Merkwürdig bekannt kommen dem Fan japanischer Monsterfilme die Nachrichtenbilder der Erdbeben-Tsunami- und Atomreaktor-Katastrophe vor. Es sind Bilder, die das Kino der "Monsterinsel" Japan immer wieder vorweggenommen hat: Zerstörte Großstädte, zertrampelte Fischerdörfer und explodierende Ölkessel an japanischen Hafenanlagen waren gewissermaßen ein Leitmotiv der japanischen Monsterfilme der siebziger Jahre. "Nature is like Godzilla", schrieb mir gestern ein japanischer Freund aus Tokyo.

Im Jahr 2002 war ich in Fukushima, dem Ort also, wo jetzt der nukleare Super-GAU im Atomkraftwerk droht, um mir eine Ausstellung zu Ehren von Eiji Tsuburaya (1901-1970) anzusehen. Der dort geborene Tsuburaya ist der Vater von Japans "beliebtestem" Monster: Godzilla. Von 1954 bis 1969 war er als Spezial-Effekt-Regisseur für unzählige japanische Monsterfilme der traditionsreichen Produktionsfirma Toho verantwortlich.

Inspiriert wurde sein original Godzilla-Film aus dem Jahre 1954 von einem Ereignis, das das Land am 1. März desselben Jahres schockiert hatte. Die USA führten einen Atomtest auf den Marshall-Inseln durch. Die Explosion auf dem Bikini-Atoll war mit fünfzehn Megatonnen 750-mal stärker als die Bomben, die neun Jahre zuvor auf Hiroshima und Nagasaki niedergegangen waren. Eine Wolke aus radioaktiver Asche trieb aufs Meer hinaus. Unglücklicherweise befand sich nur hundert Meilen östlich des Testgebietes das japanische Fischerboot Dai-Go Fukuryu Maru (Glücklicher Drache Nummer 5). Das Boot und die dreiundzwanzig Mann Besatzung wurden mit klebriger weißer Asche bedeckt. Übelkeit, Kopfschmerzen und Augenbrennen waren die Folgen. Nach wenigen Tagen verfärbten sich die Gesichter einiger Männer dunkel. Sechs Mitglieder der Besatzung starben später an Krebs, und Tausende Japaner erkrankten oder starben, weil auch der gefangene Fisch verseucht war und verkauft wurde.