Gesundheitswesen Ein Ökonom unterm Messer
Wie gut ist unser Gesundheitssystem? Ist es zu teuer? Unser Autor ist Kassenpatient und stellte sich diese Fragen plötzlich ganz persönlich: Er brauchte eine neue Herzklappe.
2. November 2010
Ich finde mich morgens um acht »nüchtern« im Krankenhaus ein. Ich bekomme ein Bett in einem Dreierzimmer der Kardiologischen Station zugewiesen, denn ich werde eine Nacht zur Beobachtung hierbleiben müssen.
Mir steht eine Herzoperation bevor. Die Aortenklappe ist verkalkt und soll ersetzt werden. Heute steht zur Vorbereitung eine Herzkatheteruntersuchung an. Ich bekomme so ein Büßerhemdchen verpasst, das hinten offen ist und nur von einer Schleife am Hals gehalten wird. Ich sehe Jack Nicholson vor mir, der in so einem Teil in »Besser geht’s nicht« einen ziemlich schrägen, nacktarschigen Auftritt hinlegt.
Mein Humor kommt mir abhanden, als sich das Bett, in dem ich liege, von der Hand eines kräftigen Pflegers geschoben, durch Flure und Fahrstühle bewegt. Ich sehe Geschossdecken über mir dahinziehen und fühle mich als Objekt, mit dem sie nun machen können, was sie wollen. Unangenehm.
Gott sei Dank ändert sich das, als ich schließlich aus eigener Kraft und mit betontem Schwung vom Bett auf den Untersuchungstisch hinüberrutsche. Der junge Assistenzarzt sagt: »Sie werden hier ordentlich mitmachen müssen.« Er betrachtet mich, wie ich nackt daliege, und schmeichelt mir: »Sie sind ja für einen 60-Jährigen körperlich in Topform. Das sehen wir hier nicht so oft.«
Von der Leiste aus wird ein Katheter durch die Arterie zur linken Herzseite vorgeschoben, durch den ein Kontrastmittel in die Kammer und die Herzkranzgefäße gespritzt wird. Auf einem Monitor kann ich das alles verfolgen, der Arzt erklärt mir, was dort zu sehen ist. Mir wird warm ums Herz, als er das Kontrastmittel hineinpumpt. Die Kalkeinlagerungen an der Aortenklappe und deren mangelnde Beweglichkeit sind gut zu erkennen. Die schlechte Neuigkeit ist, dass auch ein Kranzgefäß hochgradig eingeengt ist. Die Untersuchung ist nach zwanzig Minuten erledigt.
Am Nachmittag kommt der Kardiologie-Chefarzt zur Visite. Er eröffnet mir, dass ich noch in dieser Woche operiert werden kann. Ich beschließe, von Stund an ein Tagebuch zu führen. Erstens scheint mir das eine gute Methode zu sein, sich auch im Krankenbett einen Rest an Aktivität zu bewahren. Zweitens ist mir bei allem Bammel vor der Operation die Neugier des Reporters nicht abhandengekommen. Mich interessiert, was man als Kassenpatient an Behandlung geboten bekommt.
Ich bin aus Überzeugung freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Ich halte den Grundgedanken für richtig, dass sämtliche Bürger nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft medizinisch bestmöglich versorgt werden sollen. Den Solidarausgleich zwischen Menschen mit unterschiedlicher gesundheitlicher Robustheit finde ich ebenso angebracht wie die Tatsache, dass finanziell gut Situierte die weniger Wohlhabenden mitfinanzieren.
Ich zahle einen monatlichen Krankenkassenbeitrag von 296,25 Euro, mein Arbeitgeber noch einmal 262,50 Euro. Im Laufe meines bald vier Jahrzehnte währenden Arbeitslebens werde ich – mit meinen Arbeitgebern – an die 180.000 Euro Beiträge in die Krankenkassen eingezahlt haben. Ich erwarte nicht, dass ich jeden Cent davon als Leistung zurückbekomme. Aber ich glaube, eine engagierte Behandlung beanspruchen zu dürfen.
