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Nora Bossong: Stationiert

Krieg sagt er dieses Wort aus der Kindheit ein Wort das nicht
stimmt kein Gewicht hat nur die Gedanken von Kindern
können es heben und ich sehe doch sagt er auf der Straße
zerfledderte Katzen als hätte man sie über Jahrzehnte zerlesen

Ritterromane Soldatenlieder worüber hätten all die Dichter
geschrieben wenn es uns nicht gäbe sie brauchen mich sagt er
wie ich Strategie ohne die gäbe es nichts einen Haufen Menschen
ein verwildertes Wir keine Operation keinen Angriff wir wären nichts

sagt er keine Strophe kein Ton edel waren noch die Wälder als
Macduff in sie zog glaubst du an mich fragt er an Macbeth an den
Ritter Cid der Krieg ist doch die verlässlichste Sprachfigur die älteste
Art miteinander zu reden und früher sagt er wurde man dafür geliebt

doch es ist ja so dass wir noch immer wirklich sind die Lage wird
heute durch Mohnanbau bestimmt durch Zeissoptik beschossen ich
höre ihm zu mein Kopf auf dem Kissen Birken sagt er Kiefern
das hat hier aufgehört Erinnerung ist ein Bild das als Echse in

Wüstenlöcher kriecht es gelten ja nur noch die äußeren Gleichen
bis selbst die abreißen nicht mehr Tag nicht Nacht die Sonne hier
hat Kaliber vier Punkt vier sie gibt nicht nach gleißend weiß
bisweilen gelb dann ahnen wir die Einschussstelle hat sich infiziert

doch wir werden letztendlich von uns selbst still gelegt die Träume
huschen vorbei nicht greifbar schon fort der Schlaf bleibt aus
ein Kamerad ging zurück war nur noch leer ein Hüllenwesen
in seinem Inneren nicht mehr stationiert sagt er der zog dann

in einen Wald aus Pillen klein weiß gepresst was soll man
denn sonst machen mit den Toten die noch am Leben sind
weißt du sagt er die Welt ist ja nicht immer so groß wie wir
denken nur eine Handbreit zwischen Panik und Verschwinden