Ann Becky Gilbert, ESMT-Hochschule

Ich bin 1969 in den USA geboren und wollte schon immer für eine Non-Profit-Organisation arbeiten – entweder im Bereich Kultur oder Bildung. Das war mir schon nach der Highschool klar. Meinen ersten festen Job habe ich nach meinem Studium an der Georgetown University als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim amerikanischen Kulturministerium bekommen. Anschließend wechselte ich zur Smithsonian Institution in Washington.

1996 kam ich mit meinem Mann nach Deutschland und habe in Berlin ein Aufbaustudium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation abgeschlossen. Im Studium habe ich die theoretischen Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit gelernt, natürlich auch viel über PR und Marketing. Da ich bereits über Berufserfahrung verfügte und den Kontakt zur Praxis nicht verlieren wollte, habe ich nebenbei als freie Mitarbeiterin bei der Deutschen Welle, der American Academy und der Universität der Künste in Berlin gearbeitet.

2001 übernahm ich dann am Deutschen Museum in München den frisch gegründeten Bereich für Fundraising. Es war das erste Mal, dass ich richtig professionell zum Spendensammeln angestellt war. Weil eine Freundin mir den Tipp gab, bin ich damals in den Deutschen Fundraising Berufsverband eingetreten, wo ich mittlerweile auch im Vorstand sitze. Der Verband hat mir als Berufsanfängerin viel gebracht, seien es Kontakte oder praktische Tipps zum Thema. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen werden einem dort erklärt. Ab wann eine Förderung steuerpflichtig ist, zum Beispiel.

Das ist sehr wichtig für die Arbeit, denn man braucht auch juristisches und Management-Know-how, nicht nur gute Kommunikationsfähigkeiten. Als Anfänger müssen Sie sich zudem erst mal ein Netzwerk aufbauen und eine Systematik entwickeln. Also wie Sie vorgehen wollen, um Spender zu finden und die Kontakte zu verwalten. Das wird oft unterschätzt.

Viele glauben, es sei damit getan, die Spende zu bekommen, und das war es. Aber ein Spender, besonders ein Großspender, will umsorgt werden. Das heißt: Wissen, wie ein Projekt sich weiter entwickelt. Dank und Anerkennung erhalten. Am schlimmsten ist es, wenn ein Spender im nachhinein das Gefühl hat, sein Engagement sei unwichtig oder das Geld sei irgendwo versickert.

Mittlerweile arbeite ich als Head of Development und erste Fundraiserin an der ESMT ( European School of Management and Technology ), das ist eine private Hochschule in Berlin, die auf Spenden angewiesen ist. Meine neue Arbeit unterscheidet sich thematisch vom Kulturbereich, aber das Prinzip des Spendensammelns ist überall ähnlich. Und Hochschul-Fundraising boomt – mittlerweile ja an staatlichen Unis genau wie an privaten.

Aber ganz konkret: Mein Job besteht darin, Förderer und Partner zu finden, die die ESMT unterstützen wollen. Seien es Unternehmen oder Privatpersonen. Gerade sammle ich zum Beispiel Gelder für Stipendien für Studierende aus Entwicklungsländern, die sich unsere MBA-Gebühren aufgrund ihrer Herkunft nicht leisten können. Unser Ziel ist es, dass diese Studenten dann mit dem hier erlernten Wissen die Umstände in ihrer Heimat langfristig verbessern können und dort soziale Verantwortung übernehmen.

Wenn Sie mich fragen, ob Sponsoren Einfluss auf die Lehre haben, dann sage ich Ihnen, dass haben sie natürlich nicht. Wenn sie sich auf so etwas einlassen, ist ihr Image direkt ruiniert. Zudem: Wer ernsthaft beabsichtigt, eine Hochschule zu fördern, weiß auch, dass Unabhängigkeit für Lehre und Forschung das höchste Gut ist.