Fundraising Von Beruf Geldsammler
Ihr Job ist es, Geld für gemeinnützige Organisationen zu sammeln. Drei Fundraiser berichten von ihrem Werdegang und erzählen, worauf es beim Spenden sammeln ankommt.
Ann Becky Gilbert, ESMT-Hochschule
Ich bin 1969 in den USA geboren und wollte schon immer für eine Non-Profit-Organisation arbeiten – entweder im Bereich Kultur oder Bildung. Das war mir schon nach der Highschool klar. Meinen ersten festen Job habe ich nach meinem Studium an der Georgetown University als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim amerikanischen Kulturministerium bekommen. Anschließend wechselte ich zur Smithsonian Institution in Washington.
1996 kam ich mit meinem Mann nach Deutschland und habe in Berlin ein Aufbaustudium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation abgeschlossen. Im Studium habe ich die theoretischen Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit gelernt, natürlich auch viel über PR und Marketing. Da ich bereits über Berufserfahrung verfügte und den Kontakt zur Praxis nicht verlieren wollte, habe ich nebenbei als freie Mitarbeiterin bei der Deutschen Welle, der American Academy und der Universität der Künste in Berlin gearbeitet.
- Fundraising - was ist das?
Fundraising hat es schon immer gegeben, nur der Begriff und die Professionalisierung sind neu. Es geht darum, Spenden beziehungsweise Kapital (funds) für gemeinwohlorientierte Organisationen zu beschaffen (to raise) , die in der Regel an keine Gegenleistungen gebunden sind. Die meisten deutschen NGOs haben also immer schon Fundraising betrieben, ohne den englischen Begriff dafür zu kennen. In Deutschland wurde der Beruf Ende der achtziger Jahre professionalisiert.
- Einstieg
Viele Fundraiser sind Quereinsteiger. Andere kommen aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Marketing oder PR. Neu sind Fundraising-Studiengänge oder -Schwerpunkte an Hochschulen, in denen man sich gezielt ausbilden lassen kann.
- Gehalt
Ein durchschnittliches Jahresgehalt liegt für einen Berufseinsteiger bei einer mittelgroßen Hilfsorganisationen bei 30.000 bis 35.000 Euro. Wer aus dem Bereich Marketing kommt, verdient manchmal mehr, allerdings nie so viel wie im Profit-Bereich – schließlich wollen die Spender nicht den Fundraiser unterstützen, sondern sein Projekt. Die Gehälter sind an die im öffentlichen Dienst angelehnt. Die Höchstgrenze des Verdienstes liegt bei 60.000 Euro brutto – das ist aber eher die Ausnahme. Dafür ist der Job sicher: Fundraiser sind in der Regel fest angestellt.
- Perspektive
Sehr gut. Weil der Staat sich in vielen Bereichen aus der Finanzierung zurückzieht, sind Fundraiser gefragte Leute. Aktuell gibt es eine große Nachfrage nach Fundraisern mit drei, vier Jahren Berufserfahrung. Auch Headhunter werben gezielt gute Fundraiser ab. Die größten Wachstumspotenziale sehen Experten im Hochschul- und Kulturbereich. Die meisten Stellen gibt es aber immer noch bei den Kirchen und im Sozialbereich. Zudem gibt es gerade in mittelgroßen Organisationen oft Kombi-Stellen. Also zum Beispiel Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit in einer Stelle zusammen. Wer Geld braucht, braucht auch Fundraiser. Das verstehen mittlerweile immer mehr Non-Profit-Organisationen.
- Branchen
Die meisten Fundraiser in Deutschland arbeiten im Sozialbereich (Hilfs- und Gesundheitsorganisationen). Der zweitgrößte Arbeitgeber ist die Kirche. Danach kommen Umweltschutzorganisationen (NABU, Greenpeace). Relativ neu ist Fundraising im Kulturbereich (Theater, Museen, Kunsthallen) und im Bildungsbereich (etwa Hochschulen, Kindergärten). Hier wird die staatliche Unterstützung durch private Spenden ergänzt.
2001 übernahm ich dann am Deutschen Museum in München den frisch gegründeten Bereich für Fundraising. Es war das erste Mal, dass ich richtig professionell zum Spendensammeln angestellt war. Weil eine Freundin mir den Tipp gab, bin ich damals in den Deutschen Fundraising Berufsverband eingetreten, wo ich mittlerweile auch im Vorstand sitze. Der Verband hat mir als Berufsanfängerin viel gebracht, seien es Kontakte oder praktische Tipps zum Thema. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen werden einem dort erklärt. Ab wann eine Förderung steuerpflichtig ist, zum Beispiel.
