Treffen zum Mittagessen in einem Münchner Restaurant. Ihr Manager ist schon zur Stelle. Maria Furtwängler verspätet sich um ein paar Minuten. Als sie den Raum betritt, fahren die Köpfe der Männer an den Tischen herum. Die Schauspielerin trägt einen Minirock, die blonden Haare fallen ihr auf die Schultern. Maria Furtwängler wirkt gut gelaunt. Sie erzählt, dass sie tags zuvor Quizkandidatin in einer Fernsehshow gewesen sei. Dabei sei nach einer Hass-Avocado gefragt worden. Gibt es diese Frucht wirklich? Ja, habe der Quizmaster erläutert. Und jetzt findet sich eine Hass-Avocado auf der Speisekarte des Restaurants. Maria Furtwängler lacht und bestellt.

ZEITmagazin: Frau Furtwängler, bei den allermeisten Menschen hat man eine Ahnung, was sie in den nächsten Jahren machen werden. Bei Ihnen ist das nicht so. Wir könnten uns eine Menge vorstellen: Medienmanagerin oder Schauspielerin, Gastgeberin einer Talkshow oder...

Maria Furtwängler: ...ich weiß auch nicht, was ich in fünf Jahren mache. Aber Sie treffen da einen Punkt: Ich habe das sichere Gefühl, dass sich bei mir etwas ändern wird. Es muss etwas passieren. Ich will neue Dinge machen, andere Dinge machen. Ich kann darüber aber gar nicht viel mehr sagen, denn ich kann darüber nichts Konkretes erzählen. Es gibt nichts Konkretes. Lassen Sie uns in zwei Jahren wieder sprechen.

ZEITmagazin: Hat Ihr Drang nach Neuem auch damit zu tun, dass Ihre beiden Kinder beinahe erwachsen sind?

Furtwängler: Das sicher auch. Es gibt diesen natürlichen Einschnitt im Leben einer Frau, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Die Tatsache, dass meine Kinder zunehmend selbstständig werden, hat Konsequenzen. Mütterliche Betreuung ist etwas Wunderbares, aber sie kostet ziemlich viel Energie. Wenn diese Aufgabe kleiner wird, dann wird Energie frei. Und mit dieser Energie suche ich neue Wege, und das kann sicherlich nicht nur das Weiterwandern auf den alten Wegen bedeuten. Ich will Ihnen ein einfaches Beispiel nennen: Ich habe eine große Sehnsucht, tiefer in das Thema Musik einzusteigen. Das heißt jetzt nicht, dass ich mehr oder besser Klavier spielen möchte, sondern ich möchte die Musik aus ihrer Konstruktion heraus begreifen. Ich möchte die Freiheit haben, zu improvisieren, und das geht nur, wenn man viel weiß. Das gehört zu dem Thema: Ich möchte mir den Luxus erlauben, meine Zeit wirklich zu genießen.

ZEITmagazin: Der Name Furtwängler, der große Dirigent Wilhelm Furtwängler als Großonkel, verpflichtet zur Musik?

Furtwängler: Ich glaube, dass mein Name mich lange sehr gehemmt hat und mich auch nach wie vor immer noch hemmt, weil ich das Gefühl habe, man erwartet, dass ich zum Beispiel richtig gut Klavier spielen müsste. Das stresst mich – beim Vorspielen bin ich lausig.

ZEITmagazin: Es ist mehr als Lampenfieber?

Furtwängler: Beim Klavierspielen sicher. Beim Drehen bin ich zum Glück entspannter. Wobei ich mich auch da manchmal unter Druck setze mit dem Wunsch, es gut zu machen, tiefer einzusteigen. Es ist das kleine Mädchen in mir mit dem großen Bedürfnis, es richtig zu machen. Mich treibt nicht die Sehnsucht nach Erfolg, das kann ich dezidiert verneinen. Ich habe nicht im Kopf, dass mich auch alle sehen, ich einen Preis kriege, daran denke ich während eines Drehs nicht eine Sekunde.

ZEITmagazin: Kein Gedanke an die Quoten?

Furtwängler: Der kommt später. Quoten sind die Währung. An denen wird man gemessen. Sie beantworten die Frage: Kann die so einen Film machen, wollen die Zuschauer sie da sehen?

ZEITmagazin: Wären Sie manchmal lieber etwas anderes als Schauspielerin?

Furtwängler: Im Moment kann ich mir nichts Spannenderes vorstellen. Es gibt so vieles, was ich noch lernen und erleben will in dem Beruf. Ich bin durchaus auch eine Rampensau. Ich habe zwar wenig Erfahrung mit Livepublikum, aber ich kann mich noch gut an die Abende erinnern, an denen ich als Moderatorin bei der Echo-Verleihung auf der Bühne stand. Es ist einfach ein geiles Gefühl, vor so vielen Menschen zu stehen und diese dann zum Lachen zu bringen.