reine Zeitverschendung.
Ach so der Artikel: Mein Informationsstand ist anscheinend besser als der des Autors.
Bei einem GAU würde überhaupt nichts passieren. Meinen Sie vielleicht Super-GAU?
Den Blödsinn haben die Medien losgelassen!
Der Gau ist das Höchste was es gibt.
Bitte informieren Sie sich.
Den Blödsinn haben die Medien losgelassen!
Der Gau ist das Höchste was es gibt.
Bitte informieren Sie sich.
Was ist, wenn die Dieselaggregate keinen Fehler haben, sondern bei dem Unfall kaputt gehen? Heute noch AKWs mit einem positiven Void-Koeffizienten zu betreiben ist wirklich absoluter Schwachsinn und gehört verboten. Wenn so ein Ding kaputt geht, dann muß es sich deaktivieren und nicht erst noch richtig loslegen.
Ich glaube die Hälfte der deutschen Reaktoren sind auch Siedewasserreaktoren.
SWR haben keinen positiven Void-Koeffizient
SWR haben keinen positiven Void-Koeffizient
»Die viel gerühmte Sicherheitskultur der Japaner hat eine Grenze, und das ist die Hierarchie.« Und das ist auch der Hintergrund, der die viel gerühmte Disziplin der Japaner in der allerschlimmsten Katastrophe verständlich macht. Die Demokratie-Erfahrung der Japaner ist noch nicht alt, sie begann nach Hiroshima. Davor wurde dem Tenno blindlings vertraut, ersatzweise dem Vorgesetzten.
Heute, also erst seit rund 65 Jahren, haben sie eine rein äußerliche Demokratie, die ihnen von einer Supermacht mit 2 Atombomben aufgezwungen wurde. Sie erfüllen rein äußerlich auch alle Rituale der Demokratie, wie Wahlen usw... Aber diese Demokratie ist wie ein Spielzeug, bei dem man noch nicht alle Tasten oder Hebel verstanden hat: Das Recht (oder gar die Pflicht), dem Vorgesetzten zu widersprechen, wird nicht wahrgenommen. Mit bitteren Konsequenzen...
Bei uns existiert die Demokratie seit 1949. Also 62 Jahre.
Der letzte Krieg eines Diktators aus Deutschland, Adolf Hitler, endete am 08. Mai 1945, also in knapp 2 Monaten vor 66 Jaharen. Sind wir oberflächlich?
Bevor sie meinen mir die Weimarer Republick, die Paulskirche in Frankfurt und das Hambacher Fest zurück zu antworten müssen: Wirkliche Demokratie kennen wir erst seit 1949, erzwungen durch eine Supermacht und unsere Nachbarn.
Bitte bleiben Sie artikelnah bei der Verfassung Ihrer Beiträge. Danke. Die Redaktion/se
Bei uns existiert die Demokratie seit 1949. Also 62 Jahre.
Der letzte Krieg eines Diktators aus Deutschland, Adolf Hitler, endete am 08. Mai 1945, also in knapp 2 Monaten vor 66 Jaharen. Sind wir oberflächlich?
Bevor sie meinen mir die Weimarer Republick, die Paulskirche in Frankfurt und das Hambacher Fest zurück zu antworten müssen: Wirkliche Demokratie kennen wir erst seit 1949, erzwungen durch eine Supermacht und unsere Nachbarn.
Bitte bleiben Sie artikelnah bei der Verfassung Ihrer Beiträge. Danke. Die Redaktion/se
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