Architektur-Studium Kreativ sein reicht nicht

Architekturstudenten vergessen über der künstlerischen Faszination manchmal die gesellschaftlichen Notwendigkeiten.

Architekturstudentinnen der BTU Cottbus im Atelier

Architekturstudentinnen der BTU Cottbus im Atelier

Zwei Jahre lang leben sie aus dem Koffer, die Studenten des neuen Masterstudiengangs »Architektur.Studium.Generale« (ASG) der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU). Das Studium startete im vergangenen November mit ersten Workshops. Seitdem heißt es für die 19 Hochschüler, sich alle sechs Wochen in einer der acht teilnehmenden Metropolen, darunter Tallinn, Sevilla und Tel Aviv, neu zurechtzufinden, den nächsten Waschsalon ausfindig zu machen oder das fremde U-Bahn-Netz zu verstehen. Trotz der enormen Lebensumstellung, die das Programm von ihnen verlangt, schwärmen die Teilnehmer, es sei wie eine »sprudelnde Erfrischung«, biete ihnen eine »großartige Chance« und viel »Lebenserfahrung«.

Als »designorientierten Studiengang« haben die beiden Berliner Architekten Dagmar Jäger und Christian Pieper vor zwei Jahren das Angebot an der BTU initiiert. Die Workshops haben immer ein aktuelles Problem zum Thema, so tüftelt die kleine Klasse an außergewöhnlichen Strategien gegen die stete Zersiedlung der spanischen Küstenlandschaft oder für den Umgang mit dem Stasi-Erbe Ostdeutschlands – natürlich auf Englisch. »Sechs Wochen pro Thema sind keine lange Zeit. Wir schulen unsere Fähigkeiten, Entwürfe und Ideen schnell und trotzdem auf hohem Niveau zu präsentieren«, beschreibt die Studentin Elena Herwarth von Bittenfeld den Lerneffekt der »Reise-Uni«. Aufgrund der unterschiedlichen Herkünfte der Studenten entstehe eine sehr befruchtende Arbeitsatmosphäre. »Der eigene kulturell geprägte Entwurf muss sich in der heterogenen Gruppe behaupten«, sagt Studiengangsleiterin Dagmar Jäger. »Das fordert Überzeugungen heraus und stärkt die Persönlichkeit.« Ein großes Glück sei es, dass der Jahrgang zusammen reise, sagt die 24-jährige Elena. »Wir nehmen einen großen Teil unserer sozialen Kontakte mit in die nächste Stadt und haben zumindest immer eine Konstante – die Kommilitonen.«

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Jenseits dieser Form der Künstlerreise lässt sich Architektur in Deutschland aber auch »herkömmlicher« studieren. Technische, künstlerische, historische und sozialwissenschaftliche Aspekte gehören zum interdisziplinären Fach dazu. Doch letztlich liegt die Entscheidung, auf welchen Schwerpunkt sie sich konzentrieren wollen, wo sie ihre Interessen und Talente sehen, bei den Studienbewerbern selbst. Studieren sie lieber an einer technischen Universität, an Fach- oder an Kunsthochschulen? Wenn auch immer weniger Kunst-Unis das interdisziplinäre Studienfach anbieten, die Staatliche Akademie der Bildenden Künste (ABK) Stuttgart behauptet sich gegen die Konkurrenz und rangiert im Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung weit vorn. »Die Bewerberinnen und Bewerber sind genau darüber informiert, was das Architekturstudium an einer Kunsthochschule auszeichnet. Die meisten entscheiden sich sehr bewusst dafür«, sagt Annett Zinsmeister, Professorin für Gestaltung und experimentelles Entwerfen und Vorsitzende der Aufnahmekommission an der ABK.

Das Talent zum außergewöhnlichen Entwurf müssen Studienbewerber mitbringen und, je nach präferierter Hochschule, durch Eignungsprüfungen oder anhand einer Mappe mit eigenen Arbeiten unter Beweis stellen. Die Jahrgänge sind überschaubar, gelehrt wird in Kleingruppen – was wiederum der Kreativität guttut.

