Satellitenbild von Japan nach dem Beben © Nasa/Getty Images

In einer Tiefe von 24,4 Kilometern, draußen unter dem Pazifik, an 38 Grad 19 Minuten Nord und 142 Grad 22 Minuten Ost, riss am vergangenen Freitagnachmittag kurz nach Viertel vor drei Uhr Ortszeit die Erde auf. Über 400 Kilometer pflanzte sich der Riss fort. Gestein, das lange ineinander verhakt gewesen war und unter extremer Spannung gestanden hatte, verschob sich ruckartig. Auf einen Schlag wurde eine Energiemenge freigesetzt, für die Menschen weder Begriffe noch Vorstellungen haben. Es war genug, um die japanische Hauptinsel Honshu um mehr als zwei Meter weit zu verschieben. Genug, um die Erdachse ein paar Zentimeter zu kippen .

Die pazifische Platte, jener Teil des Erdmantels, der den Großteil des Stillen Ozeans trägt, strebt dort nach Westen in Richtung Asien. Ihr Gestein ist alt, kalt und schwer. Es schiebt sich unter die leichtere eurasische Kontinentalplatte, auf der unter anderem Japan liegt – rund acht Zentimeter im Jahr über eine Länge von Tausenden Kilometern. Verhakt sich das aneinander vorbeidrängende Gestein, staut sich eine unvorstellbare Energie auf. Als diese sich am 11. März ruckartig entlud und die eurasische Platte in die Höhe schnellte, übertrug sich der Impuls ins Pazifikwasser. Beinahe mit der Geschwindigkeit eines Verkehrsflugzeugs – rund 700 Stundenkilometer – raste die Welle ringförmig von ihrem Ursprungsort weg. Knapp tausend Meter tief ist das Meer dort.

Karte:Das Zentrum des Bebens vor Japans Ostküste

Im flacher werdenden Wasser abgebremst, türmte die Welle sich zum Tsunami auf. Keine halbe Stunde nach dem Beben traf eine Wasserwalze von bis zu zehn Metern Höhe in der Nähe der Hafenstadt Sendai (siehe Karte) auf die Küste Honshus. Die Folgen zogen die Welt in ihren Bann.

"Das war ein enormes Beben", sagt Susan Hough, Seismologin am Southern California Earthquake Center , "ein Megabeben." Mit einer Magnitude von 9,0 – der automatisch gemessene Wert von 8,9 war am Wochenende nach oben korrigiert worden – ist es das stärkste je in Japan gemessene.

Die Bezeichnung von Erdbebenstärken folgt einer logarithmischen Skala und ist für Laien verwirrend. So war das Beben vom Freitag mit 9,0 über 1000 Mal so stark, wie jenes 6,3er-Beben, das Ende Februar die neuseeländische Stadt Christchurch in Trümmer gelegt hat. Die ganze Erde ist seit dem Jahr 1900 nur viermal noch heftiger erschüttert worden. Obwohl es im Japangraben, wie die Subduktionszone der beiden Platten heißt, ständig bebt.

Dabei hatten Geophysiker ein Beben von solch verheerender Kraft gar nicht im Nordosten Honshus erwartet. Als weitaus gefährlicher gilt die Bruchzone südlich des Ballungsraums Tokyo, in der die philippinische auf die eurasische Platte stößt. Dort hat bisher alle 100 bis 150 Jahre ein großes Beben stattgefunden, das letzte am 23. Dezember 1854 mit einer Magnitude von 8,4. Es forderte indes "nur" etwa 3000 Leben – im Jahr 1498 waren dagegen mehr als 40.000 Menschen bei einem der sogenannten Tokai-Beben umgekommen und im Jahr 1707 noch einmal 20000.

Nach dem Megabeben von Honshu weisen die Seismologen nun darauf hin, dass bloß eine Strecke von 400 Kilometern aufgerissen sei. Der Japangraben folge der Ostküste des Landes jedoch über eine Gesamtlänge von rund 1000 Kilometern. Außerdem befürchten die Experten nun Nachbeben, die selbst eine enorme Stärke entwickeln könnten.

Megabeben in Japan - Satellitenbilder zeigen Tsunami-Verwüstungen