MicrosoftImmer in Bewegung

Mit einem Spielzeug gelingt dem Softwarekonzern Microsoft ein überraschender Erfolg. von 

Microsoft-Chef Steve Ballmer als Kinect-Avatar

Microsoft-Chef Steve Ballmer als Kinect-Avatar  |  © Robyn Beck/AFP/Getty Images

Das Guinness Buch der Rekorde ist der Lieblingsalmanach aller Höher-, Schneller- und Weiter-Fetischisten. Gemäß der Maxime vieler Leistungsjunkies (»Der zweite Sieger ist bloß der erste Verlierer«) werden dort ausschließlich Bestleistungen verzeichnet. Ob weltgrößte Laugenbrezel oder erfolgreichster Kokosnusszertrümmerer – in aller Regel bedienen die Rekorde das Spezialinteresse diverser Randgruppen; nur selten findet sich etwas von ökonomischer Relevanz.

Umso erstaunlicher ist daher, dass nun Microsoft von den Rekordspezialisten ausgezeichnet wird. Und zwar für einen überraschenden Erfolg: Weltweit gab und gibt es kein elektronisches Gerät, das sich schneller verkauft hat als Kinect. Kinect ist ein Bewegungssensor für Microsofts Spielekonsole Xbox . Mit seiner Hilfe kann man beispielsweise ein digitales Tennismatch austragen, indem man sich in seinem Wohnzimmer so bewegt wie sonst auf dem Tennisplatz. Kinect erfasst die Bewegungen und überträgt sie direkt aufs Spielgeschehen .

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In den ersten zwei Monaten nach seiner Einführung im vergangenen November verkaufte sich das rund 130 Euro teure Gerät acht Millionen Mal, rechnerisch also 133.333 Mal pro Tag. Solche Zahlen erreichte nicht einmal Apple mit seinem iPhone oder iPad. Dabei waren diese beiden Produkte schon vor ihrer Einführung von einem massiven Medienrummel begleitet worden. Kinect bekam diese breite Aufmerksamkeit nicht – und übertrumpfte dennoch iPad und iPhone.

Daran mag das Weihnachtsgeschäft seinen Anteil gehabt haben. Für Microsoft ist das trotzdem alles andere als eine Kleinigkeit. Die Geschäftssparte Unterhaltung, zu der vor allem Spiele und Konsolen gehören, erzielt derzeit die mit Abstand schnellsten Wachstumsraten innerhalb des Konzerns. Ein ökonomisches Standbein bildet sich, das schon bald ähnlich umsatzstark und profitabel sein könnte wie das herkömmliche Geschäft mit dem Betriebssystem Windows oder mit der Software für Server.

Microsoft, das zuletzt vor allem wegen seiner Probleme auffiel, sich modernen technischen Entwicklungen bei Smartphones und Tablets anzupassen , steht also im Unterhaltungssegment überraschend gut da. Gut möglich, dass der als träge geltende Großkonzern doch recht beweglich ist.

Spannender ist indes die Frage, ob sich die Idee von Kinect eines Tages auch jenseits von Spielen einsetzen lässt. Immerhin zeigt das Ding, wie Kommunikation zwischen Mensch und Maschine funktionieren kann. Nach der Form der Computer beginnt sich nun auch das human interface zu ändern: Tastatur, Maus und Gamecontroller weichen einem Kameraauge. Der Mensch muss die Maschine nicht mehr berühren, um sie zu bedienen.

Die Rechner von morgen könnten deswegen weitaus unauffälliger sein als die von heute. Der ideale Computer, so scheint es, ist zwar allgegenwärtig, aber nicht omnipräsent.

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Leserkommentare
    • LP
    • 18. März 2011 9:58 Uhr

    den ersten Kommentar verfassen zu dürfen. Was ich davon halte, habe ich hier schon mal geschrieben:

    <a href="http://community.zeit.de/user/lp/beitrag/2011/01/21/microsoft-fehlt-das-...

    • LP
    • 18. März 2011 10:00 Uhr

    ...nur nicht gefiltert würde, liebe Zeit. Er verweist doch nur auf Euren Blog: http://community.zeit.de/user/lp/beitrag/2011/01/21/microsoft-fehlt-das-...

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