Doch bei aller »Kunst« – wie vereinbar ist der Lehranspruch mit dem Berufsalltag tatsächlich? Schließlich ist die Architektur die gestalterische Disziplin mit dem möglicherweise größten öffentlichen Wirkungsgrad, sie unterliegt großen gesellschaftlichen, gleichzeitig aber auch politischen Interessen. An der ABK lehrt Annett Zinsmeister ihre Studenten, beide Aspekte unter einen Hut zu bringen. Das Berufsbild des Architekten verändere sich kontinuierlich, sagt sie, durch konjunkturelle Zyklen, durch die Entwicklung neuer Technologien und Materialien, aber auch durch die Erfordernisse an Nachhaltigkeit. »All das erzwingt langfristige Veränderungen im Profil von Architekten und Architektinnen.« Um ihre Studenten auf den beständigen Wandel vorzubereiten, vermittelt Zinsmeister ihnen anhand interdisziplinärer Übungen experimentelle Entwurfsstrategien. »Je vielseitiger das Berufsfeld wird, desto mehr kommt es darauf an, zukunftsorientierte Nischen aufzuzeigen. Das geht über eine tradierte Architekturausbildung hinaus.«

Eine besondere Verantwortung in der Architekturausbildung sieht der Berliner Künstler Yadegar Asisi mittlerweile außerdem an anderer Stelle – jenseits von kreativer Neudeutung von bestehenden Formen, Wissen und Technik. Der Architekt lehrte das Fach 24 Jahre lang. Ihm fehlt es in der Lehre besonders an der Vermittlung des Warum und nicht des Wie: »Architektur muss nicht jeden Tag neu erfunden werden. Dank der Technologie lässt sich alles entwerfen.« Doch gerade auf die Vereinbarkeit von Entwurf und tatsächlichem Alltagsleben des Menschen komme es an, sonst werde Architektur zur »Modeerscheinung, die lange im öffentlichen Raum sichtbar bleibt. Beton zum Beispiel ist bei Architekten sehr beliebt, aber er atmet nicht. Das nenne ich wohn-unfreundlich«, sagt Asisi. Zukünftige Architekten müssten im Laufe ihrer Ausbildung vor allem für ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung sensibilisiert werden: »Die Kreativität, die ist nicht das Problem.«

 
Leser-Kommentare
  1. Dass unsere zeitgenössische Architekten kreativ sind, ist mir bei der Fahrt duch unser Land bisher noch nicht aufgefallen.
    Die können nur Kubus, Kiste, Schachtel.

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    Vielleicht liegt das einfach am Desinteresse der deutschen Bevölkerung. Kommunen die nicht bereit sind in Sehenswürdigkeit oder Innovationen zu investieren die nachträglich dasStadtbild sowie Lebensqualität verbessern.

    Viele talentierte Architekten zieht es direkt nach dem Studium ins Ausland, denn Deutschland bremmst die Kreativen durch Bürokraten-irrsinn ein.

    Jeder konnte in den letzten Jahren mit verfolgen, wie erfolgreich deutsche Architekten Büros im Ausland waren (Stadion in Peking, Südafrika, der erfolgreiche Entwurf für die neue WTC etc.) ... und in Deutschland werden bauten wie s21 verhindert-und viele Länder verstehen nicht was aus dem Land der Dichter und Denker geworden ist...

    Vielleicht liegt das einfach am Desinteresse der deutschen Bevölkerung. Kommunen die nicht bereit sind in Sehenswürdigkeit oder Innovationen zu investieren die nachträglich dasStadtbild sowie Lebensqualität verbessern.

    Viele talentierte Architekten zieht es direkt nach dem Studium ins Ausland, denn Deutschland bremmst die Kreativen durch Bürokraten-irrsinn ein.