3. November
Ich stehe für Freitag auf dem Operationsplan Auf Nachfrage eröffnet mir die Stationsärztin, dass Notfälle dazwischenkommen können, »und die gibt es hier oft«. Das wären dann vier verlorene Tage im Krankenhaus. Ich entscheide mich für einen neuen, späteren Termin.
Eine halbe Stunde später habe ich meine Entlassungspapiere. Natürlich öffne ich den Bericht des Krankenhauses an meinen Haus-Kardiologen. Die Diagnose darin gibt mir ein Rätsel auf. Sie lautet: »kombiniertes Aortenklappenvitium, Stenose führend 2-Gefäß-KHK, sign. Stenose LAD«. Der Behandlungsvorschlag aber räumt alle Zweifel aus: »In Anbetracht der oben beschriebenen Befunde besteht die Indikation zur zeitnahen Klappen- und Bypassoperation. Der Patient möchte diese elektiv durchführen lassen.« Zusätzlich zur neuen Herzklappe wollen die Ärzte mir also doch noch einen Bypass legen. Wahrscheinlich sagen sie sich: Wenn wir schon einmal dabei sind...
6. November
Ein Bote bringt Post vom Krankenhaus. Der Operationstermin steht fest: 18. November.
11. November
Im Krankenhaus hat sich einiges verändert. Auf den Fluren werden Umzugskartons bewegt. Die Klinik wird umgebaut und renoviert. Um die Wartezeit bis zur Operation zu nutzen, habe ich mich zum Gespräch mit den Krankenhausmanagern und dem Chefarzt der Herzchirurgischen Abteilung verabredet. Die Bauarbeiten in der Klinik sind ein gutes Einstiegsthema.
»Ja«, sagt Professor Fokko ter Haseborg, der Vorstandsvorsitzende des Albertinen-Diakoniewerks, »wir investieren gerade 75 Millionen Euro in die Modernisierung der Klinik. Knapp 50 davon sind Fördermittel, den Rest müssen wir selbst aufbringen.« Im Gespräch mit ihm und Hauptgeschäftsführer Cord Meyer wird mir klar, dass hinter dem etwas Tante-Emma-artigen Markennamen »Albertinen« ein Wohlfahrtskonzern von beachtlicher Größe steckt. Drei Krankenhäuser mit fast 1000 Betten gehören dazu, Altenheime, Kitas, ein Geriatriezentrum, ein Hospiz, eine Pflegeschule, Küchen- und Infrastrukturbetriebe. Die Gruppe beschäftigt 2800 Menschen in Hamburg und setzt jährlich 190 Millionen Euro um. Der Konzern versucht, im Wettbewerb mit offensiven privaten Krankenhausketten seine überkommene Kultur der Diakonie, der selbstlosen, nicht aufs Geld schauenden menschlichen Zuwendung, zu bewahren.
