Jedes Buch hat einen je eigenen Fokus. Der Begründer der Slow-Food-Bewegung Carlo Petrini etwa widmet sich in Terra Madre neuen »Lebensmittelbündnissen« zwischen Bauern, Köchen, Unternehmern und Verbrauchern: »Essen ist eine landwirtschaftliche Handlung.« Oder der englische Ökoaktivist Tristram Stuart schildert glänzend recherchiert, wie Abermillionen Tonnen von Getreide, Kartoffeln, Fischen, Schweinen verschwenderisch bloß Für die Tonne wachsen, ob in den Wegwerfgesellschaften des Nordens oder im infrastrukturarmen Süden. Während Lioba Weingärtner und Claudia Trentmann im Handbuch Welternährung die Bedeutung sozialer Reformen betonen: mehr Ernährungsberatung für Mütter oder gezielte Unterstützung für Bäuerinnen, weil Frauen auf den Äckern der Entwicklungsländer die meiste Arbeit tun. Das Handbuch, das die Deutsche Welthungerhilfe herausgibt, bietet mit Kästen, Schaubildern und Grafiken zugleich einen soliden Überblick über die Ursachen des Hungers und viele Wege zu seiner Bekämpfung, von der lokalen bis zur globalen politischen Ebene.

Denn wie die anderen sind auch diese Autorinnen davon überzeugt, dass man einem vielgesichtigen Problem nur mit ebenso komplexen Lösungen begegnen kann. Auch sie setzen auf eine starke, gestaltende Rolle des Staates und auf »Ernährungssouveränität«. Und im Gleichklang fordern sie eine agrarökologische Revolution, die der Doppelrolle der Landwirtschaft als Klimaopfer und -täter gerecht wird und zugleich das unterschätzte Potenzial der kleinbäuerlichen Produktion fördert und ausschöpft. Offenbar bildet sich ein Konsens über jene Perspektive heraus, die vor drei Jahren bahnbrechend der Weltagrarbericht aufgezeigt hat. Dieses anfangs umstrittene UN-Papier findet auch mit seiner Forderung mehr Gehör, dass Agrarforscher nicht nur für die Bauern, sondern gemeinsam mit ihnen deren Lösungen fortentwickeln sollten.

Genau solche »Innovationen, die den Planeten ernähren«, stellt der Bericht zur Lage der Welt vor. Jedes Jahr ergründet das Worldwatch Institute in Washington darin ein ökologisches Schwerpunktthema. So konsequent wie bei Hunger im Überfluss haben sich die Rechercheure noch selten auf hoffnungsvolle Entwicklungen konzentriert. Zwischen den eher theoretischen Aufsätzen wirken vor allem die eingestreuten Beispiele aus der Praxis inspirierend – frisch »vom Feld«.

Zwei Jahre lang haben Danielle Nierenberg und Brian Halweil sie rund um den Planeten, vor allem in Afrika eingesammelt. Eine Million Dollar stellte ihnen die Bill-Gates-Stiftung zur Verfügung. Die Fallstudien berichten von grenzübergreifenden Handelskooperationen in Afrika, um regionale Märkte zu schaffen, von einfachen Lagermöglichkeiten oder Züchtern, die sich auch der Vielzahl lokaler Früchte und Gemüse widmen. Man kann nachlesen, wie eine Kooperative, die auf den Dächern der senegalesischen Hauptstadt Dakar Lebensmittel anbaut, sich mit New Yorker Slumbewohnern austauscht oder wie in »solaren Marktgärten« im trockenen Teil Benins die Kraft der Sonne die Pumpen für sparsame Tröpfchenbewässerungssysteme antreibt. Wie oft bei Readern wiederholt sich manches, die Übersetzung könnte eleganter sein. Aber alles in allem: viel Diskussionsstoff darüber, wie »Modelle für eine nachhaltige Zukunft« die Ernährung sichern können.