    Jeder konnte in den letzten Jahren mit verfolgen, wie erfolgreich deutsche Architekten Büros im Ausland waren (Stadion in Peking, Südafrika, der erfolgreiche Entwurf für die neue WTC etc.) ... und in Deutschland werden bauten wie s21 verhindert-und viele Länder verstehen nicht was aus dem Land der Dichter und Denker geworden ist...

  2. 2. mh,...

    ...architekturstudium schön und gut, wichtig ist es aber, zu betonen, dass man mit sowas nicht im ansatz geld verdienen kann, v.a. wenn man im entwurfsbereich arbeitet. leider ist es genau das, worauf viele studis heutzutage abfahren.

    architekten, die nur auf flashige designs und künstlerisches ausleben abfahren, landen im regelfall als CAD-knechte in irgendwelchen mittleren bis großen büros, wo sie die fahrigen handzeichnungen des "großen meisters" in 60-stunden-wochen in eine reinzeichnung übersetzen.

    ok, ab und an darf man auch mal über die farbe von türklinken entscheiden.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Schön wäre es wahrlich, wenn all die so toll ausgebildeten Architektlinge auch etwas SCHÖNES bauen würden (oder dürften)! Warum wird unsere gebaute Umwelt eigentlich immer, immer noch häßlicher? Beton, Stahl, rechte Winkel bis zum Erbrechen ... und nix anderes! Wenn es kubische Bäume gäbe, wären das wahrscheinlich die Lieblingspflanzen für die Begrünung ... falls überhaupt welche vorkommt.
    LERNEN Architekten eigentlich nichts anderes mehr? Glauben sie womöglich immer noch, "eckig und minimalistisch" sei dasselbe wie "innovativ" (man sehe sich auch mal die privat gebauten "Architektenhäuser" an, urgh!)? Oder darf unter dem Diktat der bis zum Letzten ausgewrungenen Kosten-Nutzen-Rechnung einfach nur noch hirnverödende Tristesse auf die Wiese oder auch mitten in die Stadt geklotzt werden, einfach weil nix anderes mehr durch die Ausschreibung kommt? ICH würde lieber in SCHÖNEN Gebäuden und Orten leben und arbeiten.

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    ...nicht immer so hochtourig fahren.

    an einem gebäude sind viel, viel mehr leute beteiligt als nur die architekten. häufig gibt es ein ziemliches hickhack zwischen den vorstellungen der architekten, irgendwelcher ominöser projektentwickler, der geldgeber, und den zu beteiligenden verwaltungen verschiedener couleur. mgl. viel vermietbare fläche pro quadratmeter umbauter raum ist da wesentlich wichtiger als die optik.

    dass gebäude, die aus so einer gemengelage entstehen, häufig alles andere als "schön" sind, liegt in den seltensten fällen an den architekten.

    Architektur ist eine Dienstleistung, dass darf man nicht vergessen. Man plant nicht am Auftraggeber vorbei.
    Ist der Auftraggeber ein kultivierter und offener Mensch der sich einen individuellen Lebensraum wünscht kann so etwas entstehen:

    http://www.dezeen.com/201...

    Ansonsten bleibt es eben das von Ihnen so verachtete gebaute Deutschland.

    ...nicht immer so hochtourig fahren.

    an einem gebäude sind viel, viel mehr leute beteiligt als nur die architekten. häufig gibt es ein ziemliches hickhack zwischen den vorstellungen der architekten, irgendwelcher ominöser projektentwickler, der geldgeber, und den zu beteiligenden verwaltungen verschiedener couleur. mgl. viel vermietbare fläche pro quadratmeter umbauter raum ist da wesentlich wichtiger als die optik.

    dass gebäude, die aus so einer gemengelage entstehen, häufig alles andere als "schön" sind, liegt in den seltensten fällen an den architekten.

    Architektur ist eine Dienstleistung, dass darf man nicht vergessen. Man plant nicht am Auftraggeber vorbei.
    Ist der Auftraggeber ein kultivierter und offener Mensch der sich einen individuellen Lebensraum wünscht kann so etwas entstehen:

    http://www.dezeen.com/201...