Das Krankenhaus schreibt nach drei schwierigen Jahren wieder schwarze Zahlen. Meyer sagt, dass dies durch strukturelle Veränderungen sowie die Reduzierung von Sachkosten erreicht worden sei – ohne Personalabbau: »Wir erzielen für unsere Leistungen über die Fallpauschalen alle einen einheitlichen Preis, und wer die höchsten Kosten hat, wird im Wettbewerb nicht bestehen könne.« »Wir betreiben das Krankenhaus nicht, um Geld zu verdienen«, ergänzt ter Haseborg. »Wir wollen wirtschaftlich arbeiten, um den Patienten die bestmögliche Qualität bieten zu können. Die Qualität ist der wichtigste Faktor im mittlerweile scharfen Wettbewerb.«
Dann treffe ich Dr. Friedrich-Christian Rieß, den Chefarzt. Er hat meine Krankenakten vor sich, und die freien Rückseiten der DIN-A4-Bögen sind rasch mit Bleistiftskizzen gefüllt: EKG-Diagramme, Herzkammern und -klappen, Aorten und Venen, ein Schema der Herz-Lungen-Maschine. Der Privatdozent ist ein fabelhafter Kommunikator. Er kann mir verständlich machen, dass der Bypass, der zu meiner Überraschung zusätzlich zum Ersatz der Aortenklappe gelegt werden soll, sinnvoll ist. Er weiht mich ein in die Vorzüge der arteriellen Bypass-Versorgung, die eine Spezialität seiner Abteilung ist. Anderenorts werden Bypässe oft unter Verwendung einer Vene gelegt, die aus dem Bein des Patienten entnommen wird. Rieß will eine Arterie aus meiner Brust umleiten. Und als mir gerade ein wenig flau zu werden beginnt angesichts der Dinge, die da mit mir geschehen sollen, kommt er Gott sei Dank auf die mir vertrauteren, unblutigen Aspekte der Ökonomie zu sprechen. »Unsere Methode«, sagt er, »ist der Goldstandard. Sie ist auch teurer, ohne dass wir dafür mehr erlösen würden. Mitunter, wenn die Operation komplizierter wird und länger dauert, zahlen wir auch drauf.«
Das Controlling könnte den Ärzten halbstundengenau vorrechnen, was ihre Arbeit im Operationssaal oder am Schreibtisch, wo endlose Dokumentationspflichten zu erledigen sind, im Einzelnen kostet. Rieß: »Ich kann hier unbeanstandet dafür eintreten, die medizinisch beste Lösung zu wählen, auch wenn ich meinen Etat damit strapaziere. Es kommt den Patienten und den Kassen zugute, denn nach unserer Methode muss der Patient nicht nach zehn Jahren reoperiert werden. Und Qualität ist ja auch ein Marketingargument.«
Meine Operation wird dreieinhalb bis vier Stunden dauern. Wer wird mich operieren? »Das werde ich machen«, sagt der Chefarzt, »ich bin schließlich langjähriger ZEIT- Abonnent.« Werde ich bevorzugt behandelt, weil ich Journalist bin und eine Veröffentlichung droht? Rieß beruhigt: »Ich operiere sonst auch Kassenpatienten.« Und um das restlos glaubhaft zu machen, sagt er: »Ich bin übrigens selbst freiwilliges Mitglied der GKV.«
17. November
Der Tag vor der Operation hält mich so auf Trab, dass ich gar nicht dazu komme, mich dem großen Bammel hinzugeben. Um 9.30 Uhr bin ich in der Aufnahme des Krankenhauses. Ich äußere den Wunsch, in einem Zweibettzimmer untergebracht zu werden, dafür muss ich täglich 31,97 Euro zuzahlen. Bei zehn Tagen im Krankenhaus wären das gute 300 Euro extra – nicht viel, verglichen mit der Prämie, die ich für eine Zusatzversicherung hätte zahlen müssen, welche die Versorgung durch den Chefarzt einschließt. Für einen Mann meines Alters wäre die monatlich auf einen Betrag zwischen 70 und 110 Euro gekommen. Und ich hätte sie schon zehn Jahre lang bezahlen müssen, denn die Versicherung tritt nur für Kosten einer Erkrankung ein, die nach dem Abschluss der Versicherung aufgetreten ist.
Mein Bettnachbar offenbart sich gleich als angenehmer Zeitgenosse. Als Erstes verständigen wir uns darüber, dass der Fernseher ausgeschaltet bleibt. Herr D. hat eine Lebensgeschichte, die sowieso spannender ist als jedes TV-Programm und die er auch gleich erzählt. Für Ablenkung am Abend vor der Operation ist also gesorgt. Dass ich hier kein Einzelzimmer habe, empfinde ich unter diesen Umständen als Gewinn.
18. November
Es ist vorbei, sagt die Frauenstimme, alles ist gut. Ich muss mental wieder ziemlich fit sein, denn ich frage die Schwester an meinem Bett, ob sie mich veräppeln wolle. Aber dann diffundiert da einfach dieses unfassbare Gefühl der Erleichterung in mir, das mich fast im Bett abheben lässt. Eine existenzielle Operation am offenen Herzen, ein aufgesägtes und auseinandergezwungenes Brustbein, eine Herz-Lungen-Maschine, die das Blut fast zwei Stunden lang durch meinen Körper gepumpt hat – und ich habe nichts von alldem gemerkt. Am Morgen hatte ich nach dem Zähneputzen eine Pille geschluckt, die mich hatte einschlafen lassen. Das war es.
