Folk von den Fleet Foxes Songs in die Abendluft geflüstert

Die Fleet Foxes aus Seattle und die Folgen: Eine ganze Generation von Songwritern sucht das Urwüchsige.

Beardos vor dem Herrn: Robin Pecknold (Mitte) und seine Fleet Foxes

Beardos vor dem Herrn: Robin Pecknold (Mitte) und seine Fleet Foxes

Der Weg zum guten Amerikaner führt einmal quer durch die City of London. Zuletzt betrete ich ein Boutique-Hotel im schicken Clerkenwell, steige eine Wendeltreppe in den Keller hinab, folge der Promoterin in den Interviewraum. Am Konferenztisch vor einer mit Buchrücken bemalten Wand hat mein Gesprächspartner Platz genommen. Er sitzt da wie im falschen Film abgegeben. Mit Vollbart, Wollmütze und Barbourjacke schaut er wie ein Statist aus einem nordischen Hochsee-Drama aus, der sich gerade in die Kulisse für eine Harry-Potter-Animation verirrt hat.

Robin Pecknold ist der Amerikaner, um den sich heute in London die Journalisten aus Europa drängen. Jeder möchte sich ein Bild vom Supersongwriter machen, die traumhafte Geschichte seiner Band Fleet Foxes mit dem neuen Album Helplessness Blues fortschreiben, dem dankbaren Publikum ein Lied vom talentierten Mr. Pecknold singen. Das Debüt der Fleet Foxes wurde 2008 mit Sofortwirkung zum Klassiker der populären Musik erhoben, der Sänger und Songwriter zum ambitioniertesten Vertreter seiner Zunft erklärt. Dabei erinnerte der 24-jährige Amerikaner an die goldenen Jahre des Folk und Beat, seinen sakralen Liedern schenkte er dieses historische Leuchten, das den wundersam kreisenden Chorgesängen die ultimative Politur verpasste. Man konnte noch einmal mit Crosby, Stills, Nash & Young in die Catskill Mountains reisen, in Erinnerungen an den Budenzauber der Beach Boys schwelgen und war doch im Hier und Jetzt.

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Da gehöre er auch hin, meint Robin Pecknold im Interview. In den Songs gehe es schließlich um das, was ihn gerade umtreibe, er konzentriere sich auf das, was er zu sehen und zu fühlen weiß. Pecknold wird auch wissen, wie er auf seinen Gesprächspartner an diesem Morgen wirkt; ein Grübler und Zauderer, der Sätze abbricht, seine Finger in der Gesichtsbehaarung vergräbt. Warum soll ich Dinge verraten, von denen ich mir selber nicht sicher bin, dass ich sie verstehe?, scheint er immerzu zu sagen. Die 12 Songs auf Helplessness Blues geben jetzt Interpretationshilfe für die weltweite Fangemeinde der frommen Leisetreter aus Seattle. Über die Strecke von 50 Minuten wird aufs Vorzüglichste geträumt, evaluiert, sinniert und philosophiert; die Fleet Foxes lassen die 12-saitigen Gitarren zu den Sinnfragen ihres Vorsängers formvollendet zirpen: »Why in the night sky are the lights on? Why is the earth moving round the sun? Floating in the vacuum with no purpose, not a one«, murmelt Pecknold im kleinsten, stillsten Song des Albums, Blue Spotted Tail.

Seit dem Debütalbum haben die Fleet Foxes ein monumentales Tourneeprogramm hingelegt, ihre Bärte sprießen und ihre Gedanken auf die Notizblöcke der Reporter wandern lassen. Die, die Robin Pecknold bereits getroffen haben, wussten den Mann unisono zu loben und zu preisen: So höflich und ehrlich sei er, selbstkritisch auch (»Egal, was die Leute sagen, ich denke immer, wir sind eine schlechte Band«). Pecknold hat sich als Vorbild qualifiziert, er steht für jenen Typ Amerikaner, der eine gewisse Popularität in der Ära Obama erzielen konnte: den kreativen Zweifler, der in seinem Mikrokosmos das alte Herrschaftsdiktat gegen die Demokratie der Vielen eingetauscht hat. Er schätzt die Musik der Welt, sucht die Rückkoppelung seiner Ideen in den Beiträgen der Bandkollegen, beruft sich, wo er kann, auf den Einfluss des Vaters. Pecknold ist am Rande von Seattle in einer Familie aufgewachsen, in der Musik ganz weit oben auf der Agenda stand. Die Mutter spielte Piano, der Vater baute Gitarren und jammte nebenbei in einer Band. »All die von ihm gebauten Instrumente zu sehen, die bei uns im Haus herumstanden, das war meine Einführung in die Musik«, erzählt Pecknold. »Ich hatte die Musik immer vor Augen und in meinem Kopf.«