Das ist sehr wichtig für die Arbeit, denn man braucht auch juristisches und Management-Know-how, nicht nur gute Kommunikationsfähigkeiten. Als Anfänger müssen Sie sich zudem erst mal ein Netzwerk aufbauen und eine Systematik entwickeln. Also wie Sie vorgehen wollen, um Spender zu finden und die Kontakte zu verwalten. Das wird oft unterschätzt.
Viele glauben, es sei damit getan, die Spende zu bekommen, und das war es. Aber ein Spender, besonders ein Großspender, will umsorgt werden. Das heißt: Wissen, wie ein Projekt sich weiter entwickelt. Dank und Anerkennung erhalten. Am schlimmsten ist es, wenn ein Spender im nachhinein das Gefühl hat, sein Engagement sei unwichtig oder das Geld sei irgendwo versickert.
Mittlerweile arbeite ich als Head of Development und erste Fundraiserin an der ESMT (European School of Management and Technology), das ist eine private Hochschule in Berlin, die auf Spenden angewiesen ist. Meine neue Arbeit unterscheidet sich thematisch vom Kulturbereich, aber das Prinzip des Spendensammelns ist überall ähnlich. Und Hochschul-Fundraising boomt – mittlerweile ja an staatlichen Unis genau wie an privaten.
Aber ganz konkret: Mein Job besteht darin, Förderer und Partner zu finden, die die ESMT unterstützen wollen. Seien es Unternehmen oder Privatpersonen. Gerade sammle ich zum Beispiel Gelder für Stipendien für Studierende aus Entwicklungsländern, die sich unsere MBA-Gebühren aufgrund ihrer Herkunft nicht leisten können. Unser Ziel ist es, dass diese Studenten dann mit dem hier erlernten Wissen die Umstände in ihrer Heimat langfristig verbessern können und dort soziale Verantwortung übernehmen.
Wenn Sie mich fragen, ob Sponsoren Einfluss auf die Lehre haben, dann sage ich Ihnen, dass haben sie natürlich nicht. Wenn sie sich auf so etwas einlassen, ist ihr Image direkt ruiniert. Zudem: Wer ernsthaft beabsichtigt, eine Hochschule zu fördern, weiß auch, dass Unabhängigkeit für Lehre und Forschung das höchste Gut ist.
- Datum 27.03.2011 - 15:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.3.2011 Nr. 13
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Bei Aufbau und Gestaltung dieses Artikel kommt bei mir der Verdacht auf, dass hier Fundraising Firma gezielt beauftragt haben.
Einstieg leicht, Verdienst sehr gut, Perspektive sehr gut.. eine sugerierte Goldgräberstimmung die mir verdächtig erscheint!
Ähnlich war vor wenigen wochen ein Artikel über Business Schools, die dort hoch gelobt wurden, und ein Garant für Führungspostition und enorme Einstiegsgehälter. auf den Seiten jedoch ca 10 Werbebanner deutschlandweiter privater hochschulen. Die Werbung liess sich sicher teuer verkaufen.
ich hoffe dass Frau Gantenbrink da ganz frei recherchiert und verfasst hat.
In einer Anzeige hiess es, Fachkenntnisse nicht erforderlich. Mag ja sein, aber warum lockt man damit? Häte man auch umschreiben können. War schon nicht das Geld vorhanden für eine ordentliche Anzeige? Für mich heisst das "Finger weg".
Anders als in Amerika haben die Menschen, die etwas, was man ausserhalb eines Ladensgeschäfts verkauft keinen guten Ruf KLinkenputzer). Es ist aber dennoch für alle gleich. Qualität des Produkts, auch bei den Dienstleistungen der Hilfsorganisationen, Kundenbindung und Pflege entscheiden über den Erfolg.
Wenn ich mir angucke, wie junge, gutaussehende Menschen mit gezieltem Flirtfaktor in Fußgängerzonen gutbezahlte Werbung für große Naturschutzorganisationen machen, kommt mir die Galle hoch. Das ist dann Fundraising a la Drückerkolonne, deren Personal quer durch die Lande verfrachtet wird. Eine Bekannte von mir hat in diesem Zirkus gearbeitet - und auch noch daran geglaubt...
Natürlich gibt es aber auch seriöse Fundraiser.
Allerdings sollte man sich schon fragen, wieviel Geld man reinholt und wie viel so ein Fundraiser kostet - 40T€ plus vllt. 10T€ Overheads, Reisekosten, Veranstaltungskosten, Anzeigen, und einem Trip zu Fundraisingkongress in den Staaten... na, da müssen die aber ordentlich Geld reinbringen. Mit ein bißchen PR und Merchandising wird das nix.
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