ZEITmagazin: Wie wäre es denn mit dem Beruf der Talkshow-Moderatorin?

Furtwängler: Hab ich ja schon gemacht, einmal bei 3nach9. Macht Spaß, könnte ich auch, glaube ich, ganz gut. Aber würde mich auf Dauer nicht wirklich reizen.

ZEITmagazin: Es wird spekuliert, dass Sie eines Tages Ihren Mann Hubert Burda an der Spitze des Verlages ablösen könnten. Sie könnten eine zweite Liz Mohn werden, die bei Bertelsmann das Ruder übernommen hat.

Furtwängler: Natürlich bin ich nah dran an diesem Verlag. Ich rede mit meinem Mann und mit meinen Kindern. Ich weiß, was passiert, und ich weiß, wie spannend und herausfordernd die Entwicklungen im Verlagsgeschäft derzeit sind. Wie lange wird es noch Zeitschriften geben, wie lange Zeitungen – und wie sehr werden andere Geschäftsmodelle, besonders im Internet, dieses Business prägen? Das sind hochspannende Fragen, die auch mich beschäftigen. Aber ich werde in nächster Zeit keine führende oder sonst wie geartete Rolle im Verlag meines Mannes übernehmen. Das passt nicht zu meinen Lebensvorstellungen.

ZEITmagazin: Haben Sie mit dieser Entscheidung in Ihrer Familie für Enttäuschung gesorgt?

Furtwängler: Nein, glaube ich nicht. Die verstehen mich.

ZEITmagazin: Glaubt man Psychologen, dann hat es etwas Gutes, wenn Ehepartner sehr unterschiedlich sind.

Furtwängler: Bestimmt ist das so. Wenn uns in einem Hotel das Zimmer gezeigt wird, bedankt sich mein Mann für das wunderbare Zimmer. Ich sage, Moment, ich würde gerne noch andere Zimmer sehen, vielleicht gibt es ja noch schönere. Die Gegensätze zwischen mir und meinem Mann sind sicher ein Grund, warum wir so lange zusammen sind.

ZEITmagazin: Sie haben vorhin die mächtigen Menschen erwähnt, die Sie an der Seite Ihres Mannes kennengelernt haben. Hat wirklich niemand bleibenden Eindruck hinterlassen?

Furtwängler: Doch, natürlich! Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt! Aber die Mächtigen sind oft abgelenkt und unkonzentriert. Und sie wissen manchmal auch nicht, was sie mit einem reden sollen in so kurzen Momenten.

ZEITmagazin: Gibt es keine Ausnahmen?

Furtwängler: Doch. Bill Clinton zum Beispiel. Der ist wirklich außergewöhnlich in Bezug auf sein "Zeitmanagement".

ZEITmagazin: Erzählen Sie.

Furtwängler: Schon wie er einem die Hand gibt. Erst die eine, und dann legt er die andere Hand drüber. Es sind vielleicht nur zwei Minuten, aber in diesen zwei Minuten gibt er Ihnen hundertprozentige Aufmerksamkeit. Er will Ihnen das Gefühl vermitteln, es gibt jetzt nur diesen Moment. Ich glaube, das ist seine Zeitspanne: Zwei Minuten, und dann hat er dich. Ich schätze, so funktioniert es.

ZEITmagazin: Hatten Sie für einen kurzen Augenblick Angst um sich?

Furtwängler: Nein, nein. Ich habe sofort gedacht, man kann nicht nach dreißig Sekunden sagen, I love you, I want to see you again. Ich dachte gleich: Hallo, geht’s noch?

ZEITmagazin: Das hat er gesagt?

Furtwängler: Ja.

ZEITmagazin: Haben Sie sich im Beisein der Mächtigen auch mal richtig danebenbenommen?

Furtwängler: Da kann ich Ihnen eine schöne Geschichte erzählen. Es war vor mehr als zehn Jahren in Davos, bei diesem Weltwirtschaftstreffen. Da gab es das Wichtig-wichtig-Programm und ein eher softiges Beiprogramm für die Frauen. In einer Veranstaltung ging es um das Thema, welchen Einfluss die Geburtenreihenfolge auf den Charakter der Nachkommen hat. Irgendwie so etwas. Da bin ich hingegangen, das fand ich interessant. Wie immer kam ich zu spät, der Raum war voll, es war nur noch ein Platz auf einer Fensterbank frei. Ich quetsche mich durch die Reihen und setze mich auf die Bank, und ich sage Ihnen, ich ramme mir den größten Spreißel meines Lebens in meinen Hintern. Es tat ungeheuer weh, und ich lief dunkelrot an. Die Frau neben mir merkte das und erkundigte sich nach meinem Befinden. Ich sagte irgendwas wie "I put a Spreißel in my Popo", und sie verstand gar nichts, auch "a piece of wood in my..." konnte ihr mein Leid nicht näherbringen. Irgendwann verging der Schmerz, und wir kamen ins Gespräch. Wer sich um die Kinder zu Hause kümmere, darüber redeten wir. Sie sagte, ihr Mann komme nicht so viel dazu, er sei zu beschäftigt. Ob das die Ehe belaste und so. Er arbeite bei Microsoft, sei dort der CEO. Aha, dachte ich, was ist jetzt noch mal CEO?, und schaute auf ihr Namensschild: Melinda Gates. Das war ein echter Superauftritt von mir.

ZEITmagazin: Frau Furtwängler, was war der größte Wendepunkt in Ihrem Leben?

Furtwängler: Spontan würde ich sagen, als ich meinen Mann kennenlernte.

ZEITmagazin: Sie waren damals 19 Jahre alt. Ihr Mann wurde in einer Talkshow einmal gefragt, warum Sie sich wohl in ihn verliebt hätten. Darauf antwortete er: Sie hat schnell erkannt, dass ich sie versorgen kann.

Furtwängler: Da hatte mein Mann einen uncharmanten Moment. Er ist nicht immer so.

ZEITmagazin: Haben Sie später noch einmal über die Bemerkung gesprochen, oder überspielen Sie einen solchen Satz?

Furtwängler: Ich neige dazu, nichts zu überspielen. Aber ich bin nicht nachtragend.