    Ansonsten bleibt es eben das von Ihnen so verachtete gebaute Deutschland.

    • eeee
    • 24.03.2011 um 11:59 Uhr

    Parallelenaxiom, 1826.

  4. ...nicht immer so hochtourig fahren.

    an einem gebäude sind viel, viel mehr leute beteiligt als nur die architekten. häufig gibt es ein ziemliches hickhack zwischen den vorstellungen der architekten, irgendwelcher ominöser projektentwickler, der geldgeber, und den zu beteiligenden verwaltungen verschiedener couleur. mgl. viel vermietbare fläche pro quadratmeter umbauter raum ist da wesentlich wichtiger als die optik.

    dass gebäude, die aus so einer gemengelage entstehen, häufig alles andere als "schön" sind, liegt in den seltensten fällen an den architekten.

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    ich sag' oft: der Beruf Architekt wär' klasse, wenn nicht die Bauherren und die ausführenden Firmen wären... und die Statiker und das Baurecht und die Kosten und so weiter...

    Scherz beiseite: es sind viele Dinge unter einen Hut zu bekommen, und man hat damit ausreichend zu tun...

    James Stirling sagte mal sinngemäß (wenn sich an den noch einer erinnert): ein gelungenes Projekt ist ein großes Glück, das einem nicht oft zustößt...

    ich sag' oft: der Beruf Architekt wär' klasse, wenn nicht die Bauherren und die ausführenden Firmen wären... und die Statiker und das Baurecht und die Kosten und so weiter...

    Scherz beiseite: es sind viele Dinge unter einen Hut zu bekommen, und man hat damit ausreichend zu tun...

    James Stirling sagte mal sinngemäß (wenn sich an den noch einer erinnert): ein gelungenes Projekt ist ein großes Glück, das einem nicht oft zustößt...

  5. ich sag' oft: der Beruf Architekt wär' klasse, wenn nicht die Bauherren und die ausführenden Firmen wären... und die Statiker und das Baurecht und die Kosten und so weiter...

    Scherz beiseite: es sind viele Dinge unter einen Hut zu bekommen, und man hat damit ausreichend zu tun...

    James Stirling sagte mal sinngemäß (wenn sich an den noch einer erinnert): ein gelungenes Projekt ist ein großes Glück, das einem nicht oft zustößt...

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "öey,.."
  6. Jedoch sind Architekten Dienstleister und müssen sich letzten Endes den Kundenwünschen beugen, die meistens von wirtschaftlichen Aspekten getrieben sind. Das führt dann dazu, dass günstigere, bzw. einfacher und schneller zu verarbeitende Baustoffe verwendet werden. Das gilt auch für die Form der Gebäude selber: Quadratisch, praktisch, billig.

  7. nachdem hier Kommentare stehen, die die Ideenlosigkeit der Architekten und denn allgegenwärtigen rechten Winkel anprangern, möchte ich kurz skizzieren woran das meiner Meinung nach liegt:

    1.
    Die Architektenschaft macht immer einen Desigkanon unter sich aus der durch Lehre, Wettbewerbsjurys (die auch aus Architekten bestehen), Fachpublikationen etc. verbreitet bzw. durchgesetzt wird. Dieser Designkanon ist vor allem in Deutschland tatsächlich konservativ, mutlos und trist.
    Natürlich auch weil Mut und Gestaltung kurzfristig eine höhere Investition in die Bauaufgabe bedeutet.

    2.
    Die Architekten können und dürfen gar nicht immer bauen was sie selbst gerne wollten. Ein großer Anteil an der gebauten Umwelt ist - vom Auftraggeber ausdrücklich gewollte - Standardware wo dem Architekten gar nicht mehr viel Gestaltungsfreiraum bleibt als zwischen drei geschmacklich prekären Farben zu wählen, welche der Hersteller der Fassadenplatten zur Auswahl bereitstellt.