Mir wird klar, dass ich auf der Intensivstation bin. Es stecken Schläuche und Drähte in mir, wo und welche, kann ich in meiner Bewegungslosigkeit noch nicht erkennen. Die Stunden auf der Intensivstation sind nur Erinnerungsfetzen. Ich hatte erwartet, dass große Stille herrschen würde und dass ich Anhängsel irgendwelcher Maschinen sein würde. Tatsächlich assoziiere ich die Atmosphäre dort eher mit der einer Reparaturwerkstatt. Ein größerer, offener Raum. Andere Patienten, hinter Vorhängen verborgen. Türen in ständiger Bewegung. Neonlicht. Menschen in lindgrüner OP-Kleidung laufen umher. Eine Krankenschwester erklärt mir, dass es einem anderen Patienten nicht gut gehe. Mir geht es nicht schlecht. Ich fasse die große Herausforderung ins Auge, vielleicht wenigstens meinen Hintern einige Zentimeter anzuheben. Es gelingt.
19. November
Ich habe die Intensivstation verlassen und liege jetzt in einem Überwachungszimmer. Der erste Besuch meiner Frau. Sie erzählt, dass der Chefarzt sie gestern um fünf nach zwölf angerufen habe, um von einer voll gelungenen Operation zu berichten. Ich selbst habe registriert, dass mein Herz nun auffallend ruhig arbeitet. Da ist kein Rauschen mehr, wenn ich mit dem Ohr das Kopfkissen abhorche, nur noch ein satter, regelmäßiger Herzschlag.
20. November
Den Umzug auf die Normalstation habe ich jetzt schon bewusst mitbekommen. Ich liege allein in einem Zweibettzimmer. Allmählich gelingt es mir, die diversen Schwestern und Pfleger auseinanderzuhalten und mir ihre Namen zu merken. Die auffallendste Erscheinung ist Schwester Jutta, eine offensichtlich sehr erfahrene Pflegerin. Sie verstrahlt neben einem etwas herben Charme ostentative Ruhe. Sie erwirbt sich meine besondere Dankbarkeit, denn unter ihrer Anleitung setze ich mich auf die Bettkante, stelle mich neben das Bett und bewege mich durch das Zimmer. Dabei schleppe ich an einer Schlaufe um den Hals noch einen EKG-Sender mit, der meine Kreislaufdaten ins Stationszimmer übermittelt. Immerhin verwirkliche ich meinen momentanen Freiheitstraum, aus eigener Kraft das Badezimmer aufsuchen zu können.
Natürlich habe ich wahrgenommen, dass die Pflegerinnen harte Arbeit leisten. Wir sind allein, und deshalb frage ich Schwester Jutta im Vertrauen, wie dieser Knochenjob bezahlt wird. Auf Euro und Cent will sie ihr Gehalt nicht nennen – zwischen 2500 und 3000 Euro brutto im Monat. Sie bestätigt, dass die Arbeit im Laufe der Jahre belastender geworden ist. Durch Verdichtung, vor allem aber, weil die immer älter werdenden Patienten immer mehr Zuwendung brauchten. »Wir können aus Zeitmangel aber immer weniger direkt am Patienten machen, auch wenn es bei uns vielleicht noch eher möglich ist als in anderen Häusern«, sagt sie.
21. November
Ich ziehe wieder um. Jetzt muss ich das Zimmer mit einem anderen Patienten teilen. Der Zimmergenosse sieht gepflegt und sympathisch aus, Herr S. ist ein Malermeister im Ruhestand aus meiner Nachbarschaft. Er hat es weniger gut getroffen, bekommt schlecht Luft, nach der Herzoperation hat sich Wasser in seiner Brust gesammelt.
