Der Mond-Rover "Asimov" wurde nach einem Science-Fiction Autor benannt © Part Time Scientists

Einst war er das wichtigste Reiseziel , heute ist der Mond bloß noch ein Nebenschauplatz der Raumfahrt. Völlig zu Unrecht: Die Fläche, die dort bislang erforscht wurde, ist kleiner als die Insel Rügen. Es gibt nur wenige Bodenproben, die nicht mit irdischem Material kontaminiert sind und sich zu Forschungszwecken eignen.

Wo der staatlich organisierte und bezahlte Wissensdurst erlahmt, springen nun immer häufiger Hobbyforscher ein. Unter dem Logo des X Prize versammeln sich nicht spinnerte Garagentüftler, sondern Spezialisten, ausgestattet mit ansehnlichen Budgets. Als Lohn lockt jeweils eine deftige Prämie. Ziel des Archon Genomics X Prize zum Beispiel ist es, 100 Genome in zehn Tagen für weniger als 10.000 Dollar zu entschlüsseln. Den ersten Gewinn räumte ein Weltraumprojekt ab: 2004 gelangte Mike Melvill mit dem Raumschiff Space-Ship-One in den Weltraum.

Die logische Fortsetzung dieses Projekts ist der 2007 ausgerufene Lunar-X-Wettbewerb der Internetfirma Google. Die Mission: Bis spätestens 2015 muss ein Team einen fahrenden Roboter (Rover) auf dem Mond landen, ihn 500 Meter weit fahren lassen und Videos, Bilder und Daten zur Erde senden. Die Prämie für die Pioniere: Gut 30 Millionen US-Dollar. Die Teilnehmer: 29 Teams aus aller Welt.

Die meisten wollen vor allem Spaß – wenige machen mit, weil sie das Ansehen einer Firma aufpolieren wollen. Zwei Teams treten für Deutschland an. Eines davon sind die Part Time Scientists (PTS) , die »Teilzeitwissenschaftler«. Ein schmissiger, jedoch mittlerweile leicht irreführender Name, denn gut die Hälfte der rund 70 engagierten Forscher arbeitet Vollzeit für das Projekt. Und alle opfern jede Minute ihrer Freizeit.

»Es gibt einfach keinen Grund, dass wir seit 40 Jahren nicht mehr auf dem Mond waren«, sagt Robert Böhme, Fachinformatiker und Gründer der PTS. Wissen und Fachkräfte seien vorhanden, man müsse sie wieder für das Thema begeistern. »Eine Chance wie diese gibt es nur ein Mal im Leben«, sagt Karsten Becker, Doktorand an der Technischen Universität Hamburg-Harburg und verantwortlich für die Elektronik . Der Eifer zahlt sich aus: Im Ranking aller Teams stehen die PTS unter den ersten fünf.

Die deutsche Raumtruppe ist international besetzt. Hamburg ist für die Elektronik zuständig, Berlin für die Organisation, und Salzburg steuert Ingenieurwissen bei. Einzelne Mitglieder leben in Frankreich, Südafrika oder Brasilien. Die Zusammenarbeit klappt recht problemlos. »Nur wenn man versucht, die Räder schwarz-rot-gold zu machen, gibt es Widerstand«, sagt Becker.

Bei den PTS paaren sich Sachverstand und Einfallsreichtum mit dem bisher nicht ausgelebten Traum kleiner Jungen, einmal zum Mond zu fliegen. Die Asimov- Prototypen sind 60 Zentimeter lang, 40 Zentimeter breit und 50 Zentimeter hoch. Bislang können die zehn Kilo schweren Mondautos allerdings hauptsächlich fahren. Die Linsen für die Bildtechnik sind zwar bereits eingebaut, doch die Sensorik fehlt. Auch liefert das schwenkbare Solarpanel bislang nicht genug Energie, um die Motoren ausreichend mit Strom zu versorgen. Und die vielen Tests fressen Zeit.

Platinen müssen zum Beispiel in Druck- und Wärmekammern ihre Beständigkeit beweisen. »Wir arbeiten hart daran, allzu viel Zeit bleibt schließlich nicht: In 24 Monaten wollen wir startklar sein«, sagt Becker. Die gute Laune bewahren sich die Forscher mit kleinen Happenings. Mitunter lassen sie die Prototypen testweise gegen die Wand krachen oder veranstalten ein spontanes Wettrennen in den Fluren der TU Hamburg-Harburg.