    3.
    Massenhaft gebaute Umgebung - angefangen vom Aldi und McDonalds über die Tankstelle bis hin zu den weiten Steppen der Einfamilienhäuschen haben mit Architektur als Disziplin der Baukultur - so viel zu tun wie ein Handyklingelton mit E-Musik. Das sind gebaute Ergebnise der Marktwirtschaft und nicht der Architekturdiskussion. Architekten werden da gar nicht gefragt.

    Ein Arzt kann auch nur bedingt zur Qualität des Gesundheitswesens beitragen - der Rest ist Politik und Pharmaindustrie

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    Sie machen sich die Sache ein bisschen zu einfach. Klar sind Architekten in erster Linie Dienstleister für die Bauherren. Aber im Selbstverständnis vieler Architekten sieht das anders aus, da sieht man sich als Künstler oder besser gesagt, man erhebt sich zum alleinigen Experten für die Ästhetik des bebauten Raumes unserer Städte und Dörfer. Dafür erlernt man im Studium ein ganz spezifisches Fachchinesisch, wo bspw. von "geometrischer Identität", "Fluchtlinien", "Konstitution einer autonomen Realität" usw. geschwurbelt wird, was kein Laie mehr verstehen kann.

    Und mit genau diesem Fachchinesisch verteidigen dann die Dienstleister-Architekten in den Anhörungen jene überall gleich häßlichen kubischen Zweckbauten (ggf. mit einer Keksdose am Rand und einem Pagodendach), die von anonymen Investoren in unsere Städte plaziert werden, als ganz große architektionisch-ästhetische Glanzleistung, welche die Stadt ganz besonders aufwertet, den öffentlichen Raum strukturiert und blah blah. Das wird mit bunten PowerPoint Bildchen garniert und jeder anwesende Laie ist erschlagen von so viel Expertenwissen. Kritische Fragen nach der Ästhetik werden dann mit ebendieser Expertenarroganz abgebügelt. So machen sich Architekten in ihrem Bestreben, alleinige Experten für den öffentlichen Raum zu sein, zu Erfüllungsgehilfen der Investoren, die sich im Übrigen einen Dreck darum scheren, ob und wie sie unsere Städte verschandeln. Ein bisschen mehr Ehrlichkeit könnte Architekten nicht schaden.

    Sie machen sich die Sache ein bisschen zu einfach. Klar sind Architekten in erster Linie Dienstleister für die Bauherren. Aber im Selbstverständnis vieler Architekten sieht das anders aus, da sieht man sich als Künstler oder besser gesagt, man erhebt sich zum alleinigen Experten für die Ästhetik des bebauten Raumes unserer Städte und Dörfer. Dafür erlernt man im Studium ein ganz spezifisches Fachchinesisch, wo bspw. von "geometrischer Identität", "Fluchtlinien", "Konstitution einer autonomen Realität" usw. geschwurbelt wird, was kein Laie mehr verstehen kann.

    Und mit genau diesem Fachchinesisch verteidigen dann die Dienstleister-Architekten in den Anhörungen jene überall gleich häßlichen kubischen Zweckbauten (ggf. mit einer Keksdose am Rand und einem Pagodendach), die von anonymen Investoren in unsere Städte plaziert werden, als ganz große architektionisch-ästhetische Glanzleistung, welche die Stadt ganz besonders aufwertet, den öffentlichen Raum strukturiert und blah blah. Das wird mit bunten PowerPoint Bildchen garniert und jeder anwesende Laie ist erschlagen von so viel Expertenwissen. Kritische Fragen nach der Ästhetik werden dann mit ebendieser Expertenarroganz abgebügelt. So machen sich Architekten in ihrem Bestreben, alleinige Experten für den öffentlichen Raum zu sein, zu Erfüllungsgehilfen der Investoren, die sich im Übrigen einen Dreck darum scheren, ob und wie sie unsere Städte verschandeln. Ein bisschen mehr Ehrlichkeit könnte Architekten nicht schaden.

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