Fast habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Nachbarn, weil es mir so gut geht. Abends streife ich auf Pantoffeln über die Etage und gelange dabei in die Rehabilitationsabteilung. In der Lobby sitzt eine Gruppe alter Menschen, die sich gegenseitig etwas vorklagen. Glücklicherweise habe ich vormittags entschieden, dass ich meine Rehabilitation ambulant abwickeln werde, nachdem die Reha-Beraterin mir diese Möglichkeit eher beiläufig und auf Nachfrage eröffnet hatte.
23. November
Schwester Astrid befreit mich endlich vom lästigen Venenkatheter in meinem Hals und nimmt auch das große Pflaster auf meiner Brust ab. Zum ersten Mal sehe ich die Spuren der Operation. Ein verkrusteter Schnitt von gut zwanzig Zentimetern Länge über das ganze Brustbein. Zwei Wundmale auf dem Bauch, aus denen noch Drähte für den eventuellen, aber nicht nötigen Anschluss eines Schrittmachers hervorkommen. Ein paar kleine Hämatome. Wundheilung und Brustbehaarung werden das schon richten.
Am letzten Tag des Krankenhausaufenthalts hält es mich kaum noch im Bett. Ich treibe mich auf dem Flur herum. Ich treffe den Chefarzt, der fragt, ob ich noch Schmerzen verspürte. Keine Schmerzen. Ich treffe den Anästhesisten. Wir flachsen ein letztes Mal darüber, dass es noch keine spezielle Reporternarkose gibt, die das Mitschreiben während der Operation erlaubt. Mir wird klar, dass ich diese große Operation auch deshalb sehr gut überstanden habe, weil ich mich nicht in der Rolle des passiven Opfers eingerichtet habe, sondern ein aktiver Patient gewesen bin. Vielleicht ist das eine bessere Garantie für die Zuwendung von Ärzten und Pflegerinnen, als sie jede Privatversicherung leisten kann. Und ökonomisch kann man ein selbstbewusster Patient zu sein: Der Markt der Krankenhausdienstleistungen ist klar ein Nachfragermarkt.
24. November
Morgens um zehn halte ich meine Entlassungspapiere in der Hand. Am Kuvert haftet mit einer Büroklammer das Etikett meiner Ersatzklappe, die aus den USA kommt: Hancock II Porcine Heart Valve, Nr. 23A10H2438. Was der Bericht auch sagt: Ich soll von nun an größere Mengen Medikamente schlucken. Betablocker, ACE-Hemmer, ASS, Cholesterinsenker, Magenschutzmittel. Als ich meinen Kardiologen anrufe, sagt der nur: »Um Gottes willen, wenn ich das alles verordne, werde ich arm. Nein, dafür ist Ihr allgemeinmedizinischer Hausarzt zuständig.« Der Facharzt will sein Arzneibudget schonen. Ich bin zurück in den Niederungen des deutschen Gesundheitswesens.
27. November
Der Postbote bringt die Rechnung des Krankenhauses. Sie beläuft sich auf 100 Euro für zehn Tage stationärer Eigenbeteiligung, jeder Kassenpatient zahlt das. Die Unterbringung im Zweibettzimmer hat mich für fünf Tage 159,85 Euro gekostet.
Was die gesamte Behandlung kostet, erfährt der gewöhnliche Kassenpatient leider nicht – obwohl es kein Geheimnis zu bleiben braucht. Unter dem Stichwort Fallpauschalenkatalog 2010 finden sich im Internet die Preise sämtlicher Krankenhausleistungen. Bei meiner Krankenkasse wird der Posten F03C Herzklappeneingriff abgerechnet. Um tiefer in das Zahlenwerk einzudringen, nutze ich meinen Draht zur Krankenhausverwaltung und lasse mir vom Controller vorrechnen, dass meine Behandlung summa summarum 19.093,55 Euro gekostet hat. Das Implantat kam auf 2155,80 Euro. Die Personalkosten für Ärzte und Techniker allein während der vierstündigen Operation schlugen mit gut 3000 Euro zu Buche. Für den pflegerischen Aufwand auf der Normal- und Intensivstation stellte das Krankenhaus 2800 Euro in Rechnung.