Es gibt auch Bilder, die schon untrennbar mit der relativ jungen Band Fleet Foxes verbunden sind, das Cover des Debütalbums mit dem berühmten Renaissance-Gemälde von Breughel (Die niederländischen Sprichwörter) etwa. Oder die Fotos von den mit Karohemden und Halstüchern bekleideten Musikern, die das Urwüchsige und Einfache betonen. So, als wollten sie sagen: Seht her, das sind die Männer, deren Leben noch in ihrer eigenen Hände Arbeit liegt. Im Titelsong Helplessness Blues spielt Pecknold auf diesen Moment der Unschuld an, der im Großen und Ganzen der Ernüchterung hat Platz machen müssen, dass wir alle nur Rädchen in einer großen Maschine sind.

Leser-Kommentare
  1. Schon vom ersten Ton an überraschen die scheinbar zeitlosen Klängen und Melodien der Stücke, die sich über zeitlich begrenzte Trends zu erheben scheinen.

  2. Ein paar bärtige Zausel mit Waldschratcharme, die ein erzkonservatives, strunzlangweiliges Indiefolkpop-Etwas spielen? Nö, diesen Hype mach ich nicht mit.

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    ... wie jemand der über Natur singt, dabei Akustikgitarren und Mandolinen und Geigen verwendet sofort erzkonservativ ist. Lustig wie jemand, der nicht hippes neues Elektronikgefrickel oder fette Beats oder krasse E-Gitarren verwendet oder verfremdeten Sprechgesang sofort strunzlangweilig ist. Klar ist es ein Hype. Aber ... die Energiewende hin zum grünen Strom ist grade auch ein Hype. Sollten wir es deswegen ablehnen? Die Fleet Foxes machen wunderbare Musik, die vielleicht nicht dafür reicht, sie als Weltenretter auszurufen, aber diesen Hype mache ich gerne mit. Die positive, wörtliche Auslegung des Wortes konservativ ist übrigens: bewahrend. Klar ist das hier keine hippe neue Musik, auch wenn manche Magazine uns das so schmackhaft machen wollen. Aber nicht alles was nicht neu und hip ist ist deswegen schlechter. Im Gegenteil! Und jetzt steinigt den Spießer, ihr Trendhipster.

    ... wie jemand der über Natur singt, dabei Akustikgitarren und Mandolinen und Geigen verwendet sofort erzkonservativ ist. Lustig wie jemand, der nicht hippes neues Elektronikgefrickel oder fette Beats oder krasse E-Gitarren verwendet oder verfremdeten Sprechgesang sofort strunzlangweilig ist. Klar ist es ein Hype. Aber ... die Energiewende hin zum grünen Strom ist grade auch ein Hype. Sollten wir es deswegen ablehnen? Die Fleet Foxes machen wunderbare Musik, die vielleicht nicht dafür reicht, sie als Weltenretter auszurufen, aber diesen Hype mache ich gerne mit. Die positive, wörtliche Auslegung des Wortes konservativ ist übrigens: bewahrend. Klar ist das hier keine hippe neue Musik, auch wenn manche Magazine uns das so schmackhaft machen wollen. Aber nicht alles was nicht neu und hip ist ist deswegen schlechter. Im Gegenteil! Und jetzt steinigt den Spießer, ihr Trendhipster.

  3. ... wie jemand der über Natur singt, dabei Akustikgitarren und Mandolinen und Geigen verwendet sofort erzkonservativ ist. Lustig wie jemand, der nicht hippes neues Elektronikgefrickel oder fette Beats oder krasse E-Gitarren verwendet oder verfremdeten Sprechgesang sofort strunzlangweilig ist. Klar ist es ein Hype. Aber ... die Energiewende hin zum grünen Strom ist grade auch ein Hype. Sollten wir es deswegen ablehnen? Die Fleet Foxes machen wunderbare Musik, die vielleicht nicht dafür reicht, sie als Weltenretter auszurufen, aber diesen Hype mache ich gerne mit. Die positive, wörtliche Auslegung des Wortes konservativ ist übrigens: bewahrend. Klar ist das hier keine hippe neue Musik, auch wenn manche Magazine uns das so schmackhaft machen wollen. Aber nicht alles was nicht neu und hip ist ist deswegen schlechter. Im Gegenteil! Und jetzt steinigt den Spießer, ihr Trendhipster.

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