Wohlgemerkt sind dies die Preise, welche die Klinik der Krankenkasse für meinen Fall berechnen darf. Was das Krankenhaus selbst für meine Behandlung aufgewendet hat, legt es nicht offen. Die Fallpauschale ist für einen durchschnittlichen Aufenthalt des Patienten von 17,5 Tagen kalkuliert. Da ich aber als problemloser Fall nur 10 Tage in der Klinik war, wird das Krankenhaus wahrscheinlich an mir verdient haben – auch wenn der Chirurg besonderen Aufwand betrieben haben mag.
Gute Arbeit geleistet hat er auf jeden Fall. Meine Herzklappe arbeitet fabelhaft. Und als Nebenwirkung ist mir die Überzeugung zugewachsen, dass dieses Land über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem verfügt, das sein Geld wirklich wert ist.
- Datum 21.03.2011 - 12:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.3.2011 Nr. 12
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Da ist dann der Versichertenstatus echt egal.
würde die Akzeptanz der Kassen erhöhen. Als VOrbild könnte Österreich dienen: Jeder Versicherte erhält 1x pro Jahr einen Auszug über die Leistungen der Kasse.
Ganz wichtiger Einwand: Nicholsons Nackta*** -Auftritt war in "Was das Herz begehrt", nicht in "Besser geht's nicht". Wichtig für alternde Herzpatienten auch der Verbraucherhinweis im Film: Wenn Sie heute schon Viagra genommen haben, wird das Nitro Sie umbringen - worauf Nicholson kommentarlos den Infusionsschlauch abreißt.
den letzten Satz will ich ausdrücklich bestätigen.
Es werden erfolgreich und schonend große und umfangreiche OPs ausgeführt, und man kann nach einem oder zwei Tagen wieder auf den Beinen stehen, meist nach 9 bis 11 Tagen das Krankenhaus wieder verlassen.
War für mich - wie beschrieben - ebenfalls sehr wichtig, baldmöglichst die "körperliche Selbständigkeit" wiederzugewinnen. Was die einem bedeutet, kann man nach solch einer OP erst richtig wahrnehmen.
Eine solche Erfahrung könnte für viele Menschen ein Anreiz sein, nicht so auf ihrer Gesundheit "rumzuaasen" - nur: lässt sich nicht vermitteln... leider...
Ich leide unter häufig wiederkehrenden Herzrhythmusstörungen.
Mein Hausarzt ist überfordert und die Fachärzte sind nur langfristig erreichbar. So erzeugte ich immense Kosten durch häufige Besuche von Notfallaufnahmen in Krankenhäusern. Die angebotenen Medikamente vertrug ich nicht oder sie wirkten nicht. Was prophylaktisch zu vermeiden war musste ich selbst herausfinden. Das letztendlich helfende homöopathische Medikament empfahl mir zufällig ein fachfremder Arzt. Die Kosten muss ich selbst übernehmen. Was für mich bleibt vom Gesundheitssystem ist die Sicherheit der Lebensrettung, aber keine Heilung.
auch richtig: OP und Handwerk und drumherum: hervorragende Leistung, was weiteres betrifft, wird es schwierig.
Ungewöhnliche, nicht häufige Krankheiten und schwer zu deutende Symptome stellen das System vor Probleme - die Schubladen, in die man nur allzu gerne diagnostisch "einsortiert" wird, stehen schon weit offen.
Und dann wird der ganze übliche Apparillo durchgezogen...
Kostet wahrscheinlich zu viel... hilft aber oft nichts...
Aber wir leben schließlich in einer Gesellschaft, in der es darauf ankommt, alles möglichst schnell und kostenoptimiert (soll heißen: in möglichst kurzer Zeit viel Geld zu erwirtschaften (noch vornehmer Ausdruck)) zu erledigen.
Langes und unbezahltes Nachdenken oder Suchen nach der richtigen Diagnose / Therapie ist da nicht drin.
Könnte es gar sein, dass das alles niederbügelnde "Manager- System" nicht alle Probleme der GesellscHaft bewältigt? Na so was!
auch richtig: OP und Handwerk und drumherum: hervorragende Leistung, was weiteres betrifft, wird es schwierig.
Ungewöhnliche, nicht häufige Krankheiten und schwer zu deutende Symptome stellen das System vor Probleme - die Schubladen, in die man nur allzu gerne diagnostisch "einsortiert" wird, stehen schon weit offen.
Und dann wird der ganze übliche Apparillo durchgezogen...
Kostet wahrscheinlich zu viel... hilft aber oft nichts...
Aber wir leben schließlich in einer Gesellschaft, in der es darauf ankommt, alles möglichst schnell und kostenoptimiert (soll heißen: in möglichst kurzer Zeit viel Geld zu erwirtschaften (noch vornehmer Ausdruck)) zu erledigen.
Langes und unbezahltes Nachdenken oder Suchen nach der richtigen Diagnose / Therapie ist da nicht drin.
Könnte es gar sein, dass das alles niederbügelnde "Manager- System" nicht alle Probleme der GesellscHaft bewältigt? Na so was!
auch richtig: OP und Handwerk und drumherum: hervorragende Leistung, was weiteres betrifft, wird es schwierig.
Ungewöhnliche, nicht häufige Krankheiten und schwer zu deutende Symptome stellen das System vor Probleme - die Schubladen, in die man nur allzu gerne diagnostisch "einsortiert" wird, stehen schon weit offen.
Und dann wird der ganze übliche Apparillo durchgezogen...
Kostet wahrscheinlich zu viel... hilft aber oft nichts...
Aber wir leben schließlich in einer Gesellschaft, in der es darauf ankommt, alles möglichst schnell und kostenoptimiert (soll heißen: in möglichst kurzer Zeit viel Geld zu erwirtschaften (noch vornehmer Ausdruck)) zu erledigen.
Langes und unbezahltes Nachdenken oder Suchen nach der richtigen Diagnose / Therapie ist da nicht drin.
Könnte es gar sein, dass das alles niederbügelnde "Manager- System" nicht alle Probleme der GesellscHaft bewältigt? Na so was!
" ... und als Nebenwirkung ist mir die Überzeugung zugewachsen, dass dieses Land über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem verfügt, das sein Geld wirklich wert ist."
Ach ja? Bin auch Mitglied der Gesetzlichen und zahle den Höchstbeitrag. Und? Was nutzt es? Ich zahle bei jedem Check Up beim Gynäkologen kräftig extra für Ultraschalluntersuchungen, da angeblich überflüssig und daher keine Kassenleistung. Da ich seit dem 20. Geburtstag jedes Jahr 2x gehe, konnte ich zuschauen, wie beim Frauenarzt Leistungen immer mehr zusammengestrichen wurden. Dasselbe beim Zahnarzt. Dazu noch die Raffgier der Ärzte, die mir ständig Selbstzahler-Leistungen anbieten: "Ist Ihnen das Ihre Gesundheit nicht wert?!" Dazu dann noch Praxisgebühr. Ohne jetzt eine außergewöhnliche Herz-OP als "Vergleichsobjekt" zu haben: Viel zahlen, nichts bekommen, das ist das Fazit im Alltag, wenn es ganz normal läuft.
Sie zahlen deshalb viel, damit die die wirklich krank sind auch anständig versorgt werden können. Sich darüber auzuregen, dass man für "sein Geld" nicht die Leistungen erhält die man sich wünscht, wird doch der Idee einer Versicherung nicht gerecht.
Sie zahlen deshalb viel, damit die die wirklich krank sind auch anständig versorgt werden können. Sich darüber auzuregen, dass man für "sein Geld" nicht die Leistungen erhält die man sich wünscht, wird doch der Idee einer Versicherung nicht gerecht.
Ich finde es toll, wenn jemand der eigentlich nicht müsste trotzdem in der GKV bleibt. Das ist der Grundgedanke des Solidarsystems und wenn es mehr Menschen gäbe die sich dessen bewusst wären, würde dieses System auch wunderbar funktionieren.
Das Solidarsystem krankt nämlich vorallem daran, dass man sich ab einer bestimmte Dicke des Geldbeutels einfach herauskaufen kann. Und das wird noch nichtmal moralisch geächtet.
Wie soll ein Solidarsystem denn funktionieren, wenn es nurnoch Schwache gibt und die Starken sich einfach verabschieden.
Trauen wir uns doch: Alle Versicherten in die GKV, Privatversicherer dürfen nurnoch Zusatzleistungen anbieten. Das würde auf einen Schlag die 2 Klassen Versorgung abschaffen und die klammen Kassen sanieren.
Für die Versicherten würde es keinen Unterschied machen. Gutverdiener können sich dann jeden Schnickschnack trotzdem noch dazubuchen.
da haben Sie aber eine sehr schön politisch gelenkte Meinung. Sie beruht nur nicht auf Fakten, sondern auf extern hervorgerufenen Gefühlen.
Ich selbst bin privat versichert. Mein Arbeitgeber zahlt 270 Euro zu. Ich selbst zahle den Rest von monatlich 930, nämlich 660 Euro. Ich habe einen Vertrag für mich und je einen für jedes Kind. In der PKV gibt es nämlich keine Familienversicherung.
Wenn ich oder meine Kinder in Behandlung gehen, dann zahlen wir den 1,8 bis 2,3fachen Satz dessen, was die Gesetzlichen zu zahlen bereit sind. Die Ärzte, die Privatpatienten in größeren Mengen haben, führen i.d.R. relaxtere Praxen und haben mehr Zeit für den Einzelnen - auch den gesetzlich Versicherten. Das nenne ich gelebte Solidarität unter Versicherten jeder Couleur.
Und noch eine Bemerkung zu den "Freiwillig Versicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung". Sie sind "freiwillig", weil sie so viel Geld verdienen, dass sie privat gehen könnten. Machen sie aber nicht. Das Argument, was man von denen häufig hört, ist: "Privat lohnt sich für mich nicht, ich habe x Kinder - für die müsste ich ja dann auch zahlen. Nee, nee, ich bleibe lieber in der GKV und lasse meine ganze Familie familienversichert". Meiner Treu, dass halte ich persönlich für sehr unsolidarisch. Eigentlich sogar für ein wenig asozial...
da haben Sie aber eine sehr schön politisch gelenkte Meinung. Sie beruht nur nicht auf Fakten, sondern auf extern hervorgerufenen Gefühlen.
Ich selbst bin privat versichert. Mein Arbeitgeber zahlt 270 Euro zu. Ich selbst zahle den Rest von monatlich 930, nämlich 660 Euro. Ich habe einen Vertrag für mich und je einen für jedes Kind. In der PKV gibt es nämlich keine Familienversicherung.
Wenn ich oder meine Kinder in Behandlung gehen, dann zahlen wir den 1,8 bis 2,3fachen Satz dessen, was die Gesetzlichen zu zahlen bereit sind. Die Ärzte, die Privatpatienten in größeren Mengen haben, führen i.d.R. relaxtere Praxen und haben mehr Zeit für den Einzelnen - auch den gesetzlich Versicherten. Das nenne ich gelebte Solidarität unter Versicherten jeder Couleur.
Und noch eine Bemerkung zu den "Freiwillig Versicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung". Sie sind "freiwillig", weil sie so viel Geld verdienen, dass sie privat gehen könnten. Machen sie aber nicht. Das Argument, was man von denen häufig hört, ist: "Privat lohnt sich für mich nicht, ich habe x Kinder - für die müsste ich ja dann auch zahlen. Nee, nee, ich bleibe lieber in der GKV und lasse meine ganze Familie familienversichert". Meiner Treu, dass halte ich persönlich für sehr unsolidarisch. Eigentlich sogar für ein wenig